our night out: The Divine Comedy (18.02.2017, Mojo Club Hamburg)

Ich entdecke ja immer gerne neue Musik. Aber häufig ist es so, dass ich etwas neues entdecke, dann höre ich das auch, kaufe mir sogar CDs und gehe auf ein Konzert und das war es dann irgendwie. Sie tauche auf und verschwinden wieder, hundert Eintagsfliegen. Aber es gibt auch Bands, die halten sozusagen ein Leben lang. The Divine Comedy gehören für mich dazu. Ich höre und liebe sie seit ewigen Zeiten. 1999 haben sie schon ein Best Of-Album veröffentlicht, das ich damals mitbekam. Seit diesem Album bin ich Fangirl-Groupie. In Deutschland sind sie ja ziemlich unbekannt – warum, darüber kann man streiten – aber immerhin kommen sie gelegentlich auf Tour vorbei und dann schaue ich sie mir auch immer gerne an. Ein Samstag in Hamburg? Keine Frage, da musste ich gar nicht lange zögern und habe mir direkt Tickets besorgt.

Konzerte von The Divine Comedy sind immer besonders. Sie sind immer wie eine kleine Reise, etwas spezielles. Stunden, die man im Gedächnis behält und nicht so schnell vergisst. Vermutlich liegt das hauptsächlich an Frontmann Neil Hannon, an dem definitiv ein Schauspieler verloren gegangen ist. Dem Mann gehört einfach die Bühne. Es zeigt sich mal wieder: man muss nicht groß sein um groß zu sein. Das wusste ja auch Napoleon schon.

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Was ein Auftritt. So kann man mal ein Konzert starten, da hat man schon mal die Aufmerksamkeit sicher. Passenderweise gibt es auch noch das Lied „Napoleon Complex“ dazu. Nach einigen Liedern wechselt Neil Hannon übrigens das Outfit und trägt Anzug mit Melone. Steht ihm nicht weniger gut, er gehört auf jeden Fall zu den am besten angezogenen Musikern, die ich kenne. Auf ihrem Instagram-Account kann man noch weitere Bilder ihrer Tour sehen, die Outfits sind offenbar jeden Abend identisch gewesen. Ich hoffe, der Hut müffelt jetzt nicht allzu sehr.

Während des Konzerts dachte ich kurz darüber nach, welche Lieder ich mir unbedingt wünsche. Das mache ich eigentlich immer bei Bands, die ich so gerne mag. Das Problem war nur: die Liste wurde immer länger. So lang, dass ich selbst schon darüber nachdachte, ob ein Konzert für all das ausreichen würde. Immerhin gibt es ja selten Konzerte, die nur aus Lieblingsliedern bestehen. Auch dieses nicht, aber es waren viele dabei.

Ich bin ziemlich sicher: würden alle Menschen auf dieser Welt The Divine Comedy hören, dann gäbe es weniger Hass und Krieg. Es ist eine optimale Mischung aus den schönsten Liebesliedern, eingängigen Popmelodien, Gute-Laune-Hymnen und niemals nervigen Ohrwürmern. Das alles gesungen von Neil Hannon: eine Stimme wie Himbeerquark und ein so charmantes und witziges Auftreten, dass am Abend des Konzerts gefühlt alle Zuschauer ein bisschen verliebt ihn waren. Vermutlich wird es ein bisschen belächelt von den „normalen“ Menschen, aber solche Leute wie er machen die Welt angenehmer, den Winter heller und wärmer und alles etwas bunter. Superpartyfuntime.

Ich kann so ein Konzert kaum beschreiben, es war als tauchte man in eine andere Welt ein und wollte nicht, dass es aufhört. Wie eine Droge in unseren Gehörgängen. Es wurde gelacht, getrunken, gesungen, Neil Hannon kam zu uns ins Publikum und wir kicherten ein bisschen über das raunende „oooh, der ist ja wirklich so klein“ um uns herum. Und ich hoffte, dass er nicht plötzlich vor mir stünde, weil ich gar nicht gewusst hätte, wohin mit mir. Fangirl sein ist auch nicht immer einfach.

Als mit „Tonight We Fly“, diesem einem meinem liebsten Lieblingslied, das Konzert beendet war, war ich so glücklich und traurig gleichzeitig. Ein bisschen an dem Lied festklammern, es darf einfach niemals aufhören. Ein bisschen wie noch einen Geschmack auf der Zunge behalten wollen. Auch jetzt, Tage später, pfeife ich noch regelmäßig die Melodie von „National Express“ und denke mit einem sehr glücklichen Lächeln auf dem Gesicht an das Konzert zurück. The Divine Comedy ist für mich das allerbeste Beispiel dafür, wie glücklich Musik machen kann. Unsterblich.

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on Tour: Elbphilarmonie Hamburg

Ich war in Hamburg. Zum einen wohnen meine Schwester und ihr Mann dort und die besuche ich gerne. Zum anderen hatte ich Konzertkarten für The Divine Comedy, die dort im Mojo Club spielten. Davon aber demnächst.

Leider war das Wetter nicht so wahnsinnig schön, von daher fielen so Dinge wie am Elbstrand rumlungern oder Landungsbrückenspaziergänge aus. Meine Schwester hatte aber für ein kleines kulturelles Alternativprogramm gesorgt und uns Eintrittskarten für die Plaza der Elbphilarmonie gekauft. img_4359

Jetzt ist es so, dass die Elbphilarmonie-Plaza im Grunde frei begehbar und für alle kostenlos zugänglich ist. Wenn man aber weder Zeit noch Lust hat, sich die Beine in den Bauch zu stehen, dann kann man vorher online für 2 Euro pro Person Tickets besorgen, mit denen man dann an der kilometerlangen Schlange vorbeitänzeln und direkt reingehen kann. Ich war übrigens überrascht, wie direkt. Es gibt zwar Ordner, aber keiner bemühte sich mal, in unsere Taschen zu schauen. Ich weiß nicht, ob das bei allen Besuchern so ist oder ob wir einfach so kleine Taschen dabei hatten, dass da keine gefährlichen Dinge drin vermutet worden sind. Oder wir sahen so vertrauenserweckend aus.

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Das Gebäude der Elbphilarmonie ist wirklich sehr beeindruckend. Es ist jetzt nicht so, dass ich es wirklich „schön“ finde, aber über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Aber es ist architektonisch sowohl von außen als auch von innen sehr besonders. Vor allem von dem inneren Bereich war ich überrascht, weil ich es mir viel kühler vorgestellt hatte. Durch den roten Backstein und auch durch die vielen geschwungenen Flächen wirkt es stattdessen fast ein bisschen gemütlich. Aber: wer die Stufen innen zu verantworten hat, über die man nur hinkend wie ein einbeiniger Pirat laufen kann, der gehört dort vom Dach geworfen. Wie kommen Innenarchitekten (oder wer macht das?) bl0ß auf die Idee, solche Stufen zu verbrechen?  Hat es einen Grund, warum man die Leute so unrhythmisch laufen lässt und keine vernünftigen Treppenstufen baut?

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Ich hörte übrigens, dass Kinder einer Schulklasse behauptet haben, dass das Schönste an ihrem Plaza-Besuch die Rolltreppe war. Das finde ich jetzt etwas übertrieben, aber die Rolltreppe ist tatsächlich auch ziemlich cool und man kann die Auffahrt sehr gut für das ein oder andere Selfie nutzen. Elphie-Selfie sozusagen. Das bietet sich dann später auch noch mal an, vor allem, wenn man dann mal raus geht und über die Plaza, also Aussichtsplattform, die einmal um die Philarmonie herumführt, läuft.

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Was ich persönlich sehr schade finde: man kann nicht mal einen klitzekleinen Blick in die Konzertsäle werfen kann. Da muss man wohl doch in eine Führung oder – vermutlich die noch bessere Variante – in ein Konzertticket investieren. Ansonsten reicht mir dieser eine Besuch auf jeden Fall. Es war schön, das Gebäude mal betreten zu haben, aber es ist jetzt nicht etwas, was ich jedem als unbedingt ans Herz legen muss. Da gibt es in Hamburg andere Dinge, die ich aus touristischer Sicht bisher viel interessanter fand. Bei schönerem Wetter ist der Ausblick bestimmt noch viel toller und überhaupt ist es mit Sicherheit angenehmer bei wärmeren Temperaturen und weniger Wind da oben rumzulaufen, dafür ist dann möglicherweise auch die Schlange am Einlass noch länger. Als wir das Gebäude verließen, war es dann im Eingangsbereich sogar so voll, dass auch die Leute mit Einlasstickets nicht mehr ganz so zügig in die Elbphilarmonie reinkamen wie wir noch. Glück muss man haben. Hab ich mit einer Schwester in Hamburg ja sowieso.

Dialog im Dunkeln

Neulich habe ich mich für ein paar Stunden mit meiner Familie in Hamburg getroffen, und neben ein bisschen Landungsbrücken, Innenalster, Abendessen im Portugiesenviertel, Franzbrötchen und Speicherstadt hatten wir noch einen besonderen Tagesordnungspunkt auf unserem Plan – einen Besuch bei Dialog im Dunkeln.

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Hier wird für einen die Welt der Blinden simuliert. Man bekommt einen Blindenstock und ein paar einführende Hinweise und dann sieht man für die nächsten 90 Minuten genau das hier:

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Während dieser 90 Minuten wird man von einem blinden oder schwer sehbehinderten Guide geführt, und zwar durch verschiedene Alltagsszenen. So gibt es unter anderem einen Park, einen Marktstand, man überquert eine Straße (glücklicherweise war das nicht echt, ich bin nämlich schön vor die Motorhaube eines wartenden Autos gelaufen), einen Raum mit verschiedenen Gewürzen, eine kleine Bootstour (ja, wirklich) und eine Bar.

So ist es: Blind sein ist scheiße. Vermutlich ist es anders, wenn man von Geburt an blind ist, weil man es dann ja nicht anders kennt. Ich aber habe jetzt eine neue Horrorangst, nämlich: blind werden. Und da ich nicht die erste in meiner Familie wäre, die über einen längeren Zeitraum hinweg das Augenlicht verliert, ist es zumindest nicht ganz abwegig. In der Dunkelheit verlor ich sofort jegliches Gefühl für den Raum und für die Abstände. Ich hörte die Stimmen meiner Familie und des Guides und konnte nicht ansatzweise sagen, wie weit entfernt sie von mir sind. Auch Gewohnheitssache, unser Guide konnte an der großen Weltkarte (mit Relief-Schrift, so dass wir sie „lesen“ konnten) anhand unserer Stimme sagen, wo wir stehen. Cooler Typ, sowieso, er machte sich nämlich gerne mal einen Spaß mit uns und zog uns ein bisschen auf, wenn wir im Gänsemarsch durch die Räume wackelten und nicht wie er einfach sicher da durch gingen. In der Bar hatten wir dann die Möglichkeit, ein bisschen mit ihm zu sprechen und erzählte uns von seinem Alltag und wie er sein Leben so meistert, was ihn wütend macht und was ihn erfreut.

Ich war froh, dass ich meine Familie dabei hatte, da ich ihnen, nun ja, blind vertraue. Ich hatte keine Probleme, ihre Stimmen herauszuhören und konnte mich so ein bisschen an ihnen orientieren. Ich legte ihnen meine Hand auf den Arm und wusste so ziemlich gleich, wer das ist. Wir sind ein eingespieltes Team, auch ohne Licht. Aber auch so kann ich diese Tour jedem nur wärmsten empfehlen. Es erweitert den eigenen Horizont ungemein.

Zwei Fragen bleiben unbeantwortet: wie sieht unser Guide wohl aus? Und wie sehen die Räume bei Tageslicht aus? Aber warum sollten wir da einen Vorteil den Blinden gegenüber bekommen…und so bleibt beides ein Geheimnis.

Olli Schulz ist manchmal übel & gefährlich

Wenn man in Hamburg in der Nähe vom Millerntor oder dem Heiligengeistfeld steht, dann ist er unübersehbar: der Hochbunker. Überdimensional, grau, hässlich. So von unten gesehen. Darin befindet sich das Übel & Gefährlich, wo Parties und Konzerte stattfinden.

Der Bunker hat natürlich auch ein Dach. Und dort befindet sich die allerallerallerwunderschönste Konzertlocation. Mit Sternchen und Ausrufezeichen. Ein Blick über die Stadt, der Sonnenuntergang direkt vor einem und nur wenig Platz für wenig Leute (wobei selbst ausverkaufte Konzerte niemals überfüllt sind). Es ist perfekt! Und deswegen fackelte ich auch gar nicht lange, als die Termine für die Dachgartenkonzerte bekanntgegeben wurden, schaute, was zeitlich am Besten passte und orderte dann drei Karten für Olli Schulz. Den liebe ich ja eh sehr (platonisch-musikalisch natürlich).

Wir sind da. Olli Schulz ist da. Er ist charmant und witzig. Und er zeigt: manchmal muss man Dinge tun, die einem selbst schwer fallen. Zum Beispiel Störenfriede eines Konzertes verweisen. Das Publikum war mehr als dankbar. Und ich dachte mir, dass es manchmal so sein muss. Manchmal muss man solche Schritte gehen, damit es gut wird. In dem Fall war es mehr als gut. Es war ein schöner, unterhaltsamer Abend. Es war neue und alte Musik. Es war Gelächter, mittanzen und -singen. Es war leise Nicken an den richtigen Stellen. Es war Freuen und Grinsen. Und diese Atmosphäre dazu! Dieser Sonnenuntergang, der uns allen die Gesichter vergoldete, gefolgt von den unzähligen Lichtern der Stadt.

Manchmal muss man halt einfach über 200 Kilometer fahren, um die schönen Momente erleben zu dürfen. Die Entfernung spielt dann keine Rolle. Der Dachgarten vom Übel & Gefährlich und seine Konzerte. Bauchkribbelschön. Ich freu mich schon jetzt auf das kommende Album von Olli Schulz. Und nächsten Sommer steigen wir sie wieder hoch, die 175 Stufen zum Dachgarten. Bestimmt.

all around the world (almost)

Hamburg, meine Perle. Samstag Nachmittag fuhren wir dort hin und seit eben erst bin ich wieder zuhause. Ich mag Hamburg wirklich. So sehr ich Bielefeld auch liebe. Hamburg ist die einzige Stadt, in der ich mir auch vorstellen könnte, zu leben und glücklich zu sein. Und zu verarmen, weil ich auf so viele Konzerte gehen wollen würde. Aber das sind ja Phantasien. Ich wohne ja weiterhin hier in Ostwestfalen. Aber so kleine Wochenend-Ausflüge nach Hamburg sind wirklich ganz toll. Vor allem, wenn man in einer so charmanten Unterkunft mitten im Zentrum übernachten darf und dort mit Käsekuchen und Frühstück verwöhnt wird. Herrje, Käsekuchen. Wie lange hab ich den schon nicht mehr gegessen. Allein dafür hat sich die Fahrt ja schon gelohnt.

Abends dann ins Uebel & Gefährlich um dort The Rifles zu sehen. Oder besser: zu hören. Sehen konnten wir sie nämlich nur vorm Konzert, als sie direkt am Parkplatz aus einem Auto stiegen, während wir dort noch ein wenig rumlungerten. Während des Konzerts war es dann doch reichlich voll (ausverkauft) und es fiel auf, dass eine Menge rüpelige Rempelleute im Raum waren. Schade. Kleiner Wehrmutstropfen.
Nach dem Konzert dann noch durchs Schanzenviertel und heute zur Reeperbahn, wo ich ganz zauberhaft mit John Lennon poste, dann zu den Landungsbrücken und anschließend ein kleines Bloggertreffen mit Starbucks-Kaffee und einem Spaziergang um die Binnenalster. Perfektes Wetter, gute Laune, ein wunderschöner Sonntag.

Den Nachhauseweg verbringen wir in Bummelzügen auf dem Weg nach Bielefeld. Es ist so beruhigend durch Norddeutschland zu reisen. Kein großer Zeitdruck, einfach mal die Landschaft an sich vorbeiziehen lassen. Da denke ich wieder an meine Träumerei, die ich neulich abends hatte und ich mir erträumte, dass ich mir einen VW-Bulli kaufe und alle europäischen Hauptstädte besuche. Die Idee hat eine Menge Zustimmung gefunden. Ich würde wirklich gerne noch viel mehr reisen und die Welt entdecken. Manche Städte habe ich schon gesehen und würde sie gern noch einmal besuchen. Luxemburg zum Beispiel, das war schön da. Oder Barcelona, Paris, London und Rom. Aber es gibt noch so viele Städte, die ich gerne noch sehen möchte. Madrid, Lissabon, Prag, Krakau, Kopenhagen…und noch viele mehr.

Glücklicherweise weiß ich, dass ich dieses Jahr noch mindestens zweimal reisen werde. Die Sehnsucht hat mich gepackt. Natürlich läuft die Welt mir nicht weg und ich hoffe, dass ich es in den nächsten Jahren noch ganz oft schaffen werde, meine Neugier zu stillen und neue Länder und Städte zu erobern.
Und bis dahin träume ich weiter von meinem VW-Bulli. Und fahre nach Hamburg, so dann und wann.