Erbstück

Ich habe Zimtschnecken gebacken und dabei an meine Oma gedacht. Als ich Kind war,  haben wir in ihrer Küche zusammen Hefezöpfe gebacken. Eigentlich war ich so gut wie immer entweder in ihrem Garten oder in ihrer Küche. Von ihr habe ich meine Liebe zum Backen und Kochen geerbt, definitiv. Die Hände in Kuchenteig versenken, Gemüse schneiden, Gewürze riechen. Das Gespür für Lebensmittel, für ihren Geschmack und wie sie verarbeitet werden können.

Bei meiner Oma konnte man früher immer unangemeldet vorbeikommen, sie hat es geschafft, jeden satt und glücklich zu machen. Aus zweieinhalb Zutaten konnte sie ein ganzes Gericht improvisieren und alles, was sie einem vorsetzte, schmeckte. Das lag natürlich zum einen daran, dass sie die meisten Zutaten frisch aus ihrem riesigen Garten holte und zum anderen daran, dass sie es gewohnt war, für viele zu kochen und aus wenigen Dingen viel heraus zu holen. Nicht zu vergessen, die Extraportion Liebe und ihre Nerven aus Stahl. Vermutlich ist es so, dass Omas diese Gabe haben, extra viel Gelassenheit und natürlich viel weniger streng sind als bei ihren eigenen Kindern. Ich jedenfalls habe die Zeit in der Küche meiner Oma und mit ihr geliebt.

Ich habe selbst keine Kinder, wer weiß, ob ich jemals welche haben werde. Aber ich habe ausreichend Freunde und viele Kinder in meinen Freundeskreisen, so dass ich zumindest die „Tante“ werden kann, bei der immer alle gerne vorbei kommen und wo man sich wohl fühlt und die mit den Kindern backt und kocht. Irgendwie finde ich diesen Gedanken sehr schön, diese Lebensart und dadurch auch ein bisschen sie selbst weiter zu leben und zu geben.

Wenn ich heute in meiner Küche stehe und koche oder backe, dann denke ich fast immer an meine Oma. Die kocht heute nicht mehr, weil sie mittlerweile so dement ist, dass sie das nicht mehr kann. Ich denke aber an sie und überlege manchmal auch, wie sie das wohl gekocht hätte und wie ihr die Dinge schmecken würden. Meine Zimtschnecken würde sie lieben, denn diese Liebe zu süßem Hefegebäck, die hat sie mir auch weiter vererbt.

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Kategorien: me, myself & I | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „Erbstück

  1. Das geht mir mit meiner Oma genauso. Am besten mit Hefeteig (da erzählte sie immer, dass sie das erst mit Ende 20 gelernt hat, weil die Nahrungsmittel damals so knapp waren und der Teig auf jeden Fall gelingen musste und meine Uroma sie deshalb nicht eher an einen Hefeteig gelassen hast) und natürlich beim Nähen und Stricken. Zwar schimpft sie immer viel über meine Strickergebnisse, weil sie selbst halt viel viel genauer und exakter gestrickt hat. Aber sie glaube ich trotzdem stolz drauf 😉
    Und: ich hoffe auch auf den „Tanten“-Status bei einigen Kindern, die dann gerne bei mir vorbei kommen 🙂 Bei mindestens einem Jungen habe ich den schon!

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