Pottspot: Winterleuchten 2017/2018

Jeden Winter von Anfang Dezember bis Mitte Januar findet im Dortmunder Westfalenpark das Winterleuchten statt und so ungefähr jedes Mal denke ich, dass man es ja nun wirklich innerhalb dieser Zeit schaffen sollte, dort mal vorbei zu schauen. Denn selbst wenn einige Installationen dort immer wieder zu sehen sind, so gibt es doch auch immer neue Dinge zu sehen. Und in dieser dunklen Winterzeit sind ja sogar schon die einfach bunt beleuchteten Bäume eine kleine Wohltat. Licht! Farben!

IMG_5289

Tja nun. Ich schaffe es trotzdem nicht immer. Und auch dieses Mal war es ne knappe Kiste. Auf den allerletzten Drücker habe ich es dann doch noch geschafft, am letzten Tag – und eigentlich lockte mich auch am meisten das Abschlussfeuerwerk. Denn das Winterleuchten ist schön, überhaupt keine Frage, aber für mich persönlich verliert es langsam ein wenig seinen Reiz. Da gibt es dann doch zu viele „ach ja, wie beim letzten Mal als ich hier war“ und irgendwie auch das Gefühl, dass es insgesamt immer weniger wird. Fühlt sich vielleicht aber auch nur so an. Und: irgendwie läuft man auch immer an einzwei Dingen vorbei, die man nicht so richtig wahrnimmt.

IMG_5294

mde

Und außerdem: Menschen, überall Menschen. Ja gut, letzter Abend vom Winterleuchten mit Feuerwerk. War jetzt nicht so überraschend, dass es voll wird im Park. Zum Glück ist der Westfalenpark ja auch ziemlich groß, da verläuft sich das schon auch ein bisschen. An einigen Stellen war es dann sogar überraschend leer. Standen bestimmt gerade alle am Essensstand an.

Eins der Highlights bei diesem Winterleuchten waren wohl die farbigen Würfel (siehe oben), die zu Walzerklängen aufleuchteten und dabei noch ihre Farbe wechselten. Drumherum genug Platz, da kann man sogar mal auf der Wiese das Tanzbein schwingen. Wird einem direkt auch wieder wärmer.

oznor

Auch spannend und mal ein bisschen anders: die Märchenhäuser, die quer verteilt auf einer Fläche standen. An jedem Haus konnte man einen Teil der Geschichte der drei kleinen Schweinchen hören. Man musste nur die richtige Reihenfolge herausfinden. Zugegeben, ich habe das nicht gemacht und mir nur die Häuser angehört, die direkt am Weg waren.

Neben den ganzen Installationen sind dann ja auch einfach „nur“ etliche Bäume bunt beleuchtet und das gefällt mir oft mit am besten. Die kahlen Bäume von unten bestrahlt, das sieht manches mal fast ein bisschen verzaubert und mystisch aus.

Alles abgeklappert – zumindest vermeintlich – dann auf zur Wiese und auf das Feuerwerk starten. Das ging auch fast pünktlich los und dauerte insgesamt 20 – 25 Minuten. Finde ich schon ziemlich ordentlich. Überhaupt, es war wieder mal sehr beeindruckend und wunderschön. Ich weiß, es ist eine Geldverschwendung und nicht gut für die Umwelt, aber ich liebe Feuerwerk. Vor allem, wenn es so professionell gemacht ist.

mde

Irgendwann während des Feuerwerks habe ich gedacht, dass man von Phoenix West mit Sicherheit auch einen tollen Blick auf das Feuerwerk hat. Das merk ich mir mal für den nächsten Januar. Im Sommer beim Lichterfest gibt es ja auch immer ein Feuerwerk, natürlich deutlich später – wird ja auch später dunkel – dafür aber natürlich mit etwas angenehmeren Temperaturen. Da kann man sich dann mit ein bisschen Glück auch einfach eine Picknickdecke mitnehmen. Das Feuerwerk habe ich allerdings noch nie gesehen, weil das immer mit dem Haldern Pop-Wochenende zusammenfällt. Bleib ich also dem Winterleuchten-Feuerwerk treu. Wo auch immer.

Abschluss des Winterleuchtens. Jetzt kann dann bitte der Frühling kommen.

Advertisements

Pottspot: Taschenlampenführung Kokerei Hansa

Das neue Jahr geht ja wirklich gut los, für einen Januar ziemlich viele Unternehmungen. So gefällt mir das. Mit so ein bissken Leben in der Bude lässt es sich viel einfacher starten.

Auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für ihn bin ich auf die Taschenlampenführung „Kohlenschwarz bis Hansa-Blau“ auf dem Gelände der ehemaligen Kokerei Hansa gestoßen. Geschenkesuche beendet. Dann mal los.

Die Kokerei ist tatsächlich ein Ort, den ich – obwohl er in Dortmund liegt und ich ja wirklich sehr empfänglich für Industriekultur aller Art bin – sträflich vernachlässige. Ich glaube, vor dieser Führung war ich überhaupt erst zweimal dort. Einmal im Rahmen der Museumsnacht, da hatte ich aber das Pech, in so einen Zeitraum zwischen zwei Führungen zu geraten und dann war da gar nichts los, und einmal als dort ein Foodmarket war. Da konnte man sich dann in der Maschinenhalle noch mal ein bisschen umgucken. Ansonsten kannte ich das Gelände nicht. Und auch von der Arbeit einer Kokerei wusste ich nur die grundlegenden Dinge. Kohle wird zu Koks verarbeitet – aber wie und warum? Keine Ahnung. Zumindest nicht so wirklich.

sdr

Freitag Abend, 20 Uhr (in den Sommermonaten 21 Uhr), eine offene Führung. Der Wettergott ist uns mehr als hold, denn nach tagelangem Regen ist es mal ausnahmsweise trocken. Trotzdem bin ich überrascht, dass sich noch weitere Menschen als wir beide zur Führung eingefunden haben. Ich glaube, wir waren so ungefähr zwölf Mann plus unser Führer, stilecht mit Helm und Steigerjacke. Wir starten in der Waschkaue mit der Geschichte der Kokerei, die Entwicklung, die Arbeiter, der Standort. Einen Raum später lernen wir noch eine Menge über Kohle und Koks, dürfen mal einige Stücke anfassen und erfahren viel über die Beschaffenheit, die chemische Zusammensetzung und die Verwendung der Produkte.

Nach dieser Einführung geht es dann raus, im Schein unserer Taschenlampen laufen wir um die Maschinenhalle herum zum Löschturm. Hier nehmen wir übrigens auch erstmalig einen eigenartigen Geruch wahr – es ist Naphthalin, das bei der Verkokung der Kohle entsteht. Und dann denke ich: man riecht es deutlich, dabei ist die Kokerei seit 25 Jahren außer Betrieb. Wie muss es da früher gestunken haben. Als einer aus unserer Gruppe nach der Belastung der Böden fragt, blockt unser Guide ein bisschen ab. Da hat der Mann möglicherweise einen sehr wunden Punkt getroffen.

mde

Ich bin zu dem Zeitpunkt übrigens ein bisschen enttäuscht, weil ich gelesen hatte, dass die Kokerei nachts blau illuminiert ist – sie liegt aber schwarz und unbeleuchtet vor uns. Natürlich sind ein paar Lampen an den Wegen an, ansonsten wäre es hier auch wirklich stockfinster. So kann man wenigstens die Gebäude einigermaßen erkennen. Als wir dann aber zu dem Bereich des Förderbandes kommen, verschwindet unser Führer kurz und knipst das Licht an. Und dann leuchtet die Kokerei blau auf. Das Licht beschreibt den Weg, den die Kohle einst nahm.

mde

und wir nehmen diesen Weg auch. Am ehemaligen Förderband entlang – der Weg ist viel länger und steiler als er von unten aussieht und dann durch den Kohlenbunker wieder nach draußen. Dort ist mittlerweile ein Birkenwald entstanden, die Natur holt sich das Gelände nach und nach wieder zurück. Ich habe mich gefragt, wie viel dort vor Ort wohl „nachgestellt“ wurde und wie viel möglicherweise tatsächlich einfach so verlassen wurde. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das wohl so ist, einfach seinen Arbeitsplatz so zu verlassen, wie man es immer tat, aber mit dem Wissen, dass man am nächsten Tag nicht wieder kommt und auch kein anderer einen ersetzen wird. In Spitzenzeiten waren rund tausend Arbeitskräfte auf der Kokerei Hansa beschäftigt. Das Ende des Bergbaus und der Kohleförderung war für Dortmund ein furchtbarer Schlag, aber ich war froh, dass der Führer nicht nur die alten Zeiten verklärte, sondern auch positiv über die neuen Technologien und Unternehmen in Dortmund gesprochen hat.

Außerdem gefällt es mir, dass einige der alten Industriestandorte noch bestehen und heute eine neue Funktion gefunden haben. In der Kokerei kann man heiraten, Feste feiern, Konzerte und Ausstellungen besuchen. Und sie ist eine Art Museum der Zeitgeschichte. Die Zeit der Kohleförderung ist vorbei, in diesem Jahr wird die letzte Zeche des Ruhrgebiets geschlossen. Es geht weiter, die Landschaft und die Region ändern sich, doch ich bin sicher, dass man die starke Prägung durch den Bergbau noch einige Jahre spüren wird. Die Industriedenkmäler helfen dabei, dass die Erinnerungen weiter leben und lebendig bleiben.

mde

Pottspot: Botanischer Garten der RUB

Weihnachten, Urlaub, Silvester, Neujahr. Viel gesessen, viel gegessen, viel auf dem Sofa gelegen und Serien geschaut. Oder Darts.

Das Jahr einfach mal direkt mit einem Ausflug starten. Fast direkt, nämlich am 2. Januar, ging es gemeinsam mit ihm nach Bochum, zum Botanischen Garten der Ruhr-Universität. Da wollte ich „schon immer“ mal hin, weil ich schon so viele schöne Bilder davon gesehen hatte. Es gibt noch immer einige Ausflugsziele im Ruhrgebiet auf meiner Liste, zum Glück.

Den botanischen Garten gibt es seit Ende der 60er Jahre in Bochum, er ist also mittlerweile fast 50 Jahre alt. Natürlich war er aber nicht direkt fertig, im Laufe der Zeit hat sich noch einiges geändert und wurde erweitert. Heute besteht er aus einer weitläufigen Außenanlage mit verschiedenen Zonen, einem kleinen extra gelegenen chinesischen Garten sowie mehreren Gewächshäusern, von denen einige für Besucher geöffnet sind.

Der Außenbereich ist ein wenig terassenförmig angelegt und jeder Bereich zeigt dem Besucher eine andere Region der Erde und die dort ansässige Flora. Asien, Europa, Nordamerika usw. Heidegebiete, Taiga, verschiedene Wälder, sogar ein bisschen Moor. Wir haben bei unserem Spaziergang nicht alles gesehen und leider ist im Winter einiges auch ziemlich trostlos und platt geregnet. Ist halt so. Trotzdem gab es einige schöne Anblicke.

 

Glücklicherweise blieb es fast die ganze Zeit trocken, nur ein kurzer Schauer überraschte uns. Die Wege sind allerdings teilweise ein bisschen rutschig, bei wirklich trockenem Wetter ist es dort sicherlich angenehmer zu laufen. Dafür hatten wir den Garten fast für uns alleine, nur gelegentlich kreuzten andere Spaziergänger unseren Weg. Das sieht dann im Sommer bestimmt auch anders aus.

Ein bisschen genauer hingeschaut konnte man an vielen Ecken noch irgendwo grün entdecken und an einigen Büschen und Bäumen konnte man die ersten Knospen sprießen sehen. Obwohl es noch viel zu früh im Jahr ist, kommt da direkt ein bisschen Hoffnung und Frühlingsvorfreude auf. Trotz des ganzen Matsches.

Wenn es draußen irgendwann zu grau, dunkel und kalt wird, dann kann man gut noch ein bisschen durch die Gewächshäuser streifen. Auch hier wieder eine Aufteilung in verschiedene Klimazonen. Savanne und Tropen sind nur wenige Schritte voneinander entfernt.

Im Tropenhaus liefen sogar ein paar Vögel frei herum, die recht zutraulich wirkten. Ansonsten findet man hier weitere Pflanzen, zum Teil riesig groß oder mit bunten Blüten. Irgendwo in diesen Gewächshäusern hat ja im letzen Herbst auch eine Titanenwurz geblüht, davon konnte man allerdings zum Glück nichts mehr riechen.

Am allerliebsten wollte ich ja die Seerosen im Gewächshaus sehen, deren Blätter wie Quicheformen aussehen. Dafür kam ich allerdings vergeblich, die überwintern außerhalb der Besucher-Gewächshäuser und können ab Mai wieder besichtigt werden. Es steht also fest: ich werde wiederkommen, der Frühsommer im Botanischen Garten ist mit Sicherheit noch mehr eine Reise wert, mit noch mehr grün und Blüten und Seerosenblättern.

Pottspot: Emscher Landschaftspark

Der Regionalverband Ruhr hat zum zweiten Mal Blogger zu einer Tour durch den Emscher Landschaftspark eingeladen und in diesem Jahr war ich auch dabei. Der RVR hat uns dabei den Tag über begleitet, verpflegt, für den Transport ge- und uns mit allerlei Informationen zum Landschaftspark und zum Ruhrgebiet versorgt. Für das Wetter waren sie möglicherweise auch zuständig, denn der Spätsommer zeigte sich noch mal von seiner besten Seite und ließ die Sonne vom strahlendblauen Himmel scheinen. Optimal.

Sonntags morgens am Essener Hauptbahnhof, Start der Tour. Das ist nicht meine Zeit, gar nicht. Die erste halbe Stunde lief ich ziemlich auf Sparflamme und war auch ganz froh, dass wir zunächst mal die Fahr bis nach Oberhausen hatten und wir nicht direkt loslegten. Ein bisschen wacher wurde ich erst, als wir in Oberhausen das Centro (glücklicherweise) links liegen ließen und in eine wunderschöne Straße einbogen. Moment? Ist das noch Oberhausen? Das ist ja gar nicht so hässlich hier. Im Gegenteil. Gut, von Oberhausen kenne ich nicht so viel. Den Gasometer finde ich super, den Kaisergarten auch. Und ich war mal bei einem Konzert, das war auch gut. Ansonsten kenn ich Oberhausen gar nicht, hatte es aber bisher als „hässliche Ruhrgebietsstadt“ abgestempelt. Und dann fahren wir an so kleinen Backsteinhäusern vorbei, auf der anderen Straßenseite Wiesen und Felder und ich muss mal wieder meine Vorurteile aufräumen. Oberhausen hat noch mehr schöne Ecken. Und das Gebiet, auf dem das Haus Ripshorst und der dazugehörige Gehölzgarten liegt, gehört auf jeden Fall dazu. So idyllisch und ländlich. Als wäre man nicht inmitten einer Metropolregion, sondern mitten auf dem Land. Und dann starten wir direkt mit dem ersten Highlight für mich: wir gehen zum Zauberlehrling. Und da habe ich schon seit Jahren vor, den mal zu besuchen!

IMG_5039

Der steht da seit 2013, gehört zur Emscherkunst und ich finde ihn einfach großartig. Ein tanzender Strommast. Schade, dass nicht alle so aussehen. Und jetzt habe ich ihn endlich auch mal live gesehen, nicht nur auf Bildern. Wir sind dann noch weiter gegangen, über den Rhein-Herne-Kanal und die Emscher und dann wieder zurück, am Gehölzgarten vorbei zum Haus Ripshorst und dem Informationszentrum dort,  wo wir noch ein paar weitere Infos zur Region und den Emscher Landschaftspark erhalten haben.

Mit der Emscher ist das ja so: sie fließt von Holzwickede bis zum Rhein und an vielen Stellen riecht man sie, bevor man sie sieht. Das liegt daran, dass sie jahrzehntelang als Abwasserkanal missbraucht wurde und erst seit ein paar Jahren sehr aufwändig renaturiert wird. An einigen Stellen schon sehr erfolgreich und auch mit sehr viel Kunst und Ausflugsmöglichkeiten rundherum. Und so wie der Fluss einmal quer durchs Ruhrgebiet geht, so streckt sich halt auch der Landschaftspark einmal durch fast alle Städte. Es ist kein „klassisch“ abgegrenzter Park, er ist einfach irgendwie fast überall im Ruhrgebiet und er wird immer attraktiver. Und ich hoffe sehr, dass die Kinder, die jetzt geboren werden, dann mit ihren Kindern am Fluss im Grünen sitzen und dann von der Erinnerung erzählen, wie dreckig und stinkend der Fluss an einigen Stellen mal war und die Generation sich das kaum noch vorstellen kann.

Genug mit Wissen und Sandwiches gefüttert worden: für uns ging die Fahrt weiter und zwar nach Bottrop zum Tetraeder. Das ist eine der bekanntesten Landmarken des Ruhrgebiets, auf der Halde Beckstraße. Ich war vor ein paar Jahren schon mal dort oben und hatte lustigerweise neulich noch mal gedacht, dass ich mal wieder gerne dort hoch möchte. Sehr passend also. Und dann noch bei diesem Traumwetter!

IMG_5053IMG_5064

Was wir für ein Glück hatten, dass wir so eine schöne Sicht hatten. Die ist übrigens schon von der Halde aus sehr schön, aber von ganz oben natürlich einfach unschlagbar. Allerdings: man muss wirklich schwindelfrei sein. Nicht nur die Höhe ist nicht zu unterschätzen, dazu kommen noch ein Boden aus Lochgitter und dass das Ding mal mehr, mal weniger schwankt. Obwohl ich im Grunde nur wenig Probleme mit Höhe habe, bekomme auch ich da drauf streckenweise weiche Knie. Aber es lohnt sich einfach so, bei dem Blick. Halden und ihre Landmarken sind einfach was Feines und gehören zum Ruhrgebiet dazu wie Industriekultur.

Gute Überleitung, ab nach Bochum. Über die Erzbahnschwinge gelangen wir zum Westpark, in dem die Jahrhunderthalle steht. Auf den ersten Blick erinnert es mich ein bisschen an Phoenix West, aber natürlich haben der Park mit dem markanten Wasserturm und die Halle ihren eigenen Charme.

IMG_5078

Und endlich mal ein bisschen Rost.

IMG_5086

So muss das sein mit der Industriekultur. Da gehört Rost einfach dazu. Ich bin wirklich froh, dass man die alten Industrieruinen nicht einfach alle abgerissen hat und stattdessen einige von denen für kulturelle Angebote oder Ausflugsziele umfunktioniert worden sind.

Da aktuell auch die Ruhrtriennale läuft, stehen vor der Jahrhunderthalle ein paar Kunstwerke der Installation „The Good, The Bad & The Ugly“, die wir uns auch noch anschauen.

IMG_5098

Aber dann reisen wir weiter und zwar nach Dortmund, zum Phoenixsee. Auch dort fließt die Emscher entlang und außerdem ist an diesem Sonntag Nachmittag noch das Musikpicknick Emscher Landschaftspark, welches vom Regionalverband Ruhr veranstaltet wird. In der Sonne sitzen, picknicken, die Füße in den See halten und der dargebotenen Musik lauschen – ein gutes Konzept.

IMG_5101

Nach einer Pause am See gingen wir noch einmal an der dort stehenden Thomasbirne vorbei und dann ging es wieder zurück. Als Dortmunderin seilte ich mich ab und nahm die U-Bahn, weil ich so schneller wieder Zuhause sein konnte. Was für ein toller Tag. Der Regionalverband Ruhr hat sich in der Organisation wirklich Mühe gegeben und unsere Tourführerin Ulla hatte ein paar wirklich interessante und auch amüsante Fakten für uns parat. Ebenfalls mit dabei waren übrigens Silke, Frauke, Christina, Danny, Jürgen, Michael und Marja vom Regionalverband. Und offensichtlich auch der Wettergott, denn wir hatten wirklich ein Traumwetter. Herzlichen Dank an den Regionalverband Ruhr für die Einladung und ich hoffe, dass es nächstes Jahr eine Wiederholung mit einer neuen Route gibt. Das Ruhrgebiet ist so groß und abwechslungsreich und der Emscher Landschaftspark hat noch einige attraktive Ziele im Angebot. Spricht also eigentlich nichts dagegen. Im Pott is schön, immer wieder.

Pottspot: Mitternachtsführung im Dortmunder Zoo

Ich mag den Zoo! Grundsätzlich. Den Dortmunder Zoo auch und da war ich auch schon einige Male. Ich freue mich auch darüber, dass man hier momentan einige Gehege umbaut und vergrößert- auch wenn es bedeutet, dass einige Tiere derzeit „ausgelagert“ worden sind. Bei meinem letzten Besuch habe ich aber sowieso nicht erwartet, alle Tiere zu sehen, denn ich war nachts da. Genauer gesagt: zur Mitternachtsführung.

Führungen am Abend werden regelmäßig angeboten, die um Mitternacht aber – wenn ich das richtig verstanden habe – nur einmal im Jahr. Um 23:30 Uhr geht es los, die rund 120 wartenden Leute bekamen alle ein Knicklicht fürs Handgelenk und wurden dann noch mal in drei oder vier kleinere Gruppen aufgeteilt. Unser Guide sammelte uns dann hinterm Eingang noch mal, erzählte, was uns so erwarten wird und dann gingen wir los. Im Dunkeln. Stockfinster ist es im Zoo nicht, da brennen schon noch einige Lampen, aber man braucht schon eine Weile, um die Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen.

mde

Wie man sieht: ich habe keine Kamera für nächtliche Aufnahmen. Und selbst wenn, dann hätte ich wohl dazu ein Stativ aufbauen müssen und dafür ist während so einer Führung einfach keine Zeit. Und das ist ja auch nicht der Sinn dabei. Da soll man sich auf die Tiere konzentrieren. „Und bitte tretet nicht auf Frösche oder Lurche.“ Na gut. Konzentrieren wir uns mal, wenn ein Sinn eingeschränkt ist, dann funktionieren die anderen ja angeblich besser. Also hören wir, und wir riechen die Tiere. Der Guide sagt, er kann in einigen Zoos schon am Eingang bestimmte Tiere mit extremen Geruch herausriechen. Der Mähnenwolf ist so ein Tier. Sieht aus wie eine Mischung aus Reh und Wolf, ist ein eher kuschliges und liebes Tier und stinkt. Wo Licht ist, ist halt auch Schatten. Ach ja, Schatten. Erwähnte ich schon, wie dunkel es nachts im Zoo ist?

Einige Tiere sehen wir trotzdem, zumindest im Lichtkegel der Taschenlampe des Zooführers. Der ist tagsüber übrigens Biologiestudent und erzählt zwischendurch ein paar wissenswerte und auch unterhaltsame Dinge über Tiere. Am liebsten hätte ich mir alles aufgeschrieben, weil ich so schnell alles vergesse und durcheinanderbringe, wenn ich es nicht aufschreibe. Aber zum Glück werden wir ja am Ende nicht nochmal abgefragt.

Was wir für Tiere gesehen haben? Den kleinen roten Panda – nicht. Der hat sich versteckt. Dafür Kängurus, einen schlafenden Jaguar und Pinguine

oznor

Und dann waren wir noch im Tropenhaus, haben den Hintern von Helene, dem Plumplori angeschaut, ein bisschen auf ein Tapir geguckt und uns dann aber kollektiv von den Orang Utans ablenken lassen. Die wollten eigentlich gerade schlafen gehen, haben aber noch mal aus dem Bett geschaut. So! Toll!

oznor

Orang Utan-Kind Yenko und seine Ziehmama sind unglaublich herzig, aber halt auch schon müde und lassen sich auch nicht mehr mit Nüssen anlocken. Ist schon ok, ich stehe ja auch nicht mehr auf, wenn ich mal im Bett liege. Fast hätten wir übrigens gedacht, dass wir auch da übernachten müssen, weil wir auf dem Weg wieder raus feststellen mussten, dass die Tür mittlerweile wieder abgeschlossen worden ist und unser Guide leider keinen Schlüssel hatte. Glücklicherweise – oder doch leider??? – gibt es mehr als nur einen Ausgang und so konnten wir dann doch wieder raus. Vorbei an den Seelöwen und Robben, die 24/7 und vor allem in den Sommermonaten Krach machen. Das ist schon ein Argument gegen eine zoonahe Wohnung. Falls da mal jemand drüber nachgedacht hat. Der Guide berichtet, dass die Seelöwen und sogar deren Tierpfleger regelmäßig Morddrohungen erhalten und die Reaktion ist dann vielleicht doch ein bisschen drüber. Ohren auf bei der Wohnungswahl.

Zum krönenden Abschluss unserer Tour durften wir noch zu den Nashörnern ins Innengehege, geschützt durch ein paar Betonpfeiler, durch die Menschen passen würden, Nashörner aber nicht.

oznor

Nashörner sind überraschend nette Tiere, sie sind halt nur so gefährlich, weil sie erstmal alles platt trampeln und dann schauen, ob der „Gegner“ wirklich gefährlich war. Wenn so ein 2000 Kilo-Koloss ins Laufen kommt, dann stoppt der nicht eben mal, das wäre ja auch bestimmt nicht gut für die Knie. Ich wünschte mir, sie würden ein paar Wilderer überrennen, aber das passiert wohl eher selten. Tatsächlich fangen die Zoos an, ihre Nashörner besser gegen Einbruch zu sichern, weil das Horn auf dem Schwarzmarkt so viel Geld bringt, dass mittlerweile sogar in europäischen Zoos diese Tiere nicht mehr sicher sind.

In dieser Nacht passten wir ja aber ein bisschen auf die Nashörner auf und taten ihnen sogar noch einen Gefallen: wir streichelten sie. Trotz ihrer dicken Haut, liebten die Nashörner ihre Streicheleinheiten und stellten sich zum Teil sogar so hin, dass wir sie besser erreichen konnten. Nashörner fühlen sich rauh und hart an, ledrig natürlich, staubig, ein bisschen warm. Schwierig zu beschreiben, aber eins steht fest: es macht sehr sehr glücklich. Nashörner streicheln. Ich hätte es am liebsten noch umarmt, aber dafür sind das dann doch zu sperrige Tiere. Und vielleicht hätte ich dann auch noch Hausverbot bekommen.

Ich habe nicht genau auf die Uhrzeit geachtet, aber die ganze Führung hat mindestens anderthalb, eher zwei Stunden gedauert. Wir haben ein paar tolle Momente mit den Tieren gehabt, sie mal ganz anders wahrnehmen können und das Nashorn streicheln war dann das absolute Highlight. Vielleicht komm ich nächstes Jahr wieder. Ganz sicher aber habe ich wieder einige Tiere mehr in mein Herz geschlossen und eine Menge gelernt.

Ich habe ein Nashorn gestreichelt. Unglaublich gut.

Wandertag: Elfringhauser Schweiz

Am Tag nach der Tour über die zwei Etappen des Neanderlandsteigs war das Wetter so schön, dass die Füße direkt viel weniger weh taten. Viel zu schade wäre es gewesen, den Tag irgendwo zu vergeuden. Und so beschlossen wir, in die Elfringhauser Schweiz zu fahren um dort noch einmal die Wanderschuhe zu schnüren. Vorab hatten wir uns einen Rundwanderweg am Felderbachtal herausgesucht, es konnte also losgehen.

cof

Ok, wir haben es nicht ganz geschafft, dem vorgegebenen Weg zu folgen, da man auf mehrere Wegzeichen achten musste und gelegentlich eine genauere Meterangabe auch hilfreich gewesen wäre. Wir haben uns ver- und sind noch eine schöne Extraschleife gelaufen. Aber der Tag war schön, die Landschaft wunderschön und die Füße…nun ja. Die Füße hätten sich vermutlich schon gefreut, wenn sie nicht noch einen Umweg hätten laufen müsen, aber die wurden halt nicht gefragt. An einigen Stellen fanden wir übrigens auch das Zeichen des Neanderlandsteigs wieder – auch durch diese schöne Gegend führen also Etappen dieses Weges.

Die Elfringhauser Schweiz liegt ungefähr zwischen Wuppertal, Velbert, Hattingen und Sprockhövel und ist somit nur eine etwa vierzigminütige Autofahrt von Dortmund entfernt. Das ist für einen Ausflug ja nun wirklich nur ein Katzensprung. Wie der Name schon sagt, ist die Landschaft dort schon ziemlich bergig, sonst würde es ja Elfringhauser Niederlande heißen. Einige Steigungen muss man da natürlich bewältigen, aber das war alles machbar für uns. Meist hat man die Möglichkeit, einen etwas längeren und dafür aber nicht allzu steilen Weg zu wählen. Und immerhin wird man oben auch mit einem tollen Ausblick belohnt.

cof

An einigen Stellen konnte man über das halbe Ruhrgebiet schauen und nach kurzer Orientierung sogar einige Landmarken erahnen. On Top Of The World.

Ein Blick auf die Natur lohnt sich dort aber auch, wenn man es noch nicht ganz nach oben geschafft hat, sondern noch am Fuß eines der Berge steht oder gerade auf dem Weg nach oben ist. Bäche, Waldstücke, Wiesen…so viele verschiedene schöne Grüntöne. Diese Harmonie der Natur, immer wieder aufs Neue gut. Solche Momente wertschätzen zu können wird einfach immer wertvoller. Und selbst wenn einem nach so einem Wochenende die Füße schmerzen – auch weil ich feststellen musste, dass sich das Innenfutter meiner Wanderschuhe gelöst hat und ich da wohl mal wieder investieren muss – und es ein wenig in den Waden zieht, so kann ich es nur jedem empfehlen. Gerade, wenn man sich irgendwie gestresst fühlt: einfach mal raus, sich auf die Natur und sich selbst konzentrieren und die Umgebung in diesem doch recht gemächlichen Tempo erfahren, tut dann richtig gut. Und das Internet ist voll mit Empfehlungen für Wanderstrecken jeder Art. Ob Einsteiger oder Fortgeschritten, Etappen oder Rundweg, bergig oder flach: für jeden ist was dabei. Und dafür muss man nicht mal ewig weit fahren, viele schöne Strecken liegen oft einfach fast direkt vor der Haustür.

sdr

Was wandern mit mir macht? Es erdet ein bisschen. Ich verliere das Gefühl für Zeit und Entfernung, konzentriere mich auf den Untergrund und die nächsten Schritte, höre Vogelgezwitscher und Tiergeraschel im Gebüsch. Es entschleunigt, es ist angenehm reizarm, obwohl man so viel entdeckt. Natürlich haben wir in unserer vier (bzw. am Vortag fünf-)köpfigen Wandergruppe die Zeit auch für Gespräche genutzt, und auch das ist so wertvoll. Denn wann sonst nimmt man sich schon vier oder sogar mehr Stunden am Stück Zeit für Gespräche? Noch besser ist es dann natürlich, wenn man zwischendurch mal kurz innehalten und vielleicht mal den Blick schweifen lassen kann. Ich hätte es ja früher selbst nicht geglaubt, das erwähnte ich hier ja auch schon häufiger.

sdr

Die Elfringhauser Schweiz stand schon länger auf meinem Zettel, jetzt muss ich mal weiterschauen, wo es dann demnächst hingehen kann. Da gibt es noch einige Wege, alleine in Nordrhein-Westfalen, die mich reizen  und die ich gerne mal erkunden möchte. Aber zuerst brauche ich neue Wanderschuhe, dann geht es weiter. Bergauf, bergab, durch Feld und Wald.

Wandertag: Neanderlandsteig

Zwei Tage hatten die Füße Zeit, sich nach Kopenhagen zu erholen, dann wurden sie direkt wieder beansprucht. Und wie! Zwei Etappen des Neanderlandsteigs wurden bezwungen, von Essen Kettwig bis Ratingen. Das sind etwa 27 Kilometer, einen haben wir uns allerdings gespart, weil wir versehentlich eine Abkürzung gelaufen sind.

Startpunkt war die S-Bahn Kettwig Stausee und am Ende in Ratingen gab es eine Bushaltestelle, die uns wieder zur dortigen S-Bahn brachte, damit wir auch wieder zurückkommen. An- und Abreise waren also problemlos zu bewältigen, an der S-Bahn findet man im Regelfall ja auch immer irgendwo einen Parkplatz. Einstieg bzw die Zuwege waren immer mit einem weißen Schild mit rotem N gekennzeichnet, der Weg selbst dann mit roten Schildern mit weißem N. Und bis auf sehr wenige Ausnahmen war die Beschilderung immer deutlich sichtbar und auch eindeutig. Vor der Wanderung hatte ich mir die App zum Neanderlandsteig heruntergeladen, da hat man dann Karte und Etappenbeschreibung direkt parat. Wirklich gebraucht haben wir die Karte allerdings nur zweidrei Mal, das war wirklich schon ziemlich gut ausgewiesen.

cof

26 Kilometer nachdem einen noch vier Tage Städtetrip in den Waden stecken und dann zwei doch recht geübte Wanderer in unserer kleinen Gruppe: da spürt man am Abend, was man getan hat. Und auch am nächsten Morgen noch. Aber trotz der Länge war der Weg gut zu bewältigen, die Steigungen moderat und im ganzen war der Weg wirklich sehr abwechslungsreich. Mal durch Waldstücke, mal zwischen Feldern und Wiesen entlang und am Ende dann direkt am Düsseldorfer Flughafen vorbei. Und was mir beim Wandern immer wieder auffällt: ich merke kaum, wie die Zeit vergeht und ich habe tatsächlich während einer Wanderung kaum Hunger oder Durst (was nicht immer gesund ist), weil ich so von der Natur um mich herum abgelenkt bin.

cof

Abwechslung also wirklich genug, zwischendurch haben wir auch ein paar Tiere (Ziegen, Pferde, sehr laut bellende Hunde, eine Schnecke und eine tote Maus) anschauen können, da kam keine Langeweile auf. Das letzte Stück Weg ist zudem noch ein Lehrpfad, da kann man noch was über Blätter, Bäume und Hölzer lernen. Wenn man denn möchte. Wir haben immerhin direkt Ahorn und Eiche erkannt…wir Stadtmenschen. Der letzte Teil von Etappe 8 hat mir allerdings nicht wirklich gut gefallen, da ging es zunächst vorbei am Autobahnkreuz, dann direkt am Flughafen und bis nach Ratingen rein. Die ersten Flugzeuge über einem sind noch ganz amüsant, aber dann verliert sich der Reiz auch, vom Lärm mal ganz abgesehen. Der Weg war zudem da nur noch asphaltiert und das bringt nach über 20 Kilometern Wanderung wenig Spaß in Füßen und Waden. Ich habe mir später noch mal die restlichen Etappen des Steigs genauer angeschaut (im Internet natürlich, nicht in der Realität) und ich glaube, für eine weitere Wanderung würde ich dann auch andere Etappen nehmen. Sechs und sieben zum Beispiel wäre der Weg von Velbert über Kettwig nach Mülheim Selbeck und auch noch von Dortmund aus gut erreichbar und mit zusammen ungefähr 24 Kilometern auch machbar.

cof

Und auch die anderen Etappen, eher in Richtung Düsseldorf bis Leverkusen und dann wieder nördlich Richtung Velbert wirken von der Beschreibung her ziemlich gut und auch für mich Gelegenheitswanderin durchaus machbar. Unsere erste Etappe war zum Beispiel als mittelschwer beschrieben, ich hatte überhaupt keine Probleme, sie zu bewältigen. Wanderschuhe sind allerdings ein Muss, an einigen Stellen wäre man in Turnschuhen vermutlich ziemlich ins Rutschen gekommen. Aber in Wanderschuhe sollte man eh investieren, wenn man vorhat, gelegentlich mal wandern zu gehen, auch ein anständiger Rucksack macht Freude und entlastet den Rücken, der Rest ist eher optional. Ich selbst besitze noch eine Wanderhose, bin aber auch schon gut in Jeansshorts und normalem T-Shirt aus Baumwolle gelaufen. Das muss aber jeder für sich selbst herausfinden, wie wohl man sich da fühlt. cof

Der Neanderlandsteig gefällt mir, auch in Kombination mit der App, die unterwegs ganz nützlich sein kann und die einen mit guten Informationen versorgt. Das Zeichen des Steigs habe ich allerdings sehr viel schneller wieder gesehen als ich zu diesem Zeitpunkt gedacht hatte. Mehr davon beim nächsten Wandertag.