our night out: Love A (27.04.2018, Gebäude 9, Köln)

Ich bin ja ein Britpop-Mädchen, oder meinetwegen ein Indiepop-Mädchen, das ist kein Geheimnis. Doch gelegentlich gönne ich mir kleine Ausflüge über den musikalischen Tellerrand. Und dann höre ich zum Beispiel Love A, deutschen Punk. Die Mitglieder von Love A kommen aus Trier, Köln und Wuppertal und es gibt die Band seit 2010. Ich habe sie seit letztem Jahr auf meinem persönlichen Musikradar, seit ich das erste Mal Weder noch vom aktuellen Album Nichts ist neu hörte.

Jede Zeile war so passend, triggerte mich und meine Wut auf manche Menschen. Und es gibt Momente, da finde ich es richtig, wütend zu sein. Ich bin sogar der Meinung, in der aktuellen Zeit und Gesellschaft ist es wichtig und richtiger wütend anstatt ängstlich oder besorgt zu sein.

Vor einigen Monaten wurde ein Konzerttermin für Love A am 28. April im Gebäude 9 bestätigt, das Konzert war aber so schnell ausverkauft, dass wir keine Karten mehr ergattern konnten. Glücklicherweise wurde aufgrund der hohen Nachfrage noch ein Zusatztermin ermöglicht, also fuhren wir dann am Freitag nach Köln. Das Gebäude 9 ist einer meiner liebsten Konzertorte, und das obwohl der Raum lang und schmal ist (was für Menschen meiner Körpergröße eher nachteilig ist, besonders wenn man es nicht in die vorderen Reihen schafft.) Gute Sicht ist aber nicht alles, ich mag die Atmosphäre dort einfach sehr gern.

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Vorband waren übrigens Illegale Farben aus Köln, die ich eigentlich bis dahin nicht kannte, aber trotzdem irgendwie das Gefühl hatte, sie schon mal gesehen oder gehört zu haben. Entweder habe ich sie schon mal irgendwo gesehen und vergessen oder sie sind einfach nur extrem eingängig. Gefallen haben sie mir auf jeden Fall, und das sage ich ja nun wahrlich nicht über jeden Support-Act. Besonders im Kopf geblieben ist mir ihre neue Single Angst ist die Mutter der schlechtesten Ideen. Sag ich ja.

Love A. Laut, warm, schnell. Ein perfektes Konzert um Bier zu trinken – schade, dass ich mich freiwillig als Fahrerin gemeldet hatte. Leider war das Wetter so schön, dass wir bis zum letzten Moment draußen standen, so dass wir während des Konzerts relativ weit hinten stehen mussten. Von der Sauerstoffversorgung her gesehen war das kein schlechter Platz, aber dafür war dann die Sicht halt nicht so super. Halb so wild, der Stimmung hat das keinen Abbruch gemacht.

Leider war das Konzert eher kurz, um 23 Uhr startete dort nämlich der Partybetrieb. Also gab es einen recht zügigen Rundumschlag durch die vorhandenen Alben. Inklusive Zugabe und inklusive einiger Zwischenansagen. Immerhin haben wir es in der kurzen Zeit auf 22 Songs geschafft, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass wir durch das Set hetzen. Sympathische Band, die Chemie zwischen Publikum und Band stimmte einfach, die Atmosphäre im Gebäude 9 passte perfekt dazu und so war es ein rundum gelungener Konzertabend. Laut. Dreckig. Schnell. Muss es halt auch mal sein.

Jetzt nur wieder das Dilemma: alle sollten Love A hören. Aber bitte tut das nicht, dann werden sie groß und berühmt und gewinnen noch den Echo. Ach nee, den nicht. Aber dann spielen sie irgendwann nicht mehr zwei Abende im Gebäude 9, sondern sind im Palladium, werden im Radio hoch und runter gespielt und dann ist der ganze Charme vorbei. Wie man es macht, ist es verkehrt. Hört auf euer Herz und hört Love A und kauft ihre Musik und geht auf Konzerte. Immer.

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our night out: Drens (17.03.2018, Rekorder Dortmund)

Support your local Nachwuchsband! Ach, ich freue mich einfach immer, wenn wieder was neues mein Ohr erreicht, was mir gefällt. Ich kann ja nicht immer nur den 90ern hinterherweinen. Und den 2000ern. Es passieren ja auch heute noch gute Dinge in den Proberäumen der Welt. Ich möchte da gerne noch mal kurz an Giant Rooks und Razz erinnern. Aber auch Dortmund bringt die neuen Weltstars auf die Bühne: Drens.

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Die gibt es zwar schon eine Weile, ein bisschen in der Versenkung verschwunden, aber jetzt wieder da. Neue Songs, neue Tourtermine, neuer Schlagzeuger. Der mein Cousin ist, weshalb ich zugegebenermaßen erst auf die Band aufmerksam geworden bin und was mich möglicherweise nicht ganz unvoreingenommen an die Sache rangehen lässt. Egal. Oder gar nicht egal, denn bei der eigenen Familie ist man auch gleich ein bisschen strenger. Als ich erfuhr, dass mein Cousin bei Drens spielt und ich mir folgendes Lied zum ersten Mal anhörte, war ich vorab nervös (was, wenn es furchtbar ist?) und dann sehr erleichtert (ich fand es nicht furchtbar, sondern ziemlich gut).

Aktuell kann man über Spotify zwei Songs hören, es sollen aber jetzt regelmäßig neue dazu kommen, so wie es auch immer wieder neue Konzerttermine gibt. Was schon vorhanden ist: Merch in Form einer Mütze. Auch genau meins, ich Mützenmädchen. Ich persönlich könnte mir Drens übrigens sehr gut während des Haldern Pops auf einer der kleineren Nebenbühnen vorstellen und muss direkt daran denken, wie ich vor noch nicht mal zwei Jahren Giant Rooks dort im Tipi gesehen habe und die touren aktuell durch nicht mehr allzu kleine Clubs. Ich bin da also guter Dinge. Mich stimmt schon allein die Tatsache froh, dass da mal wieder was neues den Weg zu mir gefunden hat, was mich nicht direkt langweilt oder nervt. Das kommt ja ehrlich gestanden nicht mehr so häufig vor.

Der Abend im Rekorder hat mich dann auch live von der Band überzeugt. Abwechslungsreich, aber mit einem eigenen klaren Stil. Das war genau passend um bei eisigen Temperaturen warm zu werden. Es wurden neue und alte Songs gespielt, ich kannte nur die oben erwähnte Single, machte aber nichts. Beziehungsweise: machte Vorfreude auf mehr.

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Ich bin also gespannt, wie das weitergeht mit Drens und werde das auf jeden Fall weiter verfolgen. Neue Musik braucht das Land, möglicherweise aus Dortmund.

our night out: Gisbert zu Knyphausen (30.01.2018, FZW)

Möglicherweise ist es ein bisschen naiv, aber ich war fest davon überzeugt, dass das Konzert von Gisbert zu Knyphausen im kleineren FZW-Club stattfindet. Ich habe da gar nicht groß drüber nachgedacht. Gisbert zu Knyphausen habe ich zuletzt 2015 im Bahnhof Langendreer gesehen, das erste Mal vermutlich 2008 oder 2009, ich schätze mal im Bielefelder Falkendom. Dazwischen: Unzählige Male, in den unterschiedlichsten Städten und immer in kleinen Räumen. Familiär, nah dran und gemeinsam mit ein paar hundert anderen Zuschauern.

Umso überraschter war ich, als ich feststellte, dass am FZW kaum ein Parkplatz zu bekommen war, im FZW die Tür zur großen Halle geöffnet war und der ganze Laden sich voller anfühlte als während des ausverkauften Kettcar-Konzerts. Hab ich irgendwas verschlafen? Ist Gisbert zu Knyphausen berühmt geworden? Hatte er einen Hit, den ich vergessen habe? Wo kommen all diese Menschen her???

Egal, mein Lieblingsplatz im FZW (vorne links) war noch erreichbar und von dort aus konnte ich noch den Schluss des Supports anschauen. Mark Berube aus Kanada – live deutlich angenehmer als ich es zuvor bei einer kurzen Hörprobe empfunden hatte. Das hat sich also schon mal gelohnt.

Und dann endlich Gisbert. Mit seiner Band, einer neuen Band, die es wirklich in sich hatte. Er hatte schon immer ein Händchen für gute Musiker, aber ich glaube, da hat er sich einfach mal die besten Musiker, die aktuell so verfügbar sind, zusammengesammelt. Und was die da auf die Bühne gezaubert haben. Kraftvoll, rauher als früher, man reibt sich ein bisschen am Sound der Band, aber es passt zu den neuen Liedern. Das FZW war übrigens auch wieder eine hervorragende Wahl, der Sound in der Halle ist unübertroffen gut und wird von Gisbert gesondert gelobt. Übrigens auch das aufmerksame Publikum, das muss man ja heutzutage noch mal extra erwähnen.

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Viel neues, ein paar alte Hits und auch ein paar Kid Kopphausen-Songs. Ich schwanke zwischen „Ich möchte die alten kleinen charmanten Konzerte wieder“ und „meine Güte, ist. das. großartig!!!“ Man merkt, dass das Leben Gisbert zu Knyphausen verändert hat, so wie wir uns alle immer und ständig verändern. Und trotzdem ist es noch seine Musik. Auch nach dieser Pause, in der er wohl zum einen den Tod von Nils Koppruch verarbeitet und dann noch irgendwie sein Leben neu sortiert hat. Solche Pausen können gut sein, inspirierend, und bei ihm ist das so. Das neue Album, die neue Live-Band, das plötzlich so viel größere Publikum. Natürlich hoffe ich, dass es jetzt nicht immer fünf Jahre dauert, bis ein neues Album von Gisbert zu Knyphausen erscheint, aber notfalls würde ich das auch ertragen, wenn dabei immer etwas so großartiges entsteht.

Festivaljahr 2017: Way Back When (29.09.-01.10.)

Das Way Back When ist ein wunderbarer Abschluss meines Festivaljahr. Nach den Cardinal Sessions im Januar, dem etepetete im Juni und dem Haldern Pop im August jetzt also das Way Back When in Dortmund. Heimspiel. Und meine persönliche Versöhnung mit der lokalen Clubszene, die mich sonst eher langweilt bis abschreckt. Aber dafür dieses tolle Festival, drei Tage Indie-Perlen. Komm an mein Herz, Indie-Dortmund.

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Zunächst aber: es war für mich das schwächste Line Up der bisherigen WBW-Ausgaben. Aber da meckere ich auf hohem Niveau. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis ist das Way Back When-Festival unschlagbar. Vor allem natürlich, wenn man in Dortmund wohnt und keine Übernachtungs- oder Reisekosten hat. Darf ich einmal noch meckern? Ich meine natürlich: konstruktive Kritik anbringen? Richtig supergut wäre es, wenn man vor Ort auch Essen kaufen könnte. Zweidreivierzehn Foodtrucks, das wäre der Hit. Man müsste nicht weiter weg, müsste keine Band sausen lassen. Und bei Startzeiten gegen 18 Uhr bekommt man halt irgendwann später am Abend automatisch Hunger. Ich bin nicht alleine mit meiner Meinung, zum Glück. Es gab zwischendurch in meiner Nähe Fantasien von einer Pommeskanone. Also, liebes WBW-Team, denkt mal drüber nach.

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Jetzt aber  genug rumgenörgelt und mal Butter bei die Fische. Musik. Das ist ja immer noch die Hauptsache. Ist ja schließlich ein Festival. Drei Tage, drei Locations. Oder für mich: drei Tage, zwei Locations. Denn in die Pauluskirche habe ich dieses Jahr leider nicht geschafft. Dabei ist das ein wirklich toller Ort für Konzerte. Aber wie immer war ich hauptsächlich im FZW und dann war dieses Jahr erstmalig noch das View im Dortmunder U dabei. Auch eine sehr schöne Location für Konzerte, kann meinetwegen beibehalten werden. Welche Bands ich alle gesehen habe? Hier bitte schön, in chronologischer Reihenfolge: Her’s (grammatikalisch fragwürdig, aber musikalisch sehr gut), Client Liaison,

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ein bisschen Fazerdaze, J. Bernardt, Slowdive, Darjeeling, Warbly Jets, The Districts, Portugal. The Man (mit dem Ohrwurm des Wochenendes), ein bisschen Drangsal, Jake Isaak und Dan Croll.  So richtig wild gefreut hatte ich mich vorher nur auf Slowdive und war dann freudig überrascht, dass auch andere Bands supergut waren.

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Warbly Jets, Her’s und Jake Isaak hatte ich vorher gar nicht so richtig auf dem Schirm. Und auch das Konzert von Portugal. The Man war super, viel „stärker“ als ich es erwartet hatte. Jake Isaac aber war dann das absolute Highlight, das kam für mich unerwartet und war dadurch noch schöner. Was für ein toller Sänger, nett obendrein und als er dann in die Halle des FZWs zum Publikum kam, sich alle hinsetzten und es dann wirklich mucksmäuschenstill war als er akustisch einen Song spielte, da hatte ich meinen absoluten Herzmoment.

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Dafür liebe ich das Way Back When, dafür liebe ich Festivals. Dafür nehme ich diesen Raubbau am Körper gerne hin, mit Plattfüßen, wenig Schlaf, zu viel Bier und schnellem Essen. Es ist ja nicht jedes Wochenende Festival.

Festival ist natürlich auch mehr als nur zu Konzerten gehen. Es bedeutet, dass man sich mit Musik beschäftigt, neues entdeckt und auch, dass man Leute trifft. Das geht auch beim Way Back When ziemlich gut, entweder spontan, oder verabredet, während Konzerten oder in einer Essenspause. Was hast du bisher gesehen, wohin möchtest du noch unbedingt, was ist dein bisheriges Highlight, hast du noch einen Tipp? Gespräche rund um das Festival und auch darüber hinaus. Bekannte Gesichter und neue Menschen, mit Fremden ins Gespräch kommen. Die Musik verbindet und auch das ist halt Festival.

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Es kann nicht jedes Wochenende Festival sein, das ist ja auch gut so. Aber 2018 ist wieder ein Way Back When, die Karten sind schon bestellt, obwohl noch nicht eine Band bestätigt ist. Ich weiß einfach, dass es gut wird, denn ein schlechtes Way Back When hat es noch nicht gegeben.

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Festivaljahr 2017: Haldern Pop (10.-12.08.)

Seit 2001 fahre ich zum Haldern Pop und das sollte sich auch in diesem Jahr nicht ändern. Geändert hat sich in den letzten Jahren ja auch schon genug. Zum einen das Festival selbst. Als ich anfing dort hin zu fahren, da ging das Festival nur über zwei Tage, es gab nur die Hauptbühne, das Spiegelzelt war nur da, um dreivier „Talentbands“ die Möglichkeit zu geben, am Nachmittag wenigstens ein paar interessierte Besucher zu bespielen. Es gab keine Wassertoiletten und erst Recht keine Duschen.

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Mittlerweile ist die Zuschauerzahl deutlich gestiegen, das Programm geht über drei Tage und im Spiegelzelt spielen mehr Bands als auf der Hauptbühne. Zudem gibt es noch Konzerte im Ortskern in der Popbar, im Tonstudio und in der Kirche und es gibt auf dem Gelände auch immer noch eine weitere Bühne, entweder im Biergarten des Spiegelzelts oder auf dem Hauptgelände irgendwo im Hintergrund. Die sanitäre Versorgung ist so gut, dass man im Grunde das ganze Wochenende nicht einmal ein Dixiklo besuchen müsste und sogar warm duschen stellt kein allzu großes Problem dar. Die gastronomische Versorgung hat sich deutlich gesteigert, man käme also auch ohne eigenes Essen aus. Aber: das Campleben gehört ja auch zum Festival dazu. Auch da gab es in meiner Haldernzeit Änderungen, aber ich hatte in jedem Jahr eine wunderbare Festivalgemeinschaft. Zum Haldern gehört für mich auch Gemeinschaft. Gemeinsame Vorabplanung, gemeinsam den Pavillon aufbauen, gemeinsames Essen und Trinken, über Musik sprechen, über das Leben philosophieren, gemeinsam in der Duschschlange stehen. Und ich bin wirklich sehr glücklich über meine aktuelle Festivalgruppe, weil sie das Haldern Pop noch besonderer machen als es überhaupt schon ist. Alles musikliebende, nette, witzige, großzügige und großherzige Menschen.

Das Publikum war und ist ein Grund, das Haldern Pop zu mögen und es ist schön, wenn sogar die Bands sagen, dass die Menschen vor der Bühne das sind, was dieses Festival so ausmacht. Und ich glaube auch, dass ich kein anderes mehrtägiges Festival ertragen würde. In Haldern kann man nachts ein paar ruhige Stunden zum Schlafen finden, die allermeisten Leute benehmen sich zivilisiert, eskalieren nicht völlig und ohne Rücksicht auf Verluste und sind hauptsächlich wegen der Musik da. Sehr angenehm. Da kann man auch mal drei Nächte Luftmatratze in Kauf nehmen.

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Wegen der Musik da? Bin ich auch. Bei jedem Ankündigungsvideo nörgele ich rum, weil so viele Bands schon in den Jahren zuvor da gewesen sind und mir „die Kracher“ fehlen. Dabei hat sich Haldern Pop in diesem Jahr nicht lumpen lassen und mit Clueso und AnnenMayKantereit zwei nicht unbekannte Bands auf die Mainstage gespielt. Nur: mich interessieren beide nicht. Und das ist noch nett ausgedrückt. Vor etwa zehn Jahren hat das Haldern Pop noch ziemlich genau meinen Musikgeschmack bedient, das ist heute nicht mehr so. Trotzdem sind immer – auch dieses Mal, auch wenn 2017 musikalisch womöglich das für mich schwächste Jahr gewesen ist – ein paar musikalische Perlen dabei, auf die ich mich freue. Und es sind auch immer Bands dabei, von denen ich nie zuvor gehört habe und die dann dort vor Ort mein Herz erobern. Im Sturm.

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Jetzt aber Butter bei die Fische. Gesehen habe ich dieses Jahr, in chronologischer Reihenfolge: Nothing, Mammal Hands, den Anfang von Aldous Harding, den Anfang von Blaudzun, The Amazons, Loyle Carner, Die Höchste Eisenbahn, Matthew And The Atlas, den Anfang von Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi, einen Teil von The Radicals, Nick Waterhouse, Bear’s Den, The Afghan Wigs und Kate Tempest. Einige davon haben mich etwas enttäuscht (Käptn Peng zB), andere völlig positiv überrascht. Loyle Carner gehört zur zweiten Kategorie. Überhaupt nicht „meine“ Musik, auf CD kann mich das auch nur mäßig überzeugen, aber live einfach SO! TOLL! Wahnsinn. Kate Tempest ist übrigens auch eine Künstlerin, die nicht so in mein Schema passt, aber der Frau muss man einfach zuhören, weil sie eine Menge wütender Dinge zu sagen hat. Ernsthaft.

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Festival, das ist ja auch ein bisschen Raubbau am Körper, obwohl es in unserer Campgemeinschaft frische Salate, gegrilltes Gemüse, Mandelmilch und glutenfreie Bio-Grillsauce gab. Aber es gab halt auch eine große Menge Alkohol, weniger Schlaf als üblich und kalte Füße, weil der August mal wieder alles gab. Also alles an Regen, was er so zur Verfügung hatte. Zumindest am Donnerstag. Aber man ist ja mittlerweile auch vorbereitet und kann damit entspannter umgehen. Gummistiefel, Regenhose, Regenjacke, Regencape. Alles dabei. Die Sonnencreme blieb dieses Jahr mal ungenutzt. Und die kurze Hose hätte ich höchstens Sonntag zum Zeltabbau anziehen wollen. Aber trotz des ganzen Schlechtwetterequipments habe ich in diesem Jahr auch ein paar Bands und Künstler verpasst, weil der sintflutartige Regen am Donnerstag Abend mich förmlich dazu zwang, unterm trockenen Pavillon sitzen zu bleiben. Ohne mich fanden daher die Konzerte von Get Well Soon, Giant Rooks und Conor Oberst statt. Die habe ich alle auch früher schon mal live gesehen, von daher ist es nicht so dramatisch. Aber ein bisschen ärgerlich schon. Natürlich hätte ich auch einfach aufstehen und durch den Regen zu den jeweiligen Bühnen stiefeln können. Aber alleine auf dem Weg zu meiner Regenkleidung wäre ich sehr nass geworden und irgendwie war das zu diesem Zeitpunkt sehr viel verlockender, dort einfach sitzen zu bleiben. Ist halt so.

Nächstes Jahr scheint wieder die Sonne. Und das Line Up wird dann sowieso unvergesslich. Der Rest bleibt einfach Haldern Pop. So wie immer.

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Festivaljahr 2017: etepetete (23.06.2017 FZW Dortmund)

Die Feine Gesellschaft mal wieder. Die sorgt dafür, dass es in Dortmund zwar leider immer noch verhältnismäßig wenig feine Indie-Musik vom Plattenteller, aber immerhin live vonne Bühne kommt. Gut, das sollte man nicht unter den Teppich kehren: Parties veranstalten diese feinen Herren auch, aber ihre Konzertankündigungen lassen sehr viel häufiger mein Indie-Herz höher schlagen. Wenn ich die Künstler nicht kenne, dann höre ich gerne mal rein, denn die feine Gesellschaft hat einfach auch ein feines Gespür für Musik und Location. Ob im Hinterhof vom Hej-Store, im Keller vom SissiKingKong oder eben im FZW, das passt einfach.

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Als ich die ersten Plakate zum etepetete-Festival sah, notierte ich mir schon mal direkt den Termin. Kann ja nicht schaden, den Abend schon mal frei zu halten. Dann wurden nach und nach Bands bestätigt und vorgestellt, und ich kannte niemanden. Egal. Der Preis für ein Festivalticket – also einen Abend mit sechs Bands: frei wählbar zwischen 5 und 20 Euro. Die Glücksfee loste dann ihm noch zwei Gästelistenplätze zu, so dass wir gar nichts zahlen mussten, aber grundsätzlich finde ich es eine hübsche Idee, dass man selbst über den Eintrittspreis entscheiden kann. Und ich weiß auch sicherer Quelle, dass nicht alle nur fünf Euro bezahlt haben.

Line Up: Strand Child, The Away Days, Ropoporose, His Clancyness, Hush Moss und Gosto. Künstler aus halb Europa. Wie gesagt, bis zu diesem Abend kannte ich keine Band davon wirklich. Nur mal kurz reingehört und nichts wirklich gemerkt. Hin da und sich überraschen lassen.

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Die Bands spielten abwechselnd auf zwei kleinen Bühnen im FZW, die große Halle blieb einfach mal geschlossen. Dazwischen ein bisschen am Merch stöbern, oder an dem „Flohmarkt“-Stand einkaufen – dessen Erlöse gingen übrigens nicht in die vermutlich eher etwas klammen Kassen der Festivalbetreiber, sondern komplett an die Neven Subotic-Stiftung. Ich ziehe meinen Hut. Wem zu warm wurde, der konnte draußen den Sommerabend genießen. Oder eine rauchen. Oder Tischtennis spielen. Oder alles auf einmal.

Festival with a viewUnd ansonsten halt Leute beobachten und nebenbei Musik hören. Oder Musik hören und nebenbei Leute beobachten. Wie man es gerne mag. Der Abend verging für mich überraschend schnell und es gab sogar eine Band, die ich ziemlich gut fand und weiterhin im Ohr und Kopf behalte: His Clancyness aus Italien. Mit kanadischen Wurzeln. Die anderen Bands waren auchin Ordnung und ich finde, man kann sein Geld schlechter verschwenden als bei so einem Nachwuchs-Festival. Immerhin bin ich ja auch ständig auf der Suche nach neuen Bands, dafür ist so ein Abend einfach sehr gut geeignet.

Ein Festival-Abend in Dortmund? Das Beste kommt zum Schluss: im eigenen Bett schlafen und morgens im eigenen Bad duschen. Der nächste Festivalbesuch dann auch wieder mit Zelt. Und auch die Feine Gesellschaft bietet demnächst mit Sicherheit wieder etwas für mich an.

 

our night out: Arcade Fire (16.06.2017, Tanzbrunnen Köln

Hallo, mein Name ist Gesa, ich bin fast 35 und ich habe seit dem Tod von David Bowie keine Band/keinen Musiker mehr auf meiner Liste stehen, die/den ich noch unbedingt sehen möchte. Das ist schade und an einigen Tagen darf ich da auch gar nicht länger drüber nachdenken, weil dieser Gedanke mich in eine kleine Sinnkrise wirft.

Vor ein paar Monaten fragte der Liebste mich, ob er uns Karten für das Konzert von Arcade Fire besorgen solle und ich glaube, ich habe sowas wie „och joah“ gesagt und gar nicht weiter drüber nachgedacht. Von der Band habe ich einiges auf meiner Festplatte, aber so richtig aufm Schirm habe ich die nur gelegentlich. Ich hab mich schon gefreut, vor allem wollte ich gerne mal „Rebellion (Lies)“ live sehen. Das ist so ein Lied, das sollte man einfach mal live sehen.

Freitag Nachmittag auf der A1 und mir fällt ein, dass ich mal die Location googlen könnte. Ich hatte bis dahin schon viel gutes über den Tanzbrunnen gehört, war bisher aber noch nie da. Ich freue mich, dass es Open Air ist. Es könnte zwar etwas wärmer sein, aber grundsätzlich ist super Wetter für ein Konzert unter freiem Himmel. Ich schaue nach, wie viele Personen auf das Gelände passen und schnappe kurz nach Luft: 12.500 Leute. Für jemanden, der nicht so sehr auf Menschen steht, ist das eine sehr große Zahl. Aber nun gut, Augen zu und durch. Wir finden einen super Parkplatz, wir finden unsere Kölner Konzertbegleitungen in der Schlange und dann geht es auch ziemlich schnell rein. (Anmerkung: wir waren wohl einfach früh genug da, habe jetzt schon an einigen anderen Stellen gelesen, dass der Einlass unnormal lange gedauert hat, während ich überrascht war, wie schnell es trotz ewig langer Schlange und sehr ausführlicher Taschenkontrolle ging). Wir sind uns einig, dass wir nicht unbedingt in der ersten Reihe stehen müssen, auf meiner Stirn steht vermutlich sowieso schon ZWÖLFTAUSENDFÜNFHUNDERT in einer panischen Schriftart,  und wir finden einen angenehmen Platz am Rand.

Vorband: Bomba Estereo aus Kolumbien. Zunächst so ein „hhrmmrmmm, Zeitverschwendung“-Gefühl, dann ein „hhmmm….das würde auch gut zum Haldern Pop passen bis hin zu „Ich kenn das!“ Letzteres aber ehrlich gestanden nur bei einem Lied, das passiert halt, wenn man das Radio gelegentlich Cosmo als Sender einstellt. Die Band wird immer besser, die Euphorie in uns wächst. Draußen stehen, Musik hören, Bier trinken, tanzen. Und da ist es: das Festivalgefühl.

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Arcade Fire kommen auf die Bühne und starten direkt mit der neuen Single „Everything Now“, die vom Ohr direkt in die Füße geht. Wir fangen an zu tanzen und hören bis zum Ende des Konzerts nicht damit auf. Everything Now ist mein Sommerhit 2017!

Nach Everything Now kommt dann auch direkt Rebellion (Lies) und es ist einzig schade, dass es noch so hell ist. Ansonsten: ich könnte kaum glücklicher sein. Wie wunderbar ist dieses Konzert. Dinge, die mich sonst bei Konzerten stören – hauptsächlich andere Menschen und ihr Drang, sich zu unterhalten und rumzulaufen – schaffen es jetzt nicht mal, irgendwie an mich ranzukommen. Ich weiß nicht, ob wirklich 12500 Menschen im Tanzbrunnen sind, da wo ich stehe, haben wir auf jeden Fall sehr viel Platz. Da ist nur die Band, die Musik und ich. Ich lerne noch Leute kennen, die vor uns stehen und die behaupten, dass sie aus Kanada kommen und sozusagen nur für Konzerte und deutsches Bier angereist sind. Ob das stimmt weiß ich nicht, ist auch egal, schöne Geschichte jedenfalls.

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Jeder Song ein Hit, kein Moment der Langeweile und so viele Endorphine in unserem Blut. Die Band ist in ihrem Element, es wirkt manchmal so, als wäre jedes Lied eine Zugabe. Es müsste ewig so weiter gehen. Leider sehen die Betreiber des Tanzbrunnens das anders, Punkt 22 Uhr ist Schicht. Keine Zugabe? Das Publikum ist irritiert, die Band auch eher unglücklich, Sänger Win und seine Frau Regine kommen noch einmal kurz zurück auf die Bühne und stimmen den letzten Song „Wake Up“ noch einmal kurz ohne Mikros und Instrumente an. Die Band hätte wohl noch Lust, das Publikum sowieso, aber leider ist wirklich Schluss. Ein Ende, das einen etwas fahlen Beigeschmack hinterlässt. Mittlerweile habe ich gelesen, dass nach diesem Konzert darüber mit Betreibern und der Stadt diskutiert wird, diese Bestimmung zu lockern. Soviele Anwohner kann es da ja auch eigentlich nicht geben. Wir hätten wirklich noch gerne weiter getanzt, im Vergleich zu den anderen Konzerten haben wir auf jeden Fall weniger Songs bekommen, sehr sehr schade.

Ein bisschen später am Rhein, der laue Sommerabend, der Sonnenuntergang hinterm Dom. Man hört immer wieder wie Wake Up angestimmt wird, ein Ohrwurm, der mich noch einige Tage begleiten wird.

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Auch mit diesem unwürdigen Ende bleibt mir dieses Konzert hoffentlich für immer als wunderbarer Moment im Gedächnis. Eine tolle Atmosphäre, eine tolle Band, ein tolles Konzert. Arcade Fire sind in meinem persönlichen Ranking einige Plätze nach oben geklettert. Wieder mal ein gutes Beispiel dafür, was Konzerte für Glücksgefühle auslösen können und wieder mal ein bisschen glücklicher nach Hause gefahren.