Rant des Monats: ich zeig dir mal, wie du glücklicher und besser wirst

Es gibt im Internet eine Sorte Mensch, die anderen Menschen erzählt, wie sie zu sein haben. Sportlicher, gesünder, aufgeräumter, sortierter, farblich abgestimmter, entspannter, organisierter, frühaufstehend und den Tag nutzend. Hab ich was vergessen? Bestimmt. Dabei ist immer ganz wichtig, dass die Ratschlägeverteilenden beschreiben, wie sie selbst etwas machen oder erleben und das dann als Allheilmittel für das ganze Volk verkaufen.

Und da reißt mir regelmäßig die Hutschnur. Da habe ich nämlich direkt mehrere Probleme mit. Zum einen: ich muss ja schon mal gar nichts. Vor allem nicht Ratschläge von Leuten annehmen, die mich nicht kennen. Dabei lasse ich mich grundsätzlich schon gerne mal inspirieren und freue mich, wenn ich Dinge entdecke, mal was lese was mich interessiert und was ich ausprobieren möchte. Aber nicht mit dieser Holzhammermethode.

Was mich am meisten dabei stört, ist, dass diese Tipps, Lifehacks und Tricks ja möglicherweise funktionieren – aber doch nicht bei jedem! Hey, erfülle dir doch einfach deinen Traum, drei Monate durch Neuseeland zu reisen, leg einfach ein bisschen Geld zur Seite! Entschuldige, bei solchen Worten sehe ich direkt eine alleinerziehende Krankenschwester (beliebig anderer schlecht bezahlter Job plus soziale Ungerechtigkeit natürlich ebenso), deren Geld so schon kaum bis zum Monatsende reicht.

In meinen Augen haben viele dieser Lifestyle-schönes Leben-Blogger/Instagramer/Influencer irgendwie verpasst, dass nicht alle so ein zauberhaftes Leben führen. Nicht alle Menschen dürfen Homeoffice-Tage einschieben, nicht alle Menschen können ernsthaft Ersparnisse zur Seite legen, nicht alle Menschen finden zwischen Schichtdienst und kranker Mutter pflegen Zeit für sich. Das ist scheiße. Aber das ist so. Es können auch nicht alle in superbezahlten Akademikerjobs arbeiten, ohne Arbeiter in Pflegeberufen und Produktion läuft hier nichts. Jetzt kann man darüber diskutieren, ob es nicht erstrebenswert wäre, in solch für die Gesellschaft wichtigen Berufen die Gehälter und Bedingungen zu verbessern, ist ja hier aber nicht Thema.

Mein Thema ist, dass viele dieser Schreiber verdammt priveligiert sind, und viel schlimmer: es ist ihnen offenbar nicht bewusst. Ich selbst lebe ja auch ein recht sorgloses Leben, kann mich aber an andere Zeiten erinnern. Und ich weiß, der ein oder andere gutgemeinte Ratschlag zur Verbesserung des Lebens hätte sich damals wie eine gepfefferte Ohrfeige für mich angefühlt.

Was ich mache? Ich ignoriere solche Internetseiten und Texte meistens. Und ansonsten versuche ich das an mir abperlen zu lassen. Ich bin da wie eine Lotusblume, ist ganz einfach, versuchen Sie das doch auch mal. Ich hab mich immer so aufgeregt, aber jetzt habe ich diesen super Tipp zur Verbesserung meiner Laune. Zehn Punkte, wie man entspannter wird.

(achach, geht mir doch fort damit!)

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6 Gedanken zu “Rant des Monats: ich zeig dir mal, wie du glücklicher und besser wirst

  1. Mein Papa sagt auch immer „Ich muss vor allem essen, trinken und ab und zu mal aufs Klo!“

    Aber ich überlege schon die ganze Zeit, ob ich auch so bin wie da beschrieben. Mit dem ganzen Sport und so? Sag, dass ich nicht so bin! 😦

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