U-Bahn-Gedanken

Ich scheiße auf die angeblich mangelnde Integration von Flüchtlingen und wünsche mir einen Integrationskurs für die Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln. Ach was, für das öffentliche Leben! Man bleibt nicht einfach in einer sich bewegenden Menschenmenge stehen, vor allem nicht beim Ein- oder Aussteigen der U-Bahn. Und auch nicht, wenn man eine Rolltreppe verlässt. Auf der Rolltreppe gilt übrigens: rechts stehen, links gehen. Ich wünschte mir, in der Schule würde sowas mal unterrichtet werden.

Ich finde es übrigens nicht schlimm, wenn morgens alle auf ihr Smartphone starren, lesen oder twittern, bei Facebook ihren Exfreunden hinterherspionieren oder Spiele spielen.
Ich habe meistens meinen E-Reader in der Hand und nutze die Zeit zum Lesen. Hatten wir in der Prä-Smartphone-Zeit eine Diskussionskultur in der Bahn? Gab es Entertainer oder Gaukler in Bussen, die uns die Zeit vertrieben? Gar Polonaisen durch Waggons? Ich kann mich nicht erinnern, bin ja aber auch so jung, dass die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel für mich schon immer mit „Ablenkungsmedien“ verbunden ist. Als ich alt genug war, um alleine öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, da besaß ich zumindest schon einen Walkman.
Davon abgesehen sind da immer Menschen in der Bahn, die sich und gerne auch die restlichen Mitfahrer unterhalten. Gerade morgens wünschte ich mir manchmal, dass es leiser wäre und alle nur auf ihr Smartphone starren würden. Ein Königreich für ein Sprechverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln vor 8 Uhr.

Wer hat sich das mit dem „öffeln“ eigentlich ausgedacht und hat das Karma ihn/sie schon ausreichend dafür bestraft?

Ich liebe U-Bahnfahren. Ernsthaft. U-Bahnen sind für mich der Inbegriff der Großstadt und ich nutze sie ein vielfacher lieber als Busse.
Ich mag das Geräusch der quietschenden Bremsen und das Rumpeln über die Gleise. Man ist recht unabhängig vom restlichen Verkehrsaufkommen und fährt gelegentlich einfach unter oder zwischen Staus hindurch.
Dabei habe ich den besonderen Luxus, dass meine U-Bahn-Linie im 5-Minuten-Takt fährt, ich also einfach irgendwann Zuhause oder bei der Arbeit loslaufe und in die nächstbeste Bahn steige. Im Normalfall fahren die Bahnen in Dortmund auch vergleichsweise pünktlich und störungsfrei. An Heimspieltagen des BVBs sind die meisten Bahnen natürlich vor und nach dem Spiel bumsvoll, aber es ist manchmal immer noch besser als stundenlang mit dem Auto im Stau zu stehen.

Darf ich mich noch mal kurz über Menschen auslassen? Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich hochbegabt bin, nur weil es mir gelingt, die Situation in dem U-Bahn-Waggon mit einem Blick zu erfassen und nicht erst stehen bleiben muss. Außerdem nerven mich Menschen, die einfach im Eingangsbereich stehen bleiben, obwohl noch etliche Sitzplätze frei sind. Und dann gibt es noch die Spezialisten, die sich auf den Gangplatz setzen und nicht zum Fenster rücken, sobald die Bahn voller wird. Die wenigsten haben Bock, für ein paar Minuten Fahrt zu fragen, ob der Platz noch frei ist, womit der freie Stehplatz in der Bahn noch voller ist. Was war noch? Ach ja, was stimmt nicht mit den Leuten, die ihre Musik so laut hören, dass ich trotz ihrer Kopfhörer alles verstehen kann?

Ich mag U-Bahnen, wirklich. Menschen sind merkwürdig, aber ein bisschen gewöhnt man sich daran. Außerdem sieht man während den Fahrten auch immer wieder herzerweichend schöne zwischenmenschliche Momente.

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Schönheit ist, was man draus macht.

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Kategorien: Hometown Blues, I hope, I think, I know, Mixtape (uncategorized) | Schlagwörter: , | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „U-Bahn-Gedanken

  1. Die Leute, die am Ende der Rolltreppe stehen bleiben, sind auch meine ganz besonderen Freunde.

  2. Polonaisen. Hihi. (Bitte nicht!)

  3. Du beschreibst sehr schön die Berliner U- Bahn. 🙂
    Ich fahre auch lieber U- Bahn. Leider muss ich zur Arbeit immer Bus und / oder S- Bahn benutzen.
    Da ich Morgens um fünf Uhr schon auf Reisen bin, sind da noch alle Leute still und keiner plappert laut vor sich hin. So das ich dann Morgens meine Ruhe habe.
    Nachmittags ärgere ich mich dann oftmals über die Kandidaten die laut in ihr Handy plappern. Das ist sehr sehr nervig, gerade zum Feierabend, wenn man mal wieder seine Ruhe haben will.

  4. Miss James

    Es scheint ja in jeder Stadt gleich, oder zumindest ähnlich zu sein. Morgens um 7:30 Uhr wird zumindest schon gerne und viel telefoniert – ich wüsste gar nicht, was ich da mit wem besprechen soll. Dann lieber Polonaise 😉

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