sweet 16

Eine Freundin von mir ist gerade im Urlaub im schwedischen Nichts – kaum Handyempfang, kein Internet, nur Natur. Nächstes Wochenende kommt sie nach insgesamt drei Wochen zurück, zurück in die Zivilisation.
Und diese Zivilisation? Die ist dann ohne Miriam Pielhau, dafür mit Pokémon, mit einem erneuten Terroranschlag und mit einem versuchten Militärputsch in der Türkei – und wer weiß, was in der kommenden Woche noch alles so passieren wird. Aktuell existieren diese Dinge in ihrer Welt nicht, zumindest gehe ich nicht davon aus, dass sie bisher davon wirklich weiß. Ein bisschen beneide ich sie darum, aber sie wird dann womöglich alles mit einem Schlag erfahren und da möchte ich dann auch nicht tauschen.

Hallo 2016, ich glaube, du bist kaputt…kann man da noch was reparieren? Umtauschen geht wohl nicht mehr, ich weiß auch gar nicht mehr, wo ich den Bon hingelegt habe.

Alle bekloppt. Eine Aussage, die 2016 so gut passt wie vielleicht nie zuvor. Zumindest in meinem Leben nie zuvor. Irgendwas war immer, wenn ich so zurückdenke, gab es kein Jahr, in dem nicht irgendwer durchdrehte und es irgendwo eskalierte oder man zumindest einen Grund zur Sorge fand. Aber jetzt fühlt es sich zumindest so an, als häuft es es. 2016, das Jahr in dem alle Promis starben und ständig irgendwo Anschläge oder Unruhen waren. Oder ist das nur ein Ablenkungsmanöver von Putin, damit wir nicht mehr über die Ukraine reden und darüber nachdenken, wem die Krim eigentlich „gehört“?

Wie schaffen wir es, jeden Tag zu überstehen, ohne durchzudrehen? Und wird 2017 noch schlimmer? Ich persönlich zwinge mich dazu, nicht ständig den Newsfeed zu aktualisieren. Handy weglegen, ein Buch lesen, Musik hören, dem Patenkind beim Großwerden zuschauen. Mit Freunden ein Bier trinken gehen. Über einen Urlaub im schwedischen Nichts nachdenken. Das Problem ist nur das Zurückkommen. Wenn man dann zum Smartphone greift oder den Fernseher für die Nachrichten anschaltet und schon fast Angst davor hat, weil man nicht weiß, was einen erwartet. Aber ich kann nicht mein Leben lang in einem schwedischen Wald sitzen. Es muss immer wieder gehen und es geht immer weiter. Irgendwie.

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Kategorien: I hope, I think, I know | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „sweet 16

  1. Den freien Tag genossen. Über den Besuch gefreut. Und das endlich friedlich schlafende Kind. Fernseher an, drei erschossene Polizisten in Baton Rouge. Wenn wir zusammenschmeißen- reicht es für eine Hütte im schwedischen Nichts?

  2. Ann

    Ich würde auch was für einen Platz in der Hütte beisteuern. :/

    Momentan finde ich es auch mal wieder überaus beängstigend ins Internet zu gehen oder den Fernseher einzuschalten. Und ich habe mir abgewöhnt, bei den meisten Beiträgen die Kommentare durchzulesen. So viel Schwachsinn ertrage ich einfach nicht.

  3. airsign

    2011. 2 Eigen Kykladenhoping. Das Handy (kein Smartphone), nur kurz um telefonieren genutzt. 2 Wochen: Keine Zeitung gelesen. Kein Internet. Nur Buch, Musik, gutes Essen, trinken und etwas Strand. Herrlich! Ich war heute noch nicht bei Spiegel online, trau mich nicht.

  4. Wenn wir alle zusammen legen, sollte es für ein größeres Grundstück irgendwo ganz abgelegen reichen. Dort bauen wir einfache Hütten und werden Selbstversorger.
    Danke für deine Zusammenfassung der letzten 3 Wochen 😉
    So ganz ohne Internet und News war es echt herrlich! Mit dem Abstand des Urlaubs kann ich nur rückblickend auf die schrecklichen Ereignisse blicken und den Amoklauf gestern in München habe ich nur am Rande mitbekommen. Das tut echt gut. Hört sich egoistisch an und ist es evtl auch. Aber ändern kann ich an den Dingen eh nix und wenn ich sie einfach mal nicht mitbekomme, passieren sie, ob ich das merke oder nicht.
    Lass demnächst mal wieder auf ein Bier treffen. Mit Handy aus dabei 😉
    Ganz liebe Grüße, Frauke

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