Our Night Out: Morrissey (24.11.2014, Colosseum Essen)

Ich weiß gar nicht so recht, wie ich hier starten soll, also fang ich mal mit dem Moment an, als ich entdeckte, dass Morrissey bei seiner Tour auch in Deutschland spielen wird. Und dann auch noch nicht nur in Berlin und München, sondern auch in Essen, also quasi direkt um die Ecke. Erhöhter Puls.

Ja, die Tickets waren enorm teuer. Also so richtig enorm teuer. Aber es war mir egal. Um ganz ehrlich zu sein: ich hätte auch noch mehr bezahlt. Wer weiß, ob es jemals wieder die Gelegenheit gibt. Und ich hatte bisher Morrissey noch nie live gesehen. Das darf ja nicht sein.

Und dann das Warten, gepaart mit nervöser Vorfreude und ein bisschen Angst. Denn bei Morrissey kann man ja nie wissen. Nicht nur, dass ihm seine Gesundheit da durchaus mehr als nur einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Er selbst und seine Ansprüche sorgen ja auch gelegentlich für abgesagte Konzerte. Legendär ja die Geschichte, dass er mal ein Konzert im Dresdner Schlachthof (nur noch mal zur Sicherheit: dem EHEMALIGEN Schlachthof) abgesagt hat, nachdem ihm das Wort jemand übersetzt hat. Ich jedenfalls habe ich mich am Konzerttag mal vorsorglich ausschließlich pflanzlich ernährt, sicher ist sicher.

Das Konzert, im Colosseum Theater in Essen. Die Location gefällt mir, und glücklicherweise wurden meine Befürchtungen aufgrund der Bestuhlung sofort zerschlagen. Denn als wir Anna Calvi überstanden (ich mag halt keine Frauen) und uns einen filmischen Beitrag (eine Art Zusammenschnitt aus Musikvideos und sozialkritischen Beiträgen) angeschaut hatten, kam Morrissey auf die Bühne und alle standen auf. Wunderbar. Kein schnarchiger Abend. Stattdessen ein Start mit Suedehead. Das geht ja mal richtig gut los!

Und dann wurde es ehrlich gestanden musikalisch etwas „nun ja“. Morrissey spielte nämlich fast nur Songs aus seinem neuen Album. Man kann ja über ihn sagen, was man will, aber eine Hitschlampe ist er nun wahrhaftig nicht. Und das aktuelle Album ist – zumindest meiner Meinung nach – nicht das beste. Etwas sperrig. Natürlich besitze ich es (natürlich!), aber ich höre es nicht besonders häufig. Es wird vermutlich nicht mal in meiner Jahres-Top Ten landen.

Und trotzdem genoss ich den Abend. Denn Morrissey zog mich einfach in seinen Bann. Er schaffte es, diese etwas maue Setlist zu kompensieren, einfach durch seine Anwesenheit. Vermutlich kann nur ein Narziss wie er sowas so gut. Er wirkte auch ziemlich entspannt und schüttelte zwischendurch ein paar ihm entgegengestreckte Hände aus den ersten Reihen. Das hatte ich bei ihm gar nicht erwartet. Hach, mein Herz. Endlich sehe ich ihn. Und langsam konnte ich mich auch entspannen und mich darüber freuen, dass das hier wirklich stattfindet. Davon abgesehen, dass die Bühnen- und Lichtshow wirklich beeindruckend gut war.

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Als der Zugabeblock mit den ersten Klängen von „Everyday Is Like Sunday“ startete, da fiel endlich sämtliche Anspannung von mir ab und ich freute mich. Denn von den Setlisten der vorausgegangenen Konzerte wusste ich, dass ich jetzt doch endlich ein paar Hits hören dürfte. Yeah!

Aber dann ging alles ganz schnell. Ich sah Leute auf die Bühne klettern, auf Morrissey zulaufen und dann die Security. Man konnte kaum „Oh scheiße nein“ denken, da verließen Morrissey und seine Band schon die Bühne – und kamen natürlich auch nicht wieder. Was für Idioten. Natürlich ist der Mann ein bisschen mimosig, aber ganz ehrlich: wenn auf mich so unkontrolliert Leute zulaufen, dann würde ich an seiner Stelle wohl auch die Bühne verlassen. Und meine Güte: man weiß doch, wie zimperlich er da immer ist. MUSS man dann unbedingt einen Konzertabbruch in Kauf nehmen, nur um eine halbe Minute Aufmersamkeit zu erhalten.

Ein merkwürdiges Gefühl, so ein abruptes Ende. Da steht man dann da, ist irgendwie wütend und hilflos und naja. Glücklich ist man da nicht. Ohne Abbruch wäre ich vermutlich hypereuphorisch nach Hause gefahren. So brauchte ich eine ganze Weile, um das zu verpacken. Es ist nicht nur mein erstes Morrissey-Konzert gewesen, die Wahrscheinlichkeit ist auch enorm hoch, dass es mein letztes war. Immerhin ist der Mann sterbenskrank. Obwohl es mich nicht wundern würde, wenn er den Krebs besiegt. Der Chuck Norris der Musikgeschichte.

Everyday is like sunday. Ein schöner Ohrwurm. Und hier dann einmal ganz:

Und meine Konzerterinnerung: mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

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