come back to what you know

Grundsätzlich bin ich kein Gegner von Veränderungen. Ich finde Veränderungen in manchen Bereichen vollkommen wertvoll und horizonterweiternd. Sonst hätte ich ja auch niemals umziehen dürfen. Veränderungen können einen weiter bringen, weiter entwickeln. Stillstand ist bequem, aber auf Dauer und nicht befriedigend. Meistens zumindest.

Aber es gibt ein Genre, da bin ich strikt gegen Veränderung. Und das ist die Musik. Wie oft schon habe ich mein Herz an Bands verloren und musste mir dann verzweifelt das neue – ganz andere – Album anhören. „Wir wollten uns mal weiterentwickeln.“ Weiterentwicklung my ass! Ich will das nicht. Wenn ich eine Band wirklich liebe, dann sollen sie immer so klingen. Mir doch egal, ob andere das langweilig finden. Ich finde das super, eine Konstante für mein Ohr und für mein Herz. So soll das sein. Den Wohnort darf ich wechseln, Kapern dürfen mir plötzlich schmecken, aber die Musik soll bitte immer gleich sein. Jeder hat so seine Marotte.

Das erste Album der englischen Band Embrace heißt „The Good Will Out“ und ist von 1998. Ich weiß noch genau, wo ich mir das Album gekauft habe, nämlich in Herford, den Plattenladen gibt es schon gar nicht mehr. Aber ich weiß noch wie es war, als ich diesen Silberling das erste Mal hörte. Es war wunderbar. Wunderschön. EPISCH! (Endlich mal wird dieses Wort vollkommen zu Recht verwendet). Gänsehauthymnen. Eine Stimme, die mich alles vergessen ließ. Der Himmel auf Erden. Es folgten noch einige Alben, von denen ich nur eins (If You’ve Never Been) etwas mäßig, den Rest grandios fand. Embrace waren Anfang der 2000er übrigens so erfolgreich, dass sie a) Coldplay berühmt machten (Coldplay war nämlich mal Support und wurde dadurch bekannt) und b) 2006 den offiziellen WM-Song der englischen Nationalmannschaft „World At Your Feet“ stellen durften. Das offizielle Video dazu kann man in Deutschland natürlich nicht sehen, aber wer Zeit und Muße hat, kann hier eine etwa halbstündige Dokumentation zur Entstehung des Songs anschauen.

2006 kam dann This New Day. Und dann kam nichts mehr. Ich hatte die Band bis dahin dreimal live gesehen. Einmal in Haldern, in der ersten Reihe. Dann in Düsseldorf, in der ersten Reihe – da spazierte er noch lässig an uns vorbei. Dann in Köln, in der ersten Reihe. Da nahm Sänger Danny McNamara meine Hand und ich wollte nur noch sterbensterbensterben vor Glück. Jahrelang stand in meinem Regal Zuhause eine Wasserflasche, aus der Herr McNamara getrunken hatte. Fangirl. Hätte mich Danny McNamara nach dem Konzert gefragt, ob ich mit ihm komme, ich hätte mir an der nächsten Tanke noch schnell eine Zahnbürste gekauft und wäre gegangen. Ohne zu zögern. Meine Güte. Das ist jetzt übrigens ziemlich genau 10 Jahre her.

2006 das letzte Album. Und warten. Jedes Jahr warten. Ich verfolge die Band über Twitter und Facebook, erst kam nichts, dann plötzlich Bilder aus einem Tonstudio, dann kurze Snippets von Liedern, Berichte von Secret Gigs, immer mehr Bildern und dann die Nachricht, dass das Album fertig sei. WAHNSINN! Ein neues Embrace-Album. Alle anderen Musiker brauchen sich dieses Jahr gar nicht mehr anstrengen, Album des Jahres steht schon fest. Embrace mit Embrace, wird Ende April veröffentlicht.

Als letzte Woche die Single veröffentlicht wurde, saß ich da. Bei YouTube kann man sie NATÜRLICH nicht sehen, aber dann stolperte ich bei Twitter – wo ich schon den ganzen Tag lang Jubelarien über die Single Refugees las – über noch einen anderen Link und schaute mir das Video an. Kurz bevor das Video endlich startete, dachte ich noch, dass ich nur enttäuscht sein kann. Nach all den Jahren. Nach all der Warterei.

Aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich so sehr enttäuscht werde. Dachte kurz, ob es vielleicht alles ein Missverständnis ist, dass es noch eine andere Band gibt, die auch Embrace heißt und die eine neue Single herausgebracht haben. Manmanman, da wäre ich jetzt fast drauf reingefallen. Noch mal hören. Nee, wird nicht besser. Aber die Fanpages im Internet bejubeln diesen Song. Sind die alle taub? Völlig verblendet? Das sind doch nicht Embrace! Das ist eine völlig andere Band. Damn! WAS SOLL DENN DIESER KIRMESBEAT???!!!!?

(Die klitzekleine Hoffnung, dass es nur die erste Single ist. Come back to what you know. Take everything real slow. Ich werde mir das Album ja so oder so kaufen.)

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Kategorien: our night out | Schlagwörter: , , | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „come back to what you know

  1. Ich denke / hoffe / glaube auch, dass das Album besser ist! Veränderungen sind ja auch nicht immer doof. Die Manics klingen auch nicht mehr so wie auf dem 1.Album, sie klingen anders gut. Finde ich auch gut, denn einem 45jahrigen nrhme ich das rebellische auch nicht so ab. Aber warum müssen so viele andere bands gleich so elektronisch werden? 😦 Coldplay sind für mich auch so ein Negativbeispiel. Nach den ersten beiden Platten nur noch erfolgreich langweilig.

  2. Ich fand den Song gar nicht mal richtig schlecht – er passt halt nur einfach überhaupt nicht zu Embrace. Wo sind nur die good good people hin?

  3. Miss James

    Ich möchte das alles nicht. Hach.

  4. Das ist wie damals, als ich nach Rubber Soul acht Monate auf Revolver warten musste. 🙂

  5. großartig geschrieben, fangirl!

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