Pottspots

Pottspot: Bittermärker Wald

Neujahr, unverkatert, Sonnenschein. Eine gute Gelegenheit für einen etwas ausgedehnteren Spaziergang. Für lange Fahrten hatten wir zu lange geschlafen und es wird dann ja im Januar auch immer noch recht früh dunkel, aber in Dortmund gibt es ja ausreichend schöne Ecken zum spazieren gehen. Auch noch welche, die wir noch nicht kennen.

Die Bittermark ist ein Stadtteil im Dortmunder Süden, der gefühlt nur aus dem Waldstück besteht. Früher war es zudem noch Zechenstandort, was dazu geführt hat, dass dort auch noch ein bisschen unkontrolliert und schwarz nach Kohle gegraben wurde, was dann widerum dazu geführt hat, dass man im Wald der  Bittermark an jeder Ecke darauf hingewiesen wird, dass es lebensgefährlich ist, die offiziellen Wege zu verlassen. Das soll man ja im Wald eh nicht, aber bei der Vorstellung, auf einer Art Schweizer Käse zu laufen, möchte ich das auch direkt noch weniger.

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Natürlich ist man mit so einer Idee an einem solchen Tag nicht alleine, daher begegneten uns eine Menge weiterer Spaziergänger, mit und ohne Hunden, Jogger, Mountainbiker und sogar ein paar Reiter auf ihren Pferden. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass der Wald irgendwie „überlaufen“ ist und ich lieber woanders wäre.

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Als Kind bin ich am Waldrand aufgewachsen und niemals nie hätte ich es damals für möglich gehalten, dass ich mal freiwillig an Neujahr durch den Wald laufe. Obwohl ich mich auch nicht erinnern kann, dass ich zu klassischen Sonntagsspaziergängen gezwungen wurde. Aber der Wald war halt immer da, ich war da auch regelmäßig zu finden, er war selbstverständlich und nichts besonderes. Wenn ich heute – gerne! – in Wälder gehe, dann nehme ich ihn ganz anders wahr. Die Farben, die Schattenspiele der Sonne, die einzelnen Bäume, andere Pflanzen. Diese Luft, das Licht, der Geruch von Erde und Holz. DIESE RUHE! Es ist möglicherweise halt einfach doch das Alter. Ist mir auch egal. Ich mag den Wald.

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Im Wald der Bittermark steht ein Mahnmal, welches an die Ermordung von fast 300 Zwangsarbeitern und Widerständlern an dieser Stelle kurz vor Ende des 2. Weltkrieges erinnert. Es bietet sich sicherlich immer an, bei einem Spaziergang auch dort vorbeizugehen, bei der allerersten Runde durch diesen Wald sowieso.

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Ich werde hier nur selten politisch, aber in Zeiten wie diesen sollte jeder zu einem solchen Mahnmal gehen, mal einen Moment inne halten und darüber nachdenken, wie es soweit kommen konnte. Und ob man gewillt ist, dass sich die Vergangenheit wiederholen könnte. Vielleicht war Neujahr auch genau der passende Tag dafür. Und immerhin ist der Wald ein Gebiet, das immer auch ein bisschen Hoffnung verbreitet.

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Hoffnung, dass der Frühling bald kommt. Und Hoffnung auf ein friedliches und gutes Jahr 2017.

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Pottspot: Revierpark Wischlingen

Vor einigen Tagen hatte ich mein sechsjähriges Dortmund-Jubiläum und in diesem Jahr gab es hier keinen Text dazu. Ich habe lange darüber nachgedacht, ich hatte sogar schon mit einem angefangen, aber dann habe ich das alles wieder verworfen. Es fühlte sich einfach nicht so ganz richtig an, weil es irgendwie nichts mehr besonderes ist. Ich bin hier Zuhause, es ist einfach nur noch ein Tag.

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Ja, gelegentlich habe ich noch Heimweh. Und ich vermisse es, meine Freunde nicht häufiger zu sehen. Ich bin manchmal irritiert, wenn ich durch Bielefeld laufe, weil dort neue Geschäfte sind und dann gibt es dort neue Leute, neue Leute-Konstellationen, neue Geschichten. Neulich war ich einige Stunden dort, die Zeit reichte aber noch für einen Spaziergang durch die Altstadt, um den Cyroline-Laden leer zu kaufen und für einen Besuch auf dem Kaffeestrich. Außerdem sah ich am nächsten Morgen Ansgar Brinkmann beim Bäcker, also hatte ich quasi alles geschafft, was man in wenigen Stunden in Bielefeld erreichen kann. Es ist immer noch die Heimat. Aber Dortmund ist das Zuhause, in dem ich mich wohl fühle, meine Wohlfühlzone. Meine Wohlfühlzone, ich der ich mich gelegentlich noch verfahre, um ehrlich zu sein. Aber ich fühle mich wohl. Ich mag es, hier zu leben. Ich sehe die Schönheit der Stadt, die manchmal ganz schön hässlich sein kann.

Nicht lange nach der Schönheit suchen muss man übrigens im Revierpark Wischlingen. Dort war ich am 1. November spazieren. Ein paar Stunden Frischluft und Sonnenschein tanken, wer weiß, wann das wieder so richtig möglich ist.

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Der Revierpark eignet sich sehr gut für längere Spaziergänge, aber man kann dort auch noch einige andere Dinge tun. Es gibt einen Discgolf-Kurs und einen Kletterpark, ein Solebad mit Sauna, ein Fitnesstudio, im Sommer kann man Minigolf spielen und Tretboot fahren und im Winter Schlittschuh laufen. Und dann gibt es natürlich den Park für Spaziergänge mit Spielplatz, Kioske und sogar einem kleinen Strandabschnitt. Ideal, um dort mehrere Stunden zu verbringen.

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Ich war vor ein paar Jahren schon mal im Revierpark, aber dieses Mal zum ersten Mal länger und nur so zum rumspazieren. An dem Tag kippte das Wetter ein bisschen, von sonnig zu bedeckt, es wurde windiger und somit auch kühler. Dieser Spaziergang war irgendwie auch ein bisschen Abschied vom Herbst. Der Winter steht vor der Tür. Ich hoffe ja sehr, dass es zumindest noch ein paar sonnige Momente gibt, damit ich noch ein bisschen Vitamin D tanken kann. Zumindest werde ich dabei aber meine Winterjacke tragen müssen, das war am 1. November noch nicht notwendig.

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Du schönes Dortmund, überall sind Parks, so viel Grün, bzw. aktuell ja Gelb, überall. Kleine Oasen in der Stadt, die ich alle mag und die ich alle gerne besuche. Jeder der Parks hat seinen eigenen Charme. Der Revierpark wurde als Erholungsgebiet angelegt und ich finde, dass das ziemlich gut gelungen ist. Dass das Ruhrgebiet kein grauer Moloch ist, sollten die meisten Leute mittlerweile wirklich mitbekommen haben, aber ich freue mich wirklich immer sehr, wenn ich so schöne Flecken entdecke und dann auch noch die Zeit habe, um sie so intensiv wahrzunehmen.

Sechs Jahre Dortmund mittlerweile, damit läuft dann ja jetzt das verflixte siebte Jahr. Gibt es sowas bei Wohnorten auch? Falls ja: ich bin sehr optimistisch, dass Dortmund und ich auch weiterhin in Harmonie zusammenleben werden. Einen guten Vorsatz gibt es für das nächste Ruhrgebiets-Jahr auch schon, nämlich mal wieder mehr Halden besteigen. Da gibt es ja wirklich noch etliche, die ich noch nicht besucht habe. Mal schauen, wie das so klappt.

 

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Pottspot: Daniels kleine Farm in Castrop-Rauxel

Letzten Samstag habe ich etwas erlebt, was ich schon länger mal vorhatte: ich war mit einem Alpaka spazieren. Einem Alpaka namens Miles.

Ganz genau genommen waren Miles und ich nicht alleine unterwegs, wir hatten uns da ja auch gerade erst kennengelernt. Insgesamt waren es sieben Alpakas, sieben Spaziergänger wie ich und dann noch Kalle, der bei Daniels Farm in Castrop-Rauxel arbeitet und uns auf dem Spaziergang begleitet hat. Nicht nur das, zuvor hat er uns noch beim halftern geholfen und während des etwa zweistündigen Spaziergangs hat er auf uns aufgepasst, uns eine Menge über Alpakas erzählt und jede unserer Fragen beantwortet. 

Ich bin nicht so der riesige Tierfreund, vor allem bin ich nicht so begeistert von „normalen“ Tieren. Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich zb Kaninchen blöd finde, Pferde sind der Horror, es gibt nur einen Hund, den ich mag und ich bin seit meiner Kindheit streichelzootraumatisiert. Aber ich mag Affen, Schafe, Giraffen, Pinguine (OK, jeder mag Pinguine) und auch Alpakas. 

Sieben Alpakas und sieben Menschen, wir lernten uns erstmal kennen und zogen dann los, durch das Castroper Naturschutzgebiet Wagenbruch bis zur Tongrube der ehemaligen Ziegelei. Miles und ich gingen meistens voran, weil er so entspannt ist und gut vorne läuft. Gemeinsam schauten wir uns die Gegend an, die er schon kannte, ich aber nicht.

Castrop-Rauxel kenne ich mittlerweile teilweise ganz gut und halte die Stadt für deutlich unterschätzt. Dass es dort aber ein so wunderschönes Gebiet gibt, hat mich dann doch noch etwas erstaunt. Eben noch an einer Hauptstraße und nur wenige Schritte später dann zwischen Feldern und Wiesen, dann an einem Bach entlang, durch ein Waldstück bis zu der Senke der Tongrube. Idylle pur.

Allerdings hatte ich ja Miles die ganze Zeit an der Leine und diese hält man nun mal pflichtbewusst mit beiden Händen. Keine Hand frei zum Landschaft fotografieren, eben mal anhalten geht auch nicht, wenn man in so einer Karawane läuft. Also: wiederkommen, dann ohne Alpaka. Und bis dahin: genießen, genießen, genießen. Die Natur, die frische Herbstluft und das freundliche Tier neben mir.

Obwohl Alpakas recht schreckhaft sind, strahlen sie gleichzeitig auch eine angenehme Ruhe aus. Sie sind enorm aufmerksam und achten sehr auf Bewegungen und Geräusche in der Umgebung (so war das zumindest bei Miles). Irgendwann fängt man an, auch ein bisschen aufmerksamer zu werden und sich alles etwas genauer anzuschauen. Der ganze Spaziergang, inklusive ein paar Grasfresspausen für die Alpakas – meist wenn wir ein paar Hunden aus dem Weg gehen wollten – in der Natur war Entschleunigung und fast therapierend. 

Es ist ein bisschen schwer zu erklären, aber so ein Spaziergang macht einfach unglaublich glücklich. Es ist ein gutes Gefühl, das Alpaka neben einem, ich hatte das Gefühl, dass es mir vertraut und nach einer Weile waren wir so eingegrooved und im Rhythmus, wir hätten meinetwegen noch stundenlang durch die Gegend laufen können. Also bleibt mir nichts anderes übrig: ich werde wieder kommen müssen, zu Daniels kleiner Farm. Ich hoffe, Miles freut sich auch.

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Pottspot: Halde Hoheward

Neulich war endlich mal wieder ein bisschen Zeit für einen Ruhrpottausflug. ENDLICH! Zu Beginn meiner Zeit hier habe ich sehr viele Ausflüge unternommen, um die Gegend besser kennenzulernen. Das ist aber in letzter Zeit ein bisschen eingeschlafen. Umso mehr habe ich mich gefreut, als es mal wieder klappte, mit Zeit, Motivation und ein bisschen sogar mit dem Wetter.

Auf der Halde Hoheward war ich sogar schon mal, Ende 2009, da habe ich noch nicht mal hier gewohnt. Es war die erste Halde, auf der ich jemals war und ich habe erst später erfahren, dass es dort im angelegten Landschaftspark noch weitere Sehenswürdigkeiten gibt. Ansonsten ist die für Halden typische Landmarke, die man oben findet, mit Sicherheit eine der bekanntesten, das Observatorium mit den zwei Bögen sieht man nämlich sogar von der A2 aus, wenn man Richtung Oberhausen unterwegs ist.

Das Observatorium kannte ich schon, dieses Mal wollte ich aber noch mehr sehen: die Drachenbrücke. Von der kannte ich nur Bilder und Erzählungen, aber wenn man schon mal da ist, dann kann man die sich ja auch mal in Echt anschauen. Man muss sie nur finden, die Beschilderung ist auf der Halde manchmal etwas mager. Und direkte, kurze Wege gibt es auch nicht so sonderlich viele, dafür viele Serpentinen, die man erst hoch und dann wieder runter laufen muss. Und dann natürlich später wieder noch weiter hoch, wenn man noch nach ganz oben möchte. Aber: wir hatten ja Zeit und ein bisschen laufen ist ja nie verkehrt.
Zuerst also die Brücke, die find ich ziemlich cool, aber nur für sie würde ich nicht unbedingt da hinfahren. Da ist es schon ganz gut, dass es dort noch mehr gibt. Es ist aber auch schon wirklich ein beeindruckender Anblick, wenn man so auf die Brücke zuläuft. 

Der ziemlich graue Himmel passte in diesem Augenblick sogar ziemlich gut dazu, schöner dramatischer Effekt. Möglicherweise würde blauer Himmel auch sehr gut passen, dazu muss ich dann aber mal wiederkommen.
Dann aber nach oben. Da gibt es entweder eine sehr lange Treppe oder halt wieder Serpentinen. Da wir für den Rückweg zur Treppe schon hätten Serpentinen laufen müssen, haben wir uns dann direkt für den Serpentinenaufstieg entschieden. Da kann man ja gelegentlich auch querfeldein ein bisschen abkürzen.

Oben auf der Halde: eine Sonnenuhr, das Horizont-Observatorium und sehr viel Platz. Und natürlich eine Menge Ausblick, wie das auf Halden so üblich ist. Da kann man dann sitzen, ein bisschen rätseln, was man da am Horizont wohl sieht – was bei so wolkenverhangenem Himmel noch schwieriger ist. Das Riesenrad der Cranger Kirmes (quasi nebenan) war einfach, der Tetraeder in Bottrop schon schwieriger zu erkennen.

Was mir an Halden neben der Aussicht so gut gefällt: die Natur. Alles wächst ein bisschen wild, viele Blumen, ein bisschen wie bei einer wilden Wiese. 

Das ist schon fast ein bisschen überraschend, wenn man bedenkt, dass Halden ja eigentlich nicht viel mehr sind als zugeschüttete Mülldeponien und Bergbauschlacke. Aber gerade die Schlacke soll ja sehr fruchtbar sein. Ich find so ein bisschen wilde Natur gut, wenn nicht alles so geplant wächst und man auch mal ein paar Disteln oder so sieht. Wenn ich nicht gerade zufällig reinfasse, finde ich Disteln nämlich richtig toll.

Fassen wir zusammen: Natur, Bewegung, ein paar Dinge zum Angucken, viel Platz und ein toller Ausblick. Ich bin so froh, dass ich es mal wieder auf eine Halde geschafft habe. 

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