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our night out: Who Killed Bruce Lee (10.03.2017, FZW Dortmund)

Ziemlich genau ein Jahr nach meinem ersten Konzert von Who Killed Bruce Lee, gab es die zweite Chance in Dortmund. Die muss man nutzen, Tickets wurden gekauft, Freunde überzeugt. Vorfreudemodus an. Los geht’s.

Gute Sache: es war auf jeden Fall voller als beim ersten Konzert im FZW. Meine Erwartungen aber auch definitv höher. Vor allem, weil wir ja noch Freunde mitgeschleppt hatten. Wie blöd es wäre, wenn der Abend dann ein Reinfall wird. So viel vorab: wurde es nicht. Glück gehabt. Wir alle.

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Who Killed Bruce Lee kommen ursprünglich aus Beirut im Libanon, wohnen aber – wenn ich das richtig verstanden habe – jetzt schon eine Weile in Deutschland. Keyborder Hassib spricht zumindest schon sehr gut deutsch, da kann man nur den Hut ziehen. Vergleichsweise schwer tat ich mich zumindest mit dem arabischen Satz, den uns Sänger Wassim versucht hat beizubringen. Den hatte ich schon wieder vergessen, noch bevor ich ihn das erste Mal zuende aufgesagt hatte. Beim Sprachen lernen bin ich eher der visuelle Typ, nach Gehör lerne ich schlecht. Tatsächlich habe ich sogar schon wieder vergessen, was der Satz auf deutsch übersetzt hieß. Asche auf mein Haupt. Ein paar arabische Einflüsse bemerkt man bei der Musik, aber nur vereinzelt und ich selbst finde das ja eher noch superer. Ansonsten wird da ein solides Indie Rock-Brett auf die Bühne gezaubert und ich finde es ein bisschen schade, dass ich fastenzeitbedingt aktuell auf Alkohol verzichte. Zu dieser Musik könnte man hervorragend ein Bier trinken. Oder zwei. Mich persönlich erinnert die Band ein bisschen an The Strokes, aber dann auch wieder ganz anders, einfach sehr eigen und in keine Schublade zu stecken.

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Dass meine Erwartungen erfüllt wurden, habe ich ja schon erwähnt, aber es war wirklich ein außerordentlich tolles Konzert. Und ein bisschen heimlich hoffe ich ja, dass sie niemals nie so richtig berühmt werden, sondern immer in diesem eher niedrigen Bekanntheitsgrad ständig auf Tour sind. Bisher klappt das ja ganz gut, fern vom Mainstream und den großen Hallen. Dafür mit gemeinsamen Gesangseinlagen und Tanzkreisen. Hach.

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Neben arabischen Sätzen auch noch ein paar Tänze und Tanzschritte gelernt. Möglicherweise kann man einen solchen Konzertbesuch auch als Fortbildung bei der Steuererklärung absetzen.

Das Leben sollte immer ein Who Killed Bruce Lee-Konzert sein. Obwohl das vielleicht dann doch ein bisschen anstrengend wäre. Aber so ab und zu und ziemlich regelmäßig dürfte das sein. So viel euphorische Liebe.

Gut, meinetwegen dürfen Who Killed Bruce Lee (übrigens ist der Bandname keineswegs eine Frage, ich habe mal in einem Interview mit der Band gelesen, dass die Band selbstverständlich weiß, wer Bruce Lee getötet hat und ihr nächstes Projekt werde „Who Killed JFK“ heißen) dann demnächst mal ein Tourpause einlegen. Aber auch nur, um dann wieder ins Studio zu gehen um ein neues Album aufzunehmen. Und dann wartet Dortmund auf einen neuen Besuch der vier Musiker aus dem Libanon. Möglicherweise fällt mir bis dahin der Satz auch wieder ein, oder ich nehme mir dann einfach mal Zettel und Stift mit um die Vokabeln mitzuschreiben. Und obwohl ich mir ja wünsche, dass ich diese Band auch in Zukunft immer wieder in so einem kleinen, schon sehr persönlichen Umfeld sehen darf, so muss ich Who Killed Bruce Lee doch noch mal jedem ans Herz und ans Ohr legen. Wer auf Indie Rock steht, der wird nicht enttäuscht. Und dann geht zu den Konzerten, lasst euch mitreißen und erlebt diese einmalige Energie, die diese Herren ausstrahlen. Tut es!

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(Zugabe: Keyborder Hassib rappt. Unter anderem „Ich hab Polizei“ von Böhmermann. Und nein, das denke ich mir hier nicht aus.)

Ziemlich genau ein Jahr nach meinem ersten Konzert von Who Killed Bruce Lee, gab es die zweite Chance in Dortmund. Die muss man nutzen, Tickets wurden gekauft. Vorfreudemodus an. Los geht’s.

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our night out: The Divine Comedy (18.02.2017, Mojo Club Hamburg)

Ich entdecke ja immer gerne neue Musik. Aber häufig ist es so, dass ich etwas neues entdecke, dann höre ich das auch, kaufe mir sogar CDs und gehe auf ein Konzert und das war es dann irgendwie. Sie tauche auf und verschwinden wieder, hundert Eintagsfliegen. Aber es gibt auch Bands, die halten sozusagen ein Leben lang. The Divine Comedy gehören für mich dazu. Ich höre und liebe sie seit ewigen Zeiten. 1999 haben sie schon ein Best Of-Album veröffentlicht, das ich damals mitbekam. Seit diesem Album bin ich Fangirl-Groupie. In Deutschland sind sie ja ziemlich unbekannt – warum, darüber kann man streiten – aber immerhin kommen sie gelegentlich auf Tour vorbei und dann schaue ich sie mir auch immer gerne an. Ein Samstag in Hamburg? Keine Frage, da musste ich gar nicht lange zögern und habe mir direkt Tickets besorgt.

Konzerte von The Divine Comedy sind immer besonders. Sie sind immer wie eine kleine Reise, etwas spezielles. Stunden, die man im Gedächnis behält und nicht so schnell vergisst. Vermutlich liegt das hauptsächlich an Frontmann Neil Hannon, an dem definitiv ein Schauspieler verloren gegangen ist. Dem Mann gehört einfach die Bühne. Es zeigt sich mal wieder: man muss nicht groß sein um groß zu sein. Das wusste ja auch Napoleon schon.

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Was ein Auftritt. So kann man mal ein Konzert starten, da hat man schon mal die Aufmerksamkeit sicher. Passenderweise gibt es auch noch das Lied „Napoleon Complex“ dazu. Nach einigen Liedern wechselt Neil Hannon übrigens das Outfit und trägt Anzug mit Melone. Steht ihm nicht weniger gut, er gehört auf jeden Fall zu den am besten angezogenen Musikern, die ich kenne. Auf ihrem Instagram-Account kann man noch weitere Bilder ihrer Tour sehen, die Outfits sind offenbar jeden Abend identisch gewesen. Ich hoffe, der Hut müffelt jetzt nicht allzu sehr.

Während des Konzerts dachte ich kurz darüber nach, welche Lieder ich mir unbedingt wünsche. Das mache ich eigentlich immer bei Bands, die ich so gerne mag. Das Problem war nur: die Liste wurde immer länger. So lang, dass ich selbst schon darüber nachdachte, ob ein Konzert für all das ausreichen würde. Immerhin gibt es ja selten Konzerte, die nur aus Lieblingsliedern bestehen. Auch dieses nicht, aber es waren viele dabei.

Ich bin ziemlich sicher: würden alle Menschen auf dieser Welt The Divine Comedy hören, dann gäbe es weniger Hass und Krieg. Es ist eine optimale Mischung aus den schönsten Liebesliedern, eingängigen Popmelodien, Gute-Laune-Hymnen und niemals nervigen Ohrwürmern. Das alles gesungen von Neil Hannon: eine Stimme wie Himbeerquark und ein so charmantes und witziges Auftreten, dass am Abend des Konzerts gefühlt alle Zuschauer ein bisschen verliebt ihn waren. Vermutlich wird es ein bisschen belächelt von den „normalen“ Menschen, aber solche Leute wie er machen die Welt angenehmer, den Winter heller und wärmer und alles etwas bunter. Superpartyfuntime.

Ich kann so ein Konzert kaum beschreiben, es war als tauchte man in eine andere Welt ein und wollte nicht, dass es aufhört. Wie eine Droge in unseren Gehörgängen. Es wurde gelacht, getrunken, gesungen, Neil Hannon kam zu uns ins Publikum und wir kicherten ein bisschen über das raunende „oooh, der ist ja wirklich so klein“ um uns herum. Und ich hoffte, dass er nicht plötzlich vor mir stünde, weil ich gar nicht gewusst hätte, wohin mit mir. Fangirl sein ist auch nicht immer einfach.

Als mit „Tonight We Fly“, diesem einem meinem liebsten Lieblingslied, das Konzert beendet war, war ich so glücklich und traurig gleichzeitig. Ein bisschen an dem Lied festklammern, es darf einfach niemals aufhören. Ein bisschen wie noch einen Geschmack auf der Zunge behalten wollen. Auch jetzt, Tage später, pfeife ich noch regelmäßig die Melodie von „National Express“ und denke mit einem sehr glücklichen Lächeln auf dem Gesicht an das Konzert zurück. The Divine Comedy ist für mich das allerbeste Beispiel dafür, wie glücklich Musik machen kann. Unsterblich.

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our night out: Motorama (13.02.2017, FZW Dortmund)

Ich muss gestehen, ich habe euch hier einen Konzertbericht unterschlagen. Und zwar vom Buster Shuffle-Konzert, auf dem ich im Januar in Bochum war. Irgendwie war mir nicht danach, denn obwohl die Band toll wie immer war, so war der Abend nicht ganz so super. Das lag zum einen am schlechten Sound, zum anderen am Publikum. Sehr schade. Es ist sicherlich so, dass ich mit fortschreitendem Alter immer dünnhäutiger werde, aber ich habe auch wirklich das Gefühl, dass ein Großteil der Menschen bei Konzerten seine gute Kinderstube an der Garderobe mit abgibt und sich dann während des Auftritts wie eine Mischung aus Wrestler, Zirkusartist und Mitglied eines Debattierclubs benimmt.

Als ich direkt vor dem Konzert von Motorama meinen Blick durch das Publikum schweifen ließ, hatte ich das Gefühl, jemand hat eine Art Arche Noah-Konzept versucht. Von jeder Sorte zwei. Na gut, es waren dann doch mehr da, aber es waren zum Teil so unterschiedliche Leute da, dass es eine Wonne war, sie alle anzuschauen. Da gab es ein paar Goths, einige adrett gekämmte Mods, Indiemädchen mit Turnbeuteln und noch eine Menge irgendwo dazwischen. Dazu kam noch, dass so ungefähr jedes Alter (ab älteren Jugendlichen) vertreten war. Ein Spaß für die ganze Familie. Das spricht ja aber auch nur dafür, dass die Band eine große Bandbreite musikinteressierter Menschen anspricht. Apropos groß: ich war mit meinen 1,70 m deutlich unterm Schnitt. Große Menschen – große körperklausige Menschen – sind mein persönlicher Konzertalbtraum, denn große Menschen haben ihren Ellenbogen etwa auf meiner Gesichtshöhe. Bei unkontrollierten Ellenbogenbewegungen könnte ich durchaus sehr schnell meine Zähne verlieren oder mit einem gebrochenen Nasenbein da rausgehen. Und man ahnt ja nicht, wie viele unkontrollierte Bewegungen mit Ellenbogen während Konzerten gemacht werden. Glücklicherweise aber (Spoiler) konnten alle aus dem Publikum das Konzert ohne größere Schäden verlassen. Mir ist zumindest nichts aufgefallen.

Jetzt aber: Fokus auf die Band! Motorama aus Rostow am Don (fun fact: die Partnerstadt Dortmunds, wurde also wirklich Zeit, dass die mal hier auf eine Bühne gestellt wurden) und haben eine etwas schwer festzustellende Anzahl an Mitgliedern. Im FZW waren drei Musiker auf der Bühne. Nach dem Konzert fragte er mich, ob es beim Konzert während des Popsalons im vergangenen Jahr nicht vier Musiker waren und laut Wikipedia sind es sogar fünf. Musikalisch kann man sie auf jeden Fall ohne große Zweifel mit Joy Division oder – etwas aktueller – Editors vergleichen. Ein bisschen Post Punk, ein bisschen 80er Synthie, ein bisschen New Wave. Dunkel, ruhig, melodisch. Nichts, was ich ausschließlich hören würde, aber so für eine Konzertlänge oder mal gelegentlich zwischendurch ist das schon ziemlich gut. Ich gebe allerdings zu: wenn man sich nicht etwas ausführlicher damit auseinandersetzt, dann ist es schwierig, die einzelnen Lieder zu betiteln.

Nein, sie klingen nicht alle gleich. Aber halt ähnlich.Ich hatte während des Konzerts häufiger das „ach ja, kenn ich“-Gefühl, aber ich könnte bei nicht einem ohne Nachgucken sagen, wie es heißt. Asche auf mein Haupt. Dafür beschäftige ich mich nicht ausreichend mit dieser Band, weil es dafür dann halt einfach nicht so sehr meins ist. Vielleicht schreibe ich das mal auf meine To Do-Liste für 2017, aber ehrlich gestanden steht jetzt auch schon das nächste Konzert in den Startlöchern. Irgendwas ist ja immer.

Immerhin: es war ein schöner Konzertabend. Trotz der Menschen im Publikum. Das Konzert war nicht besonders lang, aber mehr habe ich bei der bisher recht überschaubaren Diskographie auch nicht erwartet. Ich habe mich nicht gelangweilt, die Musik trug einen irgendwie angenehm durch den Abend, es gab nur wenige Zwischenansagen, die einen beim getragen werden unterbrechen hätten können und nur das Ende war für den ein oder anderen möglicherweise etwas holprig, da zunächst irgendwie nicht so richtig auszumachen war, ob das Konzert nun vorbei ist oder nicht. 

Zufrieden nach Hause kommen, Konzerte können wirklich glücklich machen.

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Festivaljahr 2017: Cardinal Sessions (14.01.2017, Gebäude 9 in Köln)

So einen frühen Start in das Festivaljahr gab es für mich noch nie! Zu Weihnachten lag eine Karte für die Cardinal Sessions in Köln unterm Baum. Bis dahin hatte ich noch nie davon gehört, aber dass die Hammer Band Giant Rooks im Line Up standen, war ich direkt begeistert. Die hatte ich nämlich im Sommer schon beim Haldern Pop gesehen und diese Band ist für mich die aktuelle Indie-Hoffnung überhaupt. Die anderen aufgeführten Bands sagten mir nichts, aber das schmälerte die Vorfreude in keinster Weise. Ich mag es ja, neue Bands zu entdecken und so ein Nachwuchs-Festival eignet sich ja ziemlich gut dazu.

Das Gebäude 9 mag ich ja sehr, es liegt so schön in einem Hinterhof zwischen Industriebauten und ist ein bisschen schön schrammelig. Was ich noch mochte: die drumherum-Organisation. Es gab einen Gratis Willkommens-Drink, eine Dose eines gar nicht so schlecht schmeckenden Energydrinks. Ich durfte sogar noch eine zweite Dose trinken. Außerdem gab es zur Verpflegung der Besucher einen Foodtruck, Waffeln und Glühwein. Nicht so hübsch: die eisigen Temperaturen, die dazu führten, dass ich draußen nicht eine Minute länger als nötig stehen wollte. Und tja, möglicherweise ist das Gebäude 9 für diese Menge an Leuten, die dort länger bleiben, auch nicht unbedingt ausgelegt. Die drei Frauen-Toiletten, die zu Beginn des Abends vielleicht noch nur zweifelhaft waren, erinnerten am Ende des Abends an einen Trümmerhaufen. Liegt mit Sicherheit auch daran, dass Menschen sich nicht immer besonders gut benehmen können.

Die schönen Momente überwogen aber, ein Festivaltag mit Freunden, Käsekuchen, Burger, viel Bier und noch mehr guter Musik. Neben Giant Rooks gefielen mir auch Sparkling und Shame. Alle Bands habe ich tatsächlich auch gar nicht mitbekommen, man muss ja schließlich auch mal was essen und Bier trinken. So ein Festival hat strenge Gesetze.

Ein guter Start ins Musikjahr. Das erste Konzert war direkt ein Festival. Ein kleines nur, aber immerhin. Ich freue mich jetzt noch mehr auf das Album von Giant Rooks – bisher gibt es nur eine EP – und ich habe neue Bands entdeckt, die mir gefallen. Besser kann es ja kaum laufen und das passt ja auch alles sehr gut zu meinen Musik-Vorsätzen für dieses Jahr. Die EPs von Giant Rooks und Sparkling wurden auch direkt mitgenommen, junge Bands unterstütze ich in dieser Form einfach sehr gern.

Nachts lag ich noch ein bisschen wach. Möglicherweise die Musik in meinem Ohr. Möglicherweise aber auch nur die beiden Energydrinks. Immerhin aber kein Zelt, und schlecht schlafen gehört zum richtigen Festivalfeeling eben auch dazu. 

Die Cardinal Sessions werde ich auf jeden Fall weiter im Blick behalten. Und das nächste To Do ist auf jeden Fall, Karten für das Haldern Pop im Sommer zu besorgen. Festivalliebe forever. 

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