I hope, I think, I know

Die Antiquitäten der Zukunft

Neulich bin ich mit dem Auto von der Arbeit nach Hause gefahren, das kommt gelegentlich vor. Ich stand an einer Kreuzung, leider länger als nur eine Ampelphase, das kommt auch vor, zumindest zur Feierabendzeit. An der Kreuzung ist ein Antiquariat und ich fing an, darüber nachzudenken. Wird es wohl in hundert oder hundertfünfzig Jahren noch Antiquariate geben? Und wenn ja, was kann man da kaufen?

Ich habe da ein sehr klares Bild vor Augen, ganz sicher wird es eine wunderbare Auswahl sein: Weckgläser-Vasen, Milchaufschäumer, Regale aus Weinkisten, Sukkulenten, irgendwas aus Kupfer oder Beton, Billyregale und überhaupt sehr viele skandinavische Möbel, diese Lightboxes mit Buchstaben, Schieferplatten, Glühbirnen, Limonaden-Gläser mit Deckel, Buddhaköpfe, Eames DSW-Stühle, Pandora-Armbänder, digitale Bilderrahmen, Webergrills, schwarz-weiße Läufer mit geometrischen Mustern, Playstations, iPhones, mit LED-Leisten beleuchtete Möbel, Bilder mit „do more of what makes you happy“-Aufdruck, „made with love“-Stempel, Home-Schriftzüge aus Holz…

Kurzer Einschub: woher kommt dieser Zwang, alles zu beschriften? Poster mit mehr oder weniger sinnvollen und/oder lustigen Sprüchen, beschriftete Kaffeetassen („coffee“), beschriftete Seifenspender („soap“), beschriftete Kissen („Home“ oder „relax“). Nichts bleibt erspart, alles wird bedruckt. Vielleicht sind manche Leute aber auch mittlerweile so dumm, dass sie eine Beschriftung der Dinge brauchen.

Ob unsere Urgroßeltern mal darüber nachgedacht haben, dass ihre Möbel irgendwann als „vintage“ und aufpoliert wieder an Liebhaber verkauft werden? Gab es damals auch schon Antiquariate und wenn ja: was hat man da gefunden? Wann wurde das erste Antiquariat eröffnet?

Jede Ampelphase hat ein Ende, sogar im Feierabendverkehr. Aber wenn ich jetzt durch Geschäfte laufe, dann stell ich mir vor, wie in 100 Jahren jemand nach Harry Potter-DVDs oder Coffee To Go-Bechern sucht und sich möglicherweise mal wie Bolle freut, wenn er mein Apfelkissen in einem Vintageshop findet. Das gefällt mir.

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opium fürs volk

2017 läuft, der Januar verging ähnlich schnell wie das vergangene Jahr. Sprich: zack, vorbei. So richtig super läuft es nicht. Die Nachrichten verfolgen ist ja selten amüsant, aber aktuell macht es noch weniger Spaß als sonst.

Trotzdem, bisher ärgert mich einiges, bei anderen Dingen bin ich (verhalten) optimistisch, eine Menge perlt an mir ab. Es braucht einiges, um mich aus der Fassung zu bringen. Tatsächlich war ich selbst etwas überrascht, als mich dann ein kurzer Radiobeitrag am Morgen fast zum eskalieren brachte. Nichts über den amerikanischen Präsidenten, nichts über deutsche Populismus-Parteien, nichts über humanitäre Katastrophen. Tatsächlich war es ein vergleichbar harmloser Beitrag darüber, dass die katholische Kirche es geschiedenen und dann aber wieder verheirateten Mitgliedern nun erlauben möchte, wieder an der Kommunion (das Pendant zum evangelischen Abendmahl) teilzunehmen, wenn – man höre und staune – man zuvor mit einem Seelsorger spricht.

A. L. T. E. R.

Dazu muss man wissen: wer sich als katholischer Mensch scheiden lässt, der darf zwar weiterhin am Gottesdienst teilnehmen, die Hostie, also die heilige Kommunion und damit der wichtigste heiße Schice der katholischen Kirche, bekommt er/sie offiziell aber nicht mehr ausgehändigt.

Davon abgesehen, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass tatsächlich ein Pfarrer im Zweifel zunächst irgendwelche Gerichtsbeschlüsse durchblättert und sogar eins seiner Schäfchen in den immer leerer werdenen Kirchen bei der Verteilung der Hostien wegschickt. Also davon mal abgesehen, ist das meiner Meinung nach einfach nur eine Frechheit und ich bin zum wiederholten Male froh, dass ich vor einigen Jahren aus der Kirche ausgetreten bin. Schon die Tatsache, dass man als geschiedene Person in der katholischen Kirche so zweitklassig behandelt wird. Anstatt zu sagen „da ist eine Person, der es möglicherweise schlecht geht, die Hilfe braucht, die eine wirklich schwierige Zeit hinter sich hat…wie schön, dass sie dennoch in den Gottesdienst kommt, jetzt zeigen wir mal, wie gut sie bei uns aufgehoben ist“ ist die katholische Kirche da ja eher so der Typ „BÄH, du  Hexe, komm uns lieber nicht zu nah!“ Kundenbindung sieht in meinen Augen anders aus, aber da scheiden sich ja die Geister.

Wie großzügig, ein erneut verheiratetes Gemeindemitglied dann doch wieder in die goldene Mitte aufzunehmen. Nach einem Gespräch mit einem Seelsorger. Mit einem SEELSORGER! Ich komme auch bei längerem Nachdenken nicht darauf, warum das Gespräch mit einem Seelsorger stattfinden soll, haben die nicht genug anderes zu tun, zum Beispiel Gespräche mit frisch geschiedenen Menschen führen, die sich gerne ihren Kummer und ihr Leid von der Seele reden möchten, weil sie a) frisch geschieden sind und dann noch b) von der Kirche wie Aussätzige bzw. Menschen zweiter Klasse behandelt werden? Ich denke darüber nach, wie ein Gespräch zwischen Seelsorger und erneut verheiratetem Katholik ablaufen mag und irgendwie führt es in meinem Kopf immer zu einem eher absurden Ende. Wenn man sich dann noch Gedanken darüber macht, dass ein paar alte, angeblich abstinent lebende, Säcke diese Dinge bestimmen und sich jetzt vermutlich selbstgefällig das Bäuchlein streicheln, weil sie diesen ach so liberalen Erlass durchgerungen haben, dann kommt mir die Kotze hoch. Tatsächlich bin ich fest davon überzeugt: Jesus würde sich im Grabe umdrehen. Wäre er nicht wieder auferstanden. Denn der wirkte rückblickend jedenfalls ein bisschen lässiger als die hohen Würdenträger der heutigen katholischen Kirche.

2017 ist also das Jahr, in dem ich schon an einigen Tagen ob der globalen – und auch nationalen – Lage gezweifelt habe, ich auch einige Male wütend über Sexismus und anderen Spökes war, aber nur die katholische Kirche schaffte es bisher, mich so richtigrichtig aus der Fassung zu bringen. Bitte jeder nur ein Kreuz. Jehova! Jehova! Danke. Bitte. Amen.

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Pottspot: Bittermärker Wald

Neujahr, unverkatert, Sonnenschein. Eine gute Gelegenheit für einen etwas ausgedehnteren Spaziergang. Für lange Fahrten hatten wir zu lange geschlafen und es wird dann ja im Januar auch immer noch recht früh dunkel, aber in Dortmund gibt es ja ausreichend schöne Ecken zum spazieren gehen. Auch noch welche, die wir noch nicht kennen.

Die Bittermark ist ein Stadtteil im Dortmunder Süden, der gefühlt nur aus dem Waldstück besteht. Früher war es zudem noch Zechenstandort, was dazu geführt hat, dass dort auch noch ein bisschen unkontrolliert und schwarz nach Kohle gegraben wurde, was dann widerum dazu geführt hat, dass man im Wald der  Bittermark an jeder Ecke darauf hingewiesen wird, dass es lebensgefährlich ist, die offiziellen Wege zu verlassen. Das soll man ja im Wald eh nicht, aber bei der Vorstellung, auf einer Art Schweizer Käse zu laufen, möchte ich das auch direkt noch weniger.

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Natürlich ist man mit so einer Idee an einem solchen Tag nicht alleine, daher begegneten uns eine Menge weiterer Spaziergänger, mit und ohne Hunden, Jogger, Mountainbiker und sogar ein paar Reiter auf ihren Pferden. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass der Wald irgendwie „überlaufen“ ist und ich lieber woanders wäre.

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Als Kind bin ich am Waldrand aufgewachsen und niemals nie hätte ich es damals für möglich gehalten, dass ich mal freiwillig an Neujahr durch den Wald laufe. Obwohl ich mich auch nicht erinnern kann, dass ich zu klassischen Sonntagsspaziergängen gezwungen wurde. Aber der Wald war halt immer da, ich war da auch regelmäßig zu finden, er war selbstverständlich und nichts besonderes. Wenn ich heute – gerne! – in Wälder gehe, dann nehme ich ihn ganz anders wahr. Die Farben, die Schattenspiele der Sonne, die einzelnen Bäume, andere Pflanzen. Diese Luft, das Licht, der Geruch von Erde und Holz. DIESE RUHE! Es ist möglicherweise halt einfach doch das Alter. Ist mir auch egal. Ich mag den Wald.

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Im Wald der Bittermark steht ein Mahnmal, welches an die Ermordung von fast 300 Zwangsarbeitern und Widerständlern an dieser Stelle kurz vor Ende des 2. Weltkrieges erinnert. Es bietet sich sicherlich immer an, bei einem Spaziergang auch dort vorbeizugehen, bei der allerersten Runde durch diesen Wald sowieso.

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Ich werde hier nur selten politisch, aber in Zeiten wie diesen sollte jeder zu einem solchen Mahnmal gehen, mal einen Moment inne halten und darüber nachdenken, wie es soweit kommen konnte. Und ob man gewillt ist, dass sich die Vergangenheit wiederholen könnte. Vielleicht war Neujahr auch genau der passende Tag dafür. Und immerhin ist der Wald ein Gebiet, das immer auch ein bisschen Hoffnung verbreitet.

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Hoffnung, dass der Frühling bald kommt. Und Hoffnung auf ein friedliches und gutes Jahr 2017.

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2017

Am Silvestermorgen lag ich wach im Bett, dachte über das Jahr nach und überlegte, wie das nächste wohl so werden wird. Vorsätze? Das übliche: weniger Kuchen und mehr Zimtschnecken. Mehr Bewegung und mehr faulenzende Pausen mit Nichtstun. Und dann noch mehr Musik, mehr Aufmerksamkeit, mehr Respekt, weniger Stress und Hektik. Nichts Neues also, vermutlich halte ich bis ungefähr zum 4. Januar durch. Gibt schlimmeres. Was immerhin schon geklappt hat: eine Verabredung, um Zeit mit Freunden zu verbringen, Stunden auf dem Sofa mit meinem Spotify Mix der Woche und ein langer Spaziergang ohne Blick aufs Smartphone. Dafür startete das Jahr mit einem Bissen der schokoladigsten Geburtstagstorte aller Zeiten, die vermutlich in keinem Diätratgeber zu finden ist. Vielleicht ist das aber auch nur ein Zeichen dafür, dass das Jahr besonders gut wird.

Das schönste am Jahreswechsel ist übrigens fast für mich, dass jetzt nach den vier Adventssonntagen, Weihnachten, Silvester und Neujahr endlich wieder eine Zeit anbricht, in der man nicht in seinen WhatsApp-Gruppen mit Videos, Bildern und Nachrichten überflutet wird. Dabei mag ich diese Gruppen eigentlich sogar – seit ich sie komplett auf stumm gestellt habe – denn ich finde sie durchaus praktisch und zeitweise amüsant. Bei dieser Flut allerdings kapituliere ich dann doch und habe mit Sicherheit in der ein oder anderen Gruppe vergessen, auf den ein oder anderen guten oder gutgemeinten Wunsch zu antworten.

Egal. Während man im Dezember noch damit beschäftigt ist, auf Weihnachtsfeiern zu tanzen, Geschenke zu besorgen und hemmungslos Glühwein auf sämtlichen Weihnachtsmärkten der Region zu trinken, ist der Januar also eher ein bisschen ruhig. Es gibt Leute, die damit nicht sonderlich gut umgehen können, ich versuche, das beste aus dem Januar (und Februar) zu machen. Jetzt ist Januar, der Monat mit den vielen Rechnungen, mit tendenziell eher nicht so hübschem Wetter, wenn die Hose nach Weihnachten ein bisschen kneift, man sich den Sommer herbeisehnt und Pläne schmiedet. Das mit den Plänen mache ich zumindest so. Reiseziele suchen, nach Unterkünften und Flügen schauen, Ausflugsziele festlegen, träumen. Dafür ist der Januar schon ganz gut geeignet. Außerdem fürs Aufräumen und Ausmisten – wenn man die Weihnachtsdeko wegräumt ist da ja die Hälfte schon geschafft.

Vorsätze halte ich nicht ein, Pläne schmieden und ein bisschen rumträumen passt viel besser zu mir. Und dazu gehört auch wünschen und hoffen. Für 2017 wünsche ich mir viel Spaß, ein paar Abenteuer, etliche Ausflüge, Entdeckungen, neue Dinge (im nicht-materiellen Sinne), das richtige Maß an Langeweile, Bewegung, Wärme, mindestens einmal im Meer schwimmen, Genuss, Geduld und immer sehr viel Zeit für Freunde und Familie. So ist das. Die Optimistin in mir ist sich sicher, dass 2017 ein zauberhaftes Jahr wird. Und die Faulenzerin bleibt einfach auf dem Sofa liegen und wartet ab. Wie üblich.

 

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