our night out: Noel Gallagher’s High Flying Birds (09.04.2018, Mitsubishi Electric Halle Düsseldorf)

Fast neun Jahre ist es jetzt her, dass Oasis sich endgültig auflösten und die beiden Gallagher-Brüder seitdem ihr eigenes Ding machen. Liam zunächst mit Beady Eye und aktuell ja nur unter seinem Namen und Noel mit seinen High Flying Birds. Mittlerweile habe ich das Hoffen auf eine Reunion aufgegeben und sehe es eher so, dass es musikalisch und menschlich für beide besser ist, getrennte Wege zu gehen. Und auch ich sahne ja im Grunde doppelt ab, schließlich veröffentlichen beide regelmäßig neue Alben und gehen auf Tour. Ziemlich genau drei Jahre nach seinem letzten Besuch in Düsseldorf kam Noel Gallagher also zurück in die Mitsubishi Electric Halle (die Konzerthalle mit dem möglicherweise sperrigsten Namen aller Zeiten).

Während sich die Halle füllt, traue ich mich kaum, meinen Blick umherschweifen zu lassen. Ich weiß, wir sind in Düsseldorf. Aber statt früher Trainingsjacken und Parkas sehe ich Jackets, Rollkragenpullover und sogar eine Steppweste. Natürlich nicht nur, aber irgendwie ist es halt anders. Gesetzter. Ruhiger. Da sind noch vereinzelt Engländer unter den Zuschauern, aber sogar die wirken vergleichsweise gesittet. Früher, ach früher. Da lag eine knisternde Vorfreude in der Luft, da wurde vorm Konzert schon gesungen, man stand gemeinsam in dieser einzigartigen Atmosphäre und fühlte sich unbesiegbar und für immer jung.

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Und jetzt? Höflicher Applaus, wenige Zwischenrufe, nicht ein geworfener Bierbecher. Die geworfenen Bierbecher vermisse ich nun nicht ernsthaft, aber irgendwas war mir an diesem Abend zu glatt. Alles so ein bisschen mit dem Stempel „gepflegter Altherrenrock“. Und das anzunehmen tut ein bisschen weh. Das Konzert ist wirklich gut, aber nach solchen Halbsätzen kommt immer ein aber. Die Band, Noel, das Publikum. Vor allem das Publikum. Noel spricht wenig mit uns, aber bekommt dann auch nur wenig Reaktion darauf. Der Funke springt einfach nicht so richtig. Nur einmal habe ich das Gefühl, dass es ernsthaft eine Verbindung zwischen Noel und dem Publikum gibt, nämlich als er ein Schild mit einem Songwunsch entdeckt und er mit der Frau spricht. Er erfüllt ihr den Wunsch nicht, aber er bricht zumindest einmal aus seiner einstudiert wirkenden Show aus und widmet ihr den nächsten Song „if I had a gun“.

Die Setlist führt uns einmal quer durch fast alle Werke. Alte Oasis-Songs, ein paar ältere High Flying Birds-Lieder und auch Songs von der ganz aktuellen Platte. Natürlich auch „she taught me how to fly“ mit der Live Schere. Bei den Oasis-Liedern wird am meisten mitgesungen, ansonsten wirkt die Stimmung auf mich wirklich und leider ziemlich „flach“. Als das offizielle Set beendet ist, ist der Applaus so verhalten, dass ich befürchte, dass die Band nicht mehr zurückkommen wird. Kommt sie aber doch, gehört ja wohl so zum geplanten Ablauf, der nun mal eingehalten wird.

Möglicherweise muss ich mich damit abfinden und endlich akzeptieren, dass die Zeit sich ändert, und mit ihr die Musik. Weiterentwicklung und so. Möglicherweise bekomme ich bei Liam im Juli ja noch ein bisschen alte Gallagher-Attitüde. Und wenn nicht, dann weiß ich wenigstens, dass ich es miterlebt habe. Ein bisschen ratlos bleibe ich dennoch, ich kann mich einfach nicht entscheiden, wie mir das Konzert wirklich gefallen hat. Ich möchte so gerne im Brustton der Überzeugung „es war gut“ sagen. Bei anderen Künstlern wäre es ein tolles Konzert gewesen, bei Noel Gallagher sind meine Ansprüche höher. Bisher zumindest. Mich ärgert das selbst ein bisschen. Vielleicht brauche ich einfach noch ein bisschen, um das zu verarbeiten und darüber nachzudenken. Über heute und früher und Attitüde und Publikum. Ach. Früher.

And don’t look back in anger. I heard you say.

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