our night out: Love A (27.04.2018, Gebäude 9, Köln)

Ich bin ja ein Britpop-Mädchen, oder meinetwegen ein Indiepop-Mädchen, das ist kein Geheimnis. Doch gelegentlich gönne ich mir kleine Ausflüge über den musikalischen Tellerrand. Und dann höre ich zum Beispiel Love A, deutschen Punk. Die Mitglieder von Love A kommen aus Trier, Köln und Wuppertal und es gibt die Band seit 2010. Ich habe sie seit letztem Jahr auf meinem persönlichen Musikradar, seit ich das erste Mal Weder noch vom aktuellen Album Nichts ist neu hörte.

Jede Zeile war so passend, triggerte mich und meine Wut auf manche Menschen. Und es gibt Momente, da finde ich es richtig, wütend zu sein. Ich bin sogar der Meinung, in der aktuellen Zeit und Gesellschaft ist es wichtig und richtiger wütend anstatt ängstlich oder besorgt zu sein.

Vor einigen Monaten wurde ein Konzerttermin für Love A am 28. April im Gebäude 9 bestätigt, das Konzert war aber so schnell ausverkauft, dass wir keine Karten mehr ergattern konnten. Glücklicherweise wurde aufgrund der hohen Nachfrage noch ein Zusatztermin ermöglicht, also fuhren wir dann am Freitag nach Köln. Das Gebäude 9 ist einer meiner liebsten Konzertorte, und das obwohl der Raum lang und schmal ist (was für Menschen meiner Körpergröße eher nachteilig ist, besonders wenn man es nicht in die vorderen Reihen schafft.) Gute Sicht ist aber nicht alles, ich mag die Atmosphäre dort einfach sehr gern.

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Vorband waren übrigens Illegale Farben aus Köln, die ich eigentlich bis dahin nicht kannte, aber trotzdem irgendwie das Gefühl hatte, sie schon mal gesehen oder gehört zu haben. Entweder habe ich sie schon mal irgendwo gesehen und vergessen oder sie sind einfach nur extrem eingängig. Gefallen haben sie mir auf jeden Fall, und das sage ich ja nun wahrlich nicht über jeden Support-Act. Besonders im Kopf geblieben ist mir ihre neue Single Angst ist die Mutter der schlechtesten Ideen. Sag ich ja.

Love A. Laut, warm, schnell. Ein perfektes Konzert um Bier zu trinken – schade, dass ich mich freiwillig als Fahrerin gemeldet hatte. Leider war das Wetter so schön, dass wir bis zum letzten Moment draußen standen, so dass wir während des Konzerts relativ weit hinten stehen mussten. Von der Sauerstoffversorgung her gesehen war das kein schlechter Platz, aber dafür war dann die Sicht halt nicht so super. Halb so wild, der Stimmung hat das keinen Abbruch gemacht.

Leider war das Konzert eher kurz, um 23 Uhr startete dort nämlich der Partybetrieb. Also gab es einen recht zügigen Rundumschlag durch die vorhandenen Alben. Inklusive Zugabe und inklusive einiger Zwischenansagen. Immerhin haben wir es in der kurzen Zeit auf 22 Songs geschafft, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass wir durch das Set hetzen. Sympathische Band, die Chemie zwischen Publikum und Band stimmte einfach, die Atmosphäre im Gebäude 9 passte perfekt dazu und so war es ein rundum gelungener Konzertabend. Laut. Dreckig. Schnell. Muss es halt auch mal sein.

Jetzt nur wieder das Dilemma: alle sollten Love A hören. Aber bitte tut das nicht, dann werden sie groß und berühmt und gewinnen noch den Echo. Ach nee, den nicht. Aber dann spielen sie irgendwann nicht mehr zwei Abende im Gebäude 9, sondern sind im Palladium, werden im Radio hoch und runter gespielt und dann ist der ganze Charme vorbei. Wie man es macht, ist es verkehrt. Hört auf euer Herz und hört Love A und kauft ihre Musik und geht auf Konzerte. Immer.

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Festivaljahr 2017: Cardinal Sessions (14.01.2017, Gebäude 9 in Köln)

So einen frühen Start in das Festivaljahr gab es für mich noch nie! Zu Weihnachten lag eine Karte für die Cardinal Sessions in Köln unterm Baum. Bis dahin hatte ich noch nie davon gehört, aber dass die Hammer Band Giant Rooks im Line Up standen, war ich direkt begeistert. Die hatte ich nämlich im Sommer schon beim Haldern Pop gesehen und diese Band ist für mich die aktuelle Indie-Hoffnung überhaupt. Die anderen aufgeführten Bands sagten mir nichts, aber das schmälerte die Vorfreude in keinster Weise. Ich mag es ja, neue Bands zu entdecken und so ein Nachwuchs-Festival eignet sich ja ziemlich gut dazu.

Das Gebäude 9 mag ich ja sehr, es liegt so schön in einem Hinterhof zwischen Industriebauten und ist ein bisschen schön schrammelig. Was ich noch mochte: die drumherum-Organisation. Es gab einen Gratis Willkommens-Drink, eine Dose eines gar nicht so schlecht schmeckenden Energydrinks. Ich durfte sogar noch eine zweite Dose trinken. Außerdem gab es zur Verpflegung der Besucher einen Foodtruck, Waffeln und Glühwein. Nicht so hübsch: die eisigen Temperaturen, die dazu führten, dass ich draußen nicht eine Minute länger als nötig stehen wollte. Und tja, möglicherweise ist das Gebäude 9 für diese Menge an Leuten, die dort länger bleiben, auch nicht unbedingt ausgelegt. Die drei Frauen-Toiletten, die zu Beginn des Abends vielleicht noch nur zweifelhaft waren, erinnerten am Ende des Abends an einen Trümmerhaufen. Liegt mit Sicherheit auch daran, dass Menschen sich nicht immer besonders gut benehmen können.

Die schönen Momente überwogen aber, ein Festivaltag mit Freunden, Käsekuchen, Burger, viel Bier und noch mehr guter Musik. Neben Giant Rooks gefielen mir auch Sparkling und Shame. Alle Bands habe ich tatsächlich auch gar nicht mitbekommen, man muss ja schließlich auch mal was essen und Bier trinken. So ein Festival hat strenge Gesetze.

Ein guter Start ins Musikjahr. Das erste Konzert war direkt ein Festival. Ein kleines nur, aber immerhin. Ich freue mich jetzt noch mehr auf das Album von Giant Rooks – bisher gibt es nur eine EP – und ich habe neue Bands entdeckt, die mir gefallen. Besser kann es ja kaum laufen und das passt ja auch alles sehr gut zu meinen Musik-Vorsätzen für dieses Jahr. Die EPs von Giant Rooks und Sparkling wurden auch direkt mitgenommen, junge Bands unterstütze ich in dieser Form einfach sehr gern.

Nachts lag ich noch ein bisschen wach. Möglicherweise die Musik in meinem Ohr. Möglicherweise aber auch nur die beiden Energydrinks. Immerhin aber kein Zelt, und schlecht schlafen gehört zum richtigen Festivalfeeling eben auch dazu. 

Die Cardinal Sessions werde ich auf jeden Fall weiter im Blick behalten. Und das nächste To Do ist auf jeden Fall, Karten für das Haldern Pop im Sommer zu besorgen. Festivalliebe forever. 

our night out: The New Pornographers (05.12., Gebäude 9 Köln)

Das letzte Konzert 2014 – falls nicht noch eine Überraschung dazu kommen sollte. Geplant ist da jedenfalls nichts mehr. The New Pornographers aus Kanada spielten im Kölner Gebäude 9 – das ist ja eh immer eine Reise wert. Dazu kommt noch, dass diese Band eher selten in Europa tourt und das Konzert glücklicherweise auch noch an einem Freitagabend stattfand. Das muss man doch wirklich ausnutzen.

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The New Pornographers, ich kann diesen wunderbaren Namen ja kaum genug schreiben, ist eine Indie-Band aus Kanada. Und zwar eine sehr sympathische. Die Musik ist Gute-Laune-Indie-Pop und die Musiker wirken normal und nett, so als könnte man mit ihnen auch mal ein Stück Kuchen essen oder über Fußball reden. Sie tragen wunderbar normale Kleidung, keinerlei güldene Kordeln oder sonstige Hipster-Sünden. Und sie füllen die Bühne ziemlich, weil sie nämlich dort zu siebt stehen. Und eigentlich wären sie sogar zu acht, Sängerin Neko Case fehlte. Sieben Personen, nahezu alle singen. Das gibt einen vollen und runden Klang und das widerum passt sehr gut zur Musik.

Ich bin jetzt ein bisschen verliebt in Kathryn Calder, was besonders bemerkenswert ist wenn man bedenkt, was für ein Frauenfeind ich bin. Aber Kathryn Calder ist so unglaublich zauberhaft in ihrer Art (und wirkt dabei – siehe oben – so normal), dass ich sie gerne behalten würde. Wenn sie mal nach Dortmund ziehen möchte, dann kann sie sich gerne bei mir melden.

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Die anderen aber auch, dann könnten sie auch vielleicht jeden Freitag hier ein kleines Konzert spielen. Oder zumindest einmal im Monat. Denn so eine große Portion Glück und Gute Laune kann man ja häufiger mal gebrauchen.

Was für ein schöner Konzerte-Jahresabschluss. Gebäude 9 wunderbar, The New Pornographers wunderbar. So kann das Jahr enden, und nach all den Konzerten kann ich mir jetzt noch Gedanken über mein Album des Jahres machen.
Und mir ein Kathryn Calder-Album kaufen.