holy guacamole

Ursprünglich war dieser Text als Monatsrant geplant. Aber als er fertig war, ging mir auf, dass mir das Thema viel zu wichtig ist, um als Nörgelei online zu gehen. Es nervt mich nicht nur, es beunruhigt mich.

Eins vorweg: ich mag gerne Avocado. Ob als Pesto, im Salat, im Sushi, auf Brot mit Ei oder Tomate oder und vor allem als Guacamole…ich bin ein Fan dieser Frucht. Und obwohl sie ja sehr gehaltvoll ist, ist Avocado auch noch supergesund, weil voller wertvoller Inhaltsstoffe. Wie ein Fruchtzwerg sozusagen. Während ich als Kind also noch Fruchtzwerge löffelte, löffeln die Kinder heutzutage möglicherweise Avocados aus. Wundern würde es mich nicht, denn auf mich wirkt es so, als würden aktuell mehr Avocados als Äpfel verzehrt.

Foodfotos bei Instagram? Welcome to Avocado-Wonderland. Kein Bild ohne diese grüne Glitschfrucht. Sucht man beispielsweise unter dem Hashtag #foodporn, so kann man sich sicher sein, dass man unter den ersten zehn Bildern mindestens drei Avocados in unterschiedlicher Form findet. Bei #eatclean sind es sogar noch mehr Avocadobilder. Und obwohl ich ja so gerne Avocado mag, fängt es a) an mich unfassbar zu langweilen und habe ich b) ein Nachhaltigkeitsproblem damit. Das Ökomädchen in mir ist ja stark ausgeprägt und weint jedes Mal ein kleines bisschen, wenn es schon wieder Avocado sieht. Leider ist es nämlich so, dass bei den meisten Superfoods, die in Europa und/oder den USA durchs Dorf getrieben werden, das Erzeugerland unter diesem Boom leidet. Die meisten Avocados, die wir in deutschen Supermärkten kaufen, kommen aus Chile und Mexiko, und dort wird wegen der gestiegenen Nachfrage das Wasser knapp. Der Anbau von nur wenigen Avocados verbraucht etwa 1000 Liter Wasser. Im Vergleich: bei holländischen Tomaten werden etwa 10 Liter pro Kilogramm verbraucht. Davon abgesehen, dass sie dann noch um den halben Erdball reisen müssen, bis sie bei uns im Supermarkt landen.

Avocados wachsen nicht in Deutschland. Während man bei Erzeugnissen wie Spargel, Erdbeeren oder Kartoffeln einfach warten kann, bis sie hier Saison haben um sie dann zu kaufen, müssen andere Sorten einfach immer importiert werden. Avocado, Mangos usw. Wächst hier halt nicht, nicht mal in der Nähe. Da kann ich mir dann aber überlegen, ob es für meinen hippen Foodblog wirklich notwendig ist, dreimal die Woche Avocado zu essen. Vielleicht reicht einmal im Monat ja auch. Oder sogar noch seltener. Ich weiß auch, dass auch andere Lebensmittel nicht die allertollste Ökobilanz haben und es am besten wäre, wenn wir nur Brennesseln vom Wegesrand essen würden. Und ich will auch niemanden die Avocados verbieten, dafür esse ich sie ja auch selbst viel zu gern. Aber so gelegentlich kann man ja sein Gehirn während des Einkaufs ja auch benutzen und darüber nachdenken, wofür man sich entscheidet. Muss es wirklich Avocado sein, (nur weil es sich so schön im Instagram-Feed einfügt), oder gibt es möglicherweise eine weniger trendige, weniger superfoodige Alternative?

Im Weltspiegel gibt es übrigens noch eine ausführliche Dokumentation über die Problematik, hier noch ein etwas kürzerer Beitrag. Während ihr euch die anschaut, kümmere ich mich um den nächsten Monatsrant. Kleiner Teaser: weniger für den Magen, mehr was für (oder gegen) die Ohren.

 

Advertisements