Beiträge mit dem Schlagwort: Live

Festivaljahr 2017: Haldern Pop (10.-12.08.)

Seit 2001 fahre ich zum Haldern Pop und das sollte sich auch in diesem Jahr nicht ändern. Geändert hat sich in den letzten Jahren ja auch schon genug. Zum einen das Festival selbst. Als ich anfing dort hin zu fahren, da ging das Festival nur über zwei Tage, es gab nur die Hauptbühne, das Spiegelzelt war nur da, um dreivier „Talentbands“ die Möglichkeit zu geben, am Nachmittag wenigstens ein paar interessierte Besucher zu bespielen. Es gab keine Wassertoiletten und erst Recht keine Duschen.

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Mittlerweile ist die Zuschauerzahl deutlich gestiegen, das Programm geht über drei Tage und im Spiegelzelt spielen mehr Bands als auf der Hauptbühne. Zudem gibt es noch Konzerte im Ortskern in der Popbar, im Tonstudio und in der Kirche und es gibt auf dem Gelände auch immer noch eine weitere Bühne, entweder im Biergarten des Spiegelzelts oder auf dem Hauptgelände irgendwo im Hintergrund. Die sanitäre Versorgung ist so gut, dass man im Grunde das ganze Wochenende nicht einmal ein Dixiklo besuchen müsste und sogar warm duschen stellt kein allzu großes Problem dar. Die gastronomische Versorgung hat sich deutlich gesteigert, man käme also auch ohne eigenes Essen aus. Aber: das Campleben gehört ja auch zum Festival dazu. Auch da gab es in meiner Haldernzeit Änderungen, aber ich hatte in jedem Jahr eine wunderbare Festivalgemeinschaft. Zum Haldern gehört für mich auch Gemeinschaft. Gemeinsame Vorabplanung, gemeinsam den Pavillon aufbauen, gemeinsames Essen und Trinken, über Musik sprechen, über das Leben philosophieren, gemeinsam in der Duschschlange stehen. Und ich bin wirklich sehr glücklich über meine aktuelle Festivalgruppe, weil sie das Haldern Pop noch besonderer machen als es überhaupt schon ist. Alles musikliebende, nette, witzige, großzügige und großherzige Menschen.

Das Publikum war und ist ein Grund, das Haldern Pop zu mögen und es ist schön, wenn sogar die Bands sagen, dass die Menschen vor der Bühne das sind, was dieses Festival so ausmacht. Und ich glaube auch, dass ich kein anderes mehrtägiges Festival ertragen würde. In Haldern kann man nachts ein paar ruhige Stunden zum Schlafen finden, die allermeisten Leute benehmen sich zivilisiert, eskalieren nicht völlig und ohne Rücksicht auf Verluste und sind hauptsächlich wegen der Musik da. Sehr angenehm. Da kann man auch mal drei Nächte Luftmatratze in Kauf nehmen.

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Wegen der Musik da? Bin ich auch. Bei jedem Ankündigungsvideo nörgele ich rum, weil so viele Bands schon in den Jahren zuvor da gewesen sind und mir „die Kracher“ fehlen. Dabei hat sich Haldern Pop in diesem Jahr nicht lumpen lassen und mit Clueso und AnnenMayKantereit zwei nicht unbekannte Bands auf die Mainstage gespielt. Nur: mich interessieren beide nicht. Und das ist noch nett ausgedrückt. Vor etwa zehn Jahren hat das Haldern Pop noch ziemlich genau meinen Musikgeschmack bedient, das ist heute nicht mehr so. Trotzdem sind immer – auch dieses Mal, auch wenn 2017 musikalisch womöglich das für mich schwächste Jahr gewesen ist – ein paar musikalische Perlen dabei, auf die ich mich freue. Und es sind auch immer Bands dabei, von denen ich nie zuvor gehört habe und die dann dort vor Ort mein Herz erobern. Im Sturm.

cof

Jetzt aber Butter bei die Fische. Gesehen habe ich dieses Jahr, in chronologischer Reihenfolge: Nothing, Mammal Hands, den Anfang von Aldous Harding, den Anfang von Blaudzun, The Amazons, Loyle Carner, Die Höchste Eisenbahn, Matthew And The Atlas, den Anfang von Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi, einen Teil von The Radicals, Nick Waterhouse, Bear’s Den, The Afghan Wigs und Kate Tempest. Einige davon haben mich etwas enttäuscht (Käptn Peng zB), andere völlig positiv überrascht. Loyle Carner gehört zur zweiten Kategorie. Überhaupt nicht „meine“ Musik, auf CD kann mich das auch nur mäßig überzeugen, aber live einfach SO! TOLL! Wahnsinn. Kate Tempest ist übrigens auch eine Künstlerin, die nicht so in mein Schema passt, aber der Frau muss man einfach zuhören, weil sie eine Menge wütender Dinge zu sagen hat. Ernsthaft.

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Festival, das ist ja auch ein bisschen Raubbau am Körper, obwohl es in unserer Campgemeinschaft frische Salate, gegrilltes Gemüse, Mandelmilch und glutenfreie Bio-Grillsauce gab. Aber es gab halt auch eine große Menge Alkohol, weniger Schlaf als üblich und kalte Füße, weil der August mal wieder alles gab. Also alles an Regen, was er so zur Verfügung hatte. Zumindest am Donnerstag. Aber man ist ja mittlerweile auch vorbereitet und kann damit entspannter umgehen. Gummistiefel, Regenhose, Regenjacke, Regencape. Alles dabei. Die Sonnencreme blieb dieses Jahr mal ungenutzt. Und die kurze Hose hätte ich höchstens Sonntag zum Zeltabbau anziehen wollen. Aber trotz des ganzen Schlechtwetterequipments habe ich in diesem Jahr auch ein paar Bands und Künstler verpasst, weil der sintflutartige Regen am Donnerstag Abend mich förmlich dazu zwang, unterm trockenen Pavillon sitzen zu bleiben. Ohne mich fanden daher die Konzerte von Get Well Soon, Giant Rooks und Conor Oberst statt. Die habe ich alle auch früher schon mal live gesehen, von daher ist es nicht so dramatisch. Aber ein bisschen ärgerlich schon. Natürlich hätte ich auch einfach aufstehen und durch den Regen zu den jeweiligen Bühnen stiefeln können. Aber alleine auf dem Weg zu meiner Regenkleidung wäre ich sehr nass geworden und irgendwie war das zu diesem Zeitpunkt sehr viel verlockender, dort einfach sitzen zu bleiben. Ist halt so.

Nächstes Jahr scheint wieder die Sonne. Und das Line Up wird dann sowieso unvergesslich. Der Rest bleibt einfach Haldern Pop. So wie immer.

cof

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Festivaljahr 2017: etepetete (23.06.2017 FZW Dortmund)

Die Feine Gesellschaft mal wieder. Die sorgt dafür, dass es in Dortmund zwar leider immer noch verhältnismäßig wenig feine Indie-Musik vom Plattenteller, aber immerhin live vonne Bühne kommt. Gut, das sollte man nicht unter den Teppich kehren: Parties veranstalten diese feinen Herren auch, aber ihre Konzertankündigungen lassen sehr viel häufiger mein Indie-Herz höher schlagen. Wenn ich die Künstler nicht kenne, dann höre ich gerne mal rein, denn die feine Gesellschaft hat einfach auch ein feines Gespür für Musik und Location. Ob im Hinterhof vom Hej-Store, im Keller vom SissiKingKong oder eben im FZW, das passt einfach.

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Als ich die ersten Plakate zum etepetete-Festival sah, notierte ich mir schon mal direkt den Termin. Kann ja nicht schaden, den Abend schon mal frei zu halten. Dann wurden nach und nach Bands bestätigt und vorgestellt, und ich kannte niemanden. Egal. Der Preis für ein Festivalticket – also einen Abend mit sechs Bands: frei wählbar zwischen 5 und 20 Euro. Die Glücksfee loste dann ihm noch zwei Gästelistenplätze zu, so dass wir gar nichts zahlen mussten, aber grundsätzlich finde ich es eine hübsche Idee, dass man selbst über den Eintrittspreis entscheiden kann. Und ich weiß auch sicherer Quelle, dass nicht alle nur fünf Euro bezahlt haben.

Line Up: Strand Child, The Away Days, Ropoporose, His Clancyness, Hush Moss und Gosto. Künstler aus halb Europa. Wie gesagt, bis zu diesem Abend kannte ich keine Band davon wirklich. Nur mal kurz reingehört und nichts wirklich gemerkt. Hin da und sich überraschen lassen.

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Die Bands spielten abwechselnd auf zwei kleinen Bühnen im FZW, die große Halle blieb einfach mal geschlossen. Dazwischen ein bisschen am Merch stöbern, oder an dem „Flohmarkt“-Stand einkaufen – dessen Erlöse gingen übrigens nicht in die vermutlich eher etwas klammen Kassen der Festivalbetreiber, sondern komplett an die Neven Subotic-Stiftung. Ich ziehe meinen Hut. Wem zu warm wurde, der konnte draußen den Sommerabend genießen. Oder eine rauchen. Oder Tischtennis spielen. Oder alles auf einmal.

Festival with a viewUnd ansonsten halt Leute beobachten und nebenbei Musik hören. Oder Musik hören und nebenbei Leute beobachten. Wie man es gerne mag. Der Abend verging für mich überraschend schnell und es gab sogar eine Band, die ich ziemlich gut fand und weiterhin im Ohr und Kopf behalte: His Clancyness aus Italien. Mit kanadischen Wurzeln. Die anderen Bands waren auchin Ordnung und ich finde, man kann sein Geld schlechter verschwenden als bei so einem Nachwuchs-Festival. Immerhin bin ich ja auch ständig auf der Suche nach neuen Bands, dafür ist so ein Abend einfach sehr gut geeignet.

Ein Festival-Abend in Dortmund? Das Beste kommt zum Schluss: im eigenen Bett schlafen und morgens im eigenen Bad duschen. Der nächste Festivalbesuch dann auch wieder mit Zelt. Und auch die Feine Gesellschaft bietet demnächst mit Sicherheit wieder etwas für mich an.

 

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our night out: Arcade Fire (16.06.2017, Tanzbrunnen Köln

Hallo, mein Name ist Gesa, ich bin fast 35 und ich habe seit dem Tod von David Bowie keine Band/keinen Musiker mehr auf meiner Liste stehen, die/den ich noch unbedingt sehen möchte. Das ist schade und an einigen Tagen darf ich da auch gar nicht länger drüber nachdenken, weil dieser Gedanke mich in eine kleine Sinnkrise wirft.

Vor ein paar Monaten fragte der Liebste mich, ob er uns Karten für das Konzert von Arcade Fire besorgen solle und ich glaube, ich habe sowas wie „och joah“ gesagt und gar nicht weiter drüber nachgedacht. Von der Band habe ich einiges auf meiner Festplatte, aber so richtig aufm Schirm habe ich die nur gelegentlich. Ich hab mich schon gefreut, vor allem wollte ich gerne mal „Rebellion (Lies)“ live sehen. Das ist so ein Lied, das sollte man einfach mal live sehen.

Freitag Nachmittag auf der A1 und mir fällt ein, dass ich mal die Location googlen könnte. Ich hatte bis dahin schon viel gutes über den Tanzbrunnen gehört, war bisher aber noch nie da. Ich freue mich, dass es Open Air ist. Es könnte zwar etwas wärmer sein, aber grundsätzlich ist super Wetter für ein Konzert unter freiem Himmel. Ich schaue nach, wie viele Personen auf das Gelände passen und schnappe kurz nach Luft: 12.500 Leute. Für jemanden, der nicht so sehr auf Menschen steht, ist das eine sehr große Zahl. Aber nun gut, Augen zu und durch. Wir finden einen super Parkplatz, wir finden unsere Kölner Konzertbegleitungen in der Schlange und dann geht es auch ziemlich schnell rein. (Anmerkung: wir waren wohl einfach früh genug da, habe jetzt schon an einigen anderen Stellen gelesen, dass der Einlass unnormal lange gedauert hat, während ich überrascht war, wie schnell es trotz ewig langer Schlange und sehr ausführlicher Taschenkontrolle ging). Wir sind uns einig, dass wir nicht unbedingt in der ersten Reihe stehen müssen, auf meiner Stirn steht vermutlich sowieso schon ZWÖLFTAUSENDFÜNFHUNDERT in einer panischen Schriftart,  und wir finden einen angenehmen Platz am Rand.

Vorband: Bomba Estereo aus Kolumbien. Zunächst so ein „hhrmmrmmm, Zeitverschwendung“-Gefühl, dann ein „hhmmm….das würde auch gut zum Haldern Pop passen bis hin zu „Ich kenn das!“ Letzteres aber ehrlich gestanden nur bei einem Lied, das passiert halt, wenn man das Radio gelegentlich Cosmo als Sender einstellt. Die Band wird immer besser, die Euphorie in uns wächst. Draußen stehen, Musik hören, Bier trinken, tanzen. Und da ist es: das Festivalgefühl.

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Arcade Fire kommen auf die Bühne und starten direkt mit der neuen Single „Everything Now“, die vom Ohr direkt in die Füße geht. Wir fangen an zu tanzen und hören bis zum Ende des Konzerts nicht damit auf. Everything Now ist mein Sommerhit 2017!

Nach Everything Now kommt dann auch direkt Rebellion (Lies) und es ist einzig schade, dass es noch so hell ist. Ansonsten: ich könnte kaum glücklicher sein. Wie wunderbar ist dieses Konzert. Dinge, die mich sonst bei Konzerten stören – hauptsächlich andere Menschen und ihr Drang, sich zu unterhalten und rumzulaufen – schaffen es jetzt nicht mal, irgendwie an mich ranzukommen. Ich weiß nicht, ob wirklich 12500 Menschen im Tanzbrunnen sind, da wo ich stehe, haben wir auf jeden Fall sehr viel Platz. Da ist nur die Band, die Musik und ich. Ich lerne noch Leute kennen, die vor uns stehen und die behaupten, dass sie aus Kanada kommen und sozusagen nur für Konzerte und deutsches Bier angereist sind. Ob das stimmt weiß ich nicht, ist auch egal, schöne Geschichte jedenfalls.

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Jeder Song ein Hit, kein Moment der Langeweile und so viele Endorphine in unserem Blut. Die Band ist in ihrem Element, es wirkt manchmal so, als wäre jedes Lied eine Zugabe. Es müsste ewig so weiter gehen. Leider sehen die Betreiber des Tanzbrunnens das anders, Punkt 22 Uhr ist Schicht. Keine Zugabe? Das Publikum ist irritiert, die Band auch eher unglücklich, Sänger Win und seine Frau Regine kommen noch einmal kurz zurück auf die Bühne und stimmen den letzten Song „Wake Up“ noch einmal kurz ohne Mikros und Instrumente an. Die Band hätte wohl noch Lust, das Publikum sowieso, aber leider ist wirklich Schluss. Ein Ende, das einen etwas fahlen Beigeschmack hinterlässt. Mittlerweile habe ich gelesen, dass nach diesem Konzert darüber mit Betreibern und der Stadt diskutiert wird, diese Bestimmung zu lockern. Soviele Anwohner kann es da ja auch eigentlich nicht geben. Wir hätten wirklich noch gerne weiter getanzt, im Vergleich zu den anderen Konzerten haben wir auf jeden Fall weniger Songs bekommen, sehr sehr schade.

Ein bisschen später am Rhein, der laue Sommerabend, der Sonnenuntergang hinterm Dom. Man hört immer wieder wie Wake Up angestimmt wird, ein Ohrwurm, der mich noch einige Tage begleiten wird.

mde

Auch mit diesem unwürdigen Ende bleibt mir dieses Konzert hoffentlich für immer als wunderbarer Moment im Gedächnis. Eine tolle Atmosphäre, eine tolle Band, ein tolles Konzert. Arcade Fire sind in meinem persönlichen Ranking einige Plätze nach oben geklettert. Wieder mal ein gutes Beispiel dafür, was Konzerte für Glücksgefühle auslösen können und wieder mal ein bisschen glücklicher nach Hause gefahren.

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our night out: Paul Weller (04.06.2017, Ringlokschuppen Bielefeld)

Paul Weller ist für mich einer der größten Musiker und ich freue mich, dass er noch immer so aktiv ist, Alben veröffentlicht und auch regelmäßig durch Deutschland tourt und dabei in meiner Nähe spielt. Pfingstsonntag in Bielefeld, das traf sich ausgezeichnet. Am Freitag ein Familienbesuch in Bad Salzuflen und am Samstag zogen er und ich dann weiter nach Bielefeld. Der Plan: ausgiebige Freundezeit, das Seelenfrühstück, vielleicht eine Runde aufm Siggi sitzen, neue Gastronomie testen und dann am Sonntag Abend zum Ringlokschuppen fahren.

Nach einem Abstecher am Obersee kamen wir dann Samstag am späten Mittag im Bielefelder Westen an und stellten fest: die Tickets sind übrigens immer noch in Dortmund. Hmpf. Aber wir sprechen von Paul Weller, darauf zu verzichten kam nicht einen Moment in Frage. Bei einer weiteren Distanz hätte ich möglicherweise überlegt, einfach an der Abendkasse neue Karten zu kaufen, aber so fuhren wir am Sonntag kurzerhand einfach noch mal nach Hause um die Tickets zu holen. Was tut man nicht alles? Ich für Paul Weller zumindest eine Menge. Das steht jetzt schon mal fest.

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Pfingstsonntag, und ich freue mich wie Bolle, dass das Konzert in der kleineren der beiden Hallen im Ringlokschuppen stattfindet. Das bedeutet zwar, dass nicht so viele Karten verkauft wurden, wie es Paul Weller verdient hätte, aber ich mag den Raum einfach so viel lieber. Und es ist immer noch eine Halle. Die Vorband kam aus Berlin, klang sehr nach dem Gewinner eines Oasis-listen-alike-Contests, und sie hat mir zunächst gefallen, dann fand ich sie furchtbar und am Ende wieder ganz ok. Aber: ich habe schon wieder völlig vergessen, wie sie hieß. Das sagt vielleicht auch schon alles. Musikalisch war das schon ziemlich passend zu Paul Weller, die Attitüde war für mich dann aber einfach ein bisschen zu sehr aufgesetzt.

Paul Weller dagegen sehr entspannt, seine Begleitband ebenso. Böse Zungen (ich selbst) behaupten ja, ich würde nur wegen Steve Cradock zu Paul Weller-Konzerten gehen. Ein bisschen mag das stimmen, aber nicht nur. Und natürlich wünsche ich mir manchmal auch, dass ich älter wäre und somit die Möglichkeit gehabt hätte, mal The Jam oder The Style Council live zu sehen. Die Ungnade der späten Geburt. So muss ich mich damit begnügen, bei einem der heutigen Konzerte einzwei ausgewählte alte Songs zu hören. Dieses Mal war die Setlist sehr gemischt, einige alte Songs, aber auch neue Stücke des frisch erschienenen Albums „A Kind Revolution“. Paul Weller war dabei mal an einer seiner Gitarren, mal am Klavier. Sehr schön, sehr abwechslungsreich.

oznor

Die Setlist war übrigens bei allen Konzerten der Tour ähnlich, aber nie gleich. Gerade bei den Zugaben gab es ein paar Abweichungen. Das sind Dinge, die mir sehr gut gefallen, weil es für mich ein Zeichen ist, dass die Band nicht einfach nur ihre Arbeit erledigt und eine Liste runterspielt, sondern dass man auch ein bisschen auf das jeweilige Publikum eingeht.Die Stücke von A Kind Revolution gefallen mir übrigens mit jedem Hören besser und noch mehr, seit ich sie jetzt live erlebt habe. Das Album braucht ein bisschen, aber es ist groß.

Wir bekamen übrigens drei Zugabenblöcke, auch wenn sich Paul Weller und seine Musiker jedes Mal ziemlich lange bitten ließen. Und mit You Do Something To Me durfte ich dann auch wieder eins der schönsten Lieder überhaupt hören. Abgeschlossen wurde das Konzert allerdings mit einer leisen und schönen Version von Broken Stones.

Paul Weller-Konzerte. Wie nach Hause kommen.

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