our night out: Kettcar (26.01.2018, FZW Dortmund)

Dieser Freitag war scheiße, um es mal kurz auf den Punkt zu bringen. Es war einer dieser Zyankali-Tage. Und nur eins hielt mich aufrecht: die Aussicht auf die Kombination von Feierabendbier und Kettcar-Konzert. Hohe Erwartungen, aber ich war optimistisch. Kettcar haben mich noch nie enttäuscht.

Support: Fortuna Ehrenfeld. Ebenfalls beim Grand Hotel Van Cleef unter Vertrag, das ist für mich schon immer ein Zeichen für Qualität. Ein guter Einstieg in diesen Abend, mal zart, mal wild und auf jeden Fall unterhaltsam.

Und dann kamen Kettcar auf die Bühne und die ganze Last des Tages fiel von mir ab. Kettcar, diese große Liebe. Endlich wieder da. Nach über vier Jahren Pause gab es letzten Sommer zunächst das neue Album Ich vs. Wir und dann endlich auch Tourtermine. Dortmund mit dabei, wunderbar.

cof

Das Konzert startet mit „Trostbrücke Süd“ vom neuen Album, dann folgt eine wirklich sehr ausgewogene Mischung aus Liedern aller Alben. Balkon gegenüber, Graceland, Sommer ’89…jedes Lied ein Hit. Mir wird wieder bewusst: mir fällt kein schlechtes Lied von Kettcar ein. Es gibt sicherlich welche, die ein bisschen von meinen liebsten Lieblingsliedern abfallen und natürlich finde ich – wie bei jeder Band – die frühen Alben unerreichbar supergut, aber das sind Nuancen. Beim neuen Album hatte ich zunächst übrigens ein paar Schwierigkeiten, damit warm zu werden, obwohl ich sofort nach dem ersten Hören der Meinung war, dass es ein gutes und ihr bisher wichtigstes Album ist. Die Songs live zu erleben, hat mich allerdings endgültig überzeugt.

oznor

Was mir an Kettcar neben den Texten und der Musik ja auch so gut gefällt, ist wie sie ihre Konzerte gestalten. Es gibt einige Zwischenansagen, aber ansonsten wenig Klimbim. Die riesigen Videoleinwände mit eingespielten Projektionen waren schon mehr, als ich das gewohnt war, die Filme passten aber immer ausgezeichnet zum jeweiligen Lied.

Zwischendurch: drei Liebeslieder. Rettung, 48 Stunden, Balu. Gänsehaut. Wie schön und echt sich Lieder über Liebe anhören können, so abseits vom Radiomainstream. Übrigens: „Manche sagen es wär einfach, ich sage es ist heikel. Du bist New York City und ich bin Wanne-Eickel.“ – Das Dortmunder Publikum war die ganze Zeit ziemlich textsicher, aber niemals so laut wie bei dieser Zeile.

Nach diesem Ausflug in die Liebeslieder ging es dann weiter, ein Querschnitt durch das Leben: Freundschaft, Erwachsenwerden, Liebeskummer, Trost, Politik. Jeder Satz ein Treffer. Jeder Satz ein „genau so ist es“.

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Zugabe! Ein neues Lied, ein Lied vom Soloalbum von Marcus Wiebusch und zwei meiner liebsten Hits. Dieses Bild verdient Applaus. Dortmund sieht das auch so. Also kommt die Band noch ein letztes Mal zurück und singt dieses möglicherweise wichtigste Lied der heutigen Zeit.

Ich danke der Academy. Immer noch.

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our night out: Arcade Fire (16.06.2017, Tanzbrunnen Köln

Hallo, mein Name ist Gesa, ich bin fast 35 und ich habe seit dem Tod von David Bowie keine Band/keinen Musiker mehr auf meiner Liste stehen, die/den ich noch unbedingt sehen möchte. Das ist schade und an einigen Tagen darf ich da auch gar nicht länger drüber nachdenken, weil dieser Gedanke mich in eine kleine Sinnkrise wirft.

Vor ein paar Monaten fragte der Liebste mich, ob er uns Karten für das Konzert von Arcade Fire besorgen solle und ich glaube, ich habe sowas wie „och joah“ gesagt und gar nicht weiter drüber nachgedacht. Von der Band habe ich einiges auf meiner Festplatte, aber so richtig aufm Schirm habe ich die nur gelegentlich. Ich hab mich schon gefreut, vor allem wollte ich gerne mal „Rebellion (Lies)“ live sehen. Das ist so ein Lied, das sollte man einfach mal live sehen.

Freitag Nachmittag auf der A1 und mir fällt ein, dass ich mal die Location googlen könnte. Ich hatte bis dahin schon viel gutes über den Tanzbrunnen gehört, war bisher aber noch nie da. Ich freue mich, dass es Open Air ist. Es könnte zwar etwas wärmer sein, aber grundsätzlich ist super Wetter für ein Konzert unter freiem Himmel. Ich schaue nach, wie viele Personen auf das Gelände passen und schnappe kurz nach Luft: 12.500 Leute. Für jemanden, der nicht so sehr auf Menschen steht, ist das eine sehr große Zahl. Aber nun gut, Augen zu und durch. Wir finden einen super Parkplatz, wir finden unsere Kölner Konzertbegleitungen in der Schlange und dann geht es auch ziemlich schnell rein. (Anmerkung: wir waren wohl einfach früh genug da, habe jetzt schon an einigen anderen Stellen gelesen, dass der Einlass unnormal lange gedauert hat, während ich überrascht war, wie schnell es trotz ewig langer Schlange und sehr ausführlicher Taschenkontrolle ging). Wir sind uns einig, dass wir nicht unbedingt in der ersten Reihe stehen müssen, auf meiner Stirn steht vermutlich sowieso schon ZWÖLFTAUSENDFÜNFHUNDERT in einer panischen Schriftart,  und wir finden einen angenehmen Platz am Rand.

Vorband: Bomba Estereo aus Kolumbien. Zunächst so ein „hhrmmrmmm, Zeitverschwendung“-Gefühl, dann ein „hhmmm….das würde auch gut zum Haldern Pop passen bis hin zu „Ich kenn das!“ Letzteres aber ehrlich gestanden nur bei einem Lied, das passiert halt, wenn man das Radio gelegentlich Cosmo als Sender einstellt. Die Band wird immer besser, die Euphorie in uns wächst. Draußen stehen, Musik hören, Bier trinken, tanzen. Und da ist es: das Festivalgefühl.

cof

Arcade Fire kommen auf die Bühne und starten direkt mit der neuen Single „Everything Now“, die vom Ohr direkt in die Füße geht. Wir fangen an zu tanzen und hören bis zum Ende des Konzerts nicht damit auf. Everything Now ist mein Sommerhit 2017!

Nach Everything Now kommt dann auch direkt Rebellion (Lies) und es ist einzig schade, dass es noch so hell ist. Ansonsten: ich könnte kaum glücklicher sein. Wie wunderbar ist dieses Konzert. Dinge, die mich sonst bei Konzerten stören – hauptsächlich andere Menschen und ihr Drang, sich zu unterhalten und rumzulaufen – schaffen es jetzt nicht mal, irgendwie an mich ranzukommen. Ich weiß nicht, ob wirklich 12500 Menschen im Tanzbrunnen sind, da wo ich stehe, haben wir auf jeden Fall sehr viel Platz. Da ist nur die Band, die Musik und ich. Ich lerne noch Leute kennen, die vor uns stehen und die behaupten, dass sie aus Kanada kommen und sozusagen nur für Konzerte und deutsches Bier angereist sind. Ob das stimmt weiß ich nicht, ist auch egal, schöne Geschichte jedenfalls.

oznor

Jeder Song ein Hit, kein Moment der Langeweile und so viele Endorphine in unserem Blut. Die Band ist in ihrem Element, es wirkt manchmal so, als wäre jedes Lied eine Zugabe. Es müsste ewig so weiter gehen. Leider sehen die Betreiber des Tanzbrunnens das anders, Punkt 22 Uhr ist Schicht. Keine Zugabe? Das Publikum ist irritiert, die Band auch eher unglücklich, Sänger Win und seine Frau Regine kommen noch einmal kurz zurück auf die Bühne und stimmen den letzten Song „Wake Up“ noch einmal kurz ohne Mikros und Instrumente an. Die Band hätte wohl noch Lust, das Publikum sowieso, aber leider ist wirklich Schluss. Ein Ende, das einen etwas fahlen Beigeschmack hinterlässt. Mittlerweile habe ich gelesen, dass nach diesem Konzert darüber mit Betreibern und der Stadt diskutiert wird, diese Bestimmung zu lockern. Soviele Anwohner kann es da ja auch eigentlich nicht geben. Wir hätten wirklich noch gerne weiter getanzt, im Vergleich zu den anderen Konzerten haben wir auf jeden Fall weniger Songs bekommen, sehr sehr schade.

Ein bisschen später am Rhein, der laue Sommerabend, der Sonnenuntergang hinterm Dom. Man hört immer wieder wie Wake Up angestimmt wird, ein Ohrwurm, der mich noch einige Tage begleiten wird.

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Auch mit diesem unwürdigen Ende bleibt mir dieses Konzert hoffentlich für immer als wunderbarer Moment im Gedächnis. Eine tolle Atmosphäre, eine tolle Band, ein tolles Konzert. Arcade Fire sind in meinem persönlichen Ranking einige Plätze nach oben geklettert. Wieder mal ein gutes Beispiel dafür, was Konzerte für Glücksgefühle auslösen können und wieder mal ein bisschen glücklicher nach Hause gefahren.

Festivalsommer 2015: Way Back When (Dortmund)

Nach der Festival-Premiere im vergangenen Jahr wurden nur wenige Wochen später die Super-Early Bird-Tickets für 2015 besorgt (das gesparte Geld wurde dann direkt am Merchandise-Stand wieder versenkt). Da stand beim Ticket-Kauf nur der Termin fest, ansonsten nichts. Aber: mach ich beim Haldern Pop ja auch so, no risk no fun. Oder auch no risk no good music. Ganz ehrlich, ich war einfach sehr sicher, dass mir das Line Up gefallen wird. Und ich gehöre ja auch nicht zu den Leuten, die sich immer noch alles offen halten müssen, weil man ja noch nicht weiß, was sein wird. Was man hat, das hat man. Ich hatte nun also schon im Juli 2014 einen Termin für Pfingsten 2015 – das 2. Way Back When-Festival.

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Nach und nach wurden Künstler bestätigt und die Locations bekanntgegeben, die Vorfreude wuchs. 2015 also auch das FZW und das Domicil, als dritte Spielstätte nun aber (die Kaktusfarm steht ja nicht mehr) die Pauluskirche. Das war natürlich mal eine Ansage! Tolle Wahl!
Vorab natürlich auch mal in die Bands reingehört, sich Notizen zum Line Up gemacht, überlegt, wo man was sieht. Und dieses Jahr habe ich es tatsächlich zu allen drei Spielstätten geschafft. Und ich habe alles gesehen, was ich mir vorher auch so als sehenswert überlegt hatte. Plus noch ein bisschen mehr.

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Und so sah mein persönliches Line Up aus

Freitag:
Arkells, Sizarr, ein bisschen Citizens (nur vom Vorraum vorm FZW-Club aus), Sea Wolf und The Rural Alberta Advantage (Arkells bis Citizens im FZW, Sea Wolf und The Rural Alberta Advantage im Domicil)

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Samstag:
Wanda im FZW, The Slow Show in der Pauluskirche und dann noch eine Weile Fink im FZW (Fink hatte ich letztes Jahr in Haldern schon nicht oder nur teilweise gesehen und wusste dann auch wieder, wieso das so war).

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Sonntag:
Klaus Johann Grobe, Trümmer, Only Real, Foxygen und einen Teil der Allah-Las (alles im FZW)

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Alle Konzerte und Bands so unterschiedlich, aber dennoch passend. Der krasseste Unterschied war vermutlich, nach dem Konzert von Wanda in der FZW-Halle zur Kirche zu gehen und da den Klängen von The Slow Show zu lauschen. Ich hörte davon, dass dort Zuschauer vor Ergriffenheit geweint haben. Dafür saß ich vielleicht zu weit hinten, aber gefallen hat es mir trotzdem sehr gut.

Der Preis für die abgefahrenste Performance geht auf jeden Fall an Foxygen, da stand ich in der ersten Reihe und hatte die ganze Zeit Sorge, dass sich jemand (hauptsächlich der Sänger) verletzt oder versehentlich verletzt wird. Das war eine Mischung aus Rocky Horror Picture Show, einem sehr wilden Flaming Lips-Auftritt, einem Kindergeburtstag, Cheerleadern und – nun ja – einem Drogentrip. Wahnsinn.

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Meine Highlights? Wanda, The Slow Show, Sea Wolf und The Rural Alberta Advantage. Alle auf ihre Art berührende Glücklichmacher. Weitere Herzmomente: Leute treffen und sich mit ihnen über Musik austauschen. Den Bärentatzen zu den verschiedenen Locations folgen.
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(und die Verpflegung in der benachbarten Burger-Initiative)

Dortmund, du kleine Indiepop-Perlen-Hauptstadt. Das Way Back When hat sich nun wohl endgültig etabliert, ich freue mich auf 2016 und am Ende bleibt nur eins zu sagen: AMORE!

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our night out: Noel Gallagher’s High Flying Birds (19.03., Mitsubishi Electric Halle Düsseldorf)

Ihr müsst euch das etwa so vorstellen:

„Oh, Noel Gallagher spielt in Düsseldorf..aber den haben wir ja jetzt auch schon ein paar Mal gesehen.“
„Und ist auch unter der Woche. Und ganz schön teuer.“
„Ja stimmt.“

Und dann kaufen wir doch die Tickets. Natürlich. Wir reden hier ja schließlich von Noel Gallagher. Das kann man sich dann ja doch nicht entgehen lassen, immerhin ist Düsseldorf auch nicht sooo weit weg. Und ich bin ja auch eh „Team Noel“, musikalisch zumindest.

Noel Gallagher selbst fand das Konzert wohl nicht so knorke. Und die Übertragung im Fernsehen zeigte wohl auch nicht so die Wahnsinns-Stimmung. Mir persönlich hat es aber mal wieder sehr gut gefallen. Obwohl wir recht weit hinten standen, hatten wir eine ziemlich anständige Sicht und spätestens beim ersten Oasis-Hit, eine Akustik-Version von „Fade Away“ hatte er mich. Aber hallo!

Für mich schreibt Noel Gallagher nur Hits, seine Soloalben höre ich ausnahmslos gern – und dass ich ein Oasis-Fangirl bin, dürfte hier niemanden mehr überraschen, oder? Oasis sind für mich halt das, was die Stones für meine Eltern sind. Sie sind quasi der Grundbaustein für meinen Musikgeschmack. Ohne sie würde ich heute nicht zu Konzerten gehen und mein Geld für Vinyl und CDs und anderen Musikquatsch ausgeben, weil sie für mich die Musik wichtig und bedeutsam gemacht haben (please don’t put your life in the hands of a rock’n’roll-band who’ll throw it all away.)

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Für mich hat sich das Konzert gelohnt. Ich hatte Gänsehaut, konnte mitgröhlen und konnte viele glückliche und tanzende Menschen sehen. Vielleicht war es bei Oasis früher noch besser und noch mehr Stimmung, möglich. Aber ich war wirklich glücklich als ich aus der Halle raus ging und noch nach billigen Schwarzmarktmerch schaute.

Und dann kam es noch, die Stimmungskanone, die viele vermissten. Ganz überraschend stand ein Straßenmusiker in der Bahnunterführung, hatte seine Gitarre dabei und sang Oasis-Lieder. Und dann standen wir dort im Tunnel und sangen. Er musste kaum noch was machen und beschehrte sich und uns doch die Konzerterinnerung des Lebens.

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How many special people change?
How many lives are living strange?
Where were you while we were getting high?

(Bei ihm könnt ihr euch seine Meinung, noch mehr Bilder und sogar ein Video von diesem besonderen Aftershow-Konzert anschauen)

our night out: We Were Promised Jetpacks (28.02.2015, Druckluft Oberhausen)

Fast wäre der Februar konzertlos geblieben! Skandal! Glücklicherweise kamen dann aber auf den letzten Drücker noch ein paar Schotten in die Region – We Were Promised Jetpacks spielten in Oberhausen. An einem Samstag ist so eine Fahrt nach Oberhausen auf jeden Fall drin, das Druckluft ist auch ein netter Konzertort und mit Schotten macht man ja fast nie was verkehrt. We Were Promised Jetpacks gehören jedenfalls zu den guten schottischen Bands.

Den Support haben Astairre aus Köln (aber mit Bottroper Wurzeln, wenn ich das richtig verstanden habe) übernommen, wer mag kann sie sich übrigens auch demnächst beim Dortmunder Way Back When-Festival anhören und -schauen.

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Leider war der zeitliche Rahmen des WWPJ-Auftritts etwas begrenzt, denn das Konzert fing etwas später an als gedacht, die Umbaupause wirkte – zumindest für mich – auch etwas länger als nötig und da dann später am Abend in den Räumlichkeiten noch eine Party stattfinden sollte, war auch klar, dass gegen 23 Uhr Schluss sein würde. So konnten die Schotten nur etwa 75 Minuten spielen, sehr schade. Immerhin sind mittlerweile drei Alben erschienen, da hätten sie vielleicht auch mehr Zeit füllen können. Vielleicht wollten sie es ja auch nicht, mag ja auch sein.

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Schade deshalb, weil sie mit ihrer Musik aufwecken, zum Tanzen animieren, gute Laune verbreiten, Müdigkeit abschütteln können. Eben noch schlecht gelaunt (ich hasse warten), jetzt schon gut drauf. In keine Schublade so richtig passend, ein bisschen Punk, ein bisschen Indie, ein bisschen Elektro. Einfach eine passende Mischung

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Und meinen liebsten Hit haben sie natürlich auch gespielt!

Und ein kleines bisschen war dieses Konzert auch Einstimmung auf den Sommerurlaub. Da konnte ich direkt ein bisschen schottisch üben.

our night out: Dexters (21.10.2014, FZW Dortmund)

Nachdem für mich am vergangenen Samstag Maximo Park krankheitsbedingt ausfiel, war ich immerhin am Dienstag Abend wieder fit genug für einen kurzen Ausflug ins Freizeitzentrum West.

Kurz ist dabei wörtlich zu nehmen, denn besonders lang wurde der Abend nicht, aber die Briten haben ja bisher auch nur ihr Debütalbum „Shimmer Gold“ auf dem Markt. Da kann man ja noch nicht so viel Material erwarten. Bei der nächsten Tour dauern die Konzerte bestimmt schon länger.

Ich weiß gar nicht mehr so genau, wie Dexters in diesen Haushalt gekommen sind. Auf jeden Fall waren sie irgendwann irgendwie da, das Album auch (das habe ich gekauft, daran erinnere ich mich wenigstens noch) und die sehr schön günstigen Konzertkarten auch.

Ich halbwegs fit, meine Konzertunterstützung allerdings nicht, aber dafür sprang kurzfristig Jott Kah ein, die nicht nur eine äußerst angenehme Konzertbegleitung ist, sondern auch Bilder in ihrem Blog zeigt, die ich mir den ganzen Tag lang anschauen könnte. Und einen guten Musikgeschmack hat sie auch. Sowas findet man ja auch nicht alle Tage.

Nach dem Support von der Dortmunder Band Nothing But Rascals – die gefühlt mindestens die Hälfte der (etwa 50 – 60) Zuschauer mitgebracht hatten – ging es dann auch nach kurzer Umbaupause los.

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Ach, Dexters. Welch Wohltat für meine Indierock-Ohren. Endlich mal wieder ein bisschen Gitarrengeschrammel, ein bisschen 90er Manchester-Sound, ein bisschen britischer Akzent, ein bisschen Schellenkranz. Das ist doch genau meins. Der Schellenkranz zerbrach übrigens im Laufe des Konzerts in zwei Teile, aber das war wohl dem Alter geschuldet, es lag keinerlei Krawalligkeit in der Luft.

Meiner Meinung nach könnte es ja noch viel mehr Band wie Dexters geben. Endlich mal wieder was los aufm Plattenteller. Und nett waren die auch noch. Zumindest soweit ich das nach den Zwischendurch-Ansagen beurteilen kann. Besonders gut gefiel mir da ja übrigens, wenn mal neue Lieder angekündigt worden sind. Ich glaube, die wenigsten im Publikum hätten das bemerkt. Es hat auch niemand nach den alten Hits verlangt. Streng genommen sind es halt alles neue Lieder. Trotzdem nett. Auch nett: im Anschluss an das Konzert wurden die gekauften Alben signiert. Aber ich habe das ja schon. Schade, hätte ich das mal mitgenommen.

Auch schade: das Konzert war wirklich sehr schnell vorbei und es gab keine Zugabe. Da fühlt man sich ja fast ein bisschen schlecht. Zumindest irritiert es mächtig. War man als Publikum nicht gut genug? Hätte man mal ein bisschen hysterisch kreischen sollen? Ist die Band beleidigt, weil nur so wenig Zuschauer da waren? Einen Tag später erfuhr ich aber, dass es in Hamburg auch keine Zugabe gab, das beruhigt dann ja schon ein bisschen. Ist dann halt wohl so.

Aber hier, ach komm. Einer geht noch.

our night out: Richard Ashcroft (12.06.2010, Live Music Hall Köln)

Ab und an hadere ich ja damit, dass mir Dinge von „früher“ fehlen, insbesondere Musik. Doch dann gibt es so Tage, da bekomme ich per Mail Nachrichten von Musikern, die ich eigentlich schon ungelesen löschen möchte und dann doch lese. New European Tourdates war das Stichwort. Und obwohl ich fest davon ausging, dass dort nur Daten in England, Frankreich, Spanien und vielleicht noch Berlin und München zu finden sind, siegte die Neugier.

Und dann ging mir plötzlich richtig die Pumpe. Köln, 12. Juni. Das ist doch ein Samstag! Und Köln ist da durchaus machbar. Meine Hände begannen zu zittern. Es war…Richard Ashcroft. Einer meiner ganz großen Helden. Für mich einer der wenigen Musiker, die mich immer wieder packen (ein merkwürdiges Album verzeihe ich ihm) können, die ich immer hören kann, die mir immer eine Gänsehaut zaubern. Richard Ashcroft hat mich durch die letzten zehn-fünfzehn Jahre begleitet.

Drei Tage später begann der Vorverkauf für die Karten und mit Hilfe meines Lieblingsticketdealers schaffte ich es, vier Karten zu ergattern. Blitzschnell war das Konzert ausverkauft. Dann wurde es in eine größere Halle verlegt, dann wurde es noch zeitlich nach hinten geschoben (die WM, das Spiel wurde aber zumindest in der Halle übertragen und hat quasi eine Vorband ersetzt), aber dann – pünktlich mit dem Abpfiff – erklang das Intro des ersten Liedes.

Wunderbar. Gänsehaut. Sauerstoffmangel. Tränen in den Augen. Neue Melodien und alte Hymnen. Freude. Glück. Hitze. Euphorie. Die Hände in den Himmel recken. Viel zu kurz. Ein Grinsen. Herzklopfen. And I’m a lucky man with fire in my hands.