Archiv des Autors: Miss James

nice town

Nizza ist eine wirklich schöne Stadt, ich war selbst ein bisschen überrascht davon. Auf Bildern sehen die Häuser oft ein bisschen hingeklotzt aus und außerdem war ich fest davon überzeugt, dass in Nizza alles nur High Society ist. Ist ja aber gar nicht so. Die Häuser sind von Nahem sehr schön, in verschiedenen bunten Farben (meist Erd-, Gelb- und Rottöne) und verziert, die Menschen ziemlich normal und bunt gemischt. Natürlich kann man gerade am Hafen sehr viel Posh entdecken, aber im restlichen Straßenbild ist das nicht so.

Am schönsten ist ganz klar die Altstadt. Schmale Gassen, überall ein bisschen Trubel, viele kleine Geschäfte und Restaurants. Ein Fest für die Sinne. Überall der Geruch von Lavendel, frischem Fisch, Knoblauch, Honig und Gewürzen.

sdr

Ich bin ja normalerweise wirklich kein großer Menschenfreund, aber dort in Nizza hat es mich nie gestört, wenn es mal voller war. Ich vermute, weil es trotzdem immer noch entspannt gewesen ist. Kein Stress, kein Rumgenörgel. Vielleicht ist es das Wetter, der Sonnenschein. Vielleicht fallen mir grummelige Leute auch einfach weniger auf, wenn ich im Urlaub bin. Kein Stress und Zeitdruck. Ist mir doch egal, wie lange das einkaufen dauert, trödele ja eh den ganzen Tag nur rum. Dafür sind Urlaube schließlich da. Zum rumtrödeln.

In Nizza kann man sehr gut viel Zeit vertrödeln, einfach ziellos durch die Altstadt schlendern, über den Markt gehen und sich die Hausfassaden anschauen. Sehr schön. Da kann man sich kaum satt sehen, so tolle Farben. In der Altstadt von Nizza weht übrigens immer ein leichter Wind, das ist sehr angenehm, gerade an heißen Sommertagen.

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Das „Bindeglied“ zwischen Alt- und Neustadt ist der Place Masséna, den wir während des Urlaubs häufig überquerten, weil er in der Nähe unserer Ferienwohnung und auf unserem Weg zum Strand lag. Brunnen, ein bisschen Kunst, ein sehr markantes Schachbrettmuster (was ihn zu einem beliebten Instagrammotiv macht), ein guter Treffpunkt und zu jeder Tages- und Nachtzeit belebt. Aber es gibt auch noch weitere Orte, die offenbar sehr beliebt und stärker bevölkert sind: die Promenade zum Beispiel, und noch weitere Plätze wie der Place Garibaldi.

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Der Brunnen auf dem Place Masséna war übrigens mal ein paar Jahre abgebaut, weil zu freizügig. Tja nun.

Nizza ist für mich eine Stadt, in die ich mal auswandern könnte. Das Wetter, die Farben, das frische Obst, Eiscreme für 2,50 Euro die Kugel. Und natürlich auch die Möglichkeit, einfach so mal eben schnell zum Strand und ins Meer zu gehen. Aber tatsächlich habe ich am meisten die Sommerabende genossen. Ich liebe diese Sommerabende, die nie kalt werden und an denen sich das Leben so leicht anfühlt. Die waren in Nizza einfach unbeschreiblich gut. Draußen sitzen und essen, Wein trinken, reden und lachen. Wie viel lebenswerter diese kleinen Dinge das Leben machen. Mehrmals hatte ich diesen „wie in Italien“-Gedanken – und die italienische Grenze ist ja auch nur ein paar Kilometer entfernt. La Dolce Vita. Wissen, wie man lebt, wie man genießt und glücklich ist. Das hat für mich in Nizza so gut funktioniert wie an kaum einem anderen Ort jemals zuvor.

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on tour: Katwijk

1 Tag, 1 Auto, 3 Frauen, 1 Ziel: das Meer. Vom Ruhrgebiet aus ist man schneller an der holländischen als an der deutschen Küste, also rauf auf die A2, dann die A3 und dann in Holland auf die A12 und einfach fast immer geradeaus, bis ans Meer. Morgens hin, abends zurück. Dazwischen: Zeit. Für Sand zwischen den Zehen und Zähnen. Für Picknick am Meer mit Möwenangriff. Für einmal Füße ins Wasser halten. Für Eiskaffee und Pommes Spezial. Für Sonnenbrand auf der Nase und Sonnenuntergang im Rückspiegel. Für holländische Supermärkte plündern und durch Dünen schlendern. Für gute Gespräche und viel Gelächter.

cof

Vermutlich wäre es egal gewesen, wenn wir woanders hingefahren wären. Irgendwo an den Kanal, oder ins Münsterland oder natürlich auch an die deutsche Küste. Aber mal wieder einen Tag raus sein war super, und diesen Tag in Holland und am Meer zu verbringen war doppelt super. Holland ist gut, weil man dort im Supermarkt einfach mal wieder tolle Dinge kaufen kann und weil ich so gerne holländisch höre und lese (und leider nur Brocken spreche) und natürlich auch wegen der Pommes Spezial. Das Meer ist super, weil es einfach das Meer ist. Am Meer sitzen ist immer gut. Es ist ja verrückt und ich weiß auch nicht, wie es das macht, aber am Meer sitzen beruhigt, es macht einen friedlich und ausgeglichen.

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Vielleicht machen wir das nächstes Jahr wieder. Oder mal woanders hin. Einen Tag mal was anderes sehen und erleben gefällt mir immer gut. Selbst wenn es ein bisschen anstrengend ist – frühes Aufstehen und so – so bringt es einem doch auch immer wieder ein bisschen frische Energie. Mehr Meer, mehr Ausflüge, mehr Meer-Ausflüge.

cof

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1997

Neulich erinnerte mich ein Artikel bei Facebook daran, dass im Jahr 1997 ein paar wirklich tolle Alben auf den Markt kamen. Urban Hymnes von The Verve zum Beispiel. Die Be Here Now von Oasis. Tellin Stories von The Charlatans. Großartige Dinger.

1997. Da war ich 15, trug Schlaghosen aus Cord, Doc Martens, trank das erste Mal Alkohol, wohnte in einer Kleinstadt – direkt neben Bielefeld und doch ohne Führerschein und Auto quasi unerreichbar – und fing an, mich ernsthaft in Musik zu verlieben. Mit 15 verliebt sein ist nie ganz einfach. In Musik verliebt zu sein, die abseits vom Mainstream ist, ist dann aber wirklich sehr schwierig. 1997 gab es in dem Haushalt, in dem ich lebte, noch kein Internet, das kam erst etwas später und dann wurde streng überwacht, dass man nicht zu lange surfte, weil eine viertel Stunde tagsüber im Netz surfen etwa so teuer wie ein Kleinwagen war. Musikfernsehen war bei mir ebenfalls Fehlanzeige. Wir hatten ja nichts. Was also tun, wenn man 15 ist, abgeschieden und gefühlt ewig weit entfernt von der Großstadt wohnt und es nur zeitweise mal einen Plattenladen in der Stadt gibt?

Ich hatte so ein Glück. Denn ich wurde 1997 15 und meine Schwester wurde 18. Volljährig. Führerschein. Hallo Welt. Hallo Musikwelt. Noch größeres Glück hatte ich damit, dass sie es war, die mir diese Musikliebe überhaupt vorgestellt hatte. Sie nahm mich mit, sie brachte mir mit, sie lieh mir aus.

Was diese Musikliebe mit mir und meinem Leben machte? Folgendes:

  1. Ich gebe Geld für Musik aus. Hauptsächlich für Konzerte, aber auch für CDs und Schallplatten. Möchte ich ausrechnen, wie viel? Lieber nicht.
  2. Die Tonträger nehmen Platz weg. Erklärt sich von selbst, oder?
  3. Ich wirke gelegentlich wie ein kleiner Nerd, vor allem wenn ich auf meinen Musikgeschmack angesprochen werde.  Oder wenn jemand mitbekommt, dass ich auf ein Konzert oder Festival gehe und fragt, wer dort spielt. Meistens antworte ich eher ausweichend, weil ich im Regelfall folgende Reaktion erhalte: „Nie gehört, kenn ich nicht. Was ist denn das? Ist das so Rock?“ Und Musik ist irgendwie sehr schwer zu erklären. Vor allem, wenn man weiß, dass das Gegenüber auch vergleichbare Bands nicht kennt. Tjaja, so Gitarrenmusik. Dings.
  4. Ich ertrage deutsches Radio nicht und liebe das Internet und britische Radiosender. Hallelujah.
  5. Sätze wie „wir wollten mal was neues ausprobieren“ sind wie Folter für mich.
  6. In meiner Freizeit sortiere ich „Diverse“-Fächer in Plattenläden um und stelle Alben nach vorne, die meiner Meinung nach auf jeden Fall mehr Beachtung finden sollten.

20 Jahre später trage ich keine Cordschlaghosen mehr – weil ich keine mehr finde – und auch sonst hat sich einiges geändert. Das Internet macht es einfacher für mich, Musik zu hören und zu entdecken, außerdem kann ich mit der Ubahn zu Konzerten und Plattenläden fahren. Es ist also leichter für mich, Musik zu konsumieren, aber gleichzeitig fällt es mir schwerer, begeistert zu sein. Das habe ich hier ja auschon einige Male thematisiert, dass es mir schwer fällt, „neue“ Bands zu finden. 1997, da kaufte ich CDs ohne Ende, wir brannten sie uns gegenseitig, wir Raubkopierer. Noch heute stehen etliche CDs in meinem Regal, die aus diesem Jahr stammen. Und wir nahmen uns auch noch Kassetten auf. Mixtapes, die wir dann im Auto hörten, bis das Band leierte. 1997, Cordschlaghosen, Musik, Mixtapes. Wie könnte ich diese Zeit nicht doch auch ein bisschen vermissen. Zum Glück ist ein bisschen was von der Zeit ja hängengeblieben, im Ohr und im Herz.

Kategorien: me, myself & I | 7 Kommentare

Pottspot: Emscher Landschaftspark

Der Regionalverband Ruhr hat zum zweiten Mal Blogger zu einer Tour durch den Emscher Landschaftspark eingeladen und in diesem Jahr war ich auch dabei. Der RVR hat uns dabei den Tag über begleitet, verpflegt, für den Transport ge- und uns mit allerlei Informationen zum Landschaftspark und zum Ruhrgebiet versorgt. Für das Wetter waren sie möglicherweise auch zuständig, denn der Spätsommer zeigte sich noch mal von seiner besten Seite und ließ die Sonne vom strahlendblauen Himmel scheinen. Optimal.

Sonntags morgens am Essener Hauptbahnhof, Start der Tour. Das ist nicht meine Zeit, gar nicht. Die erste halbe Stunde lief ich ziemlich auf Sparflamme und war auch ganz froh, dass wir zunächst mal die Fahr bis nach Oberhausen hatten und wir nicht direkt loslegten. Ein bisschen wacher wurde ich erst, als wir in Oberhausen das Centro (glücklicherweise) links liegen ließen und in eine wunderschöne Straße einbogen. Moment? Ist das noch Oberhausen? Das ist ja gar nicht so hässlich hier. Im Gegenteil. Gut, von Oberhausen kenne ich nicht so viel. Den Gasometer finde ich super, den Kaisergarten auch. Und ich war mal bei einem Konzert, das war auch gut. Ansonsten kenn ich Oberhausen gar nicht, hatte es aber bisher als „hässliche Ruhrgebietsstadt“ abgestempelt. Und dann fahren wir an so kleinen Backsteinhäusern vorbei, auf der anderen Straßenseite Wiesen und Felder und ich muss mal wieder meine Vorurteile aufräumen. Oberhausen hat noch mehr schöne Ecken. Und das Gebiet, auf dem das Haus Ripshorst und der dazugehörige Gehölzgarten liegt, gehört auf jeden Fall dazu. So idyllisch und ländlich. Als wäre man nicht inmitten einer Metropolregion, sondern mitten auf dem Land. Und dann starten wir direkt mit dem ersten Highlight für mich: wir gehen zum Zauberlehrling. Und da habe ich schon seit Jahren vor, den mal zu besuchen!

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Der steht da seit 2013, gehört zur Emscherkunst und ich finde ihn einfach großartig. Ein tanzender Strommast. Schade, dass nicht alle so aussehen. Und jetzt habe ich ihn endlich auch mal live gesehen, nicht nur auf Bildern. Wir sind dann noch weiter gegangen, über den Rhein-Herne-Kanal und die Emscher und dann wieder zurück, am Gehölzgarten vorbei zum Haus Ripshorst und dem Informationszentrum dort,  wo wir noch ein paar weitere Infos zur Region und den Emscher Landschaftspark erhalten haben.

Mit der Emscher ist das ja so: sie fließt von Holzwickede bis zum Rhein und an vielen Stellen riecht man sie, bevor man sie sieht. Das liegt daran, dass sie jahrzehntelang als Abwasserkanal missbraucht wurde und erst seit ein paar Jahren sehr aufwändig renaturiert wird. An einigen Stellen schon sehr erfolgreich und auch mit sehr viel Kunst und Ausflugsmöglichkeiten rundherum. Und so wie der Fluss einmal quer durchs Ruhrgebiet geht, so streckt sich halt auch der Landschaftspark einmal durch fast alle Städte. Es ist kein „klassisch“ abgegrenzter Park, er ist einfach irgendwie fast überall im Ruhrgebiet und er wird immer attraktiver. Und ich hoffe sehr, dass die Kinder, die jetzt geboren werden, dann mit ihren Kindern am Fluss im Grünen sitzen und dann von der Erinnerung erzählen, wie dreckig und stinkend der Fluss an einigen Stellen mal war und die Generation sich das kaum noch vorstellen kann.

Genug mit Wissen und Sandwiches gefüttert worden: für uns ging die Fahrt weiter und zwar nach Bottrop zum Tetraeder. Das ist eine der bekanntesten Landmarken des Ruhrgebiets, auf der Halde Beckstraße. Ich war vor ein paar Jahren schon mal dort oben und hatte lustigerweise neulich noch mal gedacht, dass ich mal wieder gerne dort hoch möchte. Sehr passend also. Und dann noch bei diesem Traumwetter!

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Was wir für ein Glück hatten, dass wir so eine schöne Sicht hatten. Die ist übrigens schon von der Halde aus sehr schön, aber von ganz oben natürlich einfach unschlagbar. Allerdings: man muss wirklich schwindelfrei sein. Nicht nur die Höhe ist nicht zu unterschätzen, dazu kommen noch ein Boden aus Lochgitter und dass das Ding mal mehr, mal weniger schwankt. Obwohl ich im Grunde nur wenig Probleme mit Höhe habe, bekomme auch ich da drauf streckenweise weiche Knie. Aber es lohnt sich einfach so, bei dem Blick. Halden und ihre Landmarken sind einfach was Feines und gehören zum Ruhrgebiet dazu wie Industriekultur.

Gute Überleitung, ab nach Bochum. Über die Erzbahnschwinge gelangen wir zum Westpark, in dem die Jahrhunderthalle steht. Auf den ersten Blick erinnert es mich ein bisschen an Phoenix West, aber natürlich haben der Park mit dem markanten Wasserturm und die Halle ihren eigenen Charme.

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Und endlich mal ein bisschen Rost.

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So muss das sein mit der Industriekultur. Da gehört Rost einfach dazu. Ich bin wirklich froh, dass man die alten Industrieruinen nicht einfach alle abgerissen hat und stattdessen einige von denen für kulturelle Angebote oder Ausflugsziele umfunktioniert worden sind.

Da aktuell auch die Ruhrtriennale läuft, stehen vor der Jahrhunderthalle ein paar Kunstwerke der Installation „The Good, The Bad & The Ugly“, die wir uns auch noch anschauen.

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Aber dann reisen wir weiter und zwar nach Dortmund, zum Phoenixsee. Auch dort fließt die Emscher entlang und außerdem ist an diesem Sonntag Nachmittag noch das Musikpicknick Emscher Landschaftspark, welches vom Regionalverband Ruhr veranstaltet wird. In der Sonne sitzen, picknicken, die Füße in den See halten und der dargebotenen Musik lauschen – ein gutes Konzept.

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Nach einer Pause am See gingen wir noch einmal an der dort stehenden Thomasbirne vorbei und dann ging es wieder zurück. Als Dortmunderin seilte ich mich ab und nahm die U-Bahn, weil ich so schneller wieder Zuhause sein konnte. Was für ein toller Tag. Der Regionalverband Ruhr hat sich in der Organisation wirklich Mühe gegeben und unsere Tourführerin Ulla hatte ein paar wirklich interessante und auch amüsante Fakten für uns parat. Ebenfalls mit dabei waren übrigens Silke, Frauke, Christina, Danny, Jürgen, Michael und Marja vom Regionalverband. Und offensichtlich auch der Wettergott, denn wir hatten wirklich ein Traumwetter. Herzlichen Dank an den Regionalverband Ruhr für die Einladung und ich hoffe, dass es nächstes Jahr eine Wiederholung mit einer neuen Route gibt. Das Ruhrgebiet ist so groß und abwechslungsreich und der Emscher Landschaftspark hat noch einige attraktive Ziele im Angebot. Spricht also eigentlich nichts dagegen. Im Pott is schön, immer wieder.

Kategorien: Pottspots | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

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