Bienvenue à Paris – die Atmosphäre

Man kann es einfach nicht leugnen – die Terroranschläge im Januar rund um die Redaktion von Charlie Hebdo sind in Paris deutlich spür- und sichtbar. Besonders an den „großen“ Sehenswürdigkeiten und an den jüdischen Einrichtungen herrscht eine sehr auffällige Militär- und Polizeipräsenz. Aber auch in den Metro-Stationen konnte man gelegentlich beobachten, wie arabische Männer zur Ausweis- oder Gepäckkontrolle beiseite genommen worden sind. Zunächst dachte ich noch „Was für ne Scheiß-Situation für all die unschuldigen Menschen, die das jetzt über sich ergehen lassen müssen“, aber als dann am letzten Tag die Kontrollen irgendwie mehr wirkten und dann mittags auch noch Sirenen losgingen, da wurde mir schon kurz anders. Die Leute um mich herum zuckten allerdings kaum mit der Wimper, also beruhigte ich mich wieder. Man kann nicht immer Angst haben.

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(Charlie Hebdo, Ehrenbürger der Stadt Paris)

Und wenn man durch das Viertel Marais, rund um die Rue de Roisiers, schlendert, zwischen Synagoge, arabischen Falafel-Imbissen und koscheren Bäckereien, dann spürt man – trotz Militär – wie es funktionieren kann. Ein friedliches Neben- und Miteinander. Ich habe keinen direkten Vergleich, denn als ich das letzte Mal in Paris war, da existierten in meiner Welt kein Terrorismus. Zumindest nicht in der Art, wie es ihn heute gibt. Es war vor 9/11, es war bevor mir so deutlich bewusst wurde, dass Religion (auch heute noch) für manche Menschen offenbar ein Grund ist, die Menschlichkeit zu vergessen. In einem Artikel las ich, dass Paris heute leerer ist, stiller. Das alles weiß ich nicht. Auf der Rue de Roisiers war ich glücklich. So einfach kann es manchmal sein.

Aber jetzt habe ich schon viel mehr über Charlie Hebdo, Religion und Terror geschrieben als ich eigentlich wollte. Denn Paris ist natürlich so viel mehr. Und ich finde Paris wirklich faszinierend, weil es so facettenreich ist. Zum einen ist es schon eine hektische Großstadt. Auf dem Weg zur Metro hetzten Leute an einem vorbei, es gibt Luxus-Geschäfte der bekannten Designer und der Verkehr ist stellenweise mörderisch. Aber gleichzeitig spürt man auch eine gewisse Gelassenheit, Lässigkeit und Freude. Wenn wir Kontakt zu Servicepersonal hatten, dann waren die (bis auf einzwei Ausnahmen) entspannt, freundlich bis herzlich – und sprachen sogar englisch, wenn wir mit unserem französisch mal nicht weiterkamen. Da muss ich mal wirklich mit einem Vorurteil aufräumen.

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Paris am Abend – meine Lieblingsstimmung, vor allem im Viertel Montmartre. Die Leute sitzen in und vor den Restaurants, es wird gegessen und getrunken, draußen wird gemalt, geredet, Souvenir-Verkäufer wollen einem Dinge andrehen, es gibt Straßenmusiker undundund. Es ist alles ein bisschen wuselig, aber doch entspannt und gelöst.

Paris kann einen verzaubern – mich hat die Stadt jedenfalls wieder überzeugt. Natürlich hat diese Stadt ihre Probleme, ich glaube, da kann keine Stadt sich von freisprechen. Aber hat auch einfach ihre ganz eigene Magie und Atmosphäre und ich kann wirklich jedem nur empfehlen, mal dort ein paar Tage zu verbringen.

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Kategorien: Travellers Tune | Schlagwörter: | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Bienvenue à Paris – die Atmosphäre

  1. Paris stand bei uns dieses Jahr im März auch auf dem Zettel. Nach den Terroranschlägen wollte der Mann allerdings erst mal ein bisschen abwarten… …und dann waren plötzlich alle Plätze im Thalys belegt. 😦

    Mit dem eigenen Auto in das Verkehrschaos Paris kam für uns nicht in Frage.
    Da wir im Zeitraum eingeschränkt waren, war fliegen wegen den Osterferien auch nicht unbedingt zu empfehlen. Alles was ich noch an Flügen gefunden hatte, ging ab Düsseldorf mit einem Zwischenstopp in Berlin/Wien/Rom/… nach Paris… Also auch keine Option. 😦
    Daher wartet Paris noch auf mich… Im Juli haben wir noch eine Woche frei und wissen noch nicht wohin, aber Paris im Hochsommer ist wahrscheinlich auch nicht zu empfehlen…

    Aber wie ich mir im Februar/März schon sagte… Paris läuft ja nicht weg… 🙂

  2. Miss James

    Wir hatten schon Ende 2014 alles gebucht, aber ich wäre auch noch spontan hingefahren. Es kann ja überall was passieren – und vermutlich eher da wo noch nichts war.
    Ich war schon mal im Juli in Paris und das war von der Hitze her ok. Aber das weiß man ja vorher auch nie, ob es dann nicht doch 40 Grad sind. Ich glaube, Frühling und Herbst ist da schon ideal.
    Auf jeden Fall schon mal eine schöne Zeit dort, wann auch immer es dann losgeht!

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