Der Herbst und ich

Pünktlich zum 1. Oktober ging er los, der Herbst. Bis dahin hatten uns die letzten Augustwoche und der September noch mit etwas Hochsommer verwöhnt – und auch für den restlichen Sommer versöhnt. Viel Sonne, viel Wärme. Wunderbar. Am 1. Oktober stand ich auf und fror ein bisschen. Draußen war es grau, später regnete es noch. So ist das also. Der Herbst.

Viele flippen jetzt euphorisch aus und freuen sich über den Herbst. Ich bin eher zwiegespalten. Mir ist der Herbst immer noch lieber als der Winter, aber so richtig glücklich bin ich mit ihm auch nicht. Neulich las ich eine Liste mit mehreren Gründen, warum der Herbst die tollste Jahreszeit sein soll. Ich schüttelte ungläubig den Kopf. Entschuldigung, ich muss da mal was klarstellen.

1. Der Herbst ist ja so schön, wenn es draußen regnet und man gemütlich drinnen sitzt und sein liebstes Heißgetränk trinkt.

Also erstens: verlassen diese Leute nie das Haus? Wenn es draußen regnet und stürmt und man auf die Straßenbahn wartet, dann ist das schon wieder nicht mehr so hübsch. Zweitens: mein Lieblingsgetränk ist Zitronenlimo. Ich finde warme Getränke so „geht so“. Kaffee trink ich morgens zum wach werden, Tee nur wenn ich krank bin und Kakao eigentlich auch nicht so richtig gern, weil ich davon noch mehr Durst bekomme. Lieber ein kühles Bergmann Bier an einem warmen Sommerabend.

2. Kein Schweißgeruch in der U-Bahn.

Ernsthaft? Gibt es wirklich Leute, die glauben, dass Menschen im Herbst oder Winter nicht nach Schweiß stinken? Den lade ich gerne mal auf eine Runde U-Bahn im Winter ein. Solange es Menschen gibt, die offenbar nicht viel von Wasser und Seife halten, wird es auch immer wieder Tage geben, an denen man Mitfahrer erst riecht und dann sieht.

3. Laub, durch das man rascheln kann

Nasses Laub, dass an den Schuhen klebt und Hundescheiße versteckt. Obwohl: in Dortmund selten Hundescheiße, weil gefühlt JEDEN Tag jemand mit seinem dämlichen Laubsauger kommt und das Laub rumpustet. Die Stadtreinigung ist übrigens auch sehr fleißig.

4. Keiner nervt mit Diät und alle lieben deftiges Essen

Erster Teil: die Person hat noch nie zusammen mit Frauen (meinen Kolleginnen) gearbeitet. Zweiter Teil: ja, schon. Aber ich mag halt auch gerne Salat und Eiscreme.

5. Man kann hemmungslos Zeit im Bett und mit Serien verbringen

Mein Terminkalender sieht das leider anders.

Es gab noch ein paar mehr Punkte, aber das ist müßig. Es gibt ja auch tatsächlich ein paar Dinge am Herbst, die ich mag. Kürbis, Mützen, das verfärbte Laub und dieses unglaublich schöne Licht. Bisher hatten wir ja auch Glück, wirklich. Aber ich sehe es halt häufiger so, dass der Herbst nicht gemütlich, sondern ungemütlich ist. Dass es spät hell und früh dunkel wird – und die Zeit dazwischen sitze ich nunmal im Büro. Nasse Füße, kalte Nase und Hände und irgendwie bin ich immer falsch angezogen. Im Sommer jammern viele Leute über die Wärme und ich denke, dass sie dann einfach mal einen Gang zurückschalten sollten oder auch oft viel zu viel an haben. Dafür hab ich halt im Herbst dann keinen Schirm dabei oder eine Jacke an, in der ich morgens friere und mir nachmittags zu warm ist. Das ist dann möglicherweise ausgleichende Gerechtigkeit.

Der Herbst und ich, bisher läuft das dieses Mal wirklich ganz okay. Ich habe alle Schals und Mützen gewaschen und mir eine neue Winterjacke gekauft. Im Büro und auch Zuhause läuft gelegentlich schon die Heizung, ich habe ein paar Kastanien gesammelt und es gab schon Kürbischili und demnächst auch Stielmus. Nasse Füße hatte ich auch noch nicht. Glück gehabt. Ist also alles halb so wild. 

(Ich war doch einfach noch nicht so richtig fertig geworden mit meinem Sommer)
 

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Kategorien: Mixtape (uncategorized) | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Der Herbst und ich

  1. Von den Temperaturen her fühlt es sich bereits wie Winter an. Und vor 2 Wochen lief man noch im T-Shirt rum und vor drei hat man geschwitzt. Crazy! Das blödeste am Herbst ist, dass man weiß, dass der Winter noch kommt, bevor es wieder warm wird.

  2. Miss James

    Das stört mich auch am meisten: dass man weiß, dass bald Winter ist.

  3. Sehe ich genau so.
    Der Herbst ist der Vorbote der von mir verhassten Jahreszeit Winter. Kann man, in meinen Augen, beides nicht schön reden.
    Habe die Woche mein Rad bis zum April in den Keller gebracht, weil das Radfahren zur Arbeit jetzt wieder unerträglicher wird für mich. Bin schon ganz traurig deswegen, es fehlt mir jetzt schon.
    Ich will wieder kurze Hosen tragen, Stunden auf dem Balkon sitzen und Musik hören und und und.
    Ist doch alles doof.

  4. Miss James

    Ich gebe mir wirklich immer Mühe, den Herbst nicht als allzu negativ anzusehen. Heute ist zum Beispiel auch wunderbarer Sonnenschein. Aber ich merke echt, wie schwer es mir fällt und wie sehr mir das Tageslicht fehlt.

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