Beiträge mit dem Schlagwort: Vulkaneifel

höherschnellerweiter: ziplinen

Sonntags hängt man ja gerne mal ein bisschen in den Seilen – warum also nicht einfach mal wörtlich nehmen?! Ziemlich gut geht das in der Eifel, genauer gesagt im beschaulichen Berlingen bei EifelAdventures. Hier werden seit 2015 unterschiedliche Dinge angeboten, zum Beispiel gibt es eine sehr schön angelegte Minigolfbahn, die sich auch deutlich von den „üblichen“ Minigolfparcouren unterschied, die ich bisher bespielt habe. Außerdem kann man dort auch in den Bäumen zelten oder ziplinen. Und ziplinen finde ich super, das ist ein bisschen wie fliegen und ich LIEBE fliegen.

Wie das funktioniert? Man bucht sich einen Termin und lernt dann dort vor Ort seine Gruppe kennen. Wir hatten Glück, alle anderen Mitstreiter waren ziemlich nett, es war niemand dabei, den ich gerne vom Baum schubsen wollte. Begleitet wurden wir von zwei Guides, die uns Klettergurte anlegten, uns in Sicherheitsregeln einwiesen, alles geduldig erklärten und zeigten und unterwegs auch Fotos von uns machten. Denn: man selbst nimmt nichts mit, Hosentaschen müssen leer sein und man hat sowieso keine Hände frei und ist schon ziemlich mit sich selbst beschäftigt. Und dann geht es rauf auf den Baum, ran ans Seil und rüber. Dabei ist man die ganze Zeit gesichert und man müsste schon den Klettergurt mutwillig ausziehen, um überhaupt abstürzen zu können. Die Bäume und Seile machten auch einen ziemlich stabilen Eindruck, so dass ich nicht das Gefühl hatte, dass mir was passieren kann und mich immer voll Vorfreude einklinkte und losflog.

Mit der Höhe ist das ja so ne Sache. Je älter ich werde, desto kritischer wird es. Dabei ist es sehr unterschiedlich. Stehe ich auf einem Aussichtsturm oder so, dann kann der kaum hoch genug sein. Ich habe auch keine Schwierigkeiten mit Treppen aus Metallgittern und kann da lässig auf- und absteigen. Fängt es aber unter mir dabei ein bisschen an zu schwanken und zu wackeln, dann sieht das bei mir auch schon etwas anders aus. Der Tetraeder in Bottrop zum Beispiel ist gar nicht sooo hoch, schwankt aber ordentlich. Da wird mir schon etwas flau. Um in Berlingen auf die erste Plattform zu gelangen, mussten wir eine Strickleiter hochklettern. Da musste ich mich schon sehr konzentrieren und habe bewusst nur zur Plattform hoch geschaut. Oben war dann alles in Ordnung. Von Plattform zu Plattform ziplinen auch gar kein Problem. Da war ich ein bisschen wie im Rausch.

„Auf der großen Plattform treffen wir uns dann alle zum Base Jump wieder.“ Und DAS war dann meine Herausforderung. In 15 Meter Höhe auf einer Plattform stehen, ohne Geländer – aber der Klettergurt hält einen ja. Der Kopf weiß das, die Knie nicht so richtig. Bei jedem weiteren Tourteilnehmer wird die Plattform enger und schwankt auch etwas mehr. Fokus auf die Mitte der Plattform, bloß nicht umdrehen und sehen, dass man nur noch einen halben Schritt vom Abgrund entfernt steht. Abstürzen kann man zwar nicht, aber weh tun würde das mit Sicherheit. Runter geht es aber nur noch über einen Weg: springen. In eine Seilwinde eingehakt, springt man in den Wald. Die Winde bremst den Sprung schon nach etwa anderthalb Metern und lässt einen dann sanft zu Boden gleiten – es ist trotzdem nicht sooo leicht, auf beiden Beinen zu landen – aber den Schritt nach vorne musst du schon machen. Und das ist wirklich nicht einfach. Denn man schaut runter, automatisch. Und ich bin jemand, der der ganzen Technik und Sicherung 100% vertraut, nur halt dem eigenen Körper nicht so gut. Ich habe einen Moment länger oben gestanden als geplant, es gab aber glücklicherweise noch Mitstreiter, die noch länger gebraucht haben oder sich erst hinsetzen mussten um zu springen. Bei mir hat Tourguide Elmar von drei rückwärts gezählt und dann bin ich gesprungen. Augen zu und durch. Geronimo.

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Base Jump, kurz vor der Landung. (© EifelAdventures Berlingen)

Zur Belohnung gibt es dann vier Talüberquerungen, über Baumwipfel rauschen, keine Ahnung wie hoch und wie lang, aber es ist einfach ein Genuss. Zwischen den Überquerungen dann noch ein bisschen Kletterparkgefühl dank Hängebrücken und Leitern.

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 © EifelAdventures Berlingen

Über zwei Stunden ist man insgesamt unterwegs und man merkt schon, dass man sich auch ein bisschen sportlich betätigt hat. Da schwitzt man gelegentlich schon, nicht nur vor Angst. Muskelkater hatte ich ein bisschen und einen Bluterguss am Oberschenkel habe ich mir auch mitgebracht. Das aber eher aus eigener Dummheit bzw. Ungeschicktheit. Ansonsten einfach nur ein bisschen Adrenalin und ein Gefühl von Freiheit. Ich kann mir so eine Tour auch sehr gut als Teamevent vorstellen, da die gemeinsam erlebten Momente – vor allem der Base Jump – schon auch zusammenschweißen und man nicht ohne Stolz wieder nach Hause fährt. Es ist einfach, das komplette Equipment bekommt man gestellt und man muss eigentlich nur auf einigermaßen festes Schuhwerk achten. Nur Leute mit wirklicher Höhenangst werden da wohl weniger Spaß haben beziehungsweise deutlich länger brauchen um sich zu überwinden.

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Über den Bäumen mag die Freiheit wohl grenzenlos sein…  (© EifelAdventures Berlingen)

Ich jedenfalls kann einen Ausflug dorthin wirklich uneingeschränkt empfehlen. Es macht Spaß, die Organisation ist gut, die Guides waren nett und die Gegend ist auch noch wunderbar. Und dieses Gefühl, so ein bisschen wie fliegen halt, das ist einfach einmalig.

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on Tour: Landkreis Vulkaneifel

Ich bin fest davon überzeugt: ein Ausflug macht alles besser. Ein Wochenende mal weg fahren wirkt einfach Wunder, es ist wie ein kleiner Urlaub. Man kann abschalten, entdeckt neue Dinge und erlebt ein paar Sachen, von denen man dann noch später erzählen kann. Ich liebe es, Ausflüge zu machen. Und am letzten Wochenende war es mal wieder soweit, die A1 von Dortmund Richtung Süden. Ziel: der Landkreis Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz. Genauer gesagt – in chronologischer Reihenfolge: Wallenborn, Dauner Maare, Gerolstein, Berlingen. Übernachtet haben wir in Dohm-Lammersdorf. Insgesamt wenig Menschen, viel Natur, einige Tiere. Perfekt.

First stop: ein Kaltwassergeysir in Wallenborn, im Volksmund „Brubbel“ genannt. cof

Und tjaja, so richtig dolle spannend ist das nicht. Ich actionverwöhntes Kind hatte da schon etwas mehr erwartet. Brubbel ist das schon ein ganz passende Bezeichnung, Blubber wäre auch noch ok. Zwar blubbert tatsächlich einmal eine Fontäne etwas höher hoch, aber wer mal neben einem Springbrunnen gestanden hat, den wird das kaum vom Hocker reißen. Wer aber mal gerne ein paar Minuten richtig entschleunigen und auf Blubberwasser schauen möchte, der ist dort genau richtig. Eintritt kostet 1,50 Euro, man könnte theoretisch aber auch einfach über die Wiese laufen. Ich weiß nicht, wie sehr streng da kontrolliert wird. Andererseits kann man das auch mal bezahlen, wenn man sich das wirklich gerne anschauen möchte.

Nun war noch eine Menge Zeit vom Nachmittag übrig, genau richtig für einen ausgiebigeren Spaziergang. Ich erfüllte mir dabei selbst einen etwas kuriosen Herzenswunsch: mal einen Maar sehen. Es ist nämlich so, dass wir im Erdkundebuch der 5. oder 6. Klasse eine Abbildung von einem Maar hatten und ich seit dem den Wunsch habe, mal einen in Wirklichkeit zu sehen. Maare gibt es in Daun gleich drei Stück. Ein bisschen führte uns der Zufall zum Weinfelder Maar und dort war es so schön, dass ich gar nicht wusste, wohin mit mir und meinem Glück. Zum einen die reine Landschaft. Das Wasser, türkisgrün mit Reflexionen vom Sonnenschein. Im Hintergrund Berge und Wald. Und direkt vor uns bis zum Ufer runter eine im Prinzip fast freilaufende Herde Ziegen und ein paar Esel. Ein Zaun hält die Tiere von der Straße ab, Menschen können durch ein Drehtor aber direkt zu den Tieren auf die Wiese und bis zum Wasser. Ich muss aber gestehen, dass ich einen Heidenrespekt vor Ziegen habe und lieber etwas Abstand halte. Da passte mir der Zaun ganz gut, und ich kam ihnen nur manchmal etwas näher.

sdr

cof

Dort an den Maaren kann man wunderbar spazieren gehen, ein Teil des Eifelsteigs geht auch dort entlang und ich habe schon eine Idee, wo einer der nächsten Wanderausflüge hingehen kann. Bergauf und in Richtung Gemündener Maar gelangt man dann zum Dronketurm.  Das ist ein Aussichtsturm, der zu Ehren des Begründers des Eifelvereins gebaut wurde und von dem aus man das Gemündener Maar sieht und zudem noch einen traumhaften Ausblick aufs Umland hat. Ist. Das. Schön. Warum ein Turm und warum an der Stelle weiß ich nicht. Vielleicht hat der Herr Dronke sich das zu Lebzeiten schon gewünscht und dann hat man ihm posthum diesen Wunsch erfüllt. Am Fuße des Turms gibt es dann noch ein weiteres Highlight, was mein Ausblick-Herz erfreuen konnte: eine Schaukel. Und was für eine.

sdr

Die trägt mindestens zwei Personen, mit Sicherheit sogar mehr, man kann dann entspannt dort sitzen, auf das Wasser schauen und die Zeit vergessen. Die alte Frau und der Maar. Ehrlich, es ist so schön dort, ich werde auf jeden Fall noch mal wiederkommen. Dort wohnen? Niemals. So mitten im Nichts. Ein langer Urlaub? Auch eher nicht. Aber so ein paar Tage dort entspannen, die Natur genießen, runterkommen, wandern. Ein paar bis etliche Stunden lang nicht aufs Smartphone schauen (denn vergesst es, ihr habt eh keinen Empfang) und einfach den Kopf frei bekommen. Dafür ist die Gegend dort wirklich super geeignet, weil es dort so schön ist und die wunderbare Landschaft einen von allem anderen ablenkt. Ist doch egal, ob irgendwo bei Twitter ein Sack Reis umfällt. Ist doch egal, wie die Woche im Büro lief. Ist doch egal, wieviele Klicks dein Bild bei Instagram hat. Ist doch egal, ob dein Nagellack eine Macke hat und ist doch egal, ob dein Pulli zur Hose passt. Ist auch egal, dass der Brubbel nur ein Blubber war. Es ist alles egal, wenn du an so einem Ort bist und feststellst, dass das Erdkundebuch der 6. Klasse nicht zu viel versprochen hat.

sdr

 

 

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