love yourself

Da schwappt aktuell ein neues Thema wie eine Welle durch das Internet und die sozialen Netzwerke. Ich habe überlegt, ob ich auch meinen Senf dazu abgebe und da das Thema meiner Meinung nach wichtig ist, habe ich mich dafür entschlossen.

Fing es mit dem Film Embrace – Du bist schön an, oder schon eher? Ist im Grunde egal. Fakt ist: es wird gesprochen, diskutiert, berichtet. Und zwar über Körpergefühl, Schönheit, Schönheitsideale, die Gesellschaft, Ängste, vermeintliche Makel, bodyshaming, Selbstakzeptanz. Und wirklich jede und jeder kann etwas dazu sagen, weil wir alle irgendwie betroffen sind.

Ich selbst bin ein Mensch, an dem eine Menge abperlt. Ich weiß nicht, ob meine Eltern bzw. meine Familie mich bewusst so erzogen haben oder ob es einfach mein Gemüt ist. Im Grunde ist es mir jedenfalls egal, was die meisten Leute über mich denken. Meistens zumindest, es gibt auch Tage, wo mich ein kritischer Blick oder ein Lachen schon völlig aus dem Konzept bringt und mir den Tag ruiniert. Aber im Grunde ist es mir meistens wirklich egal. Das ist übrigens auch nicht immer einfach, aber im Großen und Ganzen fahre ich ganz gut damit. Natürlich kenne auch ich verletzende Kommentare. Entweder habe ich sie selbst über mich oder auch über andere Personen hören müssen. Vermeintliches Getuschel oder einfach direkt ins Gesicht. Und da bin ich dann wirklich gelegentlich überrascht, auf was so manche Leute alles achten und worüber sie sich auslassen: dicke Bäuche, lange Zehen, weiße Beine, zu große oder kleine Brüste, dünne Haare und so weiter. Die Leute, die sich übrigens laut über Burkas beschweren und ein Verbot derer einfordern, die lästern übrigens im Regelfall auch am lautesten über vermeintlich „falsche“ Kleidung, wie (zu) kurze Röcke, (zu) jugendliche Kleidung für ältere Menschen, die ja bewiesenermaßen nur beige tragen dürfen und darüber, dass die Frau mit den dicken Armen doch bitte möglichst langärmlig herumlaufen sollte. Was widerum dazu führt, dass sich etliche Menschen bei Temperaturen deutlich über 25 Grad in Jeans, geschlossene Schuhe und langärmlige, einfarbige, kartoffelsackähnliche Kleidung verhüllen. Und den Sommer hassen. Die Zeit, in der man sich frei und glücklich fühlen und über die Haut möglichst viel Vitamin D aufnehmen sollte. Weil nämlich nicht jeder Mensch über diese Teflon-Funktion verfügt und viele viele Leute sich zu Herzen nehmen, was sie so hören.

Ich bin froh, weil ich mit mir selbst ziemlich im Reinen bin. Habe ich den perfekten Körper? Ganz bestimmt nicht. Fände ich was zum rummäkeln? Aber hallo! Hab ich Bock drauf, an mir rumzumäkeln? Nö. Ganz klare Kiste. Wenn ich meinen Körper verfluche, dann an den Tagen, wo er mich mit Migräne oder Nackenverspannungen aus der Hölle quält oder wo meine Haut verrückt spielt. Aber doch nicht wegen krummer Beine, blauer Flecken auf weißen Beinen oder meiner Bierplauze. Da fällt mir doch anderes ein, was ich mit meiner Zeit machen kann. Ich find mich ganz schön ok und ich sehe meinen Körper nicht als Kunstwerk, an dem ich ständig rummodellieren muss. Er ist doch eher ein Gerüst, das mich durch die Welt trägt. Ich mag ihn, ich mag mich und zu dieser Selbstliebe gehört auch, dass ich mich selbst pflege. Ich gebe ihm (meistens) gute Nahrung, ich mache regelmäßig Sport, aber ich lege mich auch hin und schlafe, wenn ich erschöpft bin und verlange nicht, dass der Körper immer funktioniert. Und ich trage die Kleidung, die mir gefällt. Vor allem in der Freizeit. Frei.Zeit. Und gerade beim Sport, mir doch egal, ob die Hose einen dicken Hintern macht oder bei den SitUps durch enganliegende Tops der Bauchspeck faltig wird. Ich werde keine langen Hosen und weite Shirts tragen, damit andere Menschen ihren Seelenfrieden finden. Und wenn ich im Rentenalter beige tragen sollte, dann nur falls mir die Farbe bis dahin gefällt.

Ich bin erschüttert. Ganz ehrlich. Zum einen über die Menschen, die unter Menschen und deren Ansichten leiden müssen. Gerade wenn man beruflich möglicherweise einer Kleidungsordnung unterlegen ist, dann sollte man privat herumlaufen dürfen wie man mag. Und zum anderen machen die Leute, die immer und immer wieder solche verletzenden Kommentare raushauen, mich ständig fassungslos. Als ob es nichts wichtigeres gäbe.

Meine Meinung: nicht die Menschen, die sich vermeintlich unpassend kleiden, sind das Problem. Sondern die Menschen, die das als vermeintlich unpassend ansehen und entsprechend kommentieren. Love yourself und es ist doch völlig egal, wie alle anderen aussehen.

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come back to what you know

Grundsätzlich bin ich kein Gegner von Veränderungen. Ich finde Veränderungen in manchen Bereichen vollkommen wertvoll und horizonterweiternd. Sonst hätte ich ja auch niemals umziehen dürfen. Veränderungen können einen weiter bringen, weiter entwickeln. Stillstand ist bequem, aber auf Dauer und nicht befriedigend. Meistens zumindest.

Aber es gibt ein Genre, da bin ich strikt gegen Veränderung. Und das ist die Musik. Wie oft schon habe ich mein Herz an Bands verloren und musste mir dann verzweifelt das neue – ganz andere – Album anhören. „Wir wollten uns mal weiterentwickeln.“ Weiterentwicklung my ass! Ich will das nicht. Wenn ich eine Band wirklich liebe, dann sollen sie immer so klingen. Mir doch egal, ob andere das langweilig finden. Ich finde das super, eine Konstante für mein Ohr und für mein Herz. So soll das sein. Den Wohnort darf ich wechseln, Kapern dürfen mir plötzlich schmecken, aber die Musik soll bitte immer gleich sein. Jeder hat so seine Marotte.

Das erste Album der englischen Band Embrace heißt „The Good Will Out“ und ist von 1998. Ich weiß noch genau, wo ich mir das Album gekauft habe, nämlich in Herford, den Plattenladen gibt es schon gar nicht mehr. Aber ich weiß noch wie es war, als ich diesen Silberling das erste Mal hörte. Es war wunderbar. Wunderschön. EPISCH! (Endlich mal wird dieses Wort vollkommen zu Recht verwendet). Gänsehauthymnen. Eine Stimme, die mich alles vergessen ließ. Der Himmel auf Erden. Es folgten noch einige Alben, von denen ich nur eins (If You’ve Never Been) etwas mäßig, den Rest grandios fand. Embrace waren Anfang der 2000er übrigens so erfolgreich, dass sie a) Coldplay berühmt machten (Coldplay war nämlich mal Support und wurde dadurch bekannt) und b) 2006 den offiziellen WM-Song der englischen Nationalmannschaft „World At Your Feet“ stellen durften. Das offizielle Video dazu kann man in Deutschland natürlich nicht sehen, aber wer Zeit und Muße hat, kann hier eine etwa halbstündige Dokumentation zur Entstehung des Songs anschauen.

2006 kam dann This New Day. Und dann kam nichts mehr. Ich hatte die Band bis dahin dreimal live gesehen. Einmal in Haldern, in der ersten Reihe. Dann in Düsseldorf, in der ersten Reihe – da spazierte er noch lässig an uns vorbei. Dann in Köln, in der ersten Reihe. Da nahm Sänger Danny McNamara meine Hand und ich wollte nur noch sterbensterbensterben vor Glück. Jahrelang stand in meinem Regal Zuhause eine Wasserflasche, aus der Herr McNamara getrunken hatte. Fangirl. Hätte mich Danny McNamara nach dem Konzert gefragt, ob ich mit ihm komme, ich hätte mir an der nächsten Tanke noch schnell eine Zahnbürste gekauft und wäre gegangen. Ohne zu zögern. Meine Güte. Das ist jetzt übrigens ziemlich genau 10 Jahre her.

2006 das letzte Album. Und warten. Jedes Jahr warten. Ich verfolge die Band über Twitter und Facebook, erst kam nichts, dann plötzlich Bilder aus einem Tonstudio, dann kurze Snippets von Liedern, Berichte von Secret Gigs, immer mehr Bildern und dann die Nachricht, dass das Album fertig sei. WAHNSINN! Ein neues Embrace-Album. Alle anderen Musiker brauchen sich dieses Jahr gar nicht mehr anstrengen, Album des Jahres steht schon fest. Embrace mit Embrace, wird Ende April veröffentlicht.

Als letzte Woche die Single veröffentlicht wurde, saß ich da. Bei YouTube kann man sie NATÜRLICH nicht sehen, aber dann stolperte ich bei Twitter – wo ich schon den ganzen Tag lang Jubelarien über die Single Refugees las – über noch einen anderen Link und schaute mir das Video an. Kurz bevor das Video endlich startete, dachte ich noch, dass ich nur enttäuscht sein kann. Nach all den Jahren. Nach all der Warterei.

Aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich so sehr enttäuscht werde. Dachte kurz, ob es vielleicht alles ein Missverständnis ist, dass es noch eine andere Band gibt, die auch Embrace heißt und die eine neue Single herausgebracht haben. Manmanman, da wäre ich jetzt fast drauf reingefallen. Noch mal hören. Nee, wird nicht besser. Aber die Fanpages im Internet bejubeln diesen Song. Sind die alle taub? Völlig verblendet? Das sind doch nicht Embrace! Das ist eine völlig andere Band. Damn! WAS SOLL DENN DIESER KIRMESBEAT???!!!!?

(Die klitzekleine Hoffnung, dass es nur die erste Single ist. Come back to what you know. Take everything real slow. Ich werde mir das Album ja so oder so kaufen.)