Sommermädchen

Anfang November lief es noch ganz gut mit uns beiden. Also dem November und mir. Das erste Novemberwochenende war fast sommerlich warm, da musste man einfach den Gedanken „Klimawandel“ ein bisschen von sich schieben und diese Sonnenstrahlen genießen.

Aber dann reichten wieder nur ein paar kalte, dunkle, nasse Tage und er erdrückte mich. Der November, wie ein behäbiges, dickes Tier, wie eine Wolke, die sich auf mich setzt. Und dort sitzen bleibt.
Schon nach ein paar Tagen vermisse ich den Sommer.

Dann kommen die Ratschläge, ob man will oder nicht. Ich will eher nicht, weil ich finde, dass man für „Empfindungen“ nicht besonders gut Ratschläge geben und nehmen kann.

„Mach es dir doch mit einer Decke, einem Tee und Kerzen gemütlich.“ Wer mich kennt, lacht höchstens über diesen Satz. Tee und Kerzen. Mehr Folter geht für mich kaum.
Im Winter ist mir kalt. In Geschäften und im Bus dagegen läuft mir der Schweiß den Rücken herunter. Ich fühle mich erdrückt von dicken Pullovern und Jacken und eingeengt von Wollsocken und gefütterten Schuhen. Es ist dunkel, wenn ich das Haus verlasse und dunkel, wenn ich wieder nach Hause komme. Meine Mittagspause beschränkt sich auf 30 Minuten, in denen ich auch noch etwas essen möchte und muss. Viel Zeit zum Sonne tanken bleibt da nicht.

Ich habe dieses Jahr deutlich bemerkt, dass ich Pausen für mich brauche und im Sommer war das kein Problem. Im Sommer war Pause machen ein einfacher Bestandteil meines Alltags. Ich lag bei geöffneter Balkontür auf meinem Bett und habe einfach den Sommergeräuschen gelauscht. Oder ich verbrachte Zeit im Halbschatten. Beim Eisessen. Im Sommer ist Pause verbunden mit Sonnencremegeruch und wohliger Wärme und dem Geschmack von Meersalz und Zitroneneis. Ich habe einfach die Augen geschlossen, alles genossen und den Kopf ausgeschaltet. Ich konnte ausgiebig faul sein, überhaupt kein Problem

Pause machen hat all seine Leichtigkeit verloren. Graues Wetter schürt graue Gedanken. Also gehe ich zum Sport, da ist mir dann wenigstens warm, und Sport machen ist immer noch besser als jede andere Ersatzdroge. Dreiviermal pro Woche, endorphinsüchtig wie nie. Wie gesagt, es gibt durchaus schlimmeres. Aber die Pausenzeiten werden dadurch noch knapper. Manche mögen Sport als eine Art Pause vom Alltag sehen, aber soweit möchte ich nicht gehen. Ich kann zwar etwas abschalten, aber Sport kann (für mich) nicht eine faule Stunde auf dem Balkon ersetzen.

Es ist also ein Teufelskreis. Mit kalten Füßen. Ich sammele jeden möglichen Sonnenstrahl und denke über das Prinzip des Winterschlafs nach. Tief in mir drin bin ich nämlich immer noch mehr Faultier als Sporty Spice.
In einem Monat ist Wintersonnenwende! Durchhalten.

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Kategorien: I hope, I think, I know | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Sommermädchen

  1. airsign

    Bis auf den Sportmachenteil: 10000%ige Zustimmung.
    Depri-airsign

  2. Schwester im Geiste. 😁

  3. Oh ja, das ist der Grund warum ich versuche wenigstens am Wochenende mind. 3-4 Stunden draußen zu verbringen, denn Sport und ich sind uns spinne Feind :-). Andererseits sind (Winter-)Pullover günstig, um das kleine Bäuchlein zu verbergen ;-). Zur Not (wenn die Wintersonne mal kommt) dick anziehen, ein Pott Tee oder Kaffee und für 10 Min. (stehend) auf den Balkon um Sonnenstrahlen einzusaugen.

    LG
    Michael

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