Archiv des Autors: Miss James

run, girl, run (wieder mal)

Ich laufe. Gelegentlich. Mal ne Runde. Sonntags zum Beispiel. Wenn das Wetter passt. Nicht zu warm sollte es sein, aber regnen bitte auch nicht. Und dann brauch ich etwas Zeit. Ich brauche fast eine halbe Stunde, bis ich mich in Laufklamotten geworfen habe, meinen mp3-Player, noch mal schnell was trinken, dann noch fix zur Toilette bevor es zwischendurch kritisch wird mit der Blase und mir, dann noch mal einen Schluck trinken, vielleicht eben noch schnell eine Banane essen? Wo sind die Laufschuhe? Taschentücher einstecken, Schlüssel und dann endlich los. Einen Koffer für zwei Wochen Urlaub packe ich schneller. Dann laufe ich so etwa 45 Minuten und dann brauche ich ne Stunde Regeneration inklusive duschen, eincremen und irgendwo rumliegen und sterben wollen. Also muss ich für einmal laufen gehen schon so anderthalb bis zwei Stunden Zeit einplanen. Es gibt ja Menschen, die laufen morgens! Vor! der Arbeit. Ich bin froh, wenn ich es schaffe, ohne größere Unfälle ins Büro zu kommen. Und da bin ich spätestens um 8 Uhr, das ist mir alles zu früh. Und abends gehe ich unter der Woche meistens dreimal zum Sport, und irgendwann muss ich ja auch einkaufen, putzen, Freunde treffen und netflixen. Also halt sonntags. Manchmal.

Jetzt aber: ich laufe nicht gerne. Wirklich nicht. Es langweilt mich extrem, ich bekomme Herzaussetzer, wenn große Hunde mich nur interessiert betrachten („der will nur Menschen reißen, keine Angst“), meine Nase läuft, meine Beine mögen eigentlich nur gehen und irgendwie nee. Warum ich es trotzdem mache? Weil mein Kopf mir sagt, dass es ja so gesund sei. Das Herz-Kreislauf-System wird gestärkt, hab ich gehört. Der Stoffwechsel angeregt. Man atmet frische Luft. Der Körper nimmt Vitamin D auf. Hab ich was vergessen? Bestimmt. In meinem Wahn – und vermutlich vor meinem zweiten Kaffee am morgen – habe ich mich bei der Arbeit bei gleich zwei Firmenläufen angemeldet. Und das dann sogar eisern durchgezogen, als ich noch hätte absagen können. No pain no gain. Das schlimme an Firmenläufen: es kombiniert direkt zwei furchtbare Dinge. 1.: laufen (s. oben). 2.: Menschen. Eigentlich sollte ich neben meinem Lauftraining noch ein Menschenmassentraining absolvieren. Die Zeit, wenn man vor so einem Lauf im Startbereich rumlungert und auf den Startschuss wartet, ist für mich die schlimmste im ganzen Jahr. Sogar Zahnreinigungen sind schöner. Da steht man zwischen 5000 mehr oder weniger fremden Menschen in engen Laufhosen und diese Menschen sind so aufgekratzt und euphorisch, als würde Weihnachten und die Geburt des ersten Kindes zusammen gefeiert werden. Da wird gekreischt, gewohhooohtt, es gibt immer noch irgendeine Lokalprominenz und einen Krankenkassenvertreter, die eine Art beschämendes Warm Up versuchen, was die Masse nur noch mehr anheizt. Und dann geht es endlich – immer später als geplant – los und ich bin zu diesem Zeitpunkt schon so gar und reizüberflutet, dass ich dann tatsächlich froh bin, endlich loslaufen zu dürfen. Zum weglaufen bin ich allerdings zu langsam. Vielleicht verstecke ich doch noch ein Fahrrad irgendwo an der Strecke im Gebüsch. Oder möchte jemand mit einer Portion Pommes vor mir herlaufen  und mich damit motivieren?

Die Suppe hab ich mir jetzt eingebrockt, ich werde sie brav auslöffeln. Zwei Läufe im Mai und Juni und dann kommt noch einer mit Farbpulver und Hindernissen im Sommer, da ist ja aber das Laufen eher zweitrangig und der Spaß steht im Vordergrund. Und wenn das geschafft ist, dann ist es aber auch wieder gut und ich werde meine Laufschuhe irgendwo verstecken. Meine große Zeit kommt, wenn mal irgendwann Firmenspaziergänge angeboten werden, mit nem Bier und ner Currywurst an der Versorgungsstation. Kann auch jeder ne Joggingbuchse tragen, kein Problem.

 

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Pottspot: Muttental in Witten

Eine Wanderung durch das Muttental in Witten stand schon seit langer Zeit auf meinem Zettel, aber irgendwas kam immer dazwischen (meistens Regen). Ich weiß auch gar nicht mehr, wann und wie ich das erste Mal vom Muttental hörte, es ist auf jeden Fall schon einige Jahre her. Nun aber letzte Woche: ein freier Samstag, schönes Frühlingswetter, los geht’s!

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Ich hatte zuvor noch mal im Internet geschaut, wo man im Muttental am besten parken und rumlaufen kann und habe dabei festgestellt, dass es sogar einen offiziellen Bergbauwanderweg gibt. Umso besser. Anhand der Beschreibung schafften wir es auch direkt, den Start des Weges zu finden, obwohl ich persönlich es noch besser fände, wenn es für den Weg eine „richtige“ Markierung und noch ein paar Hinweise gäbe. So ist man häufiger mal darauf angewiesen, eine Übersichts-Karte oder das Smartphone in die Hand zu nehmen, wenn man dem Weg wirklich folgen möchte.

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Das tolle am Wanderweg: es gibt so viel zu sehen! Man fällt regelrecht von einer Bergbausehenswürdigkeit zur nächsten, und an jeder Station gibt es ein Hinweisschild mit wissenswerten Informationen. Ich wusste zwar vorher schon, dass das Muttental quasi als die „Wiege“ des Bergbaus gilt und es dort einiges zu finden gibt, aber das es dort so viele Zechen, Stollen und Flöze gab, das hat mich dann doch überrascht. An einigen Stellen erinnert nur noch das Hinweisschild, an anderen Stellen sind noch Stolleneingänge erkennbar – da kann man reinschauen, begehbar sind sie verständlicherweise nicht – und dann gibt es auch wiederaufgebaute oder originale Exponate aus der Bergbauzeit. Von Loren, Werkzeugen bis hin zu Bergbauanlagen aus unterschiedlichsten Zeiten. Dabei kann man dann noch eine Menge lernen, zum Beispiel was Pingen oder Haspelanlagen sind, und gleichzeitig die Natur um einen herum genießen.

Der Weg selbst ist teilweise asphaltiert und direkt an der Straße (nicht sooo super), aber glücklicherweise führt er größtenteils durch Waldgebiet. Die Natur hat sich eine Menge zurückerobert, das ist ja auch gut und richtig so. Der Wald im Muttental ist wunderschön.

sdr

sdr

Für die Tour haben wir etwas mehr als zwei Stunden gebraucht, mit einer etwas längeren Pause an der Ruine Hardenstein, die direkt an der Ruhr liegt. Wenn man sich nicht nur an die Route mit den festen Stationen halten möchte, kann man auch noch einen Abstecher zum Schacht Margarethe machen, das haben wir aber leider irgendwie verpasst. Dort findet sich noch ein rekonstruierter Förderturm und ein Maschinenhaus. Nächstes Mal dann.

Ebenfalls nächstes Mal: ein Besuch des LWL-Museums Zeche Nachtigall. Hier kann man nämlich auch noch mit einer Führung einen Stollen besuchen. Das habe ich im Bergbaumuseum schon mal gemacht, das lohnt sich immer mal.

cof

Das Muttental ist ein richtig toller Ort, ich bin sehr begeistert. Es war ein schöner Ausflug in einer wunderbaren Umgebung und mit richtig vielen Infos. Ich kann mir gut vorstellen, dass es auch für Kinder interessant ist, vor allem wenn sie alt genug sind, um die Streckenlänge zu bewältigen. Vom Anspruch her ist die Strecke auf jeden Fall auch für ungeübte machbar, es gibt nur einige Steigungen und einen etwas steileren Abstieg. Aber wir hatten nur Sneakers an und konnten alles problemlos bewältigen, Wanderschuhe würde ich nur empfehlen, wenn es vorher länger geregnet hätte.

Im Pott is schön. Wieder mal. Endlich wieder Draußen-Wetter. 

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Frühlingsrausch

Ist das ein schöner Frühling?! Ich bin wie im Rausch. Blauer Himmel, Sonnenschein und überall Blüten. Bäume, Blumen, alles trägt Knospen oder steht bereits in voller Blüte.
Ich habe den Frühling schon immer geliebt, aber ich habe das Gefühl, dass es mit jedem Jahr schöner wird. Dieses Jahr ist es jedenfalls so, dass ich ihn noch besser finde, als noch „mehr“ empfinde. Ich finde ja gelegentliche Übertreibungen ziemlich gut und der Frühling ist einfach eine Jahreszeit, die super übertreiben kann. Aktuell jedenfalls deutlich: die Bäume blühen so üppig, dass ich vor jedem stehen bleiben möchte um mir dieses Blütendach anzuschauen. Die Sonne scheint irgendwie so ziemlich jeden Tag (wir hatten schon Sommer, die schlechter waren). Sonnenauf- und -untergänge sind wie von Bob Ross gemalt und die Vögel zwitschern in einer Lautstärke, dass ich mich wundere, ob sie wohl nicht doch irgendwann heiser werden können.

So ist das, das Leben ist einfach zu kurz um nicht mal ab und an anständig zu übertreiben und der Frühling scheint das genauso zu sehen. Ich weiß, ich wiederhole mich – jedes Jahr wieder – aber es ist einfach alles so viel schöner und angenehmer, wenn der Winter vorbei und der Frühling plötzlich da ist. Den einen Tag hatte man noch seine Winterjacke an, am nächsten holt man schon die Ballerinas aus dem Winterschlaf. Morgens und abends ist es noch kalt, aber in der Mittagspause kann man schon die Wärme der Sonne genießen, es gibt erste Schlangen an Eisdielen und bei so einem Wetter ist es viel schöner, ein bisschen Zeit zu vertrödeln, zum Beispiel, in dem man einfach so in der Sonne sitzt. Oder einen Umweg beim Spaziergang macht. Ich finde Zeit vertrödeln auch super gut und völlig unterschätzt. Übertreiben und Zeit vertrödeln sollte man sich gelegentlich auf die Fahnen schreiben. Also regelmäßig gelegentlich. Das mit der Zeit hat die Natur ja nicht so drauf, so ein Jahr vergeht ja mittlerweile – FRÜHER WAR DAS NICHT SO!! – wie im Flug und so ein Magnolienbaum blüht nur gefühlte vier Tage. Immer wenn ich durch Magnolienblüten(matsch) wate, bin ich übrigens ganz froh, keinen Garten mit Magnolie zu besitzen. Ernsthaft: so so so schön. Aber wie viele Blüten hat denn so ein Baum? Hunderttausend?!
Übrigens: sogar als Heuschnupfengeplagte find ich den Frühling weiterhin wunderbar. Lieber Heuschnupfen im Frühjahr als Erkältung im Winter. Erinnert mich vielleicht daran, wenn ich das nächste Mal über juckende Augen jammere.

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our night out: Who Killed Bruce Lee (10.03.2017, FZW Dortmund)

Ziemlich genau ein Jahr nach meinem ersten Konzert von Who Killed Bruce Lee, gab es die zweite Chance in Dortmund. Die muss man nutzen, Tickets wurden gekauft, Freunde überzeugt. Vorfreudemodus an. Los geht’s.

Gute Sache: es war auf jeden Fall voller als beim ersten Konzert im FZW. Meine Erwartungen aber auch definitv höher. Vor allem, weil wir ja noch Freunde mitgeschleppt hatten. Wie blöd es wäre, wenn der Abend dann ein Reinfall wird. So viel vorab: wurde es nicht. Glück gehabt. Wir alle.

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Who Killed Bruce Lee kommen ursprünglich aus Beirut im Libanon, wohnen aber – wenn ich das richtig verstanden habe – jetzt schon eine Weile in Deutschland. Keyborder Hassib spricht zumindest schon sehr gut deutsch, da kann man nur den Hut ziehen. Vergleichsweise schwer tat ich mich zumindest mit dem arabischen Satz, den uns Sänger Wassim versucht hat beizubringen. Den hatte ich schon wieder vergessen, noch bevor ich ihn das erste Mal zuende aufgesagt hatte. Beim Sprachen lernen bin ich eher der visuelle Typ, nach Gehör lerne ich schlecht. Tatsächlich habe ich sogar schon wieder vergessen, was der Satz auf deutsch übersetzt hieß. Asche auf mein Haupt. Ein paar arabische Einflüsse bemerkt man bei der Musik, aber nur vereinzelt und ich selbst finde das ja eher noch superer. Ansonsten wird da ein solides Indie Rock-Brett auf die Bühne gezaubert und ich finde es ein bisschen schade, dass ich fastenzeitbedingt aktuell auf Alkohol verzichte. Zu dieser Musik könnte man hervorragend ein Bier trinken. Oder zwei. Mich persönlich erinnert die Band ein bisschen an The Strokes, aber dann auch wieder ganz anders, einfach sehr eigen und in keine Schublade zu stecken.

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Dass meine Erwartungen erfüllt wurden, habe ich ja schon erwähnt, aber es war wirklich ein außerordentlich tolles Konzert. Und ein bisschen heimlich hoffe ich ja, dass sie niemals nie so richtig berühmt werden, sondern immer in diesem eher niedrigen Bekanntheitsgrad ständig auf Tour sind. Bisher klappt das ja ganz gut, fern vom Mainstream und den großen Hallen. Dafür mit gemeinsamen Gesangseinlagen und Tanzkreisen. Hach.

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Neben arabischen Sätzen auch noch ein paar Tänze und Tanzschritte gelernt. Möglicherweise kann man einen solchen Konzertbesuch auch als Fortbildung bei der Steuererklärung absetzen.

Das Leben sollte immer ein Who Killed Bruce Lee-Konzert sein. Obwohl das vielleicht dann doch ein bisschen anstrengend wäre. Aber so ab und zu und ziemlich regelmäßig dürfte das sein. So viel euphorische Liebe.

Gut, meinetwegen dürfen Who Killed Bruce Lee (übrigens ist der Bandname keineswegs eine Frage, ich habe mal in einem Interview mit der Band gelesen, dass die Band selbstverständlich weiß, wer Bruce Lee getötet hat und ihr nächstes Projekt werde „Who Killed JFK“ heißen) dann demnächst mal ein Tourpause einlegen. Aber auch nur, um dann wieder ins Studio zu gehen um ein neues Album aufzunehmen. Und dann wartet Dortmund auf einen neuen Besuch der vier Musiker aus dem Libanon. Möglicherweise fällt mir bis dahin der Satz auch wieder ein, oder ich nehme mir dann einfach mal Zettel und Stift mit um die Vokabeln mitzuschreiben. Und obwohl ich mir ja wünsche, dass ich diese Band auch in Zukunft immer wieder in so einem kleinen, schon sehr persönlichen Umfeld sehen darf, so muss ich Who Killed Bruce Lee doch noch mal jedem ans Herz und ans Ohr legen. Wer auf Indie Rock steht, der wird nicht enttäuscht. Und dann geht zu den Konzerten, lasst euch mitreißen und erlebt diese einmalige Energie, die diese Herren ausstrahlen. Tut es!

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(Zugabe: Keyborder Hassib rappt. Unter anderem „Ich hab Polizei“ von Böhmermann. Und nein, das denke ich mir hier nicht aus.)

Ziemlich genau ein Jahr nach meinem ersten Konzert von Who Killed Bruce Lee, gab es die zweite Chance in Dortmund. Die muss man nutzen, Tickets wurden gekauft. Vorfreudemodus an. Los geht’s.

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