me, myself & I

Erbstück

Ich habe Zimtschnecken gebacken und dabei an meine Oma gedacht. Als ich Kind war,  haben wir in ihrer Küche zusammen Hefezöpfe gebacken. Eigentlich war ich so gut wie immer entweder in ihrem Garten oder in ihrer Küche. Von ihr habe ich meine Liebe zum Backen und Kochen geerbt, definitiv. Die Hände in Kuchenteig versenken, Gemüse schneiden, Gewürze riechen. Das Gespür für Lebensmittel, für ihren Geschmack und wie sie verarbeitet werden können.

Bei meiner Oma konnte man früher immer unangemeldet vorbeikommen, sie hat es geschafft, jeden satt und glücklich zu machen. Aus zweieinhalb Zutaten konnte sie ein ganzes Gericht improvisieren und alles, was sie einem vorsetzte, schmeckte. Das lag natürlich zum einen daran, dass sie die meisten Zutaten frisch aus ihrem riesigen Garten holte und zum anderen daran, dass sie es gewohnt war, für viele zu kochen und aus wenigen Dingen viel heraus zu holen. Nicht zu vergessen, die Extraportion Liebe und ihre Nerven aus Stahl. Vermutlich ist es so, dass Omas diese Gabe haben, extra viel Gelassenheit und natürlich viel weniger streng sind als bei ihren eigenen Kindern. Ich jedenfalls habe die Zeit in der Küche meiner Oma und mit ihr geliebt.

Ich habe selbst keine Kinder, wer weiß, ob ich jemals welche haben werde. Aber ich habe ausreichend Freunde und viele Kinder in meinen Freundeskreisen, so dass ich zumindest die „Tante“ werden kann, bei der immer alle gerne vorbei kommen und wo man sich wohl fühlt und die mit den Kindern backt und kocht. Irgendwie finde ich diesen Gedanken sehr schön, diese Lebensart und dadurch auch ein bisschen sie selbst weiter zu leben und zu geben.

Wenn ich heute in meiner Küche stehe und koche oder backe, dann denke ich fast immer an meine Oma. Die kocht heute nicht mehr, weil sie mittlerweile so dement ist, dass sie das nicht mehr kann. Ich denke aber an sie und überlege manchmal auch, wie sie das wohl gekocht hätte und wie ihr die Dinge schmecken würden. Meine Zimtschnecken würde sie lieben, denn diese Liebe zu süßem Hefegebäck, die hat sie mir auch weiter vererbt.

Advertisements
Kategorien: me, myself & I | Ein Kommentar

7 Jahre Dortmund

Schon wieder ein Jahr herum, wieder jährt sich mein Umzug nach Dortmund. Manchmal bin ich selbst erstaunt, dass es „erst“ sieben Jahre her ist, es kommt mir länger vor. Ich glaube, das ist ein ganz gutes Zeichen. Auch wenn ich Bielefeld noch regelmäßig vermisse und von dem ständigen Gefühl begleitet werde, zu selten dort und bei meiner Familie und meinen Freunden zu sein.

Michael hat neulich über Heimat geschrieben. Da habe ich dann sehr lange drüber nachgedacht. Heimat. Was ist das für mich? Dass es die Kleinstadt ist, in der ich aufgewachsen bin, das habe ich schon vor langer Zeit für mich ausgeschlossen. Bielefeld, die Stadt, die mich so geprägt hat? Oder Dortmund, wo ich jetzt lebe und nicht mehr wegziehen möchte? Nach einigen Stunden auf dem Sofa, im Stau, in der U-Bahn oder während Planking-Übungen beim Sport, in denen ich über Heimat nachgedacht habe, kam ich zu folgendem Ergebnis: Heimat ist für mich kein Ort. Kein fester Ort. Heimat ist überall dort, wo ich mich „heimisch“ fühle. Und das liegt meistens an den Menschen um mich herum, oder es sind besondere Orte, zum Beispiel mit schönen Erinnerungen. Heimat ist für mich, mit meiner Familie am Esstisch zu sitzen, Heimat ist für mich der Siggi in Bielefeld. Heimat ist meine Wohnung, natürlich. Heimat ist mit Freunden Sushi zu essen. Heimat ist mit dem Patenkind Zeit zu verbringen. Heimat ist am Bergmannkiosk ein Feierabendbier trinken. Heimat ist, in seinen Armen einzuschlafen. Und manchmal sind es auch Erinnerungen oder Musik. Die Nächte (und Tage) früher im Mellow Gold zum Beispiel, das empfinde ich als Heimat.

Dinge ändern sich. Städte ändern sich. Menschen ändern sich. Ich habe mich in den letzten sieben Jahren mit Sicherheit verändert. Und das ist gut so und fühlt sich richtig an. Veränderungen, Entwicklungen sind wichtig und schon immer ein Teil von mir. Die Wohnortwechsel gehörten dazu und ich habe bisher keinen bereut. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, das jemals zu bereuen. Ich bin glücklich hier und ich trage eine Menge Heimat in mir. Und Dortmund hat mir auf jeden Fall dabei geholfen, dass das so ist.

Kategorien: Hometown Blues, I hope, I think, I know, me, myself & I | 2 Kommentare

1997

Neulich erinnerte mich ein Artikel bei Facebook daran, dass im Jahr 1997 ein paar wirklich tolle Alben auf den Markt kamen. Urban Hymnes von The Verve zum Beispiel. Die Be Here Now von Oasis. Tellin Stories von The Charlatans. Großartige Dinger.

1997. Da war ich 15, trug Schlaghosen aus Cord, Doc Martens, trank das erste Mal Alkohol, wohnte in einer Kleinstadt – direkt neben Bielefeld und doch ohne Führerschein und Auto quasi unerreichbar – und fing an, mich ernsthaft in Musik zu verlieben. Mit 15 verliebt sein ist nie ganz einfach. In Musik verliebt zu sein, die abseits vom Mainstream ist, ist dann aber wirklich sehr schwierig. 1997 gab es in dem Haushalt, in dem ich lebte, noch kein Internet, das kam erst etwas später und dann wurde streng überwacht, dass man nicht zu lange surfte, weil eine viertel Stunde tagsüber im Netz surfen etwa so teuer wie ein Kleinwagen war. Musikfernsehen war bei mir ebenfalls Fehlanzeige. Wir hatten ja nichts. Was also tun, wenn man 15 ist, abgeschieden und gefühlt ewig weit entfernt von der Großstadt wohnt und es nur zeitweise mal einen Plattenladen in der Stadt gibt?

Ich hatte so ein Glück. Denn ich wurde 1997 15 und meine Schwester wurde 18. Volljährig. Führerschein. Hallo Welt. Hallo Musikwelt. Noch größeres Glück hatte ich damit, dass sie es war, die mir diese Musikliebe überhaupt vorgestellt hatte. Sie nahm mich mit, sie brachte mir mit, sie lieh mir aus.

Was diese Musikliebe mit mir und meinem Leben machte? Folgendes:

  1. Ich gebe Geld für Musik aus. Hauptsächlich für Konzerte, aber auch für CDs und Schallplatten. Möchte ich ausrechnen, wie viel? Lieber nicht.
  2. Die Tonträger nehmen Platz weg. Erklärt sich von selbst, oder?
  3. Ich wirke gelegentlich wie ein kleiner Nerd, vor allem wenn ich auf meinen Musikgeschmack angesprochen werde.  Oder wenn jemand mitbekommt, dass ich auf ein Konzert oder Festival gehe und fragt, wer dort spielt. Meistens antworte ich eher ausweichend, weil ich im Regelfall folgende Reaktion erhalte: „Nie gehört, kenn ich nicht. Was ist denn das? Ist das so Rock?“ Und Musik ist irgendwie sehr schwer zu erklären. Vor allem, wenn man weiß, dass das Gegenüber auch vergleichbare Bands nicht kennt. Tjaja, so Gitarrenmusik. Dings.
  4. Ich ertrage deutsches Radio nicht und liebe das Internet und britische Radiosender. Hallelujah.
  5. Sätze wie „wir wollten mal was neues ausprobieren“ sind wie Folter für mich.
  6. In meiner Freizeit sortiere ich „Diverse“-Fächer in Plattenläden um und stelle Alben nach vorne, die meiner Meinung nach auf jeden Fall mehr Beachtung finden sollten.

20 Jahre später trage ich keine Cordschlaghosen mehr – weil ich keine mehr finde – und auch sonst hat sich einiges geändert. Das Internet macht es einfacher für mich, Musik zu hören und zu entdecken, außerdem kann ich mit der Ubahn zu Konzerten und Plattenläden fahren. Es ist also leichter für mich, Musik zu konsumieren, aber gleichzeitig fällt es mir schwerer, begeistert zu sein. Das habe ich hier ja auschon einige Male thematisiert, dass es mir schwer fällt, „neue“ Bands zu finden. 1997, da kaufte ich CDs ohne Ende, wir brannten sie uns gegenseitig, wir Raubkopierer. Noch heute stehen etliche CDs in meinem Regal, die aus diesem Jahr stammen. Und wir nahmen uns auch noch Kassetten auf. Mixtapes, die wir dann im Auto hörten, bis das Band leierte. 1997, Cordschlaghosen, Musik, Mixtapes. Wie könnte ich diese Zeit nicht doch auch ein bisschen vermissen. Zum Glück ist ein bisschen was von der Zeit ja hängengeblieben, im Ohr und im Herz.

Kategorien: me, myself & I | 7 Kommentare

Pottspot: Mitternachtsführung im Dortmunder Zoo

Ich mag den Zoo! Grundsätzlich. Den Dortmunder Zoo auch und da war ich auch schon einige Male. Ich freue mich auch darüber, dass man hier momentan einige Gehege umbaut und vergrößert- auch wenn es bedeutet, dass einige Tiere derzeit „ausgelagert“ worden sind. Bei meinem letzten Besuch habe ich aber sowieso nicht erwartet, alle Tiere zu sehen, denn ich war nachts da. Genauer gesagt: zur Mitternachtsführung.

Führungen am Abend werden regelmäßig angeboten, die um Mitternacht aber – wenn ich das richtig verstanden habe – nur einmal im Jahr. Um 23:30 Uhr geht es los, die rund 120 wartenden Leute bekamen alle ein Knicklicht fürs Handgelenk und wurden dann noch mal in drei oder vier kleinere Gruppen aufgeteilt. Unser Guide sammelte uns dann hinterm Eingang noch mal, erzählte, was uns so erwarten wird und dann gingen wir los. Im Dunkeln. Stockfinster ist es im Zoo nicht, da brennen schon noch einige Lampen, aber man braucht schon eine Weile, um die Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen.

mde

Wie man sieht: ich habe keine Kamera für nächtliche Aufnahmen. Und selbst wenn, dann hätte ich wohl dazu ein Stativ aufbauen müssen und dafür ist während so einer Führung einfach keine Zeit. Und das ist ja auch nicht der Sinn dabei. Da soll man sich auf die Tiere konzentrieren. „Und bitte tretet nicht auf Frösche oder Lurche.“ Na gut. Konzentrieren wir uns mal, wenn ein Sinn eingeschränkt ist, dann funktionieren die anderen ja angeblich besser. Also hören wir, und wir riechen die Tiere. Der Guide sagt, er kann in einigen Zoos schon am Eingang bestimmte Tiere mit extremen Geruch herausriechen. Der Mähnenwolf ist so ein Tier. Sieht aus wie eine Mischung aus Reh und Wolf, ist ein eher kuschliges und liebes Tier und stinkt. Wo Licht ist, ist halt auch Schatten. Ach ja, Schatten. Erwähnte ich schon, wie dunkel es nachts im Zoo ist?

Einige Tiere sehen wir trotzdem, zumindest im Lichtkegel der Taschenlampe des Zooführers. Der ist tagsüber übrigens Biologiestudent und erzählt zwischendurch ein paar wissenswerte und auch unterhaltsame Dinge über Tiere. Am liebsten hätte ich mir alles aufgeschrieben, weil ich so schnell alles vergesse und durcheinanderbringe, wenn ich es nicht aufschreibe. Aber zum Glück werden wir ja am Ende nicht nochmal abgefragt.

Was wir für Tiere gesehen haben? Den kleinen roten Panda – nicht. Der hat sich versteckt. Dafür Kängurus, einen schlafenden Jaguar und Pinguine

oznor

Und dann waren wir noch im Tropenhaus, haben den Hintern von Helene, dem Plumplori angeschaut, ein bisschen auf ein Tapir geguckt und uns dann aber kollektiv von den Orang Utans ablenken lassen. Die wollten eigentlich gerade schlafen gehen, haben aber noch mal aus dem Bett geschaut. So! Toll!

oznor

Orang Utan-Kind Yenko und seine Ziehmama sind unglaublich herzig, aber halt auch schon müde und lassen sich auch nicht mehr mit Nüssen anlocken. Ist schon ok, ich stehe ja auch nicht mehr auf, wenn ich mal im Bett liege. Fast hätten wir übrigens gedacht, dass wir auch da übernachten müssen, weil wir auf dem Weg wieder raus feststellen mussten, dass die Tür mittlerweile wieder abgeschlossen worden ist und unser Guide leider keinen Schlüssel hatte. Glücklicherweise – oder doch leider??? – gibt es mehr als nur einen Ausgang und so konnten wir dann doch wieder raus. Vorbei an den Seelöwen und Robben, die 24/7 und vor allem in den Sommermonaten Krach machen. Das ist schon ein Argument gegen eine zoonahe Wohnung. Falls da mal jemand drüber nachgedacht hat. Der Guide berichtet, dass die Seelöwen und sogar deren Tierpfleger regelmäßig Morddrohungen erhalten und die Reaktion ist dann vielleicht doch ein bisschen drüber. Ohren auf bei der Wohnungswahl.

Zum krönenden Abschluss unserer Tour durften wir noch zu den Nashörnern ins Innengehege, geschützt durch ein paar Betonpfeiler, durch die Menschen passen würden, Nashörner aber nicht.

oznor

Nashörner sind überraschend nette Tiere, sie sind halt nur so gefährlich, weil sie erstmal alles platt trampeln und dann schauen, ob der „Gegner“ wirklich gefährlich war. Wenn so ein 2000 Kilo-Koloss ins Laufen kommt, dann stoppt der nicht eben mal, das wäre ja auch bestimmt nicht gut für die Knie. Ich wünschte mir, sie würden ein paar Wilderer überrennen, aber das passiert wohl eher selten. Tatsächlich fangen die Zoos an, ihre Nashörner besser gegen Einbruch zu sichern, weil das Horn auf dem Schwarzmarkt so viel Geld bringt, dass mittlerweile sogar in europäischen Zoos diese Tiere nicht mehr sicher sind.

In dieser Nacht passten wir ja aber ein bisschen auf die Nashörner auf und taten ihnen sogar noch einen Gefallen: wir streichelten sie. Trotz ihrer dicken Haut, liebten die Nashörner ihre Streicheleinheiten und stellten sich zum Teil sogar so hin, dass wir sie besser erreichen konnten. Nashörner fühlen sich rauh und hart an, ledrig natürlich, staubig, ein bisschen warm. Schwierig zu beschreiben, aber eins steht fest: es macht sehr sehr glücklich. Nashörner streicheln. Ich hätte es am liebsten noch umarmt, aber dafür sind das dann doch zu sperrige Tiere. Und vielleicht hätte ich dann auch noch Hausverbot bekommen.

Ich habe nicht genau auf die Uhrzeit geachtet, aber die ganze Führung hat mindestens anderthalb, eher zwei Stunden gedauert. Wir haben ein paar tolle Momente mit den Tieren gehabt, sie mal ganz anders wahrnehmen können und das Nashorn streicheln war dann das absolute Highlight. Vielleicht komm ich nächstes Jahr wieder. Ganz sicher aber habe ich wieder einige Tiere mehr in mein Herz geschlossen und eine Menge gelernt.

Ich habe ein Nashorn gestreichelt. Unglaublich gut.

Kategorien: Hometown Blues, me, myself & I, Pottspots | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.