Festivaljahr 2017: Way Back When (29.09.-01.10.)

Das Way Back When ist ein wunderbarer Abschluss meines Festivaljahr. Nach den Cardinal Sessions im Januar, dem etepetete im Juni und dem Haldern Pop im August jetzt also das Way Back When in Dortmund. Heimspiel. Und meine persönliche Versöhnung mit der lokalen Clubszene, die mich sonst eher langweilt bis abschreckt. Aber dafür dieses tolle Festival, drei Tage Indie-Perlen. Komm an mein Herz, Indie-Dortmund.

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Zunächst aber: es war für mich das schwächste Line Up der bisherigen WBW-Ausgaben. Aber da meckere ich auf hohem Niveau. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis ist das Way Back When-Festival unschlagbar. Vor allem natürlich, wenn man in Dortmund wohnt und keine Übernachtungs- oder Reisekosten hat. Darf ich einmal noch meckern? Ich meine natürlich: konstruktive Kritik anbringen? Richtig supergut wäre es, wenn man vor Ort auch Essen kaufen könnte. Zweidreivierzehn Foodtrucks, das wäre der Hit. Man müsste nicht weiter weg, müsste keine Band sausen lassen. Und bei Startzeiten gegen 18 Uhr bekommt man halt irgendwann später am Abend automatisch Hunger. Ich bin nicht alleine mit meiner Meinung, zum Glück. Es gab zwischendurch in meiner Nähe Fantasien von einer Pommeskanone. Also, liebes WBW-Team, denkt mal drüber nach.

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Jetzt aber  genug rumgenörgelt und mal Butter bei die Fische. Musik. Das ist ja immer noch die Hauptsache. Ist ja schließlich ein Festival. Drei Tage, drei Locations. Oder für mich: drei Tage, zwei Locations. Denn in die Pauluskirche habe ich dieses Jahr leider nicht geschafft. Dabei ist das ein wirklich toller Ort für Konzerte. Aber wie immer war ich hauptsächlich im FZW und dann war dieses Jahr erstmalig noch das View im Dortmunder U dabei. Auch eine sehr schöne Location für Konzerte, kann meinetwegen beibehalten werden. Welche Bands ich alle gesehen habe? Hier bitte schön, in chronologischer Reihenfolge: Her’s (grammatikalisch fragwürdig, aber musikalisch sehr gut), Client Liaison,

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ein bisschen Fazerdaze, J. Bernardt, Slowdive, Darjeeling, Warbly Jets, The Districts, Portugal. The Man (mit dem Ohrwurm des Wochenendes), ein bisschen Drangsal, Jake Isaak und Dan Croll.  So richtig wild gefreut hatte ich mich vorher nur auf Slowdive und war dann freudig überrascht, dass auch andere Bands supergut waren.

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Warbly Jets, Her’s und Jake Isaak hatte ich vorher gar nicht so richtig auf dem Schirm. Und auch das Konzert von Portugal. The Man war super, viel „stärker“ als ich es erwartet hatte. Jake Isaac aber war dann das absolute Highlight, das kam für mich unerwartet und war dadurch noch schöner. Was für ein toller Sänger, nett obendrein und als er dann in die Halle des FZWs zum Publikum kam, sich alle hinsetzten und es dann wirklich mucksmäuschenstill war als er akustisch einen Song spielte, da hatte ich meinen absoluten Herzmoment.

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Dafür liebe ich das Way Back When, dafür liebe ich Festivals. Dafür nehme ich diesen Raubbau am Körper gerne hin, mit Plattfüßen, wenig Schlaf, zu viel Bier und schnellem Essen. Es ist ja nicht jedes Wochenende Festival.

Festival ist natürlich auch mehr als nur zu Konzerten gehen. Es bedeutet, dass man sich mit Musik beschäftigt, neues entdeckt und auch, dass man Leute trifft. Das geht auch beim Way Back When ziemlich gut, entweder spontan, oder verabredet, während Konzerten oder in einer Essenspause. Was hast du bisher gesehen, wohin möchtest du noch unbedingt, was ist dein bisheriges Highlight, hast du noch einen Tipp? Gespräche rund um das Festival und auch darüber hinaus. Bekannte Gesichter und neue Menschen, mit Fremden ins Gespräch kommen. Die Musik verbindet und auch das ist halt Festival.

mde

Es kann nicht jedes Wochenende Festival sein, das ist ja auch gut so. Aber 2018 ist wieder ein Way Back When, die Karten sind schon bestellt, obwohl noch nicht eine Band bestätigt ist. Ich weiß einfach, dass es gut wird, denn ein schlechtes Way Back When hat es noch nicht gegeben.

sdr

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Festivaljahr 2017: Haldern Pop (10.-12.08.)

Seit 2001 fahre ich zum Haldern Pop und das sollte sich auch in diesem Jahr nicht ändern. Geändert hat sich in den letzten Jahren ja auch schon genug. Zum einen das Festival selbst. Als ich anfing dort hin zu fahren, da ging das Festival nur über zwei Tage, es gab nur die Hauptbühne, das Spiegelzelt war nur da, um dreivier „Talentbands“ die Möglichkeit zu geben, am Nachmittag wenigstens ein paar interessierte Besucher zu bespielen. Es gab keine Wassertoiletten und erst Recht keine Duschen.

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Mittlerweile ist die Zuschauerzahl deutlich gestiegen, das Programm geht über drei Tage und im Spiegelzelt spielen mehr Bands als auf der Hauptbühne. Zudem gibt es noch Konzerte im Ortskern in der Popbar, im Tonstudio und in der Kirche und es gibt auf dem Gelände auch immer noch eine weitere Bühne, entweder im Biergarten des Spiegelzelts oder auf dem Hauptgelände irgendwo im Hintergrund. Die sanitäre Versorgung ist so gut, dass man im Grunde das ganze Wochenende nicht einmal ein Dixiklo besuchen müsste und sogar warm duschen stellt kein allzu großes Problem dar. Die gastronomische Versorgung hat sich deutlich gesteigert, man käme also auch ohne eigenes Essen aus. Aber: das Campleben gehört ja auch zum Festival dazu. Auch da gab es in meiner Haldernzeit Änderungen, aber ich hatte in jedem Jahr eine wunderbare Festivalgemeinschaft. Zum Haldern gehört für mich auch Gemeinschaft. Gemeinsame Vorabplanung, gemeinsam den Pavillon aufbauen, gemeinsames Essen und Trinken, über Musik sprechen, über das Leben philosophieren, gemeinsam in der Duschschlange stehen. Und ich bin wirklich sehr glücklich über meine aktuelle Festivalgruppe, weil sie das Haldern Pop noch besonderer machen als es überhaupt schon ist. Alles musikliebende, nette, witzige, großzügige und großherzige Menschen.

Das Publikum war und ist ein Grund, das Haldern Pop zu mögen und es ist schön, wenn sogar die Bands sagen, dass die Menschen vor der Bühne das sind, was dieses Festival so ausmacht. Und ich glaube auch, dass ich kein anderes mehrtägiges Festival ertragen würde. In Haldern kann man nachts ein paar ruhige Stunden zum Schlafen finden, die allermeisten Leute benehmen sich zivilisiert, eskalieren nicht völlig und ohne Rücksicht auf Verluste und sind hauptsächlich wegen der Musik da. Sehr angenehm. Da kann man auch mal drei Nächte Luftmatratze in Kauf nehmen.

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Wegen der Musik da? Bin ich auch. Bei jedem Ankündigungsvideo nörgele ich rum, weil so viele Bands schon in den Jahren zuvor da gewesen sind und mir „die Kracher“ fehlen. Dabei hat sich Haldern Pop in diesem Jahr nicht lumpen lassen und mit Clueso und AnnenMayKantereit zwei nicht unbekannte Bands auf die Mainstage gespielt. Nur: mich interessieren beide nicht. Und das ist noch nett ausgedrückt. Vor etwa zehn Jahren hat das Haldern Pop noch ziemlich genau meinen Musikgeschmack bedient, das ist heute nicht mehr so. Trotzdem sind immer – auch dieses Mal, auch wenn 2017 musikalisch womöglich das für mich schwächste Jahr gewesen ist – ein paar musikalische Perlen dabei, auf die ich mich freue. Und es sind auch immer Bands dabei, von denen ich nie zuvor gehört habe und die dann dort vor Ort mein Herz erobern. Im Sturm.

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Jetzt aber Butter bei die Fische. Gesehen habe ich dieses Jahr, in chronologischer Reihenfolge: Nothing, Mammal Hands, den Anfang von Aldous Harding, den Anfang von Blaudzun, The Amazons, Loyle Carner, Die Höchste Eisenbahn, Matthew And The Atlas, den Anfang von Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi, einen Teil von The Radicals, Nick Waterhouse, Bear’s Den, The Afghan Wigs und Kate Tempest. Einige davon haben mich etwas enttäuscht (Käptn Peng zB), andere völlig positiv überrascht. Loyle Carner gehört zur zweiten Kategorie. Überhaupt nicht „meine“ Musik, auf CD kann mich das auch nur mäßig überzeugen, aber live einfach SO! TOLL! Wahnsinn. Kate Tempest ist übrigens auch eine Künstlerin, die nicht so in mein Schema passt, aber der Frau muss man einfach zuhören, weil sie eine Menge wütender Dinge zu sagen hat. Ernsthaft.

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Festival, das ist ja auch ein bisschen Raubbau am Körper, obwohl es in unserer Campgemeinschaft frische Salate, gegrilltes Gemüse, Mandelmilch und glutenfreie Bio-Grillsauce gab. Aber es gab halt auch eine große Menge Alkohol, weniger Schlaf als üblich und kalte Füße, weil der August mal wieder alles gab. Also alles an Regen, was er so zur Verfügung hatte. Zumindest am Donnerstag. Aber man ist ja mittlerweile auch vorbereitet und kann damit entspannter umgehen. Gummistiefel, Regenhose, Regenjacke, Regencape. Alles dabei. Die Sonnencreme blieb dieses Jahr mal ungenutzt. Und die kurze Hose hätte ich höchstens Sonntag zum Zeltabbau anziehen wollen. Aber trotz des ganzen Schlechtwetterequipments habe ich in diesem Jahr auch ein paar Bands und Künstler verpasst, weil der sintflutartige Regen am Donnerstag Abend mich förmlich dazu zwang, unterm trockenen Pavillon sitzen zu bleiben. Ohne mich fanden daher die Konzerte von Get Well Soon, Giant Rooks und Conor Oberst statt. Die habe ich alle auch früher schon mal live gesehen, von daher ist es nicht so dramatisch. Aber ein bisschen ärgerlich schon. Natürlich hätte ich auch einfach aufstehen und durch den Regen zu den jeweiligen Bühnen stiefeln können. Aber alleine auf dem Weg zu meiner Regenkleidung wäre ich sehr nass geworden und irgendwie war das zu diesem Zeitpunkt sehr viel verlockender, dort einfach sitzen zu bleiben. Ist halt so.

Nächstes Jahr scheint wieder die Sonne. Und das Line Up wird dann sowieso unvergesslich. Der Rest bleibt einfach Haldern Pop. So wie immer.

cof

Festivaljahr 2017: etepetete (23.06.2017 FZW Dortmund)

Die Feine Gesellschaft mal wieder. Die sorgt dafür, dass es in Dortmund zwar leider immer noch verhältnismäßig wenig feine Indie-Musik vom Plattenteller, aber immerhin live vonne Bühne kommt. Gut, das sollte man nicht unter den Teppich kehren: Parties veranstalten diese feinen Herren auch, aber ihre Konzertankündigungen lassen sehr viel häufiger mein Indie-Herz höher schlagen. Wenn ich die Künstler nicht kenne, dann höre ich gerne mal rein, denn die feine Gesellschaft hat einfach auch ein feines Gespür für Musik und Location. Ob im Hinterhof vom Hej-Store, im Keller vom SissiKingKong oder eben im FZW, das passt einfach.

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Als ich die ersten Plakate zum etepetete-Festival sah, notierte ich mir schon mal direkt den Termin. Kann ja nicht schaden, den Abend schon mal frei zu halten. Dann wurden nach und nach Bands bestätigt und vorgestellt, und ich kannte niemanden. Egal. Der Preis für ein Festivalticket – also einen Abend mit sechs Bands: frei wählbar zwischen 5 und 20 Euro. Die Glücksfee loste dann ihm noch zwei Gästelistenplätze zu, so dass wir gar nichts zahlen mussten, aber grundsätzlich finde ich es eine hübsche Idee, dass man selbst über den Eintrittspreis entscheiden kann. Und ich weiß auch sicherer Quelle, dass nicht alle nur fünf Euro bezahlt haben.

Line Up: Strand Child, The Away Days, Ropoporose, His Clancyness, Hush Moss und Gosto. Künstler aus halb Europa. Wie gesagt, bis zu diesem Abend kannte ich keine Band davon wirklich. Nur mal kurz reingehört und nichts wirklich gemerkt. Hin da und sich überraschen lassen.

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Die Bands spielten abwechselnd auf zwei kleinen Bühnen im FZW, die große Halle blieb einfach mal geschlossen. Dazwischen ein bisschen am Merch stöbern, oder an dem „Flohmarkt“-Stand einkaufen – dessen Erlöse gingen übrigens nicht in die vermutlich eher etwas klammen Kassen der Festivalbetreiber, sondern komplett an die Neven Subotic-Stiftung. Ich ziehe meinen Hut. Wem zu warm wurde, der konnte draußen den Sommerabend genießen. Oder eine rauchen. Oder Tischtennis spielen. Oder alles auf einmal.

Festival with a viewUnd ansonsten halt Leute beobachten und nebenbei Musik hören. Oder Musik hören und nebenbei Leute beobachten. Wie man es gerne mag. Der Abend verging für mich überraschend schnell und es gab sogar eine Band, die ich ziemlich gut fand und weiterhin im Ohr und Kopf behalte: His Clancyness aus Italien. Mit kanadischen Wurzeln. Die anderen Bands waren auchin Ordnung und ich finde, man kann sein Geld schlechter verschwenden als bei so einem Nachwuchs-Festival. Immerhin bin ich ja auch ständig auf der Suche nach neuen Bands, dafür ist so ein Abend einfach sehr gut geeignet.

Ein Festival-Abend in Dortmund? Das Beste kommt zum Schluss: im eigenen Bett schlafen und morgens im eigenen Bad duschen. Der nächste Festivalbesuch dann auch wieder mit Zelt. Und auch die Feine Gesellschaft bietet demnächst mit Sicherheit wieder etwas für mich an.

 

Festivaljahr 2017: Cardinal Sessions (14.01.2017, Gebäude 9 in Köln)

So einen frühen Start in das Festivaljahr gab es für mich noch nie! Zu Weihnachten lag eine Karte für die Cardinal Sessions in Köln unterm Baum. Bis dahin hatte ich noch nie davon gehört, aber dass die Hammer Band Giant Rooks im Line Up standen, war ich direkt begeistert. Die hatte ich nämlich im Sommer schon beim Haldern Pop gesehen und diese Band ist für mich die aktuelle Indie-Hoffnung überhaupt. Die anderen aufgeführten Bands sagten mir nichts, aber das schmälerte die Vorfreude in keinster Weise. Ich mag es ja, neue Bands zu entdecken und so ein Nachwuchs-Festival eignet sich ja ziemlich gut dazu.

Das Gebäude 9 mag ich ja sehr, es liegt so schön in einem Hinterhof zwischen Industriebauten und ist ein bisschen schön schrammelig. Was ich noch mochte: die drumherum-Organisation. Es gab einen Gratis Willkommens-Drink, eine Dose eines gar nicht so schlecht schmeckenden Energydrinks. Ich durfte sogar noch eine zweite Dose trinken. Außerdem gab es zur Verpflegung der Besucher einen Foodtruck, Waffeln und Glühwein. Nicht so hübsch: die eisigen Temperaturen, die dazu führten, dass ich draußen nicht eine Minute länger als nötig stehen wollte. Und tja, möglicherweise ist das Gebäude 9 für diese Menge an Leuten, die dort länger bleiben, auch nicht unbedingt ausgelegt. Die drei Frauen-Toiletten, die zu Beginn des Abends vielleicht noch nur zweifelhaft waren, erinnerten am Ende des Abends an einen Trümmerhaufen. Liegt mit Sicherheit auch daran, dass Menschen sich nicht immer besonders gut benehmen können.

Die schönen Momente überwogen aber, ein Festivaltag mit Freunden, Käsekuchen, Burger, viel Bier und noch mehr guter Musik. Neben Giant Rooks gefielen mir auch Sparkling und Shame. Alle Bands habe ich tatsächlich auch gar nicht mitbekommen, man muss ja schließlich auch mal was essen und Bier trinken. So ein Festival hat strenge Gesetze.

Ein guter Start ins Musikjahr. Das erste Konzert war direkt ein Festival. Ein kleines nur, aber immerhin. Ich freue mich jetzt noch mehr auf das Album von Giant Rooks – bisher gibt es nur eine EP – und ich habe neue Bands entdeckt, die mir gefallen. Besser kann es ja kaum laufen und das passt ja auch alles sehr gut zu meinen Musik-Vorsätzen für dieses Jahr. Die EPs von Giant Rooks und Sparkling wurden auch direkt mitgenommen, junge Bands unterstütze ich in dieser Form einfach sehr gern.

Nachts lag ich noch ein bisschen wach. Möglicherweise die Musik in meinem Ohr. Möglicherweise aber auch nur die beiden Energydrinks. Immerhin aber kein Zelt, und schlecht schlafen gehört zum richtigen Festivalfeeling eben auch dazu. 

Die Cardinal Sessions werde ich auf jeden Fall weiter im Blick behalten. Und das nächste To Do ist auf jeden Fall, Karten für das Haldern Pop im Sommer zu besorgen. Festivalliebe forever. 

Festivalsommer 2016: Haldern Pop

Seit 15 Jahren (mit einer Ausnahme) verbringe ich ein langes Wochenende am Niederrhein, genauer gesagt im beschaulichen Dorf Haldern. Dort wo die Linden rauschen findet jährlich das Haldern Pop Festival statt und ich bin dabei. Ich habe dort unzählige tolle Bands gesehen und entdeckt und außerdem liebe ich die Atmosphäre dort. Es ist entspannt, nicht allzu überlaufen, es gibt saubere sanitäre Anlagen, eine schöne kulinarische Auswahl – und natürlich auch viel gute Musik.

Ich hatte musikalisch so mittelmäßig hohe Erwartungen. Dieses Jahr hatte ich es geschafft, vorher in alle Bands zumindest kurz reinzuhören. Dabei entstand schon mal eine Liste mit Favoriten, die nicht so kurz war. Zumindest war sie länger als ich beim Durchsehen der Ankündigungen erst dachte, denn die meisten Bands sagten mir da noch überhaupt nichts. Und das ist gleichzeitig der Reiz und das „Problem“ des Festivals: man muss sich doch einiges erarbeiten, sich selbst ein bisschen öffnen und sich auch mal an was neueres heranwagen. Aber mir persönlich – und ich weiß, dass es auch etlichen anderen so geht – fehlen mittlerweile halt die bekannten Bands, die einem schon monatelang im Voraus ein Vorfreudekribbeln bereiten. Zudem finde ich es leider etwas nervig, dass die Macher vom Haldern Pop gefühlt nur noch Bands einladen, die schon mal da waren.

Aber: meckern auf recht hohem Niveau, denn es war auch dieses Jahr wieder ziemlich gut und ich hatte das Gefühl, dass die Atmosphäre dieses Mal sogar noch netter war als in den vergangenen Jahren. Aber das sind natürlich gefühlte Werte. So wie es sicherlich auch Leute gab, die bei den Vorankündigungen euphorisch ausgerastet sind. So ist das halt. Im ganzen aber eine ziemlich schöne Mischung aus Entschleunigung, Bier, Freunde, Musik und Matsch.

Matsch gab es witterungsbedingt eine Menge, aber nach so vielen Jahren gibt es ja auch eine recht anständige Ausrüstung gegen Regen und für ein möglichst komfortables Campen. Damit es allerdings nicht allzu langweilig wird, habe ich zwischendurch noch meinen Autoschlüssel IM Auto verloren. Dadurch verpasste ich leider The Strypes – glücklicherweise habe ich die ja schon mal gesehen. Schlüssel tauchen irgendwann mal wieder auf, folgende Bands habe ich zum Glück nicht verpasst: Giant Rooks, den Anfang von Damien Rice, Ben Caplan & The Casual Smokers, Die Nerven, Drangsal, Algiers, Michael Kiwanuka, St. Paul & The Broken Bones, Wintergatan, Yak und Ebbot Lundberg (die letzten beiden vom Biergarten vorm Spiegelzelt über die Leinwand).

Wieder vorbei, eins der schönsten Wochenenden des Jahres. Denn das ist es für mich unbestritten, auch wenn ich immer gerne an den Bands und dem Zeitplan rumnörgele und zelten auch nicht zu meinen größten Hobbies zählt. Aber es sind tolle Tage, an denen man irgendwie die Zeit vergisst, obwohl Zeit doch so immens wichtig ist, wenn man pünktlich zu seinen Lieblingsbands an der passenden Bühne stehen möchte. Meine liebsten Auftritte kamen in diesem Jahr übrigens von St. Paul & The Broken Bones, Michael Kiwanuka, Wintergatan, Giant Rooks (aus Hamm), Algiers und Ben Caplan. Und von der Handvoll Sternschnuppen, die wir am nächtlichen Himmel sehen konnten.

Was nächstes Jahr sein wird bleibt abzuwarten. Jetzt konzentriere ich mich schon mal auf das nächste Festival, das Way Back When in Dortmund – wieder viel gute Musik und dafür mein eigenes Bett. Festivalvorfreude.

Festivalsommer 2016: Popsalon Osnabrück

Der Festivalsommer fing dieses Jahr ziemlich früh an, nämlich mit dem Popsalon in Osnabrück. Ein Clubfestival, ein bisschen vergleichbar mit dem Dortmunder Way Back When-Festival. Drei Tage – von denen meine Begleiter und ich allerdings nur zwei dabei waren. Drei Locations, nämlich die Kleine Freiheit, die Lagerhalle und das Haus der Jugend. In allen drei Läden habe ich übrigens schon früher Mal Konzerte gesehen. Von Bielefeld ist es ja auch nicht so weit nach Osnabrück, da ging es dann schon mal rüber nach Niedersachsen.

Was ein Glück, wenn man ein Festival in Osnabrück direkt mit Besuch von Freunden in Osnabrück verbinden kann. Noch besser: die Übernachtungsmöglichkeit ist auch gleich gegeben. Gästebett ist das dann doch komfortabler als Zelt – nein, der Popsalon hat kein Campinggelände.
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So ging es am Freitag über die A1 Richtung Norden. Der Festivalsommer startet früh dieses Jahr und irgendwie ging alles so schnell. Ich hatte also in genau überhaupt keine Band vorher reingehört und konnte mich auch sowieso nur dunkel an eine Band (nämlich Gloria) erinnern, die dort spielen sollte. Glücklicherweise wusste ich, dass ich bei dieser Festivalbegleitung einfach nur mitlaufen muss und machte mir keine großen Sorgen.
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Gesehen und gehört: Gloria, Motorama, zweieinhalb Takte Tüsn, Kelvin Jones, mit halbem Ohr Neufundland und zu guter Letzt Jungle By Night. Man hätte sicherlich mehr schaffen können, aber ich bin ja schon immer gerne ein bequemer Festivalgänger gewesen. Keine unnötigen Ortswechsel und zwischendurch immer ausreichend Zeit für Bier, Essen und Gespräche. Und wie bei jedem guten Festival wurde sogar am frühen Abend für uns der Grill angefeuert. Noch ein Vorteil, wenn man Festival und Freunde besuchen kombiniert. So muss das sein!
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Persönliche Festivalhighlights? Musikalisch auf jeden Fall Kelvin Jones, Motorama und Jungle By Night. Letztere eine neunköpfige Band aus Amsterdam, alles junge Männer – und nur instrumental. Ich kann nicht einschätzen, wie es ist, ein Album von ihnen zu hören, aber live ist das Konzert eine Sensation gewesen. Kurz davor und noch während der ersten Minuten war ich so müde, dass ich glaubte, im Stehen einzuschlafen. Aber plötzlich war die Musik ein wahrer Energielieferant. Ich lass mich doch nicht von so nem össeligen Körper einschränken! Die Musik? Bunt gemischt und doch immer passend. Mal dachte ich an eine türkische Hochzeit, mal an Manchester Rave, dann wieder an Jazz. Und es hat mich einfach richtig gepackt. Für solche Bands ist Musikleidenschaft erfunden worden.
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Ein mehr als guter Start in die Festivalsaison! Entspanntes Wochenende, gute Leute und super Musik mit einigen Neuentdeckungen. Meinetwegen kann es so weitergehen!

Festivalsommer 2015: Haldern Pop

Seit 2001 bin ich jährlich ein (langes) Wochenende in Haldern am Niederrhein. Nur 2003 habe ich pausiert, weil ich bei einer Hochzeit eingeladen war, aber ansonsten gehört für mich das Haldern fest zum Jahresprogramm dazu. Glücklicherweise habe ich immer Freunde, für die das ebenso ist, somit ist es mittlerweile nicht nur ein Wochenende voll guter Musik, sondern vor allem ein großes Wiedersehen und ein Miteinander Gleichgesinnter.

Trotzdem steht die Musik immer noch im Vordergrund. Dieses Jahr habe ich vorher schon in ein paar Bands reingehört, aber es gibt dann ja immer noch ein paar neue Entdeckungen oder Tipps. Ich wollte hauptsächlich die DMA’s sehen:


Ansonsten stand noch The Slow Show ganz oben auf meiner Wunschliste, aber während des Konzerts war ich dann damit beschäftigt, den Pavillon des Zeltplatzes vorm Unwetter zu schützen. Was ein Glück, dass ich es beim Way Back When schon geschafft hatte, sie zu sehen, aber dennoch mehr als schade. Ich glaube, da habe ich meinen Haldern-Moment verpasst. Ärgerlich.
Natürlich habe ich aber ein paar andere Bands gesehen, die mir sehr gut gefallen haben. Olli Schulz, Sonne und Markus Wiebusch, Courtney Barnett (jawohl, eine Frau!), DMA’s, The Districts und noch ein paar mehr.

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Es war ein besonderes Haldern dieses Jahr, vergleichsweise wenig Musik, aber dafür viele Herzensmomente. Zum Beispiel als ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Bernhardinerhündin streichelte. Die war noch entspannter als schottische Schafe. Wahnsinn.
Und auch sonst, ein paar wunderbare Tage. Viel Sonne und somit viel Staub. Und dann irgendwann die Regenmassen. Extremes Wetter führt zu wunderbar schmutzigen Füßen. Festivalfeeling!

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Und mein Haldern-Moment? Der darf doch nicht fehlen! Auch wenn mir der Verzicht von The Slow Show immer noch zu schaffen macht, so gibt es wohl doch einen und der kam überraschend. Denn ehrlich gestanden hatte ich mir vom Konzert von Markus Wiebusch gar nicht so viel versprochen. Obwohl ich ja riesiger Kettcar-Fan bin. Also war. Also bin von den älteren Sachen. Mehr als riesig. Die neueren Werke und das Solo-Album zündeten bisher bei mir noch nicht so richtig. Aber dann kam da plötzlich eine zweite Strophe zu „Balkon gegenüber“, dann kamen da plötzlich die Worte vom Abschied und dann kam zuletzt noch dieser wirklich große Hit.

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Er sagte: vergesst mich nicht.
Versprochen.

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