Beiträge mit dem Schlagwort: Ruhrpott

Pottspot: Emscher Landschaftspark

Der Regionalverband Ruhr hat zum zweiten Mal Blogger zu einer Tour durch den Emscher Landschaftspark eingeladen und in diesem Jahr war ich auch dabei. Der RVR hat uns dabei den Tag über begleitet, verpflegt, für den Transport ge- und uns mit allerlei Informationen zum Landschaftspark und zum Ruhrgebiet versorgt. Für das Wetter waren sie möglicherweise auch zuständig, denn der Spätsommer zeigte sich noch mal von seiner besten Seite und ließ die Sonne vom strahlendblauen Himmel scheinen. Optimal.

Sonntags morgens am Essener Hauptbahnhof, Start der Tour. Das ist nicht meine Zeit, gar nicht. Die erste halbe Stunde lief ich ziemlich auf Sparflamme und war auch ganz froh, dass wir zunächst mal die Fahr bis nach Oberhausen hatten und wir nicht direkt loslegten. Ein bisschen wacher wurde ich erst, als wir in Oberhausen das Centro (glücklicherweise) links liegen ließen und in eine wunderschöne Straße einbogen. Moment? Ist das noch Oberhausen? Das ist ja gar nicht so hässlich hier. Im Gegenteil. Gut, von Oberhausen kenne ich nicht so viel. Den Gasometer finde ich super, den Kaisergarten auch. Und ich war mal bei einem Konzert, das war auch gut. Ansonsten kenn ich Oberhausen gar nicht, hatte es aber bisher als „hässliche Ruhrgebietsstadt“ abgestempelt. Und dann fahren wir an so kleinen Backsteinhäusern vorbei, auf der anderen Straßenseite Wiesen und Felder und ich muss mal wieder meine Vorurteile aufräumen. Oberhausen hat noch mehr schöne Ecken. Und das Gebiet, auf dem das Haus Ripshorst und der dazugehörige Gehölzgarten liegt, gehört auf jeden Fall dazu. So idyllisch und ländlich. Als wäre man nicht inmitten einer Metropolregion, sondern mitten auf dem Land. Und dann starten wir direkt mit dem ersten Highlight für mich: wir gehen zum Zauberlehrling. Und da habe ich schon seit Jahren vor, den mal zu besuchen!

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Der steht da seit 2013, gehört zur Emscherkunst und ich finde ihn einfach großartig. Ein tanzender Strommast. Schade, dass nicht alle so aussehen. Und jetzt habe ich ihn endlich auch mal live gesehen, nicht nur auf Bildern. Wir sind dann noch weiter gegangen, über den Rhein-Herne-Kanal und die Emscher und dann wieder zurück, am Gehölzgarten vorbei zum Haus Ripshorst und dem Informationszentrum dort,  wo wir noch ein paar weitere Infos zur Region und den Emscher Landschaftspark erhalten haben.

Mit der Emscher ist das ja so: sie fließt von Holzwickede bis zum Rhein und an vielen Stellen riecht man sie, bevor man sie sieht. Das liegt daran, dass sie jahrzehntelang als Abwasserkanal missbraucht wurde und erst seit ein paar Jahren sehr aufwändig renaturiert wird. An einigen Stellen schon sehr erfolgreich und auch mit sehr viel Kunst und Ausflugsmöglichkeiten rundherum. Und so wie der Fluss einmal quer durchs Ruhrgebiet geht, so streckt sich halt auch der Landschaftspark einmal durch fast alle Städte. Es ist kein „klassisch“ abgegrenzter Park, er ist einfach irgendwie fast überall im Ruhrgebiet und er wird immer attraktiver. Und ich hoffe sehr, dass die Kinder, die jetzt geboren werden, dann mit ihren Kindern am Fluss im Grünen sitzen und dann von der Erinnerung erzählen, wie dreckig und stinkend der Fluss an einigen Stellen mal war und die Generation sich das kaum noch vorstellen kann.

Genug mit Wissen und Sandwiches gefüttert worden: für uns ging die Fahrt weiter und zwar nach Bottrop zum Tetraeder. Das ist eine der bekanntesten Landmarken des Ruhrgebiets, auf der Halde Beckstraße. Ich war vor ein paar Jahren schon mal dort oben und hatte lustigerweise neulich noch mal gedacht, dass ich mal wieder gerne dort hoch möchte. Sehr passend also. Und dann noch bei diesem Traumwetter!

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Was wir für ein Glück hatten, dass wir so eine schöne Sicht hatten. Die ist übrigens schon von der Halde aus sehr schön, aber von ganz oben natürlich einfach unschlagbar. Allerdings: man muss wirklich schwindelfrei sein. Nicht nur die Höhe ist nicht zu unterschätzen, dazu kommen noch ein Boden aus Lochgitter und dass das Ding mal mehr, mal weniger schwankt. Obwohl ich im Grunde nur wenig Probleme mit Höhe habe, bekomme auch ich da drauf streckenweise weiche Knie. Aber es lohnt sich einfach so, bei dem Blick. Halden und ihre Landmarken sind einfach was Feines und gehören zum Ruhrgebiet dazu wie Industriekultur.

Gute Überleitung, ab nach Bochum. Über die Erzbahnschwinge gelangen wir zum Westpark, in dem die Jahrhunderthalle steht. Auf den ersten Blick erinnert es mich ein bisschen an Phoenix West, aber natürlich haben der Park mit dem markanten Wasserturm und die Halle ihren eigenen Charme.

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Und endlich mal ein bisschen Rost.

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So muss das sein mit der Industriekultur. Da gehört Rost einfach dazu. Ich bin wirklich froh, dass man die alten Industrieruinen nicht einfach alle abgerissen hat und stattdessen einige von denen für kulturelle Angebote oder Ausflugsziele umfunktioniert worden sind.

Da aktuell auch die Ruhrtriennale läuft, stehen vor der Jahrhunderthalle ein paar Kunstwerke der Installation „The Good, The Bad & The Ugly“, die wir uns auch noch anschauen.

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Aber dann reisen wir weiter und zwar nach Dortmund, zum Phoenixsee. Auch dort fließt die Emscher entlang und außerdem ist an diesem Sonntag Nachmittag noch das Musikpicknick Emscher Landschaftspark, welches vom Regionalverband Ruhr veranstaltet wird. In der Sonne sitzen, picknicken, die Füße in den See halten und der dargebotenen Musik lauschen – ein gutes Konzept.

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Nach einer Pause am See gingen wir noch einmal an der dort stehenden Thomasbirne vorbei und dann ging es wieder zurück. Als Dortmunderin seilte ich mich ab und nahm die U-Bahn, weil ich so schneller wieder Zuhause sein konnte. Was für ein toller Tag. Der Regionalverband Ruhr hat sich in der Organisation wirklich Mühe gegeben und unsere Tourführerin Ulla hatte ein paar wirklich interessante und auch amüsante Fakten für uns parat. Ebenfalls mit dabei waren übrigens Silke, Frauke, Christina, Danny, Jürgen, Michael und Marja vom Regionalverband. Und offensichtlich auch der Wettergott, denn wir hatten wirklich ein Traumwetter. Herzlichen Dank an den Regionalverband Ruhr für die Einladung und ich hoffe, dass es nächstes Jahr eine Wiederholung mit einer neuen Route gibt. Das Ruhrgebiet ist so groß und abwechslungsreich und der Emscher Landschaftspark hat noch einige attraktive Ziele im Angebot. Spricht also eigentlich nichts dagegen. Im Pott is schön, immer wieder.

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Pottspot: Mitternachtsführung im Dortmunder Zoo

Ich mag den Zoo! Grundsätzlich. Den Dortmunder Zoo auch und da war ich auch schon einige Male. Ich freue mich auch darüber, dass man hier momentan einige Gehege umbaut und vergrößert- auch wenn es bedeutet, dass einige Tiere derzeit „ausgelagert“ worden sind. Bei meinem letzten Besuch habe ich aber sowieso nicht erwartet, alle Tiere zu sehen, denn ich war nachts da. Genauer gesagt: zur Mitternachtsführung.

Führungen am Abend werden regelmäßig angeboten, die um Mitternacht aber – wenn ich das richtig verstanden habe – nur einmal im Jahr. Um 23:30 Uhr geht es los, die rund 120 wartenden Leute bekamen alle ein Knicklicht fürs Handgelenk und wurden dann noch mal in drei oder vier kleinere Gruppen aufgeteilt. Unser Guide sammelte uns dann hinterm Eingang noch mal, erzählte, was uns so erwarten wird und dann gingen wir los. Im Dunkeln. Stockfinster ist es im Zoo nicht, da brennen schon noch einige Lampen, aber man braucht schon eine Weile, um die Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen.

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Wie man sieht: ich habe keine Kamera für nächtliche Aufnahmen. Und selbst wenn, dann hätte ich wohl dazu ein Stativ aufbauen müssen und dafür ist während so einer Führung einfach keine Zeit. Und das ist ja auch nicht der Sinn dabei. Da soll man sich auf die Tiere konzentrieren. „Und bitte tretet nicht auf Frösche oder Lurche.“ Na gut. Konzentrieren wir uns mal, wenn ein Sinn eingeschränkt ist, dann funktionieren die anderen ja angeblich besser. Also hören wir, und wir riechen die Tiere. Der Guide sagt, er kann in einigen Zoos schon am Eingang bestimmte Tiere mit extremen Geruch herausriechen. Der Mähnenwolf ist so ein Tier. Sieht aus wie eine Mischung aus Reh und Wolf, ist ein eher kuschliges und liebes Tier und stinkt. Wo Licht ist, ist halt auch Schatten. Ach ja, Schatten. Erwähnte ich schon, wie dunkel es nachts im Zoo ist?

Einige Tiere sehen wir trotzdem, zumindest im Lichtkegel der Taschenlampe des Zooführers. Der ist tagsüber übrigens Biologiestudent und erzählt zwischendurch ein paar wissenswerte und auch unterhaltsame Dinge über Tiere. Am liebsten hätte ich mir alles aufgeschrieben, weil ich so schnell alles vergesse und durcheinanderbringe, wenn ich es nicht aufschreibe. Aber zum Glück werden wir ja am Ende nicht nochmal abgefragt.

Was wir für Tiere gesehen haben? Den kleinen roten Panda – nicht. Der hat sich versteckt. Dafür Kängurus, einen schlafenden Jaguar und Pinguine

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Und dann waren wir noch im Tropenhaus, haben den Hintern von Helene, dem Plumplori angeschaut, ein bisschen auf ein Tapir geguckt und uns dann aber kollektiv von den Orang Utans ablenken lassen. Die wollten eigentlich gerade schlafen gehen, haben aber noch mal aus dem Bett geschaut. So! Toll!

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Orang Utan-Kind Yenko und seine Ziehmama sind unglaublich herzig, aber halt auch schon müde und lassen sich auch nicht mehr mit Nüssen anlocken. Ist schon ok, ich stehe ja auch nicht mehr auf, wenn ich mal im Bett liege. Fast hätten wir übrigens gedacht, dass wir auch da übernachten müssen, weil wir auf dem Weg wieder raus feststellen mussten, dass die Tür mittlerweile wieder abgeschlossen worden ist und unser Guide leider keinen Schlüssel hatte. Glücklicherweise – oder doch leider??? – gibt es mehr als nur einen Ausgang und so konnten wir dann doch wieder raus. Vorbei an den Seelöwen und Robben, die 24/7 und vor allem in den Sommermonaten Krach machen. Das ist schon ein Argument gegen eine zoonahe Wohnung. Falls da mal jemand drüber nachgedacht hat. Der Guide berichtet, dass die Seelöwen und sogar deren Tierpfleger regelmäßig Morddrohungen erhalten und die Reaktion ist dann vielleicht doch ein bisschen drüber. Ohren auf bei der Wohnungswahl.

Zum krönenden Abschluss unserer Tour durften wir noch zu den Nashörnern ins Innengehege, geschützt durch ein paar Betonpfeiler, durch die Menschen passen würden, Nashörner aber nicht.

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Nashörner sind überraschend nette Tiere, sie sind halt nur so gefährlich, weil sie erstmal alles platt trampeln und dann schauen, ob der „Gegner“ wirklich gefährlich war. Wenn so ein 2000 Kilo-Koloss ins Laufen kommt, dann stoppt der nicht eben mal, das wäre ja auch bestimmt nicht gut für die Knie. Ich wünschte mir, sie würden ein paar Wilderer überrennen, aber das passiert wohl eher selten. Tatsächlich fangen die Zoos an, ihre Nashörner besser gegen Einbruch zu sichern, weil das Horn auf dem Schwarzmarkt so viel Geld bringt, dass mittlerweile sogar in europäischen Zoos diese Tiere nicht mehr sicher sind.

In dieser Nacht passten wir ja aber ein bisschen auf die Nashörner auf und taten ihnen sogar noch einen Gefallen: wir streichelten sie. Trotz ihrer dicken Haut, liebten die Nashörner ihre Streicheleinheiten und stellten sich zum Teil sogar so hin, dass wir sie besser erreichen konnten. Nashörner fühlen sich rauh und hart an, ledrig natürlich, staubig, ein bisschen warm. Schwierig zu beschreiben, aber eins steht fest: es macht sehr sehr glücklich. Nashörner streicheln. Ich hätte es am liebsten noch umarmt, aber dafür sind das dann doch zu sperrige Tiere. Und vielleicht hätte ich dann auch noch Hausverbot bekommen.

Ich habe nicht genau auf die Uhrzeit geachtet, aber die ganze Führung hat mindestens anderthalb, eher zwei Stunden gedauert. Wir haben ein paar tolle Momente mit den Tieren gehabt, sie mal ganz anders wahrnehmen können und das Nashorn streicheln war dann das absolute Highlight. Vielleicht komm ich nächstes Jahr wieder. Ganz sicher aber habe ich wieder einige Tiere mehr in mein Herz geschlossen und eine Menge gelernt.

Ich habe ein Nashorn gestreichelt. Unglaublich gut.

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Pottspot: Halde Hoheward

Neulich war endlich mal wieder ein bisschen Zeit für einen Ruhrpottausflug. ENDLICH! Zu Beginn meiner Zeit hier habe ich sehr viele Ausflüge unternommen, um die Gegend besser kennenzulernen. Das ist aber in letzter Zeit ein bisschen eingeschlafen. Umso mehr habe ich mich gefreut, als es mal wieder klappte, mit Zeit, Motivation und ein bisschen sogar mit dem Wetter.

Auf der Halde Hoheward war ich sogar schon mal, Ende 2009, da habe ich noch nicht mal hier gewohnt. Es war die erste Halde, auf der ich jemals war und ich habe erst später erfahren, dass es dort im angelegten Landschaftspark noch weitere Sehenswürdigkeiten gibt. Ansonsten ist die für Halden typische Landmarke, die man oben findet, mit Sicherheit eine der bekanntesten, das Observatorium mit den zwei Bögen sieht man nämlich sogar von der A2 aus, wenn man Richtung Oberhausen unterwegs ist.

Das Observatorium kannte ich schon, dieses Mal wollte ich aber noch mehr sehen: die Drachenbrücke. Von der kannte ich nur Bilder und Erzählungen, aber wenn man schon mal da ist, dann kann man die sich ja auch mal in Echt anschauen. Man muss sie nur finden, die Beschilderung ist auf der Halde manchmal etwas mager. Und direkte, kurze Wege gibt es auch nicht so sonderlich viele, dafür viele Serpentinen, die man erst hoch und dann wieder runter laufen muss. Und dann natürlich später wieder noch weiter hoch, wenn man noch nach ganz oben möchte. Aber: wir hatten ja Zeit und ein bisschen laufen ist ja nie verkehrt.
Zuerst also die Brücke, die find ich ziemlich cool, aber nur für sie würde ich nicht unbedingt da hinfahren. Da ist es schon ganz gut, dass es dort noch mehr gibt. Es ist aber auch schon wirklich ein beeindruckender Anblick, wenn man so auf die Brücke zuläuft. 

Der ziemlich graue Himmel passte in diesem Augenblick sogar ziemlich gut dazu, schöner dramatischer Effekt. Möglicherweise würde blauer Himmel auch sehr gut passen, dazu muss ich dann aber mal wiederkommen.
Dann aber nach oben. Da gibt es entweder eine sehr lange Treppe oder halt wieder Serpentinen. Da wir für den Rückweg zur Treppe schon hätten Serpentinen laufen müssen, haben wir uns dann direkt für den Serpentinenaufstieg entschieden. Da kann man ja gelegentlich auch querfeldein ein bisschen abkürzen.

Oben auf der Halde: eine Sonnenuhr, das Horizont-Observatorium und sehr viel Platz. Und natürlich eine Menge Ausblick, wie das auf Halden so üblich ist. Da kann man dann sitzen, ein bisschen rätseln, was man da am Horizont wohl sieht – was bei so wolkenverhangenem Himmel noch schwieriger ist. Das Riesenrad der Cranger Kirmes (quasi nebenan) war einfach, der Tetraeder in Bottrop schon schwieriger zu erkennen.

Was mir an Halden neben der Aussicht so gut gefällt: die Natur. Alles wächst ein bisschen wild, viele Blumen, ein bisschen wie bei einer wilden Wiese. 

Das ist schon fast ein bisschen überraschend, wenn man bedenkt, dass Halden ja eigentlich nicht viel mehr sind als zugeschüttete Mülldeponien und Bergbauschlacke. Aber gerade die Schlacke soll ja sehr fruchtbar sein. Ich find so ein bisschen wilde Natur gut, wenn nicht alles so geplant wächst und man auch mal ein paar Disteln oder so sieht. Wenn ich nicht gerade zufällig reinfasse, finde ich Disteln nämlich richtig toll.

Fassen wir zusammen: Natur, Bewegung, ein paar Dinge zum Angucken, viel Platz und ein toller Ausblick. Ich bin so froh, dass ich es mal wieder auf eine Halde geschafft habe. 

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Extraschicht 2014

Die Extraschicht, auch „Nacht der Industriekultur“ genannt, findet einmal im Jahr statt – und obwohl es mein viertes Ruhrpottjahr ist, habe ich in diesem Jahr erst zum ersten Mal geschafft, dort mal vorbeizuschauen. Im ersten Jahr war ich in Barcelona, im zweiten Jahr bin ich umgezogen (und abends viel zu platt) und im dritten Jahr stand ein großer Familiengeburtstag an.

Nun also, 2014, endlich dabei. Hat der Regen sich wohl auch gedacht, aber na gut, Wetter kann man sich nicht aussuchen. Schuhe imprägniert, Regenjacke an, kaum hatten wir den Skywalk von Phoenix West verlassen, saßen wir (also er und ich) auch schon im Zug Richtung Gelsenkirchen. Das ist ein Ort, den ich nur selten besuche. Ein Konzert, eine Lesung und ein Zoobesuch – mehr Gelegenheiten hatte ich bisher nicht. Da wir nun aber spät dran waren und Museumsnachterfahrungen beweisen, dass man immer viel weniger schafft als man sich vorgenommen hat, wollten wir gar nicht so weit weg und lieber ein paar Dinge abklappern, die nah beieinander sind. Es ist nämlich so: einige Stunden eines solchen Tages gehen mit Warterei und Fahrerei verloren. Aber ich muss auch sagen, dass ich ganz gerne so durchs Ruhrgebiet schuckele, ohne Stress, und mir die Gegend anschaue.

Erster Stopp: Nordsternpark in Gelsenkirchen.

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Der Nordsternpark ist ein ehemaliges Zechengelände, dort findet man heute nicht nur einen schön angelegten Park, sondern auch noch ein Amphitheater und den Nordsternturm, wo man oben auf dem Dach in 83 Metern Höhe runterschauen kann. Oder dem Herkules auf den Pöppes.

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Außerdem gibt es im Nordsternpark ein kleines Besucherbergwerk, ein kurzer Stollen als Ausstellungsfläche. Hier findet man viele alte originale Stücke aus dem Bergbau: Werkzeuge, Hinweisschilder, Helme und mehr, sowie Fotos von früher. Und ein paar charmante Männer.

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Gelsenkirchen hat noch eine weitere ehemalige Zeche bei der Extraschicht, das Steinkohlebergwerk Consolidation (kurz Consol), wo man ebenfalls eine tolle Ausstellung zum ehemaligen Zechenleben findet. Und natürlich noch mehr Fördertürme.

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Städtewechsel! Auf nach Recklinghausen. Da war ich zuvor auch erst einmal. Unser Ziel: das Umspannwerk.

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Bevor ich ins Ruhrgebiet gezogen bin, war mir nicht mal klar, dass ein UMSPANNWERK überhaupt ein Ausflugsziel sein kann. Und bis zur Extraschicht war ich auch mehr als skeptisch. Was soll ich denn bei einem Umspannwerk? Ich kann es kaum oft genug sagen: ein Umspannwerk!
Aber dann war ich da – und wollte gar nicht mehr gehen. Das Umspannwerk Recklinghausen ist einer der coolsten Orte im Ruhrgebiet. Geradezu elektrisierend.

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Zum einen gibt es auch im Umspannwerk ein Museum – natürlich über Elektriziät und Spannung. Und das ist wirklich toll. Man kann eine Menge anschauen und ausprobieren und im Ganzen erinnert es mich an das Haus der Geschichte in Bonn. Nur kleiner. Das allein ist schon einen Ausflug wert und nun kann ich verstehen, warum dort quasi alle Schulkinder des Ruhrgebiets da hinfahren.
Zur Extraschicht gab es dann zusätzlich noch ein paar Versuche mit Hochspannung. Damit kann man mich immer begeistern.

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Ich habe ein heimliches Faible für Tesla-Spulen und so einen Krams und hätte dort die ganze Nacht stehen können, leider war die Vorführung aber dann doch schnell vorbei. Stattdessen gab es noch einen kleinen Abstecher zum Stadthafen.

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Ende der Nacht, zurück nach Dortmund. Drei Spielorte, ganz gut. Nächstes Jahr dann gerne mit etwas besserem Wetter und dann anderen Spielorten. Wer noch mehr sehen möchte, der sich zum Beispiel dieses Video anschauen

oder im Netz nach mehr Bildern und Texten suchen.
Oder nächstes Jahr mitkommen.

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