me, myself & I

run, girl, run (wieder mal)

Ich laufe. Gelegentlich. Mal ne Runde. Sonntags zum Beispiel. Wenn das Wetter passt. Nicht zu warm sollte es sein, aber regnen bitte auch nicht. Und dann brauch ich etwas Zeit. Ich brauche fast eine halbe Stunde, bis ich mich in Laufklamotten geworfen habe, meinen mp3-Player, noch mal schnell was trinken, dann noch fix zur Toilette bevor es zwischendurch kritisch wird mit der Blase und mir, dann noch mal einen Schluck trinken, vielleicht eben noch schnell eine Banane essen? Wo sind die Laufschuhe? Taschentücher einstecken, Schlüssel und dann endlich los. Einen Koffer für zwei Wochen Urlaub packe ich schneller. Dann laufe ich so etwa 45 Minuten und dann brauche ich ne Stunde Regeneration inklusive duschen, eincremen und irgendwo rumliegen und sterben wollen. Also muss ich für einmal laufen gehen schon so anderthalb bis zwei Stunden Zeit einplanen. Es gibt ja Menschen, die laufen morgens! Vor! der Arbeit. Ich bin froh, wenn ich es schaffe, ohne größere Unfälle ins Büro zu kommen. Und da bin ich spätestens um 8 Uhr, das ist mir alles zu früh. Und abends gehe ich unter der Woche meistens dreimal zum Sport, und irgendwann muss ich ja auch einkaufen, putzen, Freunde treffen und netflixen. Also halt sonntags. Manchmal.

Jetzt aber: ich laufe nicht gerne. Wirklich nicht. Es langweilt mich extrem, ich bekomme Herzaussetzer, wenn große Hunde mich nur interessiert betrachten („der will nur Menschen reißen, keine Angst“), meine Nase läuft, meine Beine mögen eigentlich nur gehen und irgendwie nee. Warum ich es trotzdem mache? Weil mein Kopf mir sagt, dass es ja so gesund sei. Das Herz-Kreislauf-System wird gestärkt, hab ich gehört. Der Stoffwechsel angeregt. Man atmet frische Luft. Der Körper nimmt Vitamin D auf. Hab ich was vergessen? Bestimmt. In meinem Wahn – und vermutlich vor meinem zweiten Kaffee am morgen – habe ich mich bei der Arbeit bei gleich zwei Firmenläufen angemeldet. Und das dann sogar eisern durchgezogen, als ich noch hätte absagen können. No pain no gain. Das schlimme an Firmenläufen: es kombiniert direkt zwei furchtbare Dinge. 1.: laufen (s. oben). 2.: Menschen. Eigentlich sollte ich neben meinem Lauftraining noch ein Menschenmassentraining absolvieren. Die Zeit, wenn man vor so einem Lauf im Startbereich rumlungert und auf den Startschuss wartet, ist für mich die schlimmste im ganzen Jahr. Sogar Zahnreinigungen sind schöner. Da steht man zwischen 5000 mehr oder weniger fremden Menschen in engen Laufhosen und diese Menschen sind so aufgekratzt und euphorisch, als würde Weihnachten und die Geburt des ersten Kindes zusammen gefeiert werden. Da wird gekreischt, gewohhooohtt, es gibt immer noch irgendeine Lokalprominenz und einen Krankenkassenvertreter, die eine Art beschämendes Warm Up versuchen, was die Masse nur noch mehr anheizt. Und dann geht es endlich – immer später als geplant – los und ich bin zu diesem Zeitpunkt schon so gar und reizüberflutet, dass ich dann tatsächlich froh bin, endlich loslaufen zu dürfen. Zum weglaufen bin ich allerdings zu langsam. Vielleicht verstecke ich doch noch ein Fahrrad irgendwo an der Strecke im Gebüsch. Oder möchte jemand mit einer Portion Pommes vor mir herlaufen  und mich damit motivieren?

Die Suppe hab ich mir jetzt eingebrockt, ich werde sie brav auslöffeln. Zwei Läufe im Mai und Juni und dann kommt noch einer mit Farbpulver und Hindernissen im Sommer, da ist ja aber das Laufen eher zweitrangig und der Spaß steht im Vordergrund. Und wenn das geschafft ist, dann ist es aber auch wieder gut und ich werde meine Laufschuhe irgendwo verstecken. Meine große Zeit kommt, wenn mal irgendwann Firmenspaziergänge angeboten werden, mit nem Bier und ner Currywurst an der Versorgungsstation. Kann auch jeder ne Joggingbuchse tragen, kein Problem.

 

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Frühlingsrausch

Ist das ein schöner Frühling?! Ich bin wie im Rausch. Blauer Himmel, Sonnenschein und überall Blüten. Bäume, Blumen, alles trägt Knospen oder steht bereits in voller Blüte.
Ich habe den Frühling schon immer geliebt, aber ich habe das Gefühl, dass es mit jedem Jahr schöner wird. Dieses Jahr ist es jedenfalls so, dass ich ihn noch besser finde, als noch „mehr“ empfinde. Ich finde ja gelegentliche Übertreibungen ziemlich gut und der Frühling ist einfach eine Jahreszeit, die super übertreiben kann. Aktuell jedenfalls deutlich: die Bäume blühen so üppig, dass ich vor jedem stehen bleiben möchte um mir dieses Blütendach anzuschauen. Die Sonne scheint irgendwie so ziemlich jeden Tag (wir hatten schon Sommer, die schlechter waren). Sonnenauf- und -untergänge sind wie von Bob Ross gemalt und die Vögel zwitschern in einer Lautstärke, dass ich mich wundere, ob sie wohl nicht doch irgendwann heiser werden können.

So ist das, das Leben ist einfach zu kurz um nicht mal ab und an anständig zu übertreiben und der Frühling scheint das genauso zu sehen. Ich weiß, ich wiederhole mich – jedes Jahr wieder – aber es ist einfach alles so viel schöner und angenehmer, wenn der Winter vorbei und der Frühling plötzlich da ist. Den einen Tag hatte man noch seine Winterjacke an, am nächsten holt man schon die Ballerinas aus dem Winterschlaf. Morgens und abends ist es noch kalt, aber in der Mittagspause kann man schon die Wärme der Sonne genießen, es gibt erste Schlangen an Eisdielen und bei so einem Wetter ist es viel schöner, ein bisschen Zeit zu vertrödeln, zum Beispiel, in dem man einfach so in der Sonne sitzt. Oder einen Umweg beim Spaziergang macht. Ich finde Zeit vertrödeln auch super gut und völlig unterschätzt. Übertreiben und Zeit vertrödeln sollte man sich gelegentlich auf die Fahnen schreiben. Also regelmäßig gelegentlich. Das mit der Zeit hat die Natur ja nicht so drauf, so ein Jahr vergeht ja mittlerweile – FRÜHER WAR DAS NICHT SO!! – wie im Flug und so ein Magnolienbaum blüht nur gefühlte vier Tage. Immer wenn ich durch Magnolienblüten(matsch) wate, bin ich übrigens ganz froh, keinen Garten mit Magnolie zu besitzen. Ernsthaft: so so so schön. Aber wie viele Blüten hat denn so ein Baum? Hunderttausend?!
Übrigens: sogar als Heuschnupfengeplagte find ich den Frühling weiterhin wunderbar. Lieber Heuschnupfen im Frühjahr als Erkältung im Winter. Erinnert mich vielleicht daran, wenn ich das nächste Mal über juckende Augen jammere.

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Februarfarben: #feesfarbspirale

Der Winter und ich sind keine Freunde, werden es auch nie sein. Dabei ging es dieses Jahr sogar, ich hab ihn mal wieder überstanden. Aber es gibt so Tage, da habe ich halt förmlich das Gefühl, dass mich das Grau erdrückt, die Kälte mich umklammert und ich einfach nur friere und nicht mehr mag. Alles. Diese Dunkelheit, die schweren Klamotten, die kalte Nase.

Als Fee Ende Januar die ersten Hinweise auf ihre Instagram-Challenge #feesfarbspirale (die in meinem Kopf immer erst #feesfarbigerfebruar hieß, man könnte auch #farbigerfeebruar daraus machen, nur so als Hinweis für 2018), da war ich direkt wie angeknipst. Mit ein paar Tagen Vorlauf, bis es dann wirklich am 1. Februar losging, konnte ich schon mal mein Bilder-Archiv durchforsten. Denn es war klar: ich würde nicht jeden Tag spontan die passende Farbe finden. Ein  bisschen Vorarbeit war also nicht schlecht, es war aber auch sehr schön, ein bisschen Zeit im Fotoarchiv zu verbringen und noch mal in Erinnerungen zu schwelgen. Besonders viele Farben konnte ich bei Urlaubsbildern finden und bei den Gedanken an Kroatien zum Beispiel, wurde mir direkt ein bisschen wärmer. Außerdem führte es dazu, dass ich in den Februartagen viel aufmerksamer durch die Gegend lief und die mir noch fehlenden Farben suchte. Was man dabei dann alles entdecken kann! Nicht immer die gewünschten Farben, aber das ist auch nicht so dramatisch gewesen.

Jetzt aber los, hier sind meine Farben:

Silber/grauer gefrorener Rasen, tannengrüner österreichischer Tannenwald, smaragdgrüner kroatischer See und blauer Abendhimmel über Riga.

Dunkelviolette Chucks, das brombeerfarbene Logo meines Sportstudios, ein dunkelroter kroatischer Pfirsich und ockerfarbenes indisches Gewürz.

Einige Bilder hatte ich aus meinem Archiv zusammengesucht, bei anderen Farben habe ich dann spontan gesucht und zum Glück immer was gefunden. Außerdem lief ich viel aufmerksamer durch die Gegend, immer auf der Suche nach einem Farbton. Da findet man sich selbst schon mal ein bisschen durchs Gestrüpp kriechend wieder, weil man glaubt, dort noch ENDLICH was in waldgrün zu finden.

Senfgelbe Platzset-Liebe, olivgrüne Ubahn-Station-Romantik, waldgrünes Efeu und türkise Teller von Freunden.

Azurblaue Zumbaschuhe, hell-lilanes Blümchen, pinke Konzerterinnerung und roter Helm.

Ich kann mich nicht erinnern, mich zuvor so lange am Stück mich so ausführlich mit Farben und Farbtönen auseinander gesetzt zu haben. Natürlich war mir auch vorher schon durchaus bewusst, dass es unterschiedliche Nuancen gibt und ich konnte auch vorher schon orange von apricot und türkis von petrol unterscheiden. Und es gab auch vorher schon Farben, die ich mehr mochte als andere. Ich liebe ja zum Beispiel petrol, die meisten grün- und blautöne und auch senfgelb. Alles, was irgendwie rosa ist, ist dagegen nicht so meins. Aber es war trotzdem nicht unbedingt einfacher, ein Bild für die Lieblingsfarben zu finden. Waldgrün zum Beispiel war richtig schwer, obwohl ich die Farbe sehr mag. Rosa dagegen ziemlich easy.

Orangene Puddinglampe, sonnengelbes Hinweisschild der Hamburger U-Bahn, maigrüner Farn und etwas Deko in mint.

Himmelblauer Chiemseehimmel, zartblaue Perl-Hyazinthe, fliederfarbene Mütze und rosane Kirschblüten.

Ein täglicher Farbspaß: einmal durch die Bild-Übersicht des Hashtags scrollen. Ich war jeden Tag aufs neue begeistert, was für tolle Bilder dort hochgeladen worden sind. Manchmal gab es größere Abweichungen in den Farbtönen – bei den Lila-Tönen zum Beispiel – manchmal ist das Bild sehr einheitlich gewesen. Und was für tolle Motive da gefunden worden sind. Da konnte ich oftmals wirklich nur den Hut ziehen. Neben der vielen Farbe, die an manchem grauen Februar-Tag wirklich ein wahres Highlight war, gab es auch wieder einige tolle neue Instagram-Accounts, die ich für mich entdecken konnte und denen ich seitdem folge. Winwin-Situation also.

Altrosane Garagentore, ein apricotfarbener Sonnenuntergang, zitronengelbe Bananen und meine hellgrüne Küchenschürze.

Und jetzt ist März, ein Hoffnungshauch Frühling liegt in der Luft. Es wurden bereits die ersten Knospen, Krokusse und Schneeglöckchen gesichtet und ja, es gab schon Tage, an denen ich keine dicke Winterjacke mehr an hatte. Zugegeben: meistens habe ich an diesen Tagen sehr gefroren und mich selbst für diesen Übermut verflucht. Egal, ich bin optimistisch, dass es jetzt schöner und draußen im Ganzen auch bunter wird. Der Februar war es schon mal, ziemlich guter Start in den Frühling.

 

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Zwei fürn Hemd

„Zwei fürn Hemd“ sagte die Yogalehrerin auf die Frage, ob man denn auch selbst mal Zuhause den Sonnengruß üben solle. Weil eigentlich ja ne super Sache, aber falsch machen könne man ja sicherlich auch sehr viel und dann wäre ja alles für die Katz.

„Zwei fürn Hemd“, ich frage mich, was für eine weise Metapher das wohl sein mag.

Yoga jetzt also. Dafür hatte ich mich schon länger interessiert, habe allerdings auch festgestellt, dass YouTube-Videos nachgestikulieren nicht so meins ist. Schon allein, weil ich Zuhause eh nichts sportliches auf die Kette bekomme, ich Faulpelz. Ich brauche da einen festen Rahmen, geregelte Abläufe und so. Deswegen bin ich Mitglied eines Tanz- und Fitnessstudios und bin da sehr glücklich mit. Noch glücklicher wurde ich, als dann dort mein Wunsch erhört wurde und seit Ende Januar dort auch eine Yogalehrerin dem Team angehört. Zunächst gab es einen Workshop, dann noch eine Schnupperstunde und jetzt geht es los. Direkt im Workshop war ich überzeugt, dass Yoga genau meins ist. Das hat mehrere Gründe, es hat unter Anderem was mit Atmen zu tun und runterkommen und meinen Körper, der im Regelfall fast den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, mal ein bisschen zu strecken und zu dehnen. In Stunde Zwei löste sich eine Blockade in meiner Halswirbelsäule, die mich seit Tagen quälte. Was für eine Befreiung. Ich bin ein glückliches Mädchen.

Glücklicherweise wird im Kurs auch viel gelacht, es hat keinerlei „Traumfänger“-Anmutungen, die Yogalehrerin hilft jedem, sagt auch mal Scheiße, findet es völlig normal und natürlich, dass man nicht alles sofort super hinbekommt und ist gelegentlich ziemlich inspirierend. 

Aber zwei fürn Hemd? Zum Glück fiel mir des Rätsels Lösung ein, bevor ich nachgefragt habe. Zwei fürn Hemd. 

Zweifeln hemmt. Keine weise Metapher, aber trotzdem sehr richtig und passend.

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