Pottspot: Taschenlampenführung Kokerei Hansa

Das neue Jahr geht ja wirklich gut los, für einen Januar ziemlich viele Unternehmungen. So gefällt mir das. Mit so ein bissken Leben in der Bude lässt es sich viel einfacher starten.

Auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für ihn bin ich auf die Taschenlampenführung „Kohlenschwarz bis Hansa-Blau“ auf dem Gelände der ehemaligen Kokerei Hansa gestoßen. Geschenkesuche beendet. Dann mal los.

Die Kokerei ist tatsächlich ein Ort, den ich – obwohl er in Dortmund liegt und ich ja wirklich sehr empfänglich für Industriekultur aller Art bin – sträflich vernachlässige. Ich glaube, vor dieser Führung war ich überhaupt erst zweimal dort. Einmal im Rahmen der Museumsnacht, da hatte ich aber das Pech, in so einen Zeitraum zwischen zwei Führungen zu geraten und dann war da gar nichts los, und einmal als dort ein Foodmarket war. Da konnte man sich dann in der Maschinenhalle noch mal ein bisschen umgucken. Ansonsten kannte ich das Gelände nicht. Und auch von der Arbeit einer Kokerei wusste ich nur die grundlegenden Dinge. Kohle wird zu Koks verarbeitet – aber wie und warum? Keine Ahnung. Zumindest nicht so wirklich.

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Freitag Abend, 20 Uhr (in den Sommermonaten 21 Uhr), eine offene Führung. Der Wettergott ist uns mehr als hold, denn nach tagelangem Regen ist es mal ausnahmsweise trocken. Trotzdem bin ich überrascht, dass sich noch weitere Menschen als wir beide zur Führung eingefunden haben. Ich glaube, wir waren so ungefähr zwölf Mann plus unser Führer, stilecht mit Helm und Steigerjacke. Wir starten in der Waschkaue mit der Geschichte der Kokerei, die Entwicklung, die Arbeiter, der Standort. Einen Raum später lernen wir noch eine Menge über Kohle und Koks, dürfen mal einige Stücke anfassen und erfahren viel über die Beschaffenheit, die chemische Zusammensetzung und die Verwendung der Produkte.

Nach dieser Einführung geht es dann raus, im Schein unserer Taschenlampen laufen wir um die Maschinenhalle herum zum Löschturm. Hier nehmen wir übrigens auch erstmalig einen eigenartigen Geruch wahr – es ist Naphthalin, das bei der Verkokung der Kohle entsteht. Und dann denke ich: man riecht es deutlich, dabei ist die Kokerei seit 25 Jahren außer Betrieb. Wie muss es da früher gestunken haben. Als einer aus unserer Gruppe nach der Belastung der Böden fragt, blockt unser Guide ein bisschen ab. Da hat der Mann möglicherweise einen sehr wunden Punkt getroffen.

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Ich bin zu dem Zeitpunkt übrigens ein bisschen enttäuscht, weil ich gelesen hatte, dass die Kokerei nachts blau illuminiert ist – sie liegt aber schwarz und unbeleuchtet vor uns. Natürlich sind ein paar Lampen an den Wegen an, ansonsten wäre es hier auch wirklich stockfinster. So kann man wenigstens die Gebäude einigermaßen erkennen. Als wir dann aber zu dem Bereich des Förderbandes kommen, verschwindet unser Führer kurz und knipst das Licht an. Und dann leuchtet die Kokerei blau auf. Das Licht beschreibt den Weg, den die Kohle einst nahm.

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und wir nehmen diesen Weg auch. Am ehemaligen Förderband entlang – der Weg ist viel länger und steiler als er von unten aussieht und dann durch den Kohlenbunker wieder nach draußen. Dort ist mittlerweile ein Birkenwald entstanden, die Natur holt sich das Gelände nach und nach wieder zurück. Ich habe mich gefragt, wie viel dort vor Ort wohl „nachgestellt“ wurde und wie viel möglicherweise tatsächlich einfach so verlassen wurde. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das wohl so ist, einfach seinen Arbeitsplatz so zu verlassen, wie man es immer tat, aber mit dem Wissen, dass man am nächsten Tag nicht wieder kommt und auch kein anderer einen ersetzen wird. In Spitzenzeiten waren rund tausend Arbeitskräfte auf der Kokerei Hansa beschäftigt. Das Ende des Bergbaus und der Kohleförderung war für Dortmund ein furchtbarer Schlag, aber ich war froh, dass der Führer nicht nur die alten Zeiten verklärte, sondern auch positiv über die neuen Technologien und Unternehmen in Dortmund gesprochen hat.

Außerdem gefällt es mir, dass einige der alten Industriestandorte noch bestehen und heute eine neue Funktion gefunden haben. In der Kokerei kann man heiraten, Feste feiern, Konzerte und Ausstellungen besuchen. Und sie ist eine Art Museum der Zeitgeschichte. Die Zeit der Kohleförderung ist vorbei, in diesem Jahr wird die letzte Zeche des Ruhrgebiets geschlossen. Es geht weiter, die Landschaft und die Region ändern sich, doch ich bin sicher, dass man die starke Prägung durch den Bergbau noch einige Jahre spüren wird. Die Industriedenkmäler helfen dabei, dass die Erinnerungen weiter leben und lebendig bleiben.

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Pottspot: Emscher Landschaftspark

Der Regionalverband Ruhr hat zum zweiten Mal Blogger zu einer Tour durch den Emscher Landschaftspark eingeladen und in diesem Jahr war ich auch dabei. Der RVR hat uns dabei den Tag über begleitet, verpflegt, für den Transport ge- und uns mit allerlei Informationen zum Landschaftspark und zum Ruhrgebiet versorgt. Für das Wetter waren sie möglicherweise auch zuständig, denn der Spätsommer zeigte sich noch mal von seiner besten Seite und ließ die Sonne vom strahlendblauen Himmel scheinen. Optimal.

Sonntags morgens am Essener Hauptbahnhof, Start der Tour. Das ist nicht meine Zeit, gar nicht. Die erste halbe Stunde lief ich ziemlich auf Sparflamme und war auch ganz froh, dass wir zunächst mal die Fahr bis nach Oberhausen hatten und wir nicht direkt loslegten. Ein bisschen wacher wurde ich erst, als wir in Oberhausen das Centro (glücklicherweise) links liegen ließen und in eine wunderschöne Straße einbogen. Moment? Ist das noch Oberhausen? Das ist ja gar nicht so hässlich hier. Im Gegenteil. Gut, von Oberhausen kenne ich nicht so viel. Den Gasometer finde ich super, den Kaisergarten auch. Und ich war mal bei einem Konzert, das war auch gut. Ansonsten kenn ich Oberhausen gar nicht, hatte es aber bisher als „hässliche Ruhrgebietsstadt“ abgestempelt. Und dann fahren wir an so kleinen Backsteinhäusern vorbei, auf der anderen Straßenseite Wiesen und Felder und ich muss mal wieder meine Vorurteile aufräumen. Oberhausen hat noch mehr schöne Ecken. Und das Gebiet, auf dem das Haus Ripshorst und der dazugehörige Gehölzgarten liegt, gehört auf jeden Fall dazu. So idyllisch und ländlich. Als wäre man nicht inmitten einer Metropolregion, sondern mitten auf dem Land. Und dann starten wir direkt mit dem ersten Highlight für mich: wir gehen zum Zauberlehrling. Und da habe ich schon seit Jahren vor, den mal zu besuchen!

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Der steht da seit 2013, gehört zur Emscherkunst und ich finde ihn einfach großartig. Ein tanzender Strommast. Schade, dass nicht alle so aussehen. Und jetzt habe ich ihn endlich auch mal live gesehen, nicht nur auf Bildern. Wir sind dann noch weiter gegangen, über den Rhein-Herne-Kanal und die Emscher und dann wieder zurück, am Gehölzgarten vorbei zum Haus Ripshorst und dem Informationszentrum dort,  wo wir noch ein paar weitere Infos zur Region und den Emscher Landschaftspark erhalten haben.

Mit der Emscher ist das ja so: sie fließt von Holzwickede bis zum Rhein und an vielen Stellen riecht man sie, bevor man sie sieht. Das liegt daran, dass sie jahrzehntelang als Abwasserkanal missbraucht wurde und erst seit ein paar Jahren sehr aufwändig renaturiert wird. An einigen Stellen schon sehr erfolgreich und auch mit sehr viel Kunst und Ausflugsmöglichkeiten rundherum. Und so wie der Fluss einmal quer durchs Ruhrgebiet geht, so streckt sich halt auch der Landschaftspark einmal durch fast alle Städte. Es ist kein „klassisch“ abgegrenzter Park, er ist einfach irgendwie fast überall im Ruhrgebiet und er wird immer attraktiver. Und ich hoffe sehr, dass die Kinder, die jetzt geboren werden, dann mit ihren Kindern am Fluss im Grünen sitzen und dann von der Erinnerung erzählen, wie dreckig und stinkend der Fluss an einigen Stellen mal war und die Generation sich das kaum noch vorstellen kann.

Genug mit Wissen und Sandwiches gefüttert worden: für uns ging die Fahrt weiter und zwar nach Bottrop zum Tetraeder. Das ist eine der bekanntesten Landmarken des Ruhrgebiets, auf der Halde Beckstraße. Ich war vor ein paar Jahren schon mal dort oben und hatte lustigerweise neulich noch mal gedacht, dass ich mal wieder gerne dort hoch möchte. Sehr passend also. Und dann noch bei diesem Traumwetter!

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Was wir für ein Glück hatten, dass wir so eine schöne Sicht hatten. Die ist übrigens schon von der Halde aus sehr schön, aber von ganz oben natürlich einfach unschlagbar. Allerdings: man muss wirklich schwindelfrei sein. Nicht nur die Höhe ist nicht zu unterschätzen, dazu kommen noch ein Boden aus Lochgitter und dass das Ding mal mehr, mal weniger schwankt. Obwohl ich im Grunde nur wenig Probleme mit Höhe habe, bekomme auch ich da drauf streckenweise weiche Knie. Aber es lohnt sich einfach so, bei dem Blick. Halden und ihre Landmarken sind einfach was Feines und gehören zum Ruhrgebiet dazu wie Industriekultur.

Gute Überleitung, ab nach Bochum. Über die Erzbahnschwinge gelangen wir zum Westpark, in dem die Jahrhunderthalle steht. Auf den ersten Blick erinnert es mich ein bisschen an Phoenix West, aber natürlich haben der Park mit dem markanten Wasserturm und die Halle ihren eigenen Charme.

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Und endlich mal ein bisschen Rost.

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So muss das sein mit der Industriekultur. Da gehört Rost einfach dazu. Ich bin wirklich froh, dass man die alten Industrieruinen nicht einfach alle abgerissen hat und stattdessen einige von denen für kulturelle Angebote oder Ausflugsziele umfunktioniert worden sind.

Da aktuell auch die Ruhrtriennale läuft, stehen vor der Jahrhunderthalle ein paar Kunstwerke der Installation „The Good, The Bad & The Ugly“, die wir uns auch noch anschauen.

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Aber dann reisen wir weiter und zwar nach Dortmund, zum Phoenixsee. Auch dort fließt die Emscher entlang und außerdem ist an diesem Sonntag Nachmittag noch das Musikpicknick Emscher Landschaftspark, welches vom Regionalverband Ruhr veranstaltet wird. In der Sonne sitzen, picknicken, die Füße in den See halten und der dargebotenen Musik lauschen – ein gutes Konzept.

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Nach einer Pause am See gingen wir noch einmal an der dort stehenden Thomasbirne vorbei und dann ging es wieder zurück. Als Dortmunderin seilte ich mich ab und nahm die U-Bahn, weil ich so schneller wieder Zuhause sein konnte. Was für ein toller Tag. Der Regionalverband Ruhr hat sich in der Organisation wirklich Mühe gegeben und unsere Tourführerin Ulla hatte ein paar wirklich interessante und auch amüsante Fakten für uns parat. Ebenfalls mit dabei waren übrigens Silke, Frauke, Christina, Danny, Jürgen, Michael und Marja vom Regionalverband. Und offensichtlich auch der Wettergott, denn wir hatten wirklich ein Traumwetter. Herzlichen Dank an den Regionalverband Ruhr für die Einladung und ich hoffe, dass es nächstes Jahr eine Wiederholung mit einer neuen Route gibt. Das Ruhrgebiet ist so groß und abwechslungsreich und der Emscher Landschaftspark hat noch einige attraktive Ziele im Angebot. Spricht also eigentlich nichts dagegen. Im Pott is schön, immer wieder.

Extraschicht 2014

Die Extraschicht, auch „Nacht der Industriekultur“ genannt, findet einmal im Jahr statt – und obwohl es mein viertes Ruhrpottjahr ist, habe ich in diesem Jahr erst zum ersten Mal geschafft, dort mal vorbeizuschauen. Im ersten Jahr war ich in Barcelona, im zweiten Jahr bin ich umgezogen (und abends viel zu platt) und im dritten Jahr stand ein großer Familiengeburtstag an.

Nun also, 2014, endlich dabei. Hat der Regen sich wohl auch gedacht, aber na gut, Wetter kann man sich nicht aussuchen. Schuhe imprägniert, Regenjacke an, kaum hatten wir den Skywalk von Phoenix West verlassen, saßen wir (also er und ich) auch schon im Zug Richtung Gelsenkirchen. Das ist ein Ort, den ich nur selten besuche. Ein Konzert, eine Lesung und ein Zoobesuch – mehr Gelegenheiten hatte ich bisher nicht. Da wir nun aber spät dran waren und Museumsnachterfahrungen beweisen, dass man immer viel weniger schafft als man sich vorgenommen hat, wollten wir gar nicht so weit weg und lieber ein paar Dinge abklappern, die nah beieinander sind. Es ist nämlich so: einige Stunden eines solchen Tages gehen mit Warterei und Fahrerei verloren. Aber ich muss auch sagen, dass ich ganz gerne so durchs Ruhrgebiet schuckele, ohne Stress, und mir die Gegend anschaue.

Erster Stopp: Nordsternpark in Gelsenkirchen. Der Nordsternpark ist ein ehemaliges Zechengelände, dort findet man heute nicht nur einen schön angelegten Park, sondern auch noch ein Amphitheater und den Nordsternturm, wo man oben auf dem Dach in 83 Metern Höhe runterschauen kann. Oder dem Herkules auf den Pöppes. Außerdem gibt es im Nordsternpark ein kleines Besucherbergwerk, ein kurzer Stollen als Ausstellungsfläche. Hier findet man viele alte originale Stücke aus dem Bergbau: Werkzeuge, Hinweisschilder, Helme und mehr, sowie Fotos von früher.

Gelsenkirchen hat noch eine weitere ehemalige Zeche bei der Extraschicht, das Steinkohlebergwerk Consolidation (kurz Consol), wo man ebenfalls eine tolle Ausstellung zum ehemaligen Zechenleben findet. Und natürlich noch mehr Fördertürme.

Städtewechsel! Auf nach Recklinghausen. Da war ich zuvor auch erst einmal. Unser Ziel: das Umspannwerk. Bevor ich ins Ruhrgebiet gezogen bin, war mir nicht mal klar, dass ein UMSPANNWERK überhaupt ein Ausflugsziel sein kann. Und bis zur Extraschicht war ich auch mehr als skeptisch. Was soll ich denn bei einem Umspannwerk? Ich kann es kaum oft genug sagen: ein Umspannwerk!
Aber dann war ich da – und wollte gar nicht mehr gehen. Das Umspannwerk Recklinghausen ist einer der coolsten Orte im Ruhrgebiet. Geradezu elektrisierend.

Zum einen gibt es auch im Umspannwerk ein Museum – natürlich über Elektriziät und Spannung. Und das ist wirklich toll. Man kann eine Menge anschauen und ausprobieren und im Ganzen erinnert es mich an das Haus der Geschichte in Bonn. Nur kleiner. Das allein ist schon einen Ausflug wert und nun kann ich verstehen, warum dort quasi alle Schulkinder des Ruhrgebiets da hinfahren.
Zur Extraschicht gab es dann zusätzlich noch ein paar Versuche mit Hochspannung. Damit kann man mich immer begeistern. Ich habe nämlich ein heimliches Faible für Tesla-Spulen und so einen Krams und hätte dort die ganze Nacht stehen können, leider war die Vorführung aber dann doch schnell vorbei. Stattdessen gab es noch einen kleinen Abstecher zum Stadthafen.

Ende der Nacht, zurück nach Dortmund. Drei Spielorte, ganz gut. Nächstes Jahr dann gerne mit etwas besserem Wetter und dann anderen Spielorten. Wer noch mehr sehen möchte, der sich zum Beispiel dieses Video anschauen

oder im Netz nach mehr Bildern und Texten suchen.
Oder nächstes Jahr mitkommen.