Legenden sterben nie

Wir müssen über Legenden reden. Nicht die kleinen Dinger am Rand der Erdkundekarte, sondern die Legenden des Lebens. Helden des Alltags, die Stars aus Funk und Fernsehen, die sozusagen unsterblich sind. Musiker. Aber halt! Unsterblich? Das Jahr 2016 macht den Anschein, als hätten die größten und großartigsten Menschen des Planetens irgendwie keine Lust mehr, zumindest gefühlt winkt jede Woche ein neuer Musiker nach seiner Rechnung.

Was bleibt? Die Musik, die Erinnerung und das Gefühl, dass da ein Musiker gegangen ist, der uns schon fast unser ganzes Leben lang begleitet hat. Und eine Frage, nämlich: wer rückt nach? Wenn ich mal ein Kind haben sollte, wird es dann irgendwann traurig sein, weil – beispielsweise – Joris stirbt? Beyonce? Justin Bieber? Dann lieber Justin Timberlake? Oder Thees Uhlmann? Bei letzterem wäre ich ja zumindest traurig, aber ob es zu einer generationenübergreifenden Legende reicht?  Musiker wie Prince oder David Bowie habe ich als Kind gekannt, meine Eltern hatten ihre Alben in der Plattensammlung stehen. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, welche musikalischen Helden ich dann ab meiner Jugendzeit (also seit mein Musikgeschmack sich deutlich in eine bestimmte Richtung entwickelte) dazugekommen sind, dann wird das schon deutlich dünner – und ich bezweifele, dass meine Kinder noch darauf warten werden, dass einer dieser Musiker endlich mal wieder ein neues Album veröffentlicht. Oder sich zumindest auf ein Best Of freuen. Best Of Noel Gallagher möglicherweise, oder Pete Doherty, wenn ich Glück habe. Ist in den vergangenen zehn Jahren überhaupt ein Musiker entdeckt worden, bei dem man sich vorstellen kann, dass sein Ableben mehrere Generationen und Menschen weltweit erschüttert? Da fällt mir wieder Beyonce ein, aber streng genommen ist die ja auch schon länger als 10 Jahre im Musikgeschäft unterwegs. Und: mich persönlich berührt die jetzt nicht so. Neulich hatte ich mal an Wanda gedacht, ich weiß nur noch nicht, ob die das noch so lange durchhalten – aber das hat man ja bei den Rolling Stones zB sicherlich auch mal gedacht.

Möglicherweise ist es auch einfach mein Problem und mein Musikgeschmack. Vielleicht weinen in 30 Jahren alle – einige – um die ganzen Helene Fischers und Wendlers, die dann widerum unsterblich sind. Und in meiner Welt ist die Heldenzeit einfach vorbei. Oder es ist ein etwas exklusiveres Heldentum. Legende im kleinen Kreis. Vielleicht bin ich auch einfach zu ungeduldig, meine letzten musikalischen Superstars (Gallagher, Albarn, Doherty) sind ja schließlich auch schon gute 20 Jahre dabei und hatten bereits ihre Höhen und Tiefen. So ein Legendentum will ja schließlich auch erarbeitet werden, da muss man auch einiges investieren und sich abheben von der Masse des Radiogedudels.

Jetzt ein Ende finden, bevor das hier in midlife crises-eske Verhältnisse ausartet. Ich kann ja eh nur abwarten und ein bisschen hoffen.

(I live my life for the stars that shine
People say it’s just a waste of time.
Oasis – Rock’n’Roll Star)

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