Archiv des Autors: Miss James

Die Antiquitäten der Zukunft

Neulich bin ich mit dem Auto von der Arbeit nach Hause gefahren, das kommt gelegentlich vor. Ich stand an einer Kreuzung, leider länger als nur eine Ampelphase, das kommt auch vor, zumindest zur Feierabendzeit. An der Kreuzung ist ein Antiquariat und ich fing an, darüber nachzudenken. Wird es wohl in hundert oder hundertfünfzig Jahren noch Antiquariate geben? Und wenn ja, was kann man da kaufen?

Ich habe da ein sehr klares Bild vor Augen, ganz sicher wird es eine wunderbare Auswahl sein: Weckgläser-Vasen, Milchaufschäumer, Regale aus Weinkisten, Sukkulenten, irgendwas aus Kupfer oder Beton, Billyregale und überhaupt sehr viele skandinavische Möbel, diese Lightboxes mit Buchstaben, Schieferplatten, Glühbirnen, Limonaden-Gläser mit Deckel, Buddhaköpfe, Eames DSW-Stühle, Pandora-Armbänder, digitale Bilderrahmen, Webergrills, schwarz-weiße Läufer mit geometrischen Mustern, Playstations, iPhones, mit LED-Leisten beleuchtete Möbel, Bilder mit „do more of what makes you happy“-Aufdruck, „made with love“-Stempel, Home-Schriftzüge aus Holz…

Kurzer Einschub: woher kommt dieser Zwang, alles zu beschriften? Poster mit mehr oder weniger sinnvollen und/oder lustigen Sprüchen, beschriftete Kaffeetassen („coffee“), beschriftete Seifenspender („soap“), beschriftete Kissen („Home“ oder „relax“). Nichts bleibt erspart, alles wird bedruckt. Vielleicht sind manche Leute aber auch mittlerweile so dumm, dass sie eine Beschriftung der Dinge brauchen.

Ob unsere Urgroßeltern mal darüber nachgedacht haben, dass ihre Möbel irgendwann als „vintage“ und aufpoliert wieder an Liebhaber verkauft werden? Gab es damals auch schon Antiquariate und wenn ja: was hat man da gefunden? Wann wurde das erste Antiquariat eröffnet?

Jede Ampelphase hat ein Ende, sogar im Feierabendverkehr. Aber wenn ich jetzt durch Geschäfte laufe, dann stell ich mir vor, wie in 100 Jahren jemand nach Harry Potter-DVDs oder Coffee To Go-Bechern sucht und sich möglicherweise mal wie Bolle freut, wenn er mein Apfelkissen in einem Vintageshop findet. Das gefällt mir.

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our night out: The Divine Comedy (18.02.2017, Mojo Club Hamburg)

Ich entdecke ja immer gerne neue Musik. Aber häufig ist es so, dass ich etwas neues entdecke, dann höre ich das auch, kaufe mir sogar CDs und gehe auf ein Konzert und das war es dann irgendwie. Sie tauche auf und verschwinden wieder, hundert Eintagsfliegen. Aber es gibt auch Bands, die halten sozusagen ein Leben lang. The Divine Comedy gehören für mich dazu. Ich höre und liebe sie seit ewigen Zeiten. 1999 haben sie schon ein Best Of-Album veröffentlicht, das ich damals mitbekam. Seit diesem Album bin ich Fangirl-Groupie. In Deutschland sind sie ja ziemlich unbekannt – warum, darüber kann man streiten – aber immerhin kommen sie gelegentlich auf Tour vorbei und dann schaue ich sie mir auch immer gerne an. Ein Samstag in Hamburg? Keine Frage, da musste ich gar nicht lange zögern und habe mir direkt Tickets besorgt.

Konzerte von The Divine Comedy sind immer besonders. Sie sind immer wie eine kleine Reise, etwas spezielles. Stunden, die man im Gedächnis behält und nicht so schnell vergisst. Vermutlich liegt das hauptsächlich an Frontmann Neil Hannon, an dem definitiv ein Schauspieler verloren gegangen ist. Dem Mann gehört einfach die Bühne. Es zeigt sich mal wieder: man muss nicht groß sein um groß zu sein. Das wusste ja auch Napoleon schon.

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Was ein Auftritt. So kann man mal ein Konzert starten, da hat man schon mal die Aufmerksamkeit sicher. Passenderweise gibt es auch noch das Lied „Napoleon Complex“ dazu. Nach einigen Liedern wechselt Neil Hannon übrigens das Outfit und trägt Anzug mit Melone. Steht ihm nicht weniger gut, er gehört auf jeden Fall zu den am besten angezogenen Musikern, die ich kenne. Auf ihrem Instagram-Account kann man noch weitere Bilder ihrer Tour sehen, die Outfits sind offenbar jeden Abend identisch gewesen. Ich hoffe, der Hut müffelt jetzt nicht allzu sehr.

Während des Konzerts dachte ich kurz darüber nach, welche Lieder ich mir unbedingt wünsche. Das mache ich eigentlich immer bei Bands, die ich so gerne mag. Das Problem war nur: die Liste wurde immer länger. So lang, dass ich selbst schon darüber nachdachte, ob ein Konzert für all das ausreichen würde. Immerhin gibt es ja selten Konzerte, die nur aus Lieblingsliedern bestehen. Auch dieses nicht, aber es waren viele dabei.

Ich bin ziemlich sicher: würden alle Menschen auf dieser Welt The Divine Comedy hören, dann gäbe es weniger Hass und Krieg. Es ist eine optimale Mischung aus den schönsten Liebesliedern, eingängigen Popmelodien, Gute-Laune-Hymnen und niemals nervigen Ohrwürmern. Das alles gesungen von Neil Hannon: eine Stimme wie Himbeerquark und ein so charmantes und witziges Auftreten, dass am Abend des Konzerts gefühlt alle Zuschauer ein bisschen verliebt ihn waren. Vermutlich wird es ein bisschen belächelt von den „normalen“ Menschen, aber solche Leute wie er machen die Welt angenehmer, den Winter heller und wärmer und alles etwas bunter. Superpartyfuntime.

Ich kann so ein Konzert kaum beschreiben, es war als tauchte man in eine andere Welt ein und wollte nicht, dass es aufhört. Wie eine Droge in unseren Gehörgängen. Es wurde gelacht, getrunken, gesungen, Neil Hannon kam zu uns ins Publikum und wir kicherten ein bisschen über das raunende „oooh, der ist ja wirklich so klein“ um uns herum. Und ich hoffte, dass er nicht plötzlich vor mir stünde, weil ich gar nicht gewusst hätte, wohin mit mir. Fangirl sein ist auch nicht immer einfach.

Als mit „Tonight We Fly“, diesem einem meinem liebsten Lieblingslied, das Konzert beendet war, war ich so glücklich und traurig gleichzeitig. Ein bisschen an dem Lied festklammern, es darf einfach niemals aufhören. Ein bisschen wie noch einen Geschmack auf der Zunge behalten wollen. Auch jetzt, Tage später, pfeife ich noch regelmäßig die Melodie von „National Express“ und denke mit einem sehr glücklichen Lächeln auf dem Gesicht an das Konzert zurück. The Divine Comedy ist für mich das allerbeste Beispiel dafür, wie glücklich Musik machen kann. Unsterblich.

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Februarfarben: #feesfarbspirale

Der Winter und ich sind keine Freunde, werden es auch nie sein. Dabei ging es dieses Jahr sogar, ich hab ihn mal wieder überstanden. Aber es gibt so Tage, da habe ich halt förmlich das Gefühl, dass mich das Grau erdrückt, die Kälte mich umklammert und ich einfach nur friere und nicht mehr mag. Alles. Diese Dunkelheit, die schweren Klamotten, die kalte Nase.

Als Fee Ende Januar die ersten Hinweise auf ihre Instagram-Challenge #feesfarbspirale (die in meinem Kopf immer erst #feesfarbigerfebruar hieß, man könnte auch #farbigerfeebruar daraus machen, nur so als Hinweis für 2018), da war ich direkt wie angeknipst. Mit ein paar Tagen Vorlauf, bis es dann wirklich am 1. Februar losging, konnte ich schon mal mein Bilder-Archiv durchforsten. Denn es war klar: ich würde nicht jeden Tag spontan die passende Farbe finden. Ein  bisschen Vorarbeit war also nicht schlecht, es war aber auch sehr schön, ein bisschen Zeit im Fotoarchiv zu verbringen und noch mal in Erinnerungen zu schwelgen. Besonders viele Farben konnte ich bei Urlaubsbildern finden und bei den Gedanken an Kroatien zum Beispiel, wurde mir direkt ein bisschen wärmer. Außerdem führte es dazu, dass ich in den Februartagen viel aufmerksamer durch die Gegend lief und die mir noch fehlenden Farben suchte. Was man dabei dann alles entdecken kann! Nicht immer die gewünschten Farben, aber das ist auch nicht so dramatisch gewesen.

Jetzt aber los, hier sind meine Farben:

Silber/grauer gefrorener Rasen, tannengrüner österreichischer Tannenwald, smaragdgrüner kroatischer See und blauer Abendhimmel über Riga.

Dunkelviolette Chucks, das brombeerfarbene Logo meines Sportstudios, ein dunkelroter kroatischer Pfirsich und ockerfarbenes indisches Gewürz.

Einige Bilder hatte ich aus meinem Archiv zusammengesucht, bei anderen Farben habe ich dann spontan gesucht und zum Glück immer was gefunden. Außerdem lief ich viel aufmerksamer durch die Gegend, immer auf der Suche nach einem Farbton. Da findet man sich selbst schon mal ein bisschen durchs Gestrüpp kriechend wieder, weil man glaubt, dort noch ENDLICH was in waldgrün zu finden.

Senfgelbe Platzset-Liebe, olivgrüne Ubahn-Station-Romantik, waldgrünes Efeu und türkise Teller von Freunden.

Azurblaue Zumbaschuhe, hell-lilanes Blümchen, pinke Konzerterinnerung und roter Helm.

Ich kann mich nicht erinnern, mich zuvor so lange am Stück mich so ausführlich mit Farben und Farbtönen auseinander gesetzt zu haben. Natürlich war mir auch vorher schon durchaus bewusst, dass es unterschiedliche Nuancen gibt und ich konnte auch vorher schon orange von apricot und türkis von petrol unterscheiden. Und es gab auch vorher schon Farben, die ich mehr mochte als andere. Ich liebe ja zum Beispiel petrol, die meisten grün- und blautöne und auch senfgelb. Alles, was irgendwie rosa ist, ist dagegen nicht so meins. Aber es war trotzdem nicht unbedingt einfacher, ein Bild für die Lieblingsfarben zu finden. Waldgrün zum Beispiel war richtig schwer, obwohl ich die Farbe sehr mag. Rosa dagegen ziemlich easy.

Orangene Puddinglampe, sonnengelbes Hinweisschild der Hamburger U-Bahn, maigrüner Farn und etwas Deko in mint.

Himmelblauer Chiemseehimmel, zartblaue Perl-Hyazinthe, fliederfarbene Mütze und rosane Kirschblüten.

Ein täglicher Farbspaß: einmal durch die Bild-Übersicht des Hashtags scrollen. Ich war jeden Tag aufs neue begeistert, was für tolle Bilder dort hochgeladen worden sind. Manchmal gab es größere Abweichungen in den Farbtönen – bei den Lila-Tönen zum Beispiel – manchmal ist das Bild sehr einheitlich gewesen. Und was für tolle Motive da gefunden worden sind. Da konnte ich oftmals wirklich nur den Hut ziehen. Neben der vielen Farbe, die an manchem grauen Februar-Tag wirklich ein wahres Highlight war, gab es auch wieder einige tolle neue Instagram-Accounts, die ich für mich entdecken konnte und denen ich seitdem folge. Winwin-Situation also.

Altrosane Garagentore, ein apricotfarbener Sonnenuntergang, zitronengelbe Bananen und meine hellgrüne Küchenschürze.

Und jetzt ist März, ein Hoffnungshauch Frühling liegt in der Luft. Es wurden bereits die ersten Knospen, Krokusse und Schneeglöckchen gesichtet und ja, es gab schon Tage, an denen ich keine dicke Winterjacke mehr an hatte. Zugegeben: meistens habe ich an diesen Tagen sehr gefroren und mich selbst für diesen Übermut verflucht. Egal, ich bin optimistisch, dass es jetzt schöner und draußen im Ganzen auch bunter wird. Der Februar war es schon mal, ziemlich guter Start in den Frühling.

 

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on Tour: Elbphilarmonie Hamburg

Ich war in Hamburg. Zum einen wohnen meine Schwester und ihr Mann dort und die besuche ich gerne. Zum anderen hatte ich Konzertkarten für The Divine Comedy, die dort im Mojo Club spielten. Davon aber demnächst.

Leider war das Wetter nicht so wahnsinnig schön, von daher fielen so Dinge wie am Elbstrand rumlungern oder Landungsbrückenspaziergänge aus. Meine Schwester hatte aber für ein kleines kulturelles Alternativprogramm gesorgt und uns Eintrittskarten für die Plaza der Elbphilarmonie gekauft. img_4359

Jetzt ist es so, dass die Elbphilarmonie-Plaza im Grunde frei begehbar und für alle kostenlos zugänglich ist. Wenn man aber weder Zeit noch Lust hat, sich die Beine in den Bauch zu stehen, dann kann man vorher online für 2 Euro pro Person Tickets besorgen, mit denen man dann an der kilometerlangen Schlange vorbeitänzeln und direkt reingehen kann. Ich war übrigens überrascht, wie direkt. Es gibt zwar Ordner, aber keiner bemühte sich mal, in unsere Taschen zu schauen. Ich weiß nicht, ob das bei allen Besuchern so ist oder ob wir einfach so kleine Taschen dabei hatten, dass da keine gefährlichen Dinge drin vermutet worden sind. Oder wir sahen so vertrauenserweckend aus.

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Das Gebäude der Elbphilarmonie ist wirklich sehr beeindruckend. Es ist jetzt nicht so, dass ich es wirklich „schön“ finde, aber über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Aber es ist architektonisch sowohl von außen als auch von innen sehr besonders. Vor allem von dem inneren Bereich war ich überrascht, weil ich es mir viel kühler vorgestellt hatte. Durch den roten Backstein und auch durch die vielen geschwungenen Flächen wirkt es stattdessen fast ein bisschen gemütlich. Aber: wer die Stufen innen zu verantworten hat, über die man nur hinkend wie ein einbeiniger Pirat laufen kann, der gehört dort vom Dach geworfen. Wie kommen Innenarchitekten (oder wer macht das?) bl0ß auf die Idee, solche Stufen zu verbrechen?  Hat es einen Grund, warum man die Leute so unrhythmisch laufen lässt und keine vernünftigen Treppenstufen baut?

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Ich hörte übrigens, dass Kinder einer Schulklasse behauptet haben, dass das Schönste an ihrem Plaza-Besuch die Rolltreppe war. Das finde ich jetzt etwas übertrieben, aber die Rolltreppe ist tatsächlich auch ziemlich cool und man kann die Auffahrt sehr gut für das ein oder andere Selfie nutzen. Elphie-Selfie sozusagen. Das bietet sich dann später auch noch mal an, vor allem, wenn man dann mal raus geht und über die Plaza, also Aussichtsplattform, die einmal um die Philarmonie herumführt, läuft.

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Was ich persönlich sehr schade finde: man kann nicht mal einen klitzekleinen Blick in die Konzertsäle werfen kann. Da muss man wohl doch in eine Führung oder – vermutlich die noch bessere Variante – in ein Konzertticket investieren. Ansonsten reicht mir dieser eine Besuch auf jeden Fall. Es war schön, das Gebäude mal betreten zu haben, aber es ist jetzt nicht etwas, was ich jedem als unbedingt ans Herz legen muss. Da gibt es in Hamburg andere Dinge, die ich aus touristischer Sicht bisher viel interessanter fand. Bei schönerem Wetter ist der Ausblick bestimmt noch viel toller und überhaupt ist es mit Sicherheit angenehmer bei wärmeren Temperaturen und weniger Wind da oben rumzulaufen, dafür ist dann möglicherweise auch die Schlange am Einlass noch länger. Als wir das Gebäude verließen, war es dann im Eingangsbereich sogar so voll, dass auch die Leute mit Einlasstickets nicht mehr ganz so zügig in die Elbphilarmonie reinkamen wie wir noch. Glück muss man haben. Hab ich mit einer Schwester in Hamburg ja sowieso.

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