our night out: Love A (27.04.2018, Gebäude 9, Köln)

Ich bin ja ein Britpop-Mädchen, oder meinetwegen ein Indiepop-Mädchen, das ist kein Geheimnis. Doch gelegentlich gönne ich mir kleine Ausflüge über den musikalischen Tellerrand. Und dann höre ich zum Beispiel Love A, deutschen Punk. Die Mitglieder von Love A kommen aus Trier, Köln und Wuppertal und es gibt die Band seit 2010. Ich habe sie seit letztem Jahr auf meinem persönlichen Musikradar, seit ich das erste Mal Weder noch vom aktuellen Album Nichts ist neu hörte.

Jede Zeile war so passend, triggerte mich und meine Wut auf manche Menschen. Und es gibt Momente, da finde ich es richtig, wütend zu sein. Ich bin sogar der Meinung, in der aktuellen Zeit und Gesellschaft ist es wichtig und richtiger wütend anstatt ängstlich oder besorgt zu sein.

Vor einigen Monaten wurde ein Konzerttermin für Love A am 28. April im Gebäude 9 bestätigt, das Konzert war aber so schnell ausverkauft, dass wir keine Karten mehr ergattern konnten. Glücklicherweise wurde aufgrund der hohen Nachfrage noch ein Zusatztermin ermöglicht, also fuhren wir dann am Freitag nach Köln. Das Gebäude 9 ist einer meiner liebsten Konzertorte, und das obwohl der Raum lang und schmal ist (was für Menschen meiner Körpergröße eher nachteilig ist, besonders wenn man es nicht in die vorderen Reihen schafft.) Gute Sicht ist aber nicht alles, ich mag die Atmosphäre dort einfach sehr gern.

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Vorband waren übrigens Illegale Farben aus Köln, die ich eigentlich bis dahin nicht kannte, aber trotzdem irgendwie das Gefühl hatte, sie schon mal gesehen oder gehört zu haben. Entweder habe ich sie schon mal irgendwo gesehen und vergessen oder sie sind einfach nur extrem eingängig. Gefallen haben sie mir auf jeden Fall, und das sage ich ja nun wahrlich nicht über jeden Support-Act. Besonders im Kopf geblieben ist mir ihre neue Single Angst ist die Mutter der schlechtesten Ideen. Sag ich ja.

Love A. Laut, warm, schnell. Ein perfektes Konzert um Bier zu trinken – schade, dass ich mich freiwillig als Fahrerin gemeldet hatte. Leider war das Wetter so schön, dass wir bis zum letzten Moment draußen standen, so dass wir während des Konzerts relativ weit hinten stehen mussten. Von der Sauerstoffversorgung her gesehen war das kein schlechter Platz, aber dafür war dann die Sicht halt nicht so super. Halb so wild, der Stimmung hat das keinen Abbruch gemacht.

Leider war das Konzert eher kurz, um 23 Uhr startete dort nämlich der Partybetrieb. Also gab es einen recht zügigen Rundumschlag durch die vorhandenen Alben. Inklusive Zugabe und inklusive einiger Zwischenansagen. Immerhin haben wir es in der kurzen Zeit auf 22 Songs geschafft, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass wir durch das Set hetzen. Sympathische Band, die Chemie zwischen Publikum und Band stimmte einfach, die Atmosphäre im Gebäude 9 passte perfekt dazu und so war es ein rundum gelungener Konzertabend. Laut. Dreckig. Schnell. Muss es halt auch mal sein.

Jetzt nur wieder das Dilemma: alle sollten Love A hören. Aber bitte tut das nicht, dann werden sie groß und berühmt und gewinnen noch den Echo. Ach nee, den nicht. Aber dann spielen sie irgendwann nicht mehr zwei Abende im Gebäude 9, sondern sind im Palladium, werden im Radio hoch und runter gespielt und dann ist der ganze Charme vorbei. Wie man es macht, ist es verkehrt. Hört auf euer Herz und hört Love A und kauft ihre Musik und geht auf Konzerte. Immer.

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Slowdive (26.02.2018, Gloria Köln)

Im September 2016 – als wir durch ein Gewitter in Richtung Köln fuhren und auf dem Hinweg schon unfassbar müde waren – beschlossen er und ich gemeinsam, dass wir unter der Woche nur noch nach Köln zu Konzerten fahren würden, wenn wirkliche Musikgötter dort auf uns warten würden. Wir fuhren dann ein paar Wochen später noch mal zu Maximo Park, weil wir die Karten schon gekauft hatten, aber seitdem gibt es unterwöchig nur noch Konzerte für uns, die etwas näher liegen.

sdr

Im Januar 2018 sortierte ich ein bisschen meine Termine und mir fiel auf, dass ich im Januar Konzerte besuche und für März, April und sogar Mai schon Tickets bereit liegen. Eine unschöne Lücke im Februar, das störte mich schon ein bisschen. Slowdive in Köln wäre eine Möglichkeit. Was dafür sprach: SLOWDIVE! Was dagegen: KÖLN. Auf einem MONTAG. Wär jetzt nicht so super klug, der Schlafmangel würde sich die ganze Woche bemerkbar machen.

Eines Samstagsmorgens dann saß ich im Auto, fuhr über die leere B1, Slowdive sangen mir Sugar For The Pill ins Ohr und ich fand, dass das Leben einfach zu kurz ist, um immer nur super kluge Dinge zu tun. Er stimmte mir zu, wir kauften Tickets und wenige Tage später war das Konzert schon ausverkauft.

Montag Abend im Kölner Gloria. Im ungefähr letztmöglichen Moment reingegangen, um die gerne endlos lange Schlange am Einlass abzukürzen. Dafür dann natürlich ein Platz nicht in der ersten Reihe, sondern ziemlich mittig. Aber das Gloria ist ja ein altes Kino, steigt nach hinten also an, das ist wirklich sehr angenehm. Angenehm ebenfalls das Publikum, eher etwas älter und gesetzter und im Ganzen entspannt.

Slowdive haben im letzten Jahr ein neues Album veröffentlich, davor war es 20 Jahre lang mehr als ruhig. 1995 aufgelöst kam es wohl 2014 zur Re-Union und damit bekommen auch Jungspunde wie ich in den Genuss einer Tournee. Beim Way Back When im letzten Herbst habe ich sie schon gesehen und jetzt wieder.  oznor

Wenn ich zeitreisen könnte, dann wäre ich gern mit dem Körper und der Partyverfassung einer Endzwanzigerin in den frühen 90er Jahren. Und zwar in England, am besten natürlich in Manchester. Ich würde die ganze Zeit Musik hören, Slowdive wären auf jeden Fall auch dabei. Dieser melodische Shoegaze, in dem man sich komplett verlieren kann. Das schwierige ist, sich ganz fallen zu lassen, sich nicht in Gedanken zu verlieren. Ich selbst schaffe das nicht immer und hatte auch an dem Montag Abend gelegentlich Schwierigkeiten damit. Zu schnell lasse ich mich einfach von meiner Umgebung ablenken. Mit Ende Zwanzig hatte ich das noch nicht so sehr. Glaub ich. Diese Art der Musik habe ich damals auf jeden Fall schon gerne gehört. Und heute halt immer noch. Das Konzert passte einfach so gut, selbst für einen Montagabend in Köln. Die Kilometer und der fehlende Schlaf haben sich gelohnt. Gut, dass man nicht immer nur auf seinen Verstand, sondern gelegentlich auch auf sein Herz hört.

Trotzdem: für Juli und August hängen schon Festivaltickets an der Pinnwand. Drückt mir die Daumen, dass im Juni noch eine sehenswerte Band in Dortmund auftritt.

our night out: Arcade Fire (16.06.2017, Tanzbrunnen Köln

Hallo, mein Name ist Gesa, ich bin fast 35 und ich habe seit dem Tod von David Bowie keine Band/keinen Musiker mehr auf meiner Liste stehen, die/den ich noch unbedingt sehen möchte. Das ist schade und an einigen Tagen darf ich da auch gar nicht länger drüber nachdenken, weil dieser Gedanke mich in eine kleine Sinnkrise wirft.

Vor ein paar Monaten fragte der Liebste mich, ob er uns Karten für das Konzert von Arcade Fire besorgen solle und ich glaube, ich habe sowas wie „och joah“ gesagt und gar nicht weiter drüber nachgedacht. Von der Band habe ich einiges auf meiner Festplatte, aber so richtig aufm Schirm habe ich die nur gelegentlich. Ich hab mich schon gefreut, vor allem wollte ich gerne mal „Rebellion (Lies)“ live sehen. Das ist so ein Lied, das sollte man einfach mal live sehen.

Freitag Nachmittag auf der A1 und mir fällt ein, dass ich mal die Location googlen könnte. Ich hatte bis dahin schon viel gutes über den Tanzbrunnen gehört, war bisher aber noch nie da. Ich freue mich, dass es Open Air ist. Es könnte zwar etwas wärmer sein, aber grundsätzlich ist super Wetter für ein Konzert unter freiem Himmel. Ich schaue nach, wie viele Personen auf das Gelände passen und schnappe kurz nach Luft: 12.500 Leute. Für jemanden, der nicht so sehr auf Menschen steht, ist das eine sehr große Zahl. Aber nun gut, Augen zu und durch. Wir finden einen super Parkplatz, wir finden unsere Kölner Konzertbegleitungen in der Schlange und dann geht es auch ziemlich schnell rein. (Anmerkung: wir waren wohl einfach früh genug da, habe jetzt schon an einigen anderen Stellen gelesen, dass der Einlass unnormal lange gedauert hat, während ich überrascht war, wie schnell es trotz ewig langer Schlange und sehr ausführlicher Taschenkontrolle ging). Wir sind uns einig, dass wir nicht unbedingt in der ersten Reihe stehen müssen, auf meiner Stirn steht vermutlich sowieso schon ZWÖLFTAUSENDFÜNFHUNDERT in einer panischen Schriftart,  und wir finden einen angenehmen Platz am Rand.

Vorband: Bomba Estereo aus Kolumbien. Zunächst so ein „hhrmmrmmm, Zeitverschwendung“-Gefühl, dann ein „hhmmm….das würde auch gut zum Haldern Pop passen bis hin zu „Ich kenn das!“ Letzteres aber ehrlich gestanden nur bei einem Lied, das passiert halt, wenn man das Radio gelegentlich Cosmo als Sender einstellt. Die Band wird immer besser, die Euphorie in uns wächst. Draußen stehen, Musik hören, Bier trinken, tanzen. Und da ist es: das Festivalgefühl.

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Arcade Fire kommen auf die Bühne und starten direkt mit der neuen Single „Everything Now“, die vom Ohr direkt in die Füße geht. Wir fangen an zu tanzen und hören bis zum Ende des Konzerts nicht damit auf. Everything Now ist mein Sommerhit 2017!

Nach Everything Now kommt dann auch direkt Rebellion (Lies) und es ist einzig schade, dass es noch so hell ist. Ansonsten: ich könnte kaum glücklicher sein. Wie wunderbar ist dieses Konzert. Dinge, die mich sonst bei Konzerten stören – hauptsächlich andere Menschen und ihr Drang, sich zu unterhalten und rumzulaufen – schaffen es jetzt nicht mal, irgendwie an mich ranzukommen. Ich weiß nicht, ob wirklich 12500 Menschen im Tanzbrunnen sind, da wo ich stehe, haben wir auf jeden Fall sehr viel Platz. Da ist nur die Band, die Musik und ich. Ich lerne noch Leute kennen, die vor uns stehen und die behaupten, dass sie aus Kanada kommen und sozusagen nur für Konzerte und deutsches Bier angereist sind. Ob das stimmt weiß ich nicht, ist auch egal, schöne Geschichte jedenfalls.

oznor

Jeder Song ein Hit, kein Moment der Langeweile und so viele Endorphine in unserem Blut. Die Band ist in ihrem Element, es wirkt manchmal so, als wäre jedes Lied eine Zugabe. Es müsste ewig so weiter gehen. Leider sehen die Betreiber des Tanzbrunnens das anders, Punkt 22 Uhr ist Schicht. Keine Zugabe? Das Publikum ist irritiert, die Band auch eher unglücklich, Sänger Win und seine Frau Regine kommen noch einmal kurz zurück auf die Bühne und stimmen den letzten Song „Wake Up“ noch einmal kurz ohne Mikros und Instrumente an. Die Band hätte wohl noch Lust, das Publikum sowieso, aber leider ist wirklich Schluss. Ein Ende, das einen etwas fahlen Beigeschmack hinterlässt. Mittlerweile habe ich gelesen, dass nach diesem Konzert darüber mit Betreibern und der Stadt diskutiert wird, diese Bestimmung zu lockern. Soviele Anwohner kann es da ja auch eigentlich nicht geben. Wir hätten wirklich noch gerne weiter getanzt, im Vergleich zu den anderen Konzerten haben wir auf jeden Fall weniger Songs bekommen, sehr sehr schade.

Ein bisschen später am Rhein, der laue Sommerabend, der Sonnenuntergang hinterm Dom. Man hört immer wieder wie Wake Up angestimmt wird, ein Ohrwurm, der mich noch einige Tage begleiten wird.

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Auch mit diesem unwürdigen Ende bleibt mir dieses Konzert hoffentlich für immer als wunderbarer Moment im Gedächnis. Eine tolle Atmosphäre, eine tolle Band, ein tolles Konzert. Arcade Fire sind in meinem persönlichen Ranking einige Plätze nach oben geklettert. Wieder mal ein gutes Beispiel dafür, was Konzerte für Glücksgefühle auslösen können und wieder mal ein bisschen glücklicher nach Hause gefahren.

Festivaljahr 2017: Cardinal Sessions (14.01.2017, Gebäude 9 in Köln)

So einen frühen Start in das Festivaljahr gab es für mich noch nie! Zu Weihnachten lag eine Karte für die Cardinal Sessions in Köln unterm Baum. Bis dahin hatte ich noch nie davon gehört, aber dass die Hammer Band Giant Rooks im Line Up standen, war ich direkt begeistert. Die hatte ich nämlich im Sommer schon beim Haldern Pop gesehen und diese Band ist für mich die aktuelle Indie-Hoffnung überhaupt. Die anderen aufgeführten Bands sagten mir nichts, aber das schmälerte die Vorfreude in keinster Weise. Ich mag es ja, neue Bands zu entdecken und so ein Nachwuchs-Festival eignet sich ja ziemlich gut dazu.

Das Gebäude 9 mag ich ja sehr, es liegt so schön in einem Hinterhof zwischen Industriebauten und ist ein bisschen schön schrammelig. Was ich noch mochte: die drumherum-Organisation. Es gab einen Gratis Willkommens-Drink, eine Dose eines gar nicht so schlecht schmeckenden Energydrinks. Ich durfte sogar noch eine zweite Dose trinken. Außerdem gab es zur Verpflegung der Besucher einen Foodtruck, Waffeln und Glühwein. Nicht so hübsch: die eisigen Temperaturen, die dazu führten, dass ich draußen nicht eine Minute länger als nötig stehen wollte. Und tja, möglicherweise ist das Gebäude 9 für diese Menge an Leuten, die dort länger bleiben, auch nicht unbedingt ausgelegt. Die drei Frauen-Toiletten, die zu Beginn des Abends vielleicht noch nur zweifelhaft waren, erinnerten am Ende des Abends an einen Trümmerhaufen. Liegt mit Sicherheit auch daran, dass Menschen sich nicht immer besonders gut benehmen können.

Die schönen Momente überwogen aber, ein Festivaltag mit Freunden, Käsekuchen, Burger, viel Bier und noch mehr guter Musik. Neben Giant Rooks gefielen mir auch Sparkling und Shame. Alle Bands habe ich tatsächlich auch gar nicht mitbekommen, man muss ja schließlich auch mal was essen und Bier trinken. So ein Festival hat strenge Gesetze.

Ein guter Start ins Musikjahr. Das erste Konzert war direkt ein Festival. Ein kleines nur, aber immerhin. Ich freue mich jetzt noch mehr auf das Album von Giant Rooks – bisher gibt es nur eine EP – und ich habe neue Bands entdeckt, die mir gefallen. Besser kann es ja kaum laufen und das passt ja auch alles sehr gut zu meinen Musik-Vorsätzen für dieses Jahr. Die EPs von Giant Rooks und Sparkling wurden auch direkt mitgenommen, junge Bands unterstütze ich in dieser Form einfach sehr gern.

Nachts lag ich noch ein bisschen wach. Möglicherweise die Musik in meinem Ohr. Möglicherweise aber auch nur die beiden Energydrinks. Immerhin aber kein Zelt, und schlecht schlafen gehört zum richtigen Festivalfeeling eben auch dazu. 

Die Cardinal Sessions werde ich auf jeden Fall weiter im Blick behalten. Und das nächste To Do ist auf jeden Fall, Karten für das Haldern Pop im Sommer zu besorgen. Festivalliebe forever. 

our night out: Jamie Lidell and The Royal Pharaohs (30.10., Kantine Köln)

Sonntag Abend – nach einer kurzen, alkohollastigen Nacht und vor einem glücklicherweise vorausschauend frei genommenen Montag – bei einem Konzert. Ich muss zugeben, dass ich da normalerweise meine Zeit zum warmwerden brauche. Vor allem, wenn die Vorband (habe mir den Namen nicht gemerkt) mich auch nicht vom Hocker reißen wird. Da nagt dann der Zweifel ganz leise im Hinterkopf. Wird man einfach doch zu alt für diesen Scheiß?

Jamie Lidell ist fast zehn Jahre älter als ich und es schien so, als wäre er an diesem Abend nur dafür auf die Bühne zu kommen, um mir zu beweisen, dass ich nicht zu alt bin. Und er auch nicht. Wir alle nicht.imag4208

Jamie Lidell ist ein Musiker, der hier im Haushalt gar nicht so richtig häufig aufgelegt wird. Ich möchte sogar behaupten, dass ich selbst noch niemals irgendein Lied von ihm abgespielt habe (mein last.fm-Account unterstützt mich in dieser Theorie), aber da er vor einigen Jahren beim Haldern Pop aufgetreten ist, besteht eine Chance, dass ich ihn schon mal live gesehen habe. Falls nicht: ist ja jetzt nachgeholt. Und: ich würde es jederzeit wieder tun! Was für ein Auftritt.

Begleitet wird Jamie Lidell aktuell von einer achtköpfigen Band, The Royal Pharaohs. Gemeinsam spielten sie ein sehr souliges Konzert, mit einigen Elektro- und Pop-Einflüssen. Und Soul muss man einfach lieben – zumindest für die Länge eines Konzerts. Ich auch gerne länger.

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Ich kannte zuvor kaum wirklich ein Lied von Jamie Lidell und kann auch jetzt keins so richtig benennen. Ist mir überraschend egal, es war trotzdem eins der besten Konzerte, die ich in diesem Jahr besucht habe. Wenn ich nur daran zurückdenke, werde ich direkt wieder glücklich und gut gelaunt. Wenn sich eine Fahrt nach Köln gelohnt hat, dann diese. Ok, das Publikum war zum Teil ein wenig arg gewöhnungsbedürftig und vor allem sehr lauffreudig (ich glaube, manche Leute haben an dem Abend mehr Kilometer abgerissen als ich in einer ganzen Woche). Aber es war einfach ein Fest mit Jamie Lidell und der Band, die so unglaublich gut zusammen gepasst haben. Die Musiker hatten Spaß und haben das sehr gut übertragen können. Und das ist manchmal einfach das wichtigste an einem Sonntag Abend.

Normalerweise höre ich vor und auch nach einem Konzert gerne ein bisschen Musik von dem jeweiligen Künstler. Dieses Mal ist es aber wirklich anders und es ist gar nicht so leicht zu erklären. Weder davor, noch danach habe ich mir Songs angehört. Ich bin auch fest davon überzeugt: es würde gar nicht so gut funktionieren, nicht so zünden. Aber beim nächsten Konzert in der Nähe, da bin ich auf jeden Fall wieder dabei!

our night out: Maximo Park (09.12.2015, Essigfabrik Köln)

Wer sich ein bisschen (mehr) mit Musik beschäftigt, der hört nicht nur die „Hits“ von Bands, die ja eventuell auch im Radio laufen, sondern der hört dann das ganze Album oder dann vielleicht alle und manchmal kauft man sie dann sogar. Und dann ist es natürlich so, dass man von einer Band ein Lieblingsalbum hat (und zwar im Regelfall das erste oder spätestens zweite Album der Band, danach geht es leider oft bergab, zumindest in den letzten 10/15 Jahren ging mir das häufig so).

Es sind bei mir wenige Bands, aber es gibt sie: die, die es geschafft haben, dass ich ein komplettes Album von ihnen liebe. Ich zähle nicht alle auf, aber es sind Oasis natürlich (die ersten zwei), Embrace (die ersten zwei), Ocean Colour Scene womöglich sogar noch mehr, Kettcar (auch hier sind die ersten zwei die stärksten) und auch das erste Album von Maximo Park – A Certain Trigger – gehört dazu. Jedes Lied ein Hit, ein Herzschlagmoment, ein Gefühl, ein ganzer Eimer voller Erinnerungen.

Wenn man zu einem Konzert geht, dann wünscht man sich ja heimlich immer, dass die Bands vor allem die alten Songs spielt, die „alten, guten“ Lieder, weswegen man sich in die Band verliebt hat. Vielleicht die Lieder, bevor sie so bekannt wurden, oder bevor sie irgendwie ihren Stil weiterentwickelt oder geändert haben. Und dann freut man sich wie Bolle, wenn es zumindest eine gute Mischung ist und man so auch auf seine Kosten kommt.

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Sehr lange Vorrede, kurzer Sinn: Maximo Park haben mir meinen (und nicht nur meinen) Wunsch erfüllt und haben zum zehnjährigen Geburtstag des ersten Albums Konzerte gegeben, auf denen dieses komplett gespielt wurde. Manchmal muss ich mich noch kneifen, damit ich das wirklich glauben kann.

Ein Konzert in zwei Teilen, zunächst eine Art Best Of zum aufwärmen (und da gibt es nach dem ersten Album immer noch ziemlich viele gute Hits) und dann nach einer kurzen Pause dann einfach „A Certain Trigger“ in der Reihenfolge wie es auch auf dem Album zu hören ist.

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Da hat man das Album etliche Male gehört, kennt die Reihenfolge und live ist es dann natürlich noch mehr. Maximo Park ist halt auch einfach eine starke Live-Band. Und mit diesem Jubiläumskonzert haben sie mir – und wahrscheinlich vielen anderen Menschen – wirklich einen Traum erfüllt. Leider weiß man dann allerdings auch ziemlich genau, wann es vorbei ist. Schade. Zugabe gibt es bei diesem Konzept auch nicht, das Album hat schließlich keinen hidden Track.

Trotzdem eine Idee, die mehrere Bands ruhig mal übernehmen könnten. Ich glaube, da würde man viele Fans sehr glücklich machen können. Endlich werden mal die ganzen Hits gespielt! A Certain Trigger war jedenfalls ein grandioser Jahresabschluss.

our night out: Life In Film (16.09.2015, Blue Shell Köln)

Ich bin ja eigentlich nicht so wild geduldig, dieses Mal aber schon: drei Anläufe brauchte die Band, bis sie es dann tatsächlich ins Blue Shell schaffte. Von Januar über Mai bis September. Auf dem Weg nach Köln apokalyptische Regenfälle, es ist unter der Woche und ich denke mir, dass ich es einfach sein lassen sollte. Unter der Woche nach Köln fahren, um ein Konzert zu sehen, ist nervig. Die Fahrt ist nervig, die Parkplatzsuche ist nervig. Also verspreche ich mir hoch und heilig (jaja), in Zukunft nur noch am Wochenende für Konzerte bis nach Köln zu fahren. Oder für absolute Wahnsinnskünstler. David Bowie zum Beispiel. Bereits gekaufte Karten lasse ich natürlich nicht verfallen, das wäre ja blöd. Aber ich bin schon sehr froh, dass auch in Dortmund momentan eine Menge los ist.

Lange Rede, jetzt aber endlich mal zum Konzert! Das Blue Shell ist ja ein ziemlich kleiner Laden, ich war dennoch überrascht, wie voll er war. Denn hätten Life In Film nicht vor zwei Jahren beim Way Back When-Festival gespielt (wo ich sie aus Termingründen verpasst habe), dann hätte ich vermutlich noch nie von ihnen gehört. So aber fand ihr Debut-Album „Here It Comes“ den Weg in unseren Haushalt und in mein Ohr. Und was soll ich sagen: dieses Stück Musik kann es durchaus in meine Jahres Top Ten schaffen. Und ich hoffe, es wird auch weiter so mit denen laufen und sie werden dann doch noch berühmt. Potenzial ist ja da, mit diesen sehr eingängingen Popsongs und dem sympathischen Auftreten. Da muss doch bei der nächsten Tour auf jeden Fall schon ein größerer Club drin sein. Hat ja bei anderen Bands auch geklappt.

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Da steht man im Publikum, vergisst Regen und Stress, lauscht den bekannten und neuen Liedern, kann fast das Publikum um einen herum ausblenden und freut sich einfach mit der Band. Denn die haben da Lust drauf, das merkt man einfach. Und das macht sie ja noch toller und dann widerum möchte ich doch nicht, dass sie groß und berühmt werden und alle sie im Radio hören und sie dann irgendwann im Sumpf der Belanglosigkeit enden. Jetzt noch spielen sie sich direkt in mein Herz, klingen ein bisschen wie die alten (!) Kings Of Leon und wirken komplett wunderbar unaufregend. Ohne dabei langweilig zu werden, sondern einfach nur berührend schön und gut.

Mehr davon!