Bom Dia, Lisboa – Touriziele

Jede (größere) Stadt hat ihre Touristen-Magnete. Die Orte, die jeder Reiseführer und jedes Pinterest-Board vorschlägt und die man mit direkt mit dem Namen der Stadt verbindet. Und natürlich fahre ich dann auch mal vorbei, wenn ich schon da bin und schau mir das dann an. In Brüssel war ich am Atomium, in Trier bin ich an der Porta Nigra vorbeigelaufen und hab es für eine schäbige Mauer gehalten, in London am Big Ben.

Und in Lissabon? Die Stadt ist zum Beispiel berühmt für ihre alten, museumsreifen Straßenbahnen „Electrico“, am bekanntesten ist die Nummer 28, die eine kleine Stadtrundfahrt macht. Daher ist sie bei Touristen sehr beliebt, bei Taschendieben wohl allerdings ebenso. Wir sind tatsächlich auch einmal ein Stück mit ihr gefahren und dann noch ein zweites Mal mit einer anderen Linie. Das ist schon ein bisschen abenteuerlich und sehr erstaunlich, wie die Bahnen sich durch die kleinen und vor allem steilen Gassen quälen. Überraschenderweise schaffen sie das trotzdem immer.

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Mit dieser Tram kann man zum Beispiel bis zu einem der Miradouros fahren, die zahlreichen Aussichtspunkte mit Mini-Parks in Lissabon. Die Stadt ist auf mehrere Hügel gebaut, von oben hat man immer einen tollen Ausblick. Der höchstgelegende ist der Miradouro da Senhora do Monte, persönlich noch fast viel besser hat mir der Blick allerdings vom Miradouro da Graca gefallen. Hier hat man zum Beispiel einen super Blick auf das Castelo de Sao Jorge – direkt ein weiterer Touristenmagnet.

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Ein weiterer ganz anderer Miradouro ist übrigens die Aussichtsplattform vom Elevador de Santa Justa, einem Fahrstuhl, der zwei Stadtteile miteinander verbindet. Auch von dort hat man einen traumhaften Ausblick und ist dabei noch mitten in der Stadt. Ob man sich die Fahrt damit dann wirklich gönnt, sei jedem selbst überlassen. Das ist jetzt meiner Meinung nach nicht etwas, was man unbedingt erlebt haben muss.

Viel besser gefallen hat mir die Christo Rei-Statue auf der anderen Seite des Tejo, und einen tollen Ausblick gibt es da auch noch dazu. Wir sind mit dem Linienbus über die Hängebrücke, die „kleine Schwester der Golden Gate-Bridge“ gefahren, alleine dafür lohnt sich der Ausflug schon. Dann ein kleiner Spaziergang und schon ist man an der Statue. Nebenan ist ein Kloster, über Lautsprecher werden sakrale Gesänge verbreitet an der Statue selbst ist auch eine Kapelle, so richtig besinnlich ist das da aber alles nicht. Dafür laufen da viel zu viele Menschen herum. Und es gibt einen großen etwas gruseligen Souvenir-Shop, der einen mit Heiligenfiguren förmlich überflutet. Ein schöner Ort ist es trotzdem im Ganzen, absolut lohnenswert und beeindruckend.

cofZurück sind wir dann übrigens mit der Fähre gefahren und haben damit dann auch glaube ich jedes öffentliche Verkehrsmittel (außer Tuk Tuk) in Lissabon genutzt. Nach Belém sind wir mit einer Art Regionalexpress gefahren, ein Zug entlang des Tejo-Ufers, und natürlich haben wir da Pasteis del Nata gegessen. Davon aber demnächst mehr. In Belém haben wir uns nämlich auch noch ein paar Sehenswürdigkeiten angeschaut. Zunächst das für mich etwas fragwürdige Entdecker-Denkmal Padrao dos Descobrimentos.

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Von dort aus kann man wunderbar zur Brücke und zur Christo-Statue schauen. Rein von der Optik her ist das ein wirklich cooles und beeindruckendes Denkmal, es zeigt verschiedene portugiesische Entdecker, Könige, Seefahrer, Missionare und Naturwissenschaftler der Vergangenheit. Auf dem Boden davor eine Seerose und eine Weltkarte mit den ehemaligen portugiesischen Kolonien. Und da wird es dann ja etwas fragwürdig. Ein Denkmal für die eigene Kolonialgeschichte? Ist das wirklich etwas, worauf man so stolz sein sollte? Für mich bekommt sowas dann doch einen faden Beigeschmack, trotzdem kann man nicht leugnen, dass es ein imposantes Denkmal ist. Außerdem liegt es auf dem Weg zum Torre de Belém.

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Der einst als Leuchtturm gebaute Turm gehört zum Weltkulturerbe und ist wohl mit das bekannteste Wahrzeichen von Lissabon. Entsprechend lang war die Schlange, daher haben wir gerne auf eine Besichtigung verzichtet und stattdessen lieber davor auf einer Mauer die Sonne genossen. Das ist dann richtig Urlaubsgefühl, auch während einer Städtereise. Ein bisschen am Wasser sitzen ist ja immer gut, selbst wenn man sich den Platz mit anderen Touristen teilen muss.

Es gibt noch weitere sehr schöne Sehenswürdigkeiten und auch schöne eher unbekanntere Orte in Lissabon. Die LX Factory kann ich jedem ans Herz legen und natürlich auch die Markthalle. Am meisten fühlen kann man die Stadt aber außerhalb der Hotspots, wenn man sich einfach nur durch die Straßen treiben lässt. Und das kann man in Lissabon ziemlich gut. Zeig ich euch demnächst noch weiter, dann gibt es Kacheln und Streetart oder sogar beides.

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Rant des Monats: Deutscher Radiopop

Möglicherweise erwähnte ich es schon: mein Leben ist schöner, seit ich Zuhause ein internetfähiges Radio benutze und mir morgens die Zeit in Bad und Küche mit einem Sender vertreibe, die Musik spielt, die mir gefällt.

Viel schlimmer ist es, wenn ich mal das „normale“ Radio anschalte. In NRW geht es einem mit dem WDR wahrscheinlich noch vergleichsweise gut, aber im Grunde frage ich mich häufig, warum es überhaupt verschiedene Sender gibt, wenn doch auf allen ungefähr die gleiche Grütze läuft. Grob gesagt finde ich fast alles davon scheiße, aber speziell deutscher Radiopop lässt mein Gehirn schmelzen. Diese Melange aus Revolverheld, Andreas Bourani, Lea, Johannes Oerding, Silbermond, Mark Forster und Konsorten. Irgendwie klingt alles gleich. Alles gleich furchtbar. Belangloser Heul-Pop. Und die Texte! Dass die sich nicht die ganze Zeit schämen…Kleine Kostproben gefällig? Bitte sehr:

Ich würde meine Lieblingsplatten
Sofort für dich verbrennen
Und wenn es für dich wichtig ist
Bis nach Barcelona trampen

(Revolverheld)

Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Platten für jemand anderen verbrennen? Warum nicht gleich Bücher? Und das mit Barcelona hinterlässt auch eher nur Fragezeichen in meinem Kopf.

Es gibt nichts, was mich hält, Au Revoir

Vergesst, wer ich war
Vergesst meinen Nam‘

(Mark Forster)

Hauptsache es reimt sich, scheiß auf Silben. Das meiste nuschelt man sich ja eh so weg.

Lieber Wolke vier mit dir als unten wieder ganz allein

(Philipp Dittberner & Marv)

Der traurigste Satz aller Zeiten.

Ich könnte jetzt hier noch sehr sehr viele Beispiele anbringen, das sprengt aber den Rahmen. Was ich aber noch hinzufügen möchte: ich habe für diesen Rant sehr viele Songtexte gelesen. Wirklich viele. Denn häufig verstehe ich akustisch gar nicht so richtig, was da im Radio gesungen wird. Bei Jupiter Jones „Stille“ verstehe ich zum Beispiel immer „Als Stille bei uns wohnte anstatt Bier“ und ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin. Als Stille bei uns wohnte anstatt dir. Wer ist denn dieser Stille und warum ist er ausgezogen? Und hat er Bier dagelassen? Wie auch immer: ich habe mich durch Songtexte von Revolverbourani und Max Forster gequält, alles die gleiche Scheiße. Und wenn man das liest, dann fällt einem noch mehr auf, wie wenig Text die Lieder eigentlich haben. Strophe 1, Refrain, Strophe 2, Refrain, Refrain, Refrain. Fertig. Dazwischen möglichst viel langweilige Alltagsbanalitäten. Liebeskummer verkauft sich gut, das war schon immer so. Ist ja auch ok, schnell mal drei Zeilen zusammenschustern,  intelligente Wortspiele möglichst weg lassen, scheiß aufs Versmaß und natürlich kann man da auf wahr reimen, hört ja eh niemand hin. Am Ende weiß auch keiner mehr so richtig, von wem eigentlich noch mal welches Lied ist, weil alles gleich klingt. Ich kenne jedenfalls niemanden, der die ganzen Sänger ernsthaft auseinanderhalten kann.

Das alles mag ja irgendwie noch aushaltbar sein, wenn dann nicht auf jedem Radiosender exakt diese gleiche Brühe dieses vorhersehbar-langweiligen Blümchenpops liefe. Unterbrochen von Ed Sheeran. Es wirkt fast so, als würden Radio-DJs nur eine begrenzte Anzahl von Musik spielen dürfen. Was mich dann noch mehr ärgert, ist dass bei den Sendungen am Abend, wo dann vermeintlich „ausgefallenere“ Sachen angeboten werden, der gleiche Bums wie tagsüber läuft. Da fällt mir einfach nichts mehr zu ein. Radio hören langweilt mich. Lass ich es also sein. Aber dann singen Kettcar für mich.

…wenn du das Radio ausmachst, wird die Scheißmusik auch nicht besser.

our night out: Noel Gallagher’s High Flying Birds (09.04.2018, Mitsubishi Electric Halle Düsseldorf)

Fast neun Jahre ist es jetzt her, dass Oasis sich endgültig auflösten und die beiden Gallagher-Brüder seitdem ihr eigenes Ding machen. Liam zunächst mit Beady Eye und aktuell ja nur unter seinem Namen und Noel mit seinen High Flying Birds. Mittlerweile habe ich das Hoffen auf eine Reunion aufgegeben und sehe es eher so, dass es musikalisch und menschlich für beide besser ist, getrennte Wege zu gehen. Und auch ich sahne ja im Grunde doppelt ab, schließlich veröffentlichen beide regelmäßig neue Alben und gehen auf Tour. Ziemlich genau drei Jahre nach seinem letzten Besuch in Düsseldorf kam Noel Gallagher also zurück in die Mitsubishi Electric Halle (die Konzerthalle mit dem möglicherweise sperrigsten Namen aller Zeiten).

Während sich die Halle füllt, traue ich mich kaum, meinen Blick umherschweifen zu lassen. Ich weiß, wir sind in Düsseldorf. Aber statt früher Trainingsjacken und Parkas sehe ich Jackets, Rollkragenpullover und sogar eine Steppweste. Natürlich nicht nur, aber irgendwie ist es halt anders. Gesetzter. Ruhiger. Da sind noch vereinzelt Engländer unter den Zuschauern, aber sogar die wirken vergleichsweise gesittet. Früher, ach früher. Da lag eine knisternde Vorfreude in der Luft, da wurde vorm Konzert schon gesungen, man stand gemeinsam in dieser einzigartigen Atmosphäre und fühlte sich unbesiegbar und für immer jung.

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Und jetzt? Höflicher Applaus, wenige Zwischenrufe, nicht ein geworfener Bierbecher. Die geworfenen Bierbecher vermisse ich nun nicht ernsthaft, aber irgendwas war mir an diesem Abend zu glatt. Alles so ein bisschen mit dem Stempel „gepflegter Altherrenrock“. Und das anzunehmen tut ein bisschen weh. Das Konzert ist wirklich gut, aber nach solchen Halbsätzen kommt immer ein aber. Die Band, Noel, das Publikum. Vor allem das Publikum. Noel spricht wenig mit uns, aber bekommt dann auch nur wenig Reaktion darauf. Der Funke springt einfach nicht so richtig. Nur einmal habe ich das Gefühl, dass es ernsthaft eine Verbindung zwischen Noel und dem Publikum gibt, nämlich als er ein Schild mit einem Songwunsch entdeckt und er mit der Frau spricht. Er erfüllt ihr den Wunsch nicht, aber er bricht zumindest einmal aus seiner einstudiert wirkenden Show aus und widmet ihr den nächsten Song „if I had a gun“.

Die Setlist führt uns einmal quer durch fast alle Werke. Alte Oasis-Songs, ein paar ältere High Flying Birds-Lieder und auch Songs von der ganz aktuellen Platte. Natürlich auch „she taught me how to fly“ mit der Live Schere. Bei den Oasis-Liedern wird am meisten mitgesungen, ansonsten wirkt die Stimmung auf mich wirklich und leider ziemlich „flach“. Als das offizielle Set beendet ist, ist der Applaus so verhalten, dass ich befürchte, dass die Band nicht mehr zurückkommen wird. Kommt sie aber doch, gehört ja wohl so zum geplanten Ablauf, der nun mal eingehalten wird.

Möglicherweise muss ich mich damit abfinden und endlich akzeptieren, dass die Zeit sich ändert, und mit ihr die Musik. Weiterentwicklung und so. Möglicherweise bekomme ich bei Liam im Juli ja noch ein bisschen alte Gallagher-Attitüde. Und wenn nicht, dann weiß ich wenigstens, dass ich es miterlebt habe. Ein bisschen ratlos bleibe ich dennoch, ich kann mich einfach nicht entscheiden, wie mir das Konzert wirklich gefallen hat. Ich möchte so gerne im Brustton der Überzeugung „es war gut“ sagen. Bei anderen Künstlern wäre es ein tolles Konzert gewesen, bei Noel Gallagher sind meine Ansprüche höher. Bisher zumindest. Mich ärgert das selbst ein bisschen. Vielleicht brauche ich einfach noch ein bisschen, um das zu verarbeiten und darüber nachzudenken. Über heute und früher und Attitüde und Publikum. Ach. Früher.

And don’t look back in anger. I heard you say.

Bom Dia Lisboa!

Nach Riga 2016 und Kopenhagen 2017 stand sehr schnell fest: der jährliche Städtetrip im Jahr 2018 geht in wärmere Gefilde. Winterjacke und Mütze sollten dieses Mal Zuhause bleiben dürfen. Da wurde gar nicht lange überlegt: 2018 geht es nach Lissabon.

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Reisevorbereitung? Tipps von Freunden, Familien und Arbeitskollegen einholen, im Internet stöbern und Reiseführer lesen. Auch im digitalen Zeitalter liebe ich Reiseführer und besorge von jedem Reiseziel einen. Flüge buchen, Unterkunft buchen, neue bequeme Sneakers kaufen und einlaufen, Sachen packen und los.

Was ich vorab schon wusste? Erschreckend wenig. Über Lissabon und Portugal allgemein. Ich infomiere mich ja gerne zumindest grob über das Land, in das ich fahre und im Grunde wusste ich von Portugal nur, wo es liegt, die Namen dreivier größerer Städte, beliebte Küstenregion, berühmt für Kork und dass es nicht das reichste Land der EU ist. Ein bisschen eingelesen erinnerte ich mich zumindest sehr schwach daran, das Wort „Nelkenrevolution“ vorher schon mal gehört zu haben. Es würde mich während meines Aufenthalts in Lissabon noch einige Male begleiten.

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Ansonsten, Lissabon in der Kurzdarstellung: Bergig, gekachelt, am Fluss Tajo gelegen, Pasteis de Nata, Streetart, Ginja, die Tram (Eléctrico) 28, Fado, Bacalhau, eine Christus-Statue, eine „kleine“ Golden Gate Bridge. Eine Mischung aus kleinen, schmalen Gassen und breiten Straßen. Lebendig, laut, vielseitig. Eher kein Ziel, um mal ein paar erholsame Tage zu erleben, aber ein gutes, wenn man viele Dinge erleben möchte, mit allen Sinnen. Und um ein bisschen Saudade im Herzen mit in den Alltag zu nehmen.

Hier demnächst also mehr über Touri-Ausflugsziele, Streetart, mit welchem Essen ich mir den Magen verdorben habe, die schönsten Ausblicke und Momente und auch darüber, was wir nicht geschafft bzw. gemacht haben. Bom dia Lisboa!

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holy guacamole

Ursprünglich war dieser Text als Monatsrant geplant. Aber als er fertig war, ging mir auf, dass mir das Thema viel zu wichtig ist, um als Nörgelei online zu gehen. Es nervt mich nicht nur, es beunruhigt mich.

Eins vorweg: ich mag gerne Avocado. Ob als Pesto, im Salat, im Sushi, auf Brot mit Ei oder Tomate oder und vor allem als Guacamole…ich bin ein Fan dieser Frucht. Und obwohl sie ja sehr gehaltvoll ist, ist Avocado auch noch supergesund, weil voller wertvoller Inhaltsstoffe. Wie ein Fruchtzwerg sozusagen. Während ich als Kind also noch Fruchtzwerge löffelte, löffeln die Kinder heutzutage möglicherweise Avocados aus. Wundern würde es mich nicht, denn auf mich wirkt es so, als würden aktuell mehr Avocados als Äpfel verzehrt.

Foodfotos bei Instagram? Welcome to Avocado-Wonderland. Kein Bild ohne diese grüne Glitschfrucht. Sucht man beispielsweise unter dem Hashtag #foodporn, so kann man sich sicher sein, dass man unter den ersten zehn Bildern mindestens drei Avocados in unterschiedlicher Form findet. Bei #eatclean sind es sogar noch mehr Avocadobilder. Und obwohl ich ja so gerne Avocado mag, fängt es a) an mich unfassbar zu langweilen und habe ich b) ein Nachhaltigkeitsproblem damit. Das Ökomädchen in mir ist ja stark ausgeprägt und weint jedes Mal ein kleines bisschen, wenn es schon wieder Avocado sieht. Leider ist es nämlich so, dass bei den meisten Superfoods, die in Europa und/oder den USA durchs Dorf getrieben werden, das Erzeugerland unter diesem Boom leidet. Die meisten Avocados, die wir in deutschen Supermärkten kaufen, kommen aus Chile und Mexiko, und dort wird wegen der gestiegenen Nachfrage das Wasser knapp. Der Anbau von nur wenigen Avocados verbraucht etwa 1000 Liter Wasser. Im Vergleich: bei holländischen Tomaten werden etwa 10 Liter pro Kilogramm verbraucht. Davon abgesehen, dass sie dann noch um den halben Erdball reisen müssen, bis sie bei uns im Supermarkt landen.

Avocados wachsen nicht in Deutschland. Während man bei Erzeugnissen wie Spargel, Erdbeeren oder Kartoffeln einfach warten kann, bis sie hier Saison haben um sie dann zu kaufen, müssen andere Sorten einfach immer importiert werden. Avocado, Mangos usw. Wächst hier halt nicht, nicht mal in der Nähe. Da kann ich mir dann aber überlegen, ob es für meinen hippen Foodblog wirklich notwendig ist, dreimal die Woche Avocado zu essen. Vielleicht reicht einmal im Monat ja auch. Oder sogar noch seltener. Ich weiß auch, dass auch andere Lebensmittel nicht die allertollste Ökobilanz haben und es am besten wäre, wenn wir nur Brennesseln vom Wegesrand essen würden. Und ich will auch niemanden die Avocados verbieten, dafür esse ich sie ja auch selbst viel zu gern. Aber so gelegentlich kann man ja sein Gehirn während des Einkaufs ja auch benutzen und darüber nachdenken, wofür man sich entscheidet. Muss es wirklich Avocado sein, (nur weil es sich so schön im Instagram-Feed einfügt), oder gibt es möglicherweise eine weniger trendige, weniger superfoodige Alternative?

Im Weltspiegel gibt es übrigens noch eine ausführliche Dokumentation über die Problematik, hier noch ein etwas kürzerer Beitrag. Während ihr euch die anschaut, kümmere ich mich um den nächsten Monatsrant. Kleiner Teaser: weniger für den Magen, mehr was für (oder gegen) die Ohren.

 

Frohe Ostern

Ich bin sicher, dass es hier schon mal Thema war, aber egal: ich liebe Ostern. Es sind meine liebsten Feiertage im Jahr, noch deutlich vor Weihnachten. Und das hat folgende Gründe:
1. Ostern garantiert ein viertägiges Wochenende, Freitag und Montag sind für mich immer frei. Bei Weihnachten gibt es ja auch Jahre, wo die Feiertage eher ungünstig für Arbeitnehmer liegen. Ostern liebt die Menschen mehr als Weihnachten.
2. Keine Geschenke. Obwohl ich ja wirklich gerne Geschenke mache und es auch mag, vorher zu planen, womit ich wem eine Freude mache: irgendwann kommt immer der Tag, wo man schwitzend in Läden der Innenstadt oder in der Schlange der Hauptpost steht. Wer ernsthaft Geschenke zu Ostern macht, die über kleine nette Gesten hinausgehen, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Gleiches gilt übrigens auch für Nikolaus.
(mein Patenkind hat als „Oster“geschenk Pixibücher von mir bekommen. Aber das war ein Zufallsfund und sie hätte die auch so bekommen, ohne Anlass.)
3. Die Jahreszeit. Soll heißen: der Schneeregen wird wärmer und da es länger hell ist, kann man dabei zusehen, wie er auf die ersten Blüten an Büschen und Bäumen fällt.
4. Ungefähr genauso viel super Essen wie Weihnachten. Ich starte den Karfreitag mit einem traditionellen Pancakes-Frühstück und ende Ostermontag irgendwann mit Kuchen bei den Schwiegereltern. Irgendwo dazwischen finden noch Burger und ein ausgiebiger Familienbrunch Platz in meinem Magen.
5. Die ganze Stiller Feiertag- und Tanzverbot-Debatte perlt an mir ab. Ich bin einfach eh viel zu müde zum Feiern.
6. Der Sommer steht vor der Tür. Nach Weihnachten kommt Silvester und Neujahr mit all den fälligen Versicherungsbeiträgen, schlimmen guten Vorsätzen und den dazugehörigen „motivierenden“ Werbespots. Nach Ostern kommt der Frühling, eine Zeit mit noch mehr Feiertagen und der Sommer.

Noch irgendjemand nicht überzeugt? Ist mir eigentlich auch egal. Ich liebe Ostern und wünsche euch allen schöne und entspannte Feiertage!

Pottspot: Die Haard

Ein freier Samstag nach einer sehr arbeitsintensiven, stressigen und anstrengenden Woche. Nacken- und Kopfschmerzen begleiteten mich seit einigen Tagen und ich hatte nur noch einen Wunsch: raus in den Wald. Wanderschuhe schnüren, ein bisschen Proviant mitnehmen und einfach los.

Glücklicherweise wollte ich schon immer mal in die Haard im Kreis Recklinghausen und zweitens glücklicherweise wohnt der Freund von Frauke direkt dort umme Ecke. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Dorthin fahren, die zwei plus Hündin Mina einsammeln, einen stärkenden Eierlikör zu uns nehmen (nur die Menschen, Mina natürlich nicht) und los.

Nach nur ein paar Gehminuten erreichen wir den Waldrand. Noch ein paar Minuten später kann man nichts mehr von der Straße hören, wir sind einfach mitten im Wald. Wir hören Vögel, unsere Schritte, Mina raschelt ein bisschen durchs Laub und sonst nichts.

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Der Stress fällt ab. Kein Lärm um mich herum, keine nervigen Menschen, keine Probleme, die unbedingt sofort gelöst werden müssen, keine Katastrophen. Erwähnte ich schon keine nervigen Menschen? Menschen generell trafen wir trotz des schönen Frühlingswetters nur sehr wenig. Die Haard ist ein ziemlich großes Gebiet, da verläuft sich der Besucherstrom ein wenig. Außerdem hatten wir ja mit Fraukes Freund einen Guide mit uns, der dort so ungefähr jeden Stein kennt und somit bewegten wir uns eher selten auf den Hauptwegen, sondern gingen häufig einfach querfeldein.

Sturm Friederike hat vor ein paar Wochen dort wirklich deutlich Spuren hinterlassen. Etliche Bäume sind entwurzelt, viele von ihnen liegen quer über den Wegen und versperren einem den Durchgang. Aber mit ein bisschen klettern oder drumherumwurschteln findet sich immer ein Weg und je mehr man sich auf seine Schritte konzentrieren muss, desto freier wird der Kopf.

Die Haard ist ja so groß, einige mögliche Ziele werden uns ans Herz gelegt, aber wir wollen da ja nicht zelten, also entscheiden wir uns, den Baggersee beim nächsten Besuch anzuschauen. Was wir aber schaffen: einen der Feuerwachtürme besteigen und die Aussicht genießen.

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Ich muss wohl auf jeden Fall noch mal im Sommer wiederkommen, wenn alles grün ist. Und im Herbst, wenn das Laub bunt verfärbt ist. Bei gutem Wetter soll man übrigens bis zum Teutoburger Wald gucken können.

Kurze Stärkung in der Haard-Oase. Da kann man Ziegen die Nasen streicheln (durch den Zaun), Trampolin springen und vor allem Kuchen essen. Füße ausruhen, mal Pipi machen und dann geht es wieder weiter, durch Wald und über Wiesen. Das gefällt mir übrigens auch sehr gut: die Haard ist sehr abwechlsungsreich. Verschiedene Waldstücke, Lichtungen, Felder. Der Untergrund ist immer wieder anders, aber überall ist es sehr angenehm zu laufen. Die Bäume sind zum Teil noch etwas kahl, aber die ersten zarten Knospen und Blüten konnte man schon entdecken, wenn man genauer hingeschaut hat.

Ich beende die Wanderung nach ca. 14 Kilometern mit ein paar haardcore- und Die Ha(a)rd-Wortspielen und bin dann wohlig entspannt, angenehm müde aber auch erfrischt gewesen. Stressabbau deluxe. So ein paar Stunden in der Natur können einfach Wunder bewirken. Damit wird der Endspurt vorm Urlaub jetzt ein Klacks.

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Im Pott is schön.