viereinhalb

Neulich konnte man bei SpOn nachschauen, wo die eigenen sprachlichen Wurzeln liegen und es gab „in diesem Internet“ ein paar schöne Gespräche dazu. Bei mir passte es ziemlich genau. Es gab ein paar Orte zur Auswahl, die lagen ein bisschen verstreut und in deren Mittelpunkt lag Ostwestfalen. Ostwestfälisch ist also irgendwie eine Melange aus Westfälisch und Niedersächsisch mit einem Schlag Norddeutsch.

Frau Frauke sagte zu meinem Ergebnis, sie habe (rein sprachlich) bei mir immer das Gefühl, ich würde schon mein Leben lang hier wohnen. Nun liegen Ostwestfälisch und Westfälisch auch nicht weit auseinander, aber ich kann es auch nicht leugnen: die Sprache färbt ab. „Hömma“ ist Alltag, „woll“ benutze ich immerhin noch bewusst und meist mehr im Scherz. Wenn jemand nach einem „Hümmchen“ (oder wahlweise einem Hümmelken) fragt, geb ich ihm ein Schälmesser und ich weiß sogar, was „Hasenbutter“ und „Mottek“ bedeutet. Tjaja, da weiß ich, was ambach ist.

Aber Schlickersachen, Pölter oder ein Schlürbier…das streiche ich natürlich nicht einfach aus meinem Sprachschatz. Mir stehen auch weiterhin Pömpel im Weg und ich muss jedes mal lachen, wenn hier jemand beim Buchstabieren ck sagt. Denn ich sage „zeeehkaaahh“, während man hier eher „zäcka“ sagt. Wunderbar ist das.

Neulich schaute ich mir das Fußballspiel BVB II gegen Arminia Bielefeld an und hatte so ein Heimweh, dass es weh tat. Ich dachte daran, wie ich früher regelmäßig ins Stadion ging, in der Altstadt den Spielern beim Kaffeetrinken zusah und das gemeinsame Treffen vorm Spiel am Siggi oder am Kreisel. Und mir fehlen auch immer noch die Sommerabende auf dem Siggi.

Ich bin hier in Dortmund Zuhause. Ich liebe Hörde. Ich spaziere gerne durch Parks. Ich freue mich über die momentan stark wachsende Gastronomie in Dortmund. Egal, was ich essen möchte – ich werde es finden. In Bielefeld war ich meist nur an zweidrei Orten (Altstadt, Mellow Gold oder Siggi), hier in Dortmund ist mein Radius sehr viel größer. Das war auch anfangs ungewohnt, bin ich doch große Fußgängerin. Aber 5 – 10 Kilometer lauf ich auch nicht immer mal eben. Dann lieber U-Bahn fahren, das mag ich eh gern.

Manchmal ist es nicht so einfach, dass Ruhrgebiet zu lieben, manchmal habe ich aber auch das Gefühl, dass es sich da nicht unbedingt Mühe gibt. Und das macht es dann wieder reizvoll. Unverstellt, ehrlich, manchmal ein bisschen rau und sehr viel abwechslungsreicher als man glaubt. Und so grün, das hört man ja immer wieder. Stimmt ja aber auch, fragt meinen Heuschnupfen.

„Du bist ja damals wegen der Liebe nach Dortmund gezogen…wenn das jetzt mal enden würde…bleibst du dann trotzdem hier?“ (Eine Kollegin neulich)
Schwere Frage, die ich mir hoffentlich nie wirklich stellen muss. Aber aktuell schlägt mein Herz auch für Dortmund. Ich bleib (erst mal) hier.

Viereinhalb Jahre Dortmund. Und während ich heute in Bielefeld bin, feierte ich dieses „kleine Jubiläum“ gestern standesgemäß mit einem Kuhbar-Eis. Und heute feiere ich dann hoffentlich mit der Arminia. Beide Städte haben es verdient, gefeiert zu werden.

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Kategorien: Hometown Blues, I hope, I think, I know, me, myself & I | Schlagwörter: , | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „viereinhalb

  1. Ach weißt du was? Ich finds voll toll, dass du hier bist! Und solltest du, aus was für Gründen auch immer, mal wegziehen, so hoffe ich schwer, dass wir dann weiterhin Kontakt haben und du mir dann deine neue Heimat zeigen magst!

  2. markusfreise

    Sehr schön. Freue mich für Dich.

  3. Miss James

    Frauke, du bist unter anderem einer der Gründe, warum ich gar nicht mehr weg will!

  4. 🙂 ❤ !

  5. Weisse wat verrückt ist, dat ich ja aus’m Ruhrpott weg bin und mir echt Mühe geben muß so zu sprechen wie et alle vom Ruhrpott erwarten. In Oberhausen war dat irgendwie nich so. Klar gibbet auch noch ein paar Verben oder die „zuenen Fenster“, die ich gerne nutze, aber sowat wie Mottek oder Hümmchen kenne ich garnicht oder habe es z.T. jetzt im Nachhinein gelesen. Wer weiß, vielleicht komm ich ja irgendwann innen Ruhrpott zurück.

    LG Michael

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