our night out: Motorama (13.02.2017, FZW Dortmund)

Ich muss gestehen, ich habe euch hier einen Konzertbericht unterschlagen. Und zwar vom Buster Shuffle-Konzert, auf dem ich im Januar in Bochum war. Irgendwie war mir nicht danach, denn obwohl die Band toll wie immer war, so war der Abend nicht ganz so super. Das lag zum einen am schlechten Sound, zum anderen am Publikum. Sehr schade. Es ist sicherlich so, dass ich mit fortschreitendem Alter immer dünnhäutiger werde, aber ich habe auch wirklich das Gefühl, dass ein Großteil der Menschen bei Konzerten seine gute Kinderstube an der Garderobe mit abgibt und sich dann während des Auftritts wie eine Mischung aus Wrestler, Zirkusartist und Mitglied eines Debattierclubs benimmt.

Als ich direkt vor dem Konzert von Motorama meinen Blick durch das Publikum schweifen ließ, hatte ich das Gefühl, jemand hat eine Art Arche Noah-Konzept versucht. Von jeder Sorte zwei. Na gut, es waren dann doch mehr da, aber es waren zum Teil so unterschiedliche Leute da, dass es eine Wonne war, sie alle anzuschauen. Da gab es ein paar Goths, einige adrett gekämmte Mods, Indiemädchen mit Turnbeuteln und noch eine Menge irgendwo dazwischen. Dazu kam noch, dass so ungefähr jedes Alter (ab älteren Jugendlichen) vertreten war. Ein Spaß für die ganze Familie. Das spricht ja aber auch nur dafür, dass die Band eine große Bandbreite musikinteressierter Menschen anspricht. Apropos groß: ich war mit meinen 1,70 m deutlich unterm Schnitt. Große Menschen – große körperklausige Menschen – sind mein persönlicher Konzertalbtraum, denn große Menschen haben ihren Ellenbogen etwa auf meiner Gesichtshöhe. Bei unkontrollierten Ellenbogenbewegungen könnte ich durchaus sehr schnell meine Zähne verlieren oder mit einem gebrochenen Nasenbein da rausgehen. Und man ahnt ja nicht, wie viele unkontrollierte Bewegungen mit Ellenbogen während Konzerten gemacht werden. Glücklicherweise aber (Spoiler) konnten alle aus dem Publikum das Konzert ohne größere Schäden verlassen. Mir ist zumindest nichts aufgefallen.

Jetzt aber: Fokus auf die Band! Motorama aus Rostow am Don (fun fact: die Partnerstadt Dortmunds, wurde also wirklich Zeit, dass die mal hier auf eine Bühne gestellt wurden) und haben eine etwas schwer festzustellende Anzahl an Mitgliedern. Im FZW waren drei Musiker auf der Bühne. Nach dem Konzert fragte er mich, ob es beim Konzert während des Popsalons im vergangenen Jahr nicht vier Musiker waren und laut Wikipedia sind es sogar fünf. Musikalisch kann man sie auf jeden Fall ohne große Zweifel mit Joy Division oder – etwas aktueller – Editors vergleichen. Ein bisschen Post Punk, ein bisschen 80er Synthie, ein bisschen New Wave. Dunkel, ruhig, melodisch. Nichts, was ich ausschließlich hören würde, aber so für eine Konzertlänge oder mal gelegentlich zwischendurch ist das schon ziemlich gut. Ich gebe allerdings zu: wenn man sich nicht etwas ausführlicher damit auseinandersetzt, dann ist es schwierig, die einzelnen Lieder zu betiteln.

Nein, sie klingen nicht alle gleich. Aber halt ähnlich.Ich hatte während des Konzerts häufiger das „ach ja, kenn ich“-Gefühl, aber ich könnte bei nicht einem ohne Nachgucken sagen, wie es heißt. Asche auf mein Haupt. Dafür beschäftige ich mich nicht ausreichend mit dieser Band, weil es dafür dann halt einfach nicht so sehr meins ist. Vielleicht schreibe ich das mal auf meine To Do-Liste für 2017, aber ehrlich gestanden steht jetzt auch schon das nächste Konzert in den Startlöchern. Irgendwas ist ja immer.

Immerhin: es war ein schöner Konzertabend. Trotz der Menschen im Publikum. Das Konzert war nicht besonders lang, aber mehr habe ich bei der bisher recht überschaubaren Diskographie auch nicht erwartet. Ich habe mich nicht gelangweilt, die Musik trug einen irgendwie angenehm durch den Abend, es gab nur wenige Zwischenansagen, die einen beim getragen werden unterbrechen hätten können und nur das Ende war für den ein oder anderen möglicherweise etwas holprig, da zunächst irgendwie nicht so richtig auszumachen war, ob das Konzert nun vorbei ist oder nicht. 

Zufrieden nach Hause kommen, Konzerte können wirklich glücklich machen.

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Zwei fürn Hemd

„Zwei fürn Hemd“ sagte die Yogalehrerin auf die Frage, ob man denn auch selbst mal Zuhause den Sonnengruß üben solle. Weil eigentlich ja ne super Sache, aber falsch machen könne man ja sicherlich auch sehr viel und dann wäre ja alles für die Katz.

„Zwei fürn Hemd“, ich frage mich, was für eine weise Metapher das wohl sein mag.

Yoga jetzt also. Dafür hatte ich mich schon länger interessiert, habe allerdings auch festgestellt, dass YouTube-Videos nachgestikulieren nicht so meins ist. Schon allein, weil ich Zuhause eh nichts sportliches auf die Kette bekomme, ich Faulpelz. Ich brauche da einen festen Rahmen, geregelte Abläufe und so. Deswegen bin ich Mitglied eines Tanz- und Fitnessstudios und bin da sehr glücklich mit. Noch glücklicher wurde ich, als dann dort mein Wunsch erhört wurde und seit Ende Januar dort auch eine Yogalehrerin dem Team angehört. Zunächst gab es einen Workshop, dann noch eine Schnupperstunde und jetzt geht es los. Direkt im Workshop war ich überzeugt, dass Yoga genau meins ist. Das hat mehrere Gründe, es hat unter Anderem was mit Atmen zu tun und runterkommen und meinen Körper, der im Regelfall fast den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, mal ein bisschen zu strecken und zu dehnen. In Stunde Zwei löste sich eine Blockade in meiner Halswirbelsäule, die mich seit Tagen quälte. Was für eine Befreiung. Ich bin ein glückliches Mädchen.

Glücklicherweise wird im Kurs auch viel gelacht, es hat keinerlei „Traumfänger“-Anmutungen, die Yogalehrerin hilft jedem, sagt auch mal Scheiße, findet es völlig normal und natürlich, dass man nicht alles sofort super hinbekommt und ist gelegentlich ziemlich inspirierend. 

Aber zwei fürn Hemd? Zum Glück fiel mir des Rätsels Lösung ein, bevor ich nachgefragt habe. Zwei fürn Hemd. 

Zweifeln hemmt. Keine weise Metapher, aber trotzdem sehr richtig und passend.

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opium fürs volk

2017 läuft, der Januar verging ähnlich schnell wie das vergangene Jahr. Sprich: zack, vorbei. So richtig super läuft es nicht. Die Nachrichten verfolgen ist ja selten amüsant, aber aktuell macht es noch weniger Spaß als sonst.

Trotzdem, bisher ärgert mich einiges, bei anderen Dingen bin ich (verhalten) optimistisch, eine Menge perlt an mir ab. Es braucht einiges, um mich aus der Fassung zu bringen. Tatsächlich war ich selbst etwas überrascht, als mich dann ein kurzer Radiobeitrag am Morgen fast zum eskalieren brachte. Nichts über den amerikanischen Präsidenten, nichts über deutsche Populismus-Parteien, nichts über humanitäre Katastrophen. Tatsächlich war es ein vergleichbar harmloser Beitrag darüber, dass die katholische Kirche es geschiedenen und dann aber wieder verheirateten Mitgliedern nun erlauben möchte, wieder an der Kommunion (das Pendant zum evangelischen Abendmahl) teilzunehmen, wenn – man höre und staune – man zuvor mit einem Seelsorger spricht.

A. L. T. E. R.

Dazu muss man wissen: wer sich als katholischer Mensch scheiden lässt, der darf zwar weiterhin am Gottesdienst teilnehmen, die Hostie, also die heilige Kommunion und damit der wichtigste heiße Schice der katholischen Kirche, bekommt er/sie offiziell aber nicht mehr ausgehändigt.

Davon abgesehen, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass tatsächlich ein Pfarrer im Zweifel zunächst irgendwelche Gerichtsbeschlüsse durchblättert und sogar eins seiner Schäfchen in den immer leerer werdenen Kirchen bei der Verteilung der Hostien wegschickt. Also davon mal abgesehen, ist das meiner Meinung nach einfach nur eine Frechheit und ich bin zum wiederholten Male froh, dass ich vor einigen Jahren aus der Kirche ausgetreten bin. Schon die Tatsache, dass man als geschiedene Person in der katholischen Kirche so zweitklassig behandelt wird. Anstatt zu sagen „da ist eine Person, der es möglicherweise schlecht geht, die Hilfe braucht, die eine wirklich schwierige Zeit hinter sich hat…wie schön, dass sie dennoch in den Gottesdienst kommt, jetzt zeigen wir mal, wie gut sie bei uns aufgehoben ist“ ist die katholische Kirche da ja eher so der Typ „BÄH, du  Hexe, komm uns lieber nicht zu nah!“ Kundenbindung sieht in meinen Augen anders aus, aber da scheiden sich ja die Geister.

Wie großzügig, ein erneut verheiratetes Gemeindemitglied dann doch wieder in die goldene Mitte aufzunehmen. Nach einem Gespräch mit einem Seelsorger. Mit einem SEELSORGER! Ich komme auch bei längerem Nachdenken nicht darauf, warum das Gespräch mit einem Seelsorger stattfinden soll, haben die nicht genug anderes zu tun, zum Beispiel Gespräche mit frisch geschiedenen Menschen führen, die sich gerne ihren Kummer und ihr Leid von der Seele reden möchten, weil sie a) frisch geschieden sind und dann noch b) von der Kirche wie Aussätzige bzw. Menschen zweiter Klasse behandelt werden? Ich denke darüber nach, wie ein Gespräch zwischen Seelsorger und erneut verheiratetem Katholik ablaufen mag und irgendwie führt es in meinem Kopf immer zu einem eher absurden Ende. Wenn man sich dann noch Gedanken darüber macht, dass ein paar alte, angeblich abstinent lebende, Säcke diese Dinge bestimmen und sich jetzt vermutlich selbstgefällig das Bäuchlein streicheln, weil sie diesen ach so liberalen Erlass durchgerungen haben, dann kommt mir die Kotze hoch. Tatsächlich bin ich fest davon überzeugt: Jesus würde sich im Grabe umdrehen. Wäre er nicht wieder auferstanden. Denn der wirkte rückblickend jedenfalls ein bisschen lässiger als die hohen Würdenträger der heutigen katholischen Kirche.

2017 ist also das Jahr, in dem ich schon an einigen Tagen ob der globalen – und auch nationalen – Lage gezweifelt habe, ich auch einige Male wütend über Sexismus und anderen Spökes war, aber nur die katholische Kirche schaffte es bisher, mich so richtigrichtig aus der Fassung zu bringen. Bitte jeder nur ein Kreuz. Jehova! Jehova! Danke. Bitte. Amen.

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Festivaljahr 2017: Cardinal Sessions (14.01.2017, Gebäude 9 in Köln)

So einen frühen Start in das Festivaljahr gab es für mich noch nie! Zu Weihnachten lag eine Karte für die Cardinal Sessions in Köln unterm Baum. Bis dahin hatte ich noch nie davon gehört, aber dass die Hammer Band Giant Rooks im Line Up standen, war ich direkt begeistert. Die hatte ich nämlich im Sommer schon beim Haldern Pop gesehen und diese Band ist für mich die aktuelle Indie-Hoffnung überhaupt. Die anderen aufgeführten Bands sagten mir nichts, aber das schmälerte die Vorfreude in keinster Weise. Ich mag es ja, neue Bands zu entdecken und so ein Nachwuchs-Festival eignet sich ja ziemlich gut dazu.

Das Gebäude 9 mag ich ja sehr, es liegt so schön in einem Hinterhof zwischen Industriebauten und ist ein bisschen schön schrammelig. Was ich noch mochte: die drumherum-Organisation. Es gab einen Gratis Willkommens-Drink, eine Dose eines gar nicht so schlecht schmeckenden Energydrinks. Ich durfte sogar noch eine zweite Dose trinken. Außerdem gab es zur Verpflegung der Besucher einen Foodtruck, Waffeln und Glühwein. Nicht so hübsch: die eisigen Temperaturen, die dazu führten, dass ich draußen nicht eine Minute länger als nötig stehen wollte. Und tja, möglicherweise ist das Gebäude 9 für diese Menge an Leuten, die dort länger bleiben, auch nicht unbedingt ausgelegt. Die drei Frauen-Toiletten, die zu Beginn des Abends vielleicht noch nur zweifelhaft waren, erinnerten am Ende des Abends an einen Trümmerhaufen. Liegt mit Sicherheit auch daran, dass Menschen sich nicht immer besonders gut benehmen können.

Die schönen Momente überwogen aber, ein Festivaltag mit Freunden, Käsekuchen, Burger, viel Bier und noch mehr guter Musik. Neben Giant Rooks gefielen mir auch Sparkling und Shame. Alle Bands habe ich tatsächlich auch gar nicht mitbekommen, man muss ja schließlich auch mal was essen und Bier trinken. So ein Festival hat strenge Gesetze.

Ein guter Start ins Musikjahr. Das erste Konzert war direkt ein Festival. Ein kleines nur, aber immerhin. Ich freue mich jetzt noch mehr auf das Album von Giant Rooks – bisher gibt es nur eine EP – und ich habe neue Bands entdeckt, die mir gefallen. Besser kann es ja kaum laufen und das passt ja auch alles sehr gut zu meinen Musik-Vorsätzen für dieses Jahr. Die EPs von Giant Rooks und Sparkling wurden auch direkt mitgenommen, junge Bands unterstütze ich in dieser Form einfach sehr gern.

Nachts lag ich noch ein bisschen wach. Möglicherweise die Musik in meinem Ohr. Möglicherweise aber auch nur die beiden Energydrinks. Immerhin aber kein Zelt, und schlecht schlafen gehört zum richtigen Festivalfeeling eben auch dazu. 

Die Cardinal Sessions werde ich auf jeden Fall weiter im Blick behalten. Und das nächste To Do ist auf jeden Fall, Karten für das Haldern Pop im Sommer zu besorgen. Festivalliebe forever. 

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