too old to die young

Vor ein paar Tagen dachte ich darüber nach, wie es wohl so sein wird, wenn ich alt bin. Zum Beispiel wenn ich in Rente gehe. Das sind noch etwas mehr als 30 Jahre – wenn ich Glück habe und die Politik sich das nicht noch mal anders überlegt.

Vor anderthalb Jahren saß ich bei einem Sommerfest meines Arbeitgebers gemeinsam mit zwei etwa gleichalten Kolleginnen draußen auf Treppenstufen, als mein Blick auf drei ältere Kolleginnen fiel, die in unserer Nähe standen. Alle drei kurz vor der Rente, also fast doppelt so alt wie wir. „Irgendwann“ so dachte ich damals, „wird es möglicherweise ein Sommerfest geben, wo wir drei dann da so stehen und die jüngeren Kolleginnen auf den Treppenstufen sitzen.“

An diesen Moment musste ich neulich mal wieder denken. Wie wird die Welt wohl sein, wenn ich in Rente gehe? Und was denken dann junge Menschen über uns „alte“ Kollegen? Schau mal, die alten Kolleginnen, die sind immer so merkwürdig angezogen. Total spießig, tragen Jeans statt Jogginghosen. Wir sind dann diese Kollegen, die noch mit externer Tastatur und Maus umgehen können – wer weiß, ob dann überhaupt noch klassische Textverarbeitungsprogramme genutzt werden.

Schon heute kann man sich ja gelegentlich wie ein Dinosaurier fühlen, dazu muss man nur mal eine Weile U-Bahn fahren und Schülern bei Gesprächen über You Tube-Stars zuhören. You Tube-Stars ist ein Phänomen, welches ich sehr faszinierend finde. Ich kenne aber keinen wirklich davon. Bekomme halt nur mit, wenn in Dortmund stellenweise der komplette Vekehr zusammenbricht, weil da jemand irgendwo Autogramme gibt. Eine zweite gute Möglichkeit ist zum Beispiel wenn man darüber nachdenkt, was so vor 20 Jahren passiert ist und dann feststellt, dass man sich an alles sehr sehr gut erinnern kann. Ein paar Beispiele gefällig? 1998 war zum Beispiel die Lewinsky-Affäre, Gerhard Schröder wurde Bundeskanzler, Nokia brachte das bis heute erfolgreichste Modell 5110 auf den Markt und die Rechtschreibreform wurde eingeführt (sehr schön übrigens, dass es 20 Jahre später immer noch „neue Rechtschreibung“ genannt wird und so viele Leute nicht wissen, wann sie ß oder ss schreiben müssen). Noch zehn Jahre früher, also 1988, gab es das letzte Mal verbleites Benzin zu kaufen, es existierte noch die DDR und kein normaler Mensch dachte über Handys oder das Internet nach.

Manche Dinge entwickeln sich einfach rasend schnell und ich finde es spannend, darüber nachzudenken. Ich bin noch mit Raider, Telefonzellen, drei Fernsehprogrammen, dem Testbild und D-Mark aufgewachsen. Mittlerweile gibt es Knoppersriegel, Smartphones, Netflix und Bitcoins. Wie wird es sein, in 30 Jahren? Und werde ich mit den Entwicklungen mitkommen? Werden die jüngeren Kollegen über mich kichern und erleichtert sein, wenn die verschrobene Alte endlich in Rente geht? Die den neuen Azubis zeigt, was eine Tipp Ex-Maus ist oder ein Radiergummi. Vielleicht lege ich davon schon mal ein paar Exemplare zurück, wer weiß, wie lange es die noch gibt. Ich habe ja die Hoffnung, dass meine Generation ganz gut oder sogar besser mit dem technischen Fortschritt umgehen wird als die, die jetzt in Rente geht. Aber ein bisschen darf man sich trotzdem fürchten, nur halt nicht zu sehr. Nützt ja nichts.

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