outtakes 2016

So, zack, Jahresende. Ich schätze mal, wenn in 20 Jahren bei einer Quizshow nach dem Todesdatum eines Promis gefragt wird, dann liegt man mit 2016 häufig nicht falsch. Fühlt sich zumindest so an. Dass mein persönliches Jahr gar nicht so schlecht war, hab ich euch ja schon erzählt. Dieses Jahr verzichte ich auf einen großen Konzerte-Rückblick, Jahrescharts hat es schon 2015 nicht gegeben und musikalisch kann ich mich an 2016 kaum erinnern. Ja, da gab es ein paar gute Momente. Aber ist was hängen geblieben? Ich weiß es schon jetzt nicht mehr richtig. Vielleicht ein ganz guter Vorsatz für 2017: wieder mit mehr Bewusstsein mit der Musik beschäftigen.

Zum Abschluss des Jahres wieder ein paar Bilder, die es im Laufe des Jahres nicht hier hin geschafft haben, die mir aber so gut gefallen, dass ich sie euch trotzdem zeigen möchte.

Tierisch gut: eine von unzähligen Katzen in Riga; eine Schnecke in Dortmund; ein Alpakaselfie in Castrop-Rauxel.

Architektonische Highlights: Strumpfautomat in Altenahr; „anne Bude“ in Hamburg-Harburg.

Einfach mal anders: der Blick im FZW von der Bühne aus ins Publikum; lettische Postkarte mit ganz eigener und mich enorm irritierender Aufteilung. Allerdings scheinbar kein Fehldruck, die waren alle so.

Kleine Sünden: Vitaminaufnahme auf Festival-Art beim Haldern Pop; coolste (und leckerste) Hochzeitstorte aller Zeiten in Hamburg.

Große Sprünge: ich selbst auf einem dänischen „Hoppepude“ (warum gibt es die in dieser Form eigentlich nicht auf deutschen Spielplätzen?); Streetart in Riga.

2017 steht also vor der Tür und ich selbst stehe zwischen der Befürchtung, dass es noch schlimmer wird und der Hoffnung, dass es ein bisschen erträglicher wird. Ein bisschen siegt noch die Optimistin in mir und ich denke zudem, dass einige Dinge nicht zu ändern sind und bei den änderbaren Dingen sehr viel Schicksal in unseren eigenen Händen liegt. Vorsätze? Ich möchte gern noch mehr raus, neue Flecken sehen. Einige davon liegen fast direkt vor der Haustür, andere etwas weiter weg. Erste Flüge sind gebucht, erste Pläne geschmiedet. Die Welt entdecken, möglichst jeden Tag genießen und auf jeden Fall mindestens einmal am Tag etwas finden, über das man lachen kann.

Advertisements

Ich esse was, was ich nicht kenn (Oktober 2016)

Endlich, endlich, endlich! Endlich war es mal wieder so weit und mein Blick fiel bei der Auswahl meines Abendessens in einer Dortmunder Tapasbar auf etwas verheißungsvoll Außergewöhnliches. Noch immer scanne ich gerne Supermärkte und Speisekarten nach Dingen ab, die ich noch nicht kenne, in letzter Zeit halt nur leider eher erfolglos. Oder aber es finden sich so absonderliche Dinge vor, die ich dann doch lieber nicht unbedingt essen möchte.

Dann aber war soweit, in einer Tapasbar. Zwischen der üblichen Tapasauswahl stach mir ein Gericht ins Auge und zwar Crocolviques, Kochbananenkroketten mit Schafskäsefüllung. Crocolviques stammen angeblich aus Ecuador, ob das stimmt, kann ich aber nicht sagen. Die Suchmaschinensuche ergab da jedenfalls keine Treffer. Nun gut. Möglicherweise kommen sie nicht aus Ecuador, sondern nur aus der Dortmunder Nordstadt, aber das ist ja auch ziemlich egal. Her damit!

imag4108

Es ist doch wirklich schön, wenn Essen so attraktiv aussieht. Hmmmm…Krokettenköddel. Vielleicht ist es ja ganz gut, dass ich so unvorbereitet war und nur das Smartphone dabei hatte und das Licht so schummrig war. Gut ausgeleuchtet würden die auch nicht viel hübscher aussehen, ich schwör!

Meine Kollegin war ebenso wagemutig, tapfer bestellten wir jede eine. Wir hätten uns auch eine teilen können, aber man gönnt sich ja sonst nichts.

imag4109

Meine Kollegin gab nach einem Bissen auf, ich habe meine brav aufgegessen. Allerdings auch nur, weil ich mich nicht so richtig entscheiden konnte, ob mir das schmeckt oder nicht. Oder besser: ob es mir nicht schmeckt oder doch. Oder so. Leider ist es so, dass ich das immer noch nicht richtig beantworten kann. Es ist geschmacklich einfach eine verrückte Sache. Wie frittierter Bananenkuchen mit leichtem Schafskäsegeschmack. Ich steh ja aber auch ein bisschen auf herzhaft-süß-Kombinationen (zB das Feige-Feta-Eis in der Kuhbar) also war es schon irgendwie ziemlich gut. Aber halt auch irgendwie nicht so richtig passend oder stimmig. Diese Kochbananenkrokette lässt mich ein wenig ratlos zurück, ich habe auch schon darüber nachgedacht, ob ich es als Nachtisch oder Snack zum Kaffee besser fände. Ich kann das nicht ausschließen. Vielleicht muss ich noch mal eine bestellen, Tapas gehen schließlich immer.

 

Der Herbst und ich

Pünktlich zum 1. Oktober ging er los, der Herbst. Bis dahin hatten uns die letzten Augustwoche und der September noch mit etwas Hochsommer verwöhnt – und auch für den restlichen Sommer versöhnt. Viel Sonne, viel Wärme. Wunderbar. Am 1. Oktober stand ich auf und fror ein bisschen. Draußen war es grau, später regnete es noch. So ist das also. Der Herbst.

Viele flippen jetzt euphorisch aus und freuen sich über den Herbst. Ich bin eher zwiegespalten. Mir ist der Herbst immer noch lieber als der Winter, aber so richtig glücklich bin ich mit ihm auch nicht. Neulich las ich eine Liste mit mehreren Gründen, warum der Herbst die tollste Jahreszeit sein soll. Ich schüttelte ungläubig den Kopf. Entschuldigung, ich muss da mal was klarstellen.

1. Der Herbst ist ja so schön, wenn es draußen regnet und man gemütlich drinnen sitzt und sein liebstes Heißgetränk trinkt.

Also erstens: verlassen diese Leute nie das Haus? Wenn es draußen regnet und stürmt und man auf die Straßenbahn wartet, dann ist das schon wieder nicht mehr so hübsch. Zweitens: mein Lieblingsgetränk ist Zitronenlimo. Ich finde warme Getränke so „geht so“. Kaffee trink ich morgens zum wach werden, Tee nur wenn ich krank bin und Kakao eigentlich auch nicht so richtig gern, weil ich davon noch mehr Durst bekomme. Lieber ein kühles Bergmann Bier an einem warmen Sommerabend.

2. Kein Schweißgeruch in der U-Bahn.

Ernsthaft? Gibt es wirklich Leute, die glauben, dass Menschen im Herbst oder Winter nicht nach Schweiß stinken? Den lade ich gerne mal auf eine Runde U-Bahn im Winter ein. Solange es Menschen gibt, die offenbar nicht viel von Wasser und Seife halten, wird es auch immer wieder Tage geben, an denen man Mitfahrer erst riecht und dann sieht.

3. Laub, durch das man rascheln kann

Nasses Laub, dass an den Schuhen klebt und Hundescheiße versteckt. Obwohl: in Dortmund selten Hundescheiße, weil gefühlt JEDEN Tag jemand mit seinem dämlichen Laubsauger kommt und das Laub rumpustet. Die Stadtreinigung ist übrigens auch sehr fleißig.

4. Keiner nervt mit Diät und alle lieben deftiges Essen

Erster Teil: die Person hat noch nie zusammen mit Frauen (meinen Kolleginnen) gearbeitet. Zweiter Teil: ja, schon. Aber ich mag halt auch gerne Salat und Eiscreme.

5. Man kann hemmungslos Zeit im Bett und mit Serien verbringen

Mein Terminkalender sieht das leider anders.

Es gab noch ein paar mehr Punkte, aber das ist müßig. Es gibt ja auch tatsächlich ein paar Dinge am Herbst, die ich mag. Kürbis, Mützen, das verfärbte Laub und dieses unglaublich schöne Licht. Bisher hatten wir ja auch Glück, wirklich. Aber ich sehe es halt häufiger so, dass der Herbst nicht gemütlich, sondern ungemütlich ist. Dass es spät hell und früh dunkel wird – und die Zeit dazwischen sitze ich nunmal im Büro. Nasse Füße, kalte Nase und Hände und irgendwie bin ich immer falsch angezogen. Im Sommer jammern viele Leute über die Wärme und ich denke, dass sie dann einfach mal einen Gang zurückschalten sollten oder auch oft viel zu viel an haben. Dafür hab ich halt im Herbst dann keinen Schirm dabei oder eine Jacke an, in der ich morgens friere und mir nachmittags zu warm ist. Das ist dann möglicherweise ausgleichende Gerechtigkeit.

Der Herbst und ich, bisher läuft das dieses Mal wirklich ganz okay. Ich habe alle Schals und Mützen gewaschen und mir eine neue Winterjacke gekauft. Im Büro und auch Zuhause läuft gelegentlich schon die Heizung, ich habe ein paar Kastanien gesammelt und es gab schon Kürbischili und demnächst auch Stielmus. Nasse Füße hatte ich auch noch nicht. Glück gehabt. Ist also alles halb so wild. 

(Ich war doch einfach noch nicht so richtig fertig geworden mit meinem Sommer)
 

wepkwmnidi – Teil 2

Was einem passieren kann, wenn man neu in Dortmund ist: eine Bombenentschärfung. Dortmunds Weltkriegsblindgänger haben bei Twitter sogar den eigenen Hashtag #DoBombe und außer in den Wintermonaten (da wird weniger gebaut) kann man den etwa wöchentlich lesen. Das Glück ist: häufig trifft es dann nur eine Handvoll Anwohner, eine halbe Straße wird gesperrt und nach einer Stunde ist alles vorbei. Ab und zu ist es dann doch etwas aufwändiger und seit die Stadtwerke ihr Gelände einmal auf links krempeln, kratzt auch meine Arbeitsstelle gerne haarscharf am Evakuierungsradius vorbei. Darauf ist übrigens Verlass: bei größeren Baustellen (DSW, Wilo usw) werden Blindgänger gefunden. Bisher musste ich noch nie meine Wohnung räumen – zweimal kam ich um etwa 200 Meter drum herum – aber gelegentlich muss ich schon auch Umwege wegen Straßensperrungen fahren oder mache etwas eher Feierabend, um noch nach Hause zu kommen. Und zweidrei Mal waren es dann doch so große Aktionen, dass sogar meine Oma anrief, weil sie es in den Nachrichten gehört hatte. „Musstest du auch deine Wohnung verlassen?“ „Du rufst auf meinem Festnetz an.“

Man entwickelt allerdings eine ziemliche Gelassenheit mit der Zeit. Wenn man nicht gerade in der Nachbarschaft einer Großbaustelle wohnt, dann ist man ja eh mit größerer Wahrscheinlichkeit nicht direkt betroffen. Die Stadt Dortmund versorgt einen bei Twitter und auf der Website auch immer ziemlich zügig mit einer Karte mit Evakuierungsradius und dann is immer noch eine Menge Zeit, um notfalls zu handeln. Meist dauert es von der ersten Meldung bis zur Entschärfung noch gute drei Stunden, oft sogar weit mehr, da könnte man also im Regelfall noch seine Lieblingsunterbuchse und die wichtigsten Dokumente von Zuhause retten oder zumindest das Auto für die ungestörte Heimfahrt umparken.

Bisher – mal aufs Holz geklopft – ist immer alles gut gegangen. Das passt ja recht gut zu meiner optimistischen Art, denn mal ehrlich: ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert, wenn die Entschärfung dann mal nicht klappt und so eine tonnenschwere Bombe hochgeht. Ich habe jedenfalls großes Vertrauen in das Team und den Sprengmeister. Gerne würde ich den ja übrigens mal fragen, ob er eine Versicherung gefunden hat, die mit ihm eine Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen wollte. Stell ich mir schwierig vor.

Wenn du also mal Dortmund bist und jemand von einer Bombenentschärfung spricht: ruhig bleiben, Tee trinken – oder noch besser ein kühles Bier. Irgendwann ist wieder Winter und Ruhe. Und nach dem Winter gibt es in Dortmund halt neben Krokussen und Vogelgezwitscher noch einen weiteren verlässlichen Frühlingsboten. #DoBome

 

Legenden sterben nie

Wir müssen über Legenden reden. Nicht die kleinen Dinger am Rand der Erdkundekarte, sondern die Legenden des Lebens. Helden des Alltags, die Stars aus Funk und Fernsehen, die sozusagen unsterblich sind. Musiker. Aber halt! Unsterblich? Das Jahr 2016 macht den Anschein, als hätten die größten und großartigsten Menschen des Planetens irgendwie keine Lust mehr, zumindest gefühlt winkt jede Woche ein neuer Musiker nach seiner Rechnung.

Was bleibt? Die Musik, die Erinnerung und das Gefühl, dass da ein Musiker gegangen ist, der uns schon fast unser ganzes Leben lang begleitet hat. Und eine Frage, nämlich: wer rückt nach? Wenn ich mal ein Kind haben sollte, wird es dann irgendwann traurig sein, weil – beispielsweise – Joris stirbt? Beyonce? Justin Bieber? Dann lieber Justin Timberlake? Oder Thees Uhlmann? Bei letzterem wäre ich ja zumindest traurig, aber ob es zu einer generationenübergreifenden Legende reicht?  Musiker wie Prince oder David Bowie habe ich als Kind gekannt, meine Eltern hatten ihre Alben in der Plattensammlung stehen. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, welche musikalischen Helden ich dann ab meiner Jugendzeit (also seit mein Musikgeschmack sich deutlich in eine bestimmte Richtung entwickelte) dazugekommen sind, dann wird das schon deutlich dünner – und ich bezweifele, dass meine Kinder noch darauf warten werden, dass einer dieser Musiker endlich mal wieder ein neues Album veröffentlicht. Oder sich zumindest auf ein Best Of freuen. Best Of Noel Gallagher möglicherweise, oder Pete Doherty, wenn ich Glück habe. Ist in den vergangenen zehn Jahren überhaupt ein Musiker entdeckt worden, bei dem man sich vorstellen kann, dass sein Ableben mehrere Generationen und Menschen weltweit erschüttert? Da fällt mir wieder Beyonce ein, aber streng genommen ist die ja auch schon länger als 10 Jahre im Musikgeschäft unterwegs. Und: mich persönlich berührt die jetzt nicht so. Neulich hatte ich mal an Wanda gedacht, ich weiß nur noch nicht, ob die das noch so lange durchhalten – aber das hat man ja bei den Rolling Stones zB sicherlich auch mal gedacht.

Möglicherweise ist es auch einfach mein Problem und mein Musikgeschmack. Vielleicht weinen in 30 Jahren alle – einige – um die ganzen Helene Fischers und Wendlers, die dann widerum unsterblich sind. Und in meiner Welt ist die Heldenzeit einfach vorbei. Oder es ist ein etwas exklusiveres Heldentum. Legende im kleinen Kreis. Vielleicht bin ich auch einfach zu ungeduldig, meine letzten musikalischen Superstars (Gallagher, Albarn, Doherty) sind ja schließlich auch schon gute 20 Jahre dabei und hatten bereits ihre Höhen und Tiefen. So ein Legendentum will ja schließlich auch erarbeitet werden, da muss man auch einiges investieren und sich abheben von der Masse des Radiogedudels.

Jetzt ein Ende finden, bevor das hier in midlife crises-eske Verhältnisse ausartet. Ich kann ja eh nur abwarten und ein bisschen hoffen.

(I live my life for the stars that shine
People say it’s just a waste of time.
Oasis – Rock’n’Roll Star)

our night out: Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen (13.02.2016, The Tube Düsseldorf)

Endlich! Nach einem konzertfreien Jahresbeginn konnte das Konzertjahr 2016 eingeläutet werden. Und das direkt mit einer tollen Band – Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen (DLdgG). Die find ich extrem knorke, sowohl live als auch auf Platte. Musikalisch unterhaltsam, nicht so ein Befindlichkeitsgedudel, und dann wirkt die Band auch noch unglaublich nett.

image

Das Konzert fand im Düsseldorfer The Tube statt, mitten in der Altstadt, wo ich vorurteilsbehaftet nur so Ballermannnutzen erwartet hatte. Stimmt in diesem Fall aber gar nicht, das The Tube ist ein sehr schöner und gemütlicher Laden, auch wenn ich persönlich ihn für Konzerte schon wieder etwas zu schmal finde. Aber da wir einen Platz recht weit vorne ergattern konnten, war das noch in Ordnung.

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen haben ja gerade ein neues Album mit dem schönen Titel „Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen“ auf den Markt geworfen, welches ich persönlich mehr als nur in Ordnung finde. Aber nicht nur das, die beiden ersten Alben sind auch voller Hits. Es ist mir ein Rätsel, warum die noch durch so kleine Clubs tingeln müssen. Wobei mir das ja eigentlich gelegen kommt. Atmosphäre und so. Im Publikum befanden sich übrigens auch Mitglieder der Düsseldorfer Punk-Band Stunde X, die dann direkt für ein Lied mit auf die Bühne eingeladen wurden. Gespielt wurde „Hey du“ von Stunde X, das mich seitdem als Ohrwurm begleitet. Könnte schlimmer sein.

Ansonsten ging es einmal quer durch die drei Alben der Band, zur Zugabe gab es dann noch einen Superpunk-Hit. Glücklich wurden wir dann wieder in die Düsseldorfer Altstadt entlassen. Die Altstadt brauche ich übrigens nicht in Dortmund, den Laden würde ich aber direkt mitnehmen!

U-Bahn-Gedanken

Ich scheiße auf die angeblich mangelnde Integration von Flüchtlingen und wünsche mir einen Integrationskurs für die Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln. Ach was, für das öffentliche Leben! Man bleibt nicht einfach in einer sich bewegenden Menschenmenge stehen, vor allem nicht beim Ein- oder Aussteigen der U-Bahn. Und auch nicht, wenn man eine Rolltreppe verlässt. Auf der Rolltreppe gilt übrigens: rechts stehen, links gehen. Ich wünschte mir, in der Schule würde sowas mal unterrichtet werden.

Ich finde es übrigens nicht schlimm, wenn morgens alle auf ihr Smartphone starren, lesen oder twittern, bei Facebook ihren Exfreunden hinterherspionieren oder Spiele spielen.
Ich habe meistens meinen E-Reader in der Hand und nutze die Zeit zum Lesen. Hatten wir in der Prä-Smartphone-Zeit eine Diskussionskultur in der Bahn? Gab es Entertainer oder Gaukler in Bussen, die uns die Zeit vertrieben? Gar Polonaisen durch Waggons? Ich kann mich nicht erinnern, bin ja aber auch so jung, dass die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel für mich schon immer mit „Ablenkungsmedien“ verbunden ist. Als ich alt genug war, um alleine öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, da besaß ich zumindest schon einen Walkman.
Davon abgesehen sind da immer Menschen in der Bahn, die sich und gerne auch die restlichen Mitfahrer unterhalten. Gerade morgens wünschte ich mir manchmal, dass es leiser wäre und alle nur auf ihr Smartphone starren würden. Ein Königreich für ein Sprechverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln vor 8 Uhr.

Wer hat sich das mit dem „öffeln“ eigentlich ausgedacht und hat das Karma ihn/sie schon ausreichend dafür bestraft?

Ich liebe U-Bahnfahren. Ernsthaft. U-Bahnen sind für mich der Inbegriff der Großstadt und ich nutze sie ein vielfacher lieber als Busse.
Ich mag das Geräusch der quietschenden Bremsen und das Rumpeln über die Gleise. Man ist recht unabhängig vom restlichen Verkehrsaufkommen und fährt gelegentlich einfach unter oder zwischen Staus hindurch.
Dabei habe ich den besonderen Luxus, dass meine U-Bahn-Linie im 5-Minuten-Takt fährt, ich also einfach irgendwann Zuhause oder bei der Arbeit loslaufe und in die nächstbeste Bahn steige. Im Normalfall fahren die Bahnen in Dortmund auch vergleichsweise pünktlich und störungsfrei. An Heimspieltagen des BVBs sind die meisten Bahnen natürlich vor und nach dem Spiel bumsvoll, aber es ist manchmal immer noch besser als stundenlang mit dem Auto im Stau zu stehen.

Darf ich mich noch mal kurz über Menschen auslassen? Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich hochbegabt bin, nur weil es mir gelingt, die Situation in dem U-Bahn-Waggon mit einem Blick zu erfassen und nicht erst stehen bleiben muss. Außerdem nerven mich Menschen, die einfach im Eingangsbereich stehen bleiben, obwohl noch etliche Sitzplätze frei sind. Und dann gibt es noch die Spezialisten, die sich auf den Gangplatz setzen und nicht zum Fenster rücken, sobald die Bahn voller wird. Die wenigsten haben Bock, für ein paar Minuten Fahrt zu fragen, ob der Platz noch frei ist, womit der freie Stehplatz in der Bahn noch voller ist. Was war noch? Ach ja, was stimmt nicht mit den Leuten, die ihre Musik so laut hören, dass ich trotz ihrer Kopfhörer alles verstehen kann?

Ich mag U-Bahnen, wirklich. Menschen sind merkwürdig, aber ein bisschen gewöhnt man sich daran. Außerdem sieht man während den Fahrten auch immer wieder herzerweichend schöne zwischenmenschliche Momente.

image

Schönheit ist, was man draus macht.