Blogparade: Mein Körper und ich

Viele Menschen haben nur einen wirklichen Feind: sich selbst. Und leider sind es viele, die dabei nur an ihren Körper (oder Körperteile) denken. Und die sich quälen, sofern sie nicht zum sogenannten Idealmaß passen. Es wird einem aber auch nicht leicht gemacht, überall wird einem gezeigt, wie man aussehen muss und dass man als möglichst schlanker, vitaler und junger Mensch viel erfolgreicher und toller ist. Dick sein ist bäh, alles faule Säcke. Und als ich neulich eine Reportage über die Männer im Silicon Valley sah, die sich mit Botox behandeln lassen, damit sie in der IT-Branche noch jung genug wirken, da fiel ich fast vom Sofa. Es trifft alle, nicht nur Frauen. Ich vermute, man kann darüber streiten, ob es Frauen da in der Gesellschaft schwerer haben (oder es nur schwerer nehmen), aber das will ich hier gar nicht.
Fee hat sich ihrem Feind gestellt, in einem sehr persönlichen Blogpost vorgestellt und abschließend dazu aufgefordert, auch zu berichten. Ich habe ein paar Tage darüber nachgedacht, hin und her überlegt, ob ich mitmachen soll und mich dann dafür entschieden. Denn je mehr Leute aufstehen und sagen „Ich bin halt nicht perfekt“ desto mehr wird es sich vielleicht in aller Menschen Hirnen einbrennen, dass es halt so ist. Weil wir alle anders und einzigartig und wertvoll sind. Auch mit ner krummen Nase, dünnem Haar und dicken Oberschenkeln. Egal, was die Werbung oder Heidi Klum dazu sagen. Oder die anderen. Scheiß doch auf die anderen. Echt mal.

Und ich? Jaja, fünfsechs Kilo weniger wären schon super. Und die Lachfalten sieht man mittlerweile auch dann, wenn ich gar nicht mehr lache. Aber ganz ehrlich, wenn ich eins an mir austauschen dürfte, dann wäre es meine Haut.
Hallo, mein Name ist Gesa und ich habe Rosazea. Was das bedeutet? Kurz gesagt: rote Flecken im Gesicht. Lang gesagt: ich gehe im Grunde niemals ohne Make Up aus dem Haus, ich vermeide Temperaturschwankungen, sehr scharfes Essen und gelegentlich verzichte ich genau deswegen auf Alkohol. Es gibt verschiedene Auslöser – Temperaturwechsel, Alkohol, scharfes oder „schweres“ Essen, Stress oder auch wenn ich mich einfach nur über irgendwas ärgere. Schon „blüht“ ein sogenannter Flush auf meinen Wangen. Und jeder der mich persönlich kennt weiß: den kann man nicht verstecken. Da nützt dir auch das dickste Make Up nicht, und auch keine Camouflage. Ach, und die Creme aus der Apotheke? Die lindert es vielleicht ein kleines bisschen. Überraschenderweise helfen auch nicht Sätze wie „Da musst du doch jetzt nicht rot werden!“ Ehrlich nicht. Witzbolde.

Da ist meine leichte Neurodermitis an den Armen (übrigens vom Hausarzt nebenbei diagnostiziert, während ich recht nackt vor ihm stand und er bei mir ein Hautkrebs-Screening durchführte…so nach dem Motto „wussten Sie eigentlich, dass Sie Neurodermitis haben?!“) pillepalle gegen. Da kommt höchstens mal die Frage, ob ich Sonnenbrand habe. Nee. Ist meine Haut.
Meine Haut und ich, wir sind nicht die dicksten Feunde. Total trocken ist sie zudem auch noch. Nun gut, ich arrangiere mich. Meine Cremes sind aus der Apotheke, scharfes Essen esse ich meist Zuhause und nicht unterwegs. Und naja, ich lebe halt damit, dass ich beim Friseur rote Flecken bekomme, wenn der Kamm ein paar Mal an Gesicht entlang durch die Haare gezogen wurde. Ich lebe damit, dass ich Massagen zwar entspannend finde, aber das Liegen mit dem Gesicht auf dem Handtuch rote Flecken hinterlässt. Ich lebe damit, dass ich mich einmal kurz kratze und dann ausehe, als wäre ich gefoltert worden. Ich lebe damit, dass ich im Fitness-Studio gefragt wurde, ob man einen Arzt rufen soll. Am schlimmsten sind für mich übrigens Winterspaziergänge, bzw. die anschließende Rückkehr ins Warme. Horror. Der Sommer ist mir ja eh lieber – ein bisschen gebräunt sieht man die Röte weniger, außerdem ist die Temperatur einfach konstanter und bei Hitze finden es Menschen auch nicht so erwähnenswert, wenn man mal ein bisschen rot ist.

Ende meiner Geschichte. Im Grunde bin ich ja ein gelassener Mensch und kann mittlerweile auch ganz gut damit leben. Es gibt halt Tage, da ist meine Haut puppenzart und elfengleich (mir ist tatsächlich mal meine Haut geneidet worden! Ha!) und unkompliziert. Und dann plötzlich merk ich wieder, wie die Hitze aufflammt. Und da widerum gibt es auch Tage, wo ich das lässig wegstecke – und dann wieder Tage, wo es mich blockiert, wo ich mich verstecken möchte und verzweifelt versuche, mein Gesicht zu kühlen. Da ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die ebenfalls an der Röte leiden, nur eine Bitte: lasst diese oben schon erwähnten Sätze. Ernsthaft. Es macht es nur noch schlimmer. Man kann es halt nicht beeinflussen und einfach ausschalten. Nicht nur bei mir, bei allen.

Jeder hat wohl irgendwas an sich, was ihm oder ihr selbst nicht gefällt. Und andere finden das oftmals gar nicht so schlimm. Sich einfach wohl in der eigenen Haut und im eigenen Körper fühlen ist nicht immer einfach. Und es ist auch tagesformabhängig. Sich selbst akzeptieren und mögen, andere nicht wegen Äußerlichkeiten verurteilen. Ein hochgestecktes Ziel, aber mit solchen Aktionen wie der von Fee schaffen wir wieder einen kleinen Schritt. Unter ihrem Blogeintrag könnt ihr übrigens noch weitere Einträge finden. Und vielleicht mag der ein oder andere ja auch noch mitmachen.

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Kategorien: I hope, I think, I know, me, myself & I | Schlagwörter: , , , | 7 Kommentare

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7 Gedanken zu „Blogparade: Mein Körper und ich

  1. airsign

    Ich mag keinen ganzen Blogeintrag schreiben, aber was am meisten an mir hasse sind meine schiefen Zähne (und der große Busen, aber das ist noch eine andere Geschichte). Und noch eine Sache, die ich hier nicht schreiben möchte.

    Witzigerweise würde ich sofort mit dir tauschen, finde ich das mit der Röte nicht ansatzweise schlimm. Daran merkt man ja, dass man bei anderen die vermeintlichen Fehler gar nicht sieht und sich wahrscheinlich nur selber das Leben schwer macht.

  2. Liebe Gesa! Ich finde es sehr mutig und sehr toll von dir, dass du diesen Text geschrieben hast! Nun kenn ich dich ja doch schon eine längere Weile und ganz ehrlich? Mir ist das noch nie aufgefallen… Vielleicht, weil ich ein schnelles erröten oder auch rot werden von mir selbst kenne (obwohl ich die Krankheit nicht habe und bis gerade eben noch nicht mal wusste, dass es sie gibt). Vielleicht, weil du recht natürlich damit umgehst und deshalb das Augenmerk des Gegenüber nicht zwangsläufig da drauf gelenkt wird. Es wird immer irgendwelche Menschen geben, die krampfhaft nach Macken oder Schwächen beim Gegenüber suchen um sich dadurch vermeintlich über ihn zu stellen… Die können aber gern woanders hinschauen, am besten in einen Spiegel oder vor eine Wand. Ganz liebe Grüße! Frauke

  3. Miss James

    Das ist wohl wirklich so, bei anderen findet man ja häufiger Dinge gar nicht so schlimm, die für die Betroffenen eine Katastrophe sind. Eigentlich ein ganz beruhigender Gedanke.

  4. Miss James

    Vielleicht sollte ich mal darüber schreiben, was ich an mir mag. Oder was ich an anderen Menschen toll finde. So als positives Gegenstück.

  5. Das wäre echt ein toller Gegenpart! Es wird ja bestimmt ein paar mehr Dinge an dir geben, die du magst 🙂

  6. Da kannste mal sehen: auch wenn ich einen Teil davon schon wusste, gehör ich zu deinen Hautneidern. Weil dein Gesicht immer so frisch strahlt. Kann aber auch an den Augen und den sympathischen Lachfalten liegen. Und weil du nach dem Turnen nicht aussiehst wie ein begossener Pudel, so wie ich. Dieses Eigen- und Fremdwahrnehmungsding ist echt voll bescheuert.

    :-*

  7. Danke für deinen Beitrag, ich habe dich gerade verlinkt <3! Ich finde es total gut, dass auch mal echt andere Aspekte zum Tragen kommen!

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