she’s electric

Ich bin gerade im Urlaub, und wenn ich wieder zurück bin, dann wird etwas anders sein in der Wohnung. Eigentlich wird sich alles gleich anfühlen, wenn ich die erste Lampe anknippse oder das Radio anschalte oder das Smartphone zum Laden anstöpsele. Aber doch ist es anders: ich beziehe jetzt Ökostrom. Das hatte ich schon lange lange vor, aber wie das so ist, man schiebt einige Dinge gern vor sich her. Ausschlaggebend war vielleicht zum einen das Buch Ausgebrannt von Andreas Eschbach, welches ich mir eigentlich nur zufällig gekauft habe und dann aber kaum aus der Hand legen konnte. Zum anderen der Besuch bei der Ausstellung „Zur Nachahmung empfohlen“, der derzeit auf Zeche Zollverein zu sehen ist.

Also einfach mal einen Sonntag hingesetzt und gewechselt, zu Polarstern, falls es jemanden interessiert.

1. Ist das nicht furchtbar umständlich und aufwändig?

Nein, der Wechsel hat im ganzen etwa 10 Minuten meiner Zeit in Anspruch genommen. Ich hatte in der letzten Strom-Abrechnung geschaut, wie viel Strom wir hier im Haushalt verbrauchen und habe festgestellt, dass wir etwas über dem normalerweise für zwei Personen veranschlagten Jahresverbrauch liegen. Diese Zahl habe ich dann noch mal etwas aufgerundet und als Berechnungsgrundlage eingegeben. Dann noch die persönlichen Daten eintragen, Bankverbindung und die Zählernummer (dafür musste ich dann noch einmal aufstehen) – fertig.

2. Ökostrom ist ja ganz schön teuer, das kann sich gar nicht jeder leisten.

Obwohl ich ja noch den Verbrauch aufgerundet habe, bezahlen wir monatlich jetzt zwei Euro weniger als zuvor bei den Stadtwerken. Zudem bin ich fest entschlossen, den Stromverbrauch des Haushaltes noch weiter zu drosseln. Irgendwann werden also ALLE Steckdosen der Wohnung einen eigenen An-/Aus-Schalter haben. Außer die vom Kühlschrank vielleicht.

3. Und dann noch dieses nervige Hick-Hack mit dem alten Anbieter…

Ich weiß nicht, ob das alle Anbieter so machen, aber ich habe mich um nichts gekümmert. Das hat alles Polarstern übernommen. Sonntag angemeldet, Montag die Bestätigungsmail bekommen und am Dienstag Morgen den Wechsel-Termin. Da die Dortmunder Stadtwerke gerade ihre Preise erhöhen, haben wir ein Sonderkündigungsrecht und das geht jetzt wirklich ziemlich schnell.

4. Der Strom bleibt doch aber der gleiche!

Stimmt. Es fließt natürlich jetzt nicht anderer Strom durch meine Leitungen. Das wäre technisch auch kaum machbar. Aber: ich werfe mein Geld nicht einem Energieriesen (RWE sitzt mit 47% dahinter) in den Rachen. Ich bezahle an ein Unternehmen, das sich mit erneuerbaren Energien auseinandersetzt und Strom aus Wasserkraft produziert. Langfristig gesehen wird sich der Strom-Mix ändern, wenn mehr Leute Ökostrom beziehen.

Ich bin sehr froh, dieses Vorhaben endlich umgesetzt zu haben und kann es nur weiterempfehlen. Es ist wirklich kein großer Aufwand gewesen und mal schauen, ob sich von den gesparten 24 € im Jahr noch was sinnvolles anfangen lässt. Kleinvieh macht halt auch Mist, sagte ja schon meine Oma. Und immer nur „Ach, ändert ja eh nichts“ sagen, ändert tatsächlich nichts. Ich bin ja nun wirklich keine Super Öko-Fee, die immer auf jede Kleinigkeit achtet. Aber wenn es so leicht umsetzbare Dinge sind, dann kann ich das ruhig mal machen.

Tatsächlich fiel mir der Schritt auch nicht so leicht, weil ich in den letzten Monaten beruflich ein paar Leute kennengelernt habe, die in Kraftwerken arbeiten oder in Betrieben, die Kraftwerke bauen. Diese Menschen sind mir zum Teil ein wenig ans Herz gewachsen und beim Wort „Energiewende“ bekommen sie einen so gequälten Blick, dass man sich kaum zuzugeben traut, dass man auf Ökostrom umstellen will. Aber so ist es: die – also vor allem ihre Arbeitsplätze – hätte ich alleine auch nicht alle retten können. Langfristig gesehen fühle ich mich mit dieser Entscheidung einfach sehr wohl.

Ändert ja vielleicht doch was.

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Kategorien: I hope, I think, I know | Hinterlasse einen Kommentar

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