opium fürs volk

2017 läuft, der Januar verging ähnlich schnell wie das vergangene Jahr. Sprich: zack, vorbei. So richtig super läuft es nicht. Die Nachrichten verfolgen ist ja selten amüsant, aber aktuell macht es noch weniger Spaß als sonst.

Trotzdem, bisher ärgert mich einiges, bei anderen Dingen bin ich (verhalten) optimistisch, eine Menge perlt an mir ab. Es braucht einiges, um mich aus der Fassung zu bringen. Tatsächlich war ich selbst etwas überrascht, als mich dann ein kurzer Radiobeitrag am Morgen fast zum eskalieren brachte. Nichts über den amerikanischen Präsidenten, nichts über deutsche Populismus-Parteien, nichts über humanitäre Katastrophen. Tatsächlich war es ein vergleichbar harmloser Beitrag darüber, dass die katholische Kirche es geschiedenen und dann aber wieder verheirateten Mitgliedern nun erlauben möchte, wieder an der Kommunion (das Pendant zum evangelischen Abendmahl) teilzunehmen, wenn – man höre und staune – man zuvor mit einem Seelsorger spricht.

A. L. T. E. R.

Dazu muss man wissen: wer sich als katholischer Mensch scheiden lässt, der darf zwar weiterhin am Gottesdienst teilnehmen, die Hostie, also die heilige Kommunion und damit der wichtigste heiße Schice der katholischen Kirche, bekommt er/sie offiziell aber nicht mehr ausgehändigt.

Davon abgesehen, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass tatsächlich ein Pfarrer im Zweifel zunächst irgendwelche Gerichtsbeschlüsse durchblättert und sogar eins seiner Schäfchen in den immer leerer werdenen Kirchen bei der Verteilung der Hostien wegschickt. Also davon mal abgesehen, ist das meiner Meinung nach einfach nur eine Frechheit und ich bin zum wiederholten Male froh, dass ich vor einigen Jahren aus der Kirche ausgetreten bin. Schon die Tatsache, dass man als geschiedene Person in der katholischen Kirche so zweitklassig behandelt wird. Anstatt zu sagen „da ist eine Person, der es möglicherweise schlecht geht, die Hilfe braucht, die eine wirklich schwierige Zeit hinter sich hat…wie schön, dass sie dennoch in den Gottesdienst kommt, jetzt zeigen wir mal, wie gut sie bei uns aufgehoben ist“ ist die katholische Kirche da ja eher so der Typ „BÄH, du  Hexe, komm uns lieber nicht zu nah!“ Kundenbindung sieht in meinen Augen anders aus, aber da scheiden sich ja die Geister.

Wie großzügig, ein erneut verheiratetes Gemeindemitglied dann doch wieder in die goldene Mitte aufzunehmen. Nach einem Gespräch mit einem Seelsorger. Mit einem SEELSORGER! Ich komme auch bei längerem Nachdenken nicht darauf, warum das Gespräch mit einem Seelsorger stattfinden soll, haben die nicht genug anderes zu tun, zum Beispiel Gespräche mit frisch geschiedenen Menschen führen, die sich gerne ihren Kummer und ihr Leid von der Seele reden möchten, weil sie a) frisch geschieden sind und dann noch b) von der Kirche wie Aussätzige bzw. Menschen zweiter Klasse behandelt werden? Ich denke darüber nach, wie ein Gespräch zwischen Seelsorger und erneut verheiratetem Katholik ablaufen mag und irgendwie führt es in meinem Kopf immer zu einem eher absurden Ende. Wenn man sich dann noch Gedanken darüber macht, dass ein paar alte, angeblich abstinent lebende, Säcke diese Dinge bestimmen und sich jetzt vermutlich selbstgefällig das Bäuchlein streicheln, weil sie diesen ach so liberalen Erlass durchgerungen haben, dann kommt mir die Kotze hoch. Tatsächlich bin ich fest davon überzeugt: Jesus würde sich im Grabe umdrehen. Wäre er nicht wieder auferstanden. Denn der wirkte rückblickend jedenfalls ein bisschen lässiger als die hohen Würdenträger der heutigen katholischen Kirche.

2017 ist also das Jahr, in dem ich schon an einigen Tagen ob der globalen – und auch nationalen – Lage gezweifelt habe, ich auch einige Male wütend über Sexismus und anderen Spökes war, aber nur die katholische Kirche schaffte es bisher, mich so richtigrichtig aus der Fassung zu bringen. Bitte jeder nur ein Kreuz. Jehova! Jehova! Danke. Bitte. Amen.

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4 Gedanken zu „opium fürs volk

  1. Spätestens seit dieser Geschichte mit den Ablässen frage ich mich täglich, wie man freiwillig der katholischen Kirche angehören kann.

  2. feeistmeinname

    Auch wenn du dich aufgeregt hast, hat dein Post mich jetzt sehr erheitert 😉

  3. Miss James

    Lachen gegen Wut ist ja auch meine liebste Therapie!

  4. Frauke

    Da gehts mir wie Fee 🙂 Deine Worte haben mich auch etwas zum Lachen gebracht!
    Und: ich bin zwar protestantisch aufgewachsen, aber aus ähnlichen engstirnigen Denkformeln der Kirche aus der Kirche ausgetreten…

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