Slowdive (26.02.2018, Gloria Köln)

Im September 2016 – als wir durch ein Gewitter in Richtung Köln fuhren und auf dem Hinweg schon unfassbar müde waren – beschlossen er und ich gemeinsam, dass wir unter der Woche nur noch nach Köln zu Konzerten fahren würden, wenn wirkliche Musikgötter dort auf uns warten würden. Wir fuhren dann ein paar Wochen später noch mal zu Maximo Park, weil wir die Karten schon gekauft hatten, aber seitdem gibt es unterwöchig nur noch Konzerte für uns, die etwas näher liegen.

sdr

Im Januar 2018 sortierte ich ein bisschen meine Termine und mir fiel auf, dass ich im Januar Konzerte besuche und für März, April und sogar Mai schon Tickets bereit liegen. Eine unschöne Lücke im Februar, das störte mich schon ein bisschen. Slowdive in Köln wäre eine Möglichkeit. Was dafür sprach: SLOWDIVE! Was dagegen: KÖLN. Auf einem MONTAG. Wär jetzt nicht so super klug, der Schlafmangel würde sich die ganze Woche bemerkbar machen.

Eines Samstagsmorgens dann saß ich im Auto, fuhr über die leere B1, Slowdive sangen mir Sugar For The Pill ins Ohr und ich fand, dass das Leben einfach zu kurz ist, um immer nur super kluge Dinge zu tun. Er stimmte mir zu, wir kauften Tickets und wenige Tage später war das Konzert schon ausverkauft.

Montag Abend im Kölner Gloria. Im ungefähr letztmöglichen Moment reingegangen, um die gerne endlos lange Schlange am Einlass abzukürzen. Dafür dann natürlich ein Platz nicht in der ersten Reihe, sondern ziemlich mittig. Aber das Gloria ist ja ein altes Kino, steigt nach hinten also an, das ist wirklich sehr angenehm. Angenehm ebenfalls das Publikum, eher etwas älter und gesetzter und im Ganzen entspannt.

Slowdive haben im letzten Jahr ein neues Album veröffentlich, davor war es 20 Jahre lang mehr als ruhig. 1995 aufgelöst kam es wohl 2014 zur Re-Union und damit bekommen auch Jungspunde wie ich in den Genuss einer Tournee. Beim Way Back When im letzten Herbst habe ich sie schon gesehen und jetzt wieder.  oznor

Wenn ich zeitreisen könnte, dann wäre ich gern mit dem Körper und der Partyverfassung einer Endzwanzigerin in den frühen 90er Jahren. Und zwar in England, am besten natürlich in Manchester. Ich würde die ganze Zeit Musik hören, Slowdive wären auf jeden Fall auch dabei. Dieser melodische Shoegaze, in dem man sich komplett verlieren kann. Das schwierige ist, sich ganz fallen zu lassen, sich nicht in Gedanken zu verlieren. Ich selbst schaffe das nicht immer und hatte auch an dem Montag Abend gelegentlich Schwierigkeiten damit. Zu schnell lasse ich mich einfach von meiner Umgebung ablenken. Mit Ende Zwanzig hatte ich das noch nicht so sehr. Glaub ich. Diese Art der Musik habe ich damals auf jeden Fall schon gerne gehört. Und heute halt immer noch. Das Konzert passte einfach so gut, selbst für einen Montagabend in Köln. Die Kilometer und der fehlende Schlaf haben sich gelohnt. Gut, dass man nicht immer nur auf seinen Verstand, sondern gelegentlich auch auf sein Herz hört.

Trotzdem: für Juli und August hängen schon Festivaltickets an der Pinnwand. Drückt mir die Daumen, dass im Juni noch eine sehenswerte Band in Dortmund auftritt.

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Festivaljahr 2017: Way Back When (29.09.-01.10.)

Das Way Back When ist ein wunderbarer Abschluss meines Festivaljahr. Nach den Cardinal Sessions im Januar, dem etepetete im Juni und dem Haldern Pop im August jetzt also das Way Back When in Dortmund. Heimspiel. Und meine persönliche Versöhnung mit der lokalen Clubszene, die mich sonst eher langweilt bis abschreckt. Aber dafür dieses tolle Festival, drei Tage Indie-Perlen. Komm an mein Herz, Indie-Dortmund.

mde

Zunächst aber: es war für mich das schwächste Line Up der bisherigen WBW-Ausgaben. Aber da meckere ich auf hohem Niveau. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis ist das Way Back When-Festival unschlagbar. Vor allem natürlich, wenn man in Dortmund wohnt und keine Übernachtungs- oder Reisekosten hat. Darf ich einmal noch meckern? Ich meine natürlich: konstruktive Kritik anbringen? Richtig supergut wäre es, wenn man vor Ort auch Essen kaufen könnte. Zweidreivierzehn Foodtrucks, das wäre der Hit. Man müsste nicht weiter weg, müsste keine Band sausen lassen. Und bei Startzeiten gegen 18 Uhr bekommt man halt irgendwann später am Abend automatisch Hunger. Ich bin nicht alleine mit meiner Meinung, zum Glück. Es gab zwischendurch in meiner Nähe Fantasien von einer Pommeskanone. Also, liebes WBW-Team, denkt mal drüber nach.

cof

Jetzt aber  genug rumgenörgelt und mal Butter bei die Fische. Musik. Das ist ja immer noch die Hauptsache. Ist ja schließlich ein Festival. Drei Tage, drei Locations. Oder für mich: drei Tage, zwei Locations. Denn in die Pauluskirche habe ich dieses Jahr leider nicht geschafft. Dabei ist das ein wirklich toller Ort für Konzerte. Aber wie immer war ich hauptsächlich im FZW und dann war dieses Jahr erstmalig noch das View im Dortmunder U dabei. Auch eine sehr schöne Location für Konzerte, kann meinetwegen beibehalten werden. Welche Bands ich alle gesehen habe? Hier bitte schön, in chronologischer Reihenfolge: Her’s (grammatikalisch fragwürdig, aber musikalisch sehr gut), Client Liaison,

sdr

ein bisschen Fazerdaze, J. Bernardt, Slowdive, Darjeeling, Warbly Jets, The Districts, Portugal. The Man (mit dem Ohrwurm des Wochenendes), ein bisschen Drangsal, Jake Isaak und Dan Croll.  So richtig wild gefreut hatte ich mich vorher nur auf Slowdive und war dann freudig überrascht, dass auch andere Bands supergut waren.

cof

Warbly Jets, Her’s und Jake Isaak hatte ich vorher gar nicht so richtig auf dem Schirm. Und auch das Konzert von Portugal. The Man war super, viel „stärker“ als ich es erwartet hatte. Jake Isaac aber war dann das absolute Highlight, das kam für mich unerwartet und war dadurch noch schöner. Was für ein toller Sänger, nett obendrein und als er dann in die Halle des FZWs zum Publikum kam, sich alle hinsetzten und es dann wirklich mucksmäuschenstill war als er akustisch einen Song spielte, da hatte ich meinen absoluten Herzmoment.

oznor

Dafür liebe ich das Way Back When, dafür liebe ich Festivals. Dafür nehme ich diesen Raubbau am Körper gerne hin, mit Plattfüßen, wenig Schlaf, zu viel Bier und schnellem Essen. Es ist ja nicht jedes Wochenende Festival.

Festival ist natürlich auch mehr als nur zu Konzerten gehen. Es bedeutet, dass man sich mit Musik beschäftigt, neues entdeckt und auch, dass man Leute trifft. Das geht auch beim Way Back When ziemlich gut, entweder spontan, oder verabredet, während Konzerten oder in einer Essenspause. Was hast du bisher gesehen, wohin möchtest du noch unbedingt, was ist dein bisheriges Highlight, hast du noch einen Tipp? Gespräche rund um das Festival und auch darüber hinaus. Bekannte Gesichter und neue Menschen, mit Fremden ins Gespräch kommen. Die Musik verbindet und auch das ist halt Festival.

mde

Es kann nicht jedes Wochenende Festival sein, das ist ja auch gut so. Aber 2018 ist wieder ein Way Back When, die Karten sind schon bestellt, obwohl noch nicht eine Band bestätigt ist. Ich weiß einfach, dass es gut wird, denn ein schlechtes Way Back When hat es noch nicht gegeben.

sdr