Die Antiquitäten der Zukunft

Neulich bin ich mit dem Auto von der Arbeit nach Hause gefahren, das kommt gelegentlich vor. Ich stand an einer Kreuzung, leider länger als nur eine Ampelphase, das kommt auch vor, zumindest zur Feierabendzeit. An der Kreuzung ist ein Antiquariat und ich fing an, darüber nachzudenken. Wird es wohl in hundert oder hundertfünfzig Jahren noch Antiquariate geben? Und wenn ja, was kann man da kaufen?

Ich habe da ein sehr klares Bild vor Augen, ganz sicher wird es eine wunderbare Auswahl sein: Weckgläser-Vasen, Milchaufschäumer, Regale aus Weinkisten, Sukkulenten, irgendwas aus Kupfer oder Beton, Billyregale und überhaupt sehr viele skandinavische Möbel, diese Lightboxes mit Buchstaben, Schieferplatten, Glühbirnen, Limonaden-Gläser mit Deckel, Buddhaköpfe, Eames DSW-Stühle, Pandora-Armbänder, digitale Bilderrahmen, Webergrills, schwarz-weiße Läufer mit geometrischen Mustern, Playstations, iPhones, mit LED-Leisten beleuchtete Möbel, Bilder mit „do more of what makes you happy“-Aufdruck, „made with love“-Stempel, Home-Schriftzüge aus Holz…

Kurzer Einschub: woher kommt dieser Zwang, alles zu beschriften? Poster mit mehr oder weniger sinnvollen und/oder lustigen Sprüchen, beschriftete Kaffeetassen („coffee“), beschriftete Seifenspender („soap“), beschriftete Kissen („Home“ oder „relax“). Nichts bleibt erspart, alles wird bedruckt. Vielleicht sind manche Leute aber auch mittlerweile so dumm, dass sie eine Beschriftung der Dinge brauchen.

Ob unsere Urgroßeltern mal darüber nachgedacht haben, dass ihre Möbel irgendwann als „vintage“ und aufpoliert wieder an Liebhaber verkauft werden? Gab es damals auch schon Antiquariate und wenn ja: was hat man da gefunden? Wann wurde das erste Antiquariat eröffnet?

Jede Ampelphase hat ein Ende, sogar im Feierabendverkehr. Aber wenn ich jetzt durch Geschäfte laufe, dann stell ich mir vor, wie in 100 Jahren jemand nach Harry Potter-DVDs oder Coffee To Go-Bechern sucht und sich möglicherweise mal wie Bolle freut, wenn er mein Apfelkissen in einem Vintageshop findet. Das gefällt mir.

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Kategorien: I hope, I think, I know | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Die Antiquitäten der Zukunft

  1. *Klugscheißmodus on*

    Na ja, in Antiquariaten wird’s vermutlich auch in der Zukunft einfach viele alte Bücher geben, dafür sind sie ja da. Möbel und Zeug gibt’s dann in Antikläden.

    *Klugscheißmodus off*

    Ich denke das ja immer bei Neubauten. Wie lange wird es dauern, bis das nicht mehr schick und modern ist und wie lange, bis wir es als alt (und wieder schön) empfinden?

  2. Miss James

    Wieder was gelernt!
    Das mit den Bauten denke ich auch häufiger, vor allem, wenn ich zb in der Hamburger Hafencity oder in Dortmund am Phoenixsee bin.

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