lmgtfy

Leute, die gelegentlich und gerne mit mir rumhängen und sich mit mir unterhalten, haben es längst bemerkt: ich bin ein Google-Mädchen. Ich würde jetzt gern werbefrei und superkorrekt „Suchmaschinenmädchen“ schreiben, aber das wäre eine Lüge. Ich bin ein Google-Mädchen. Früher hatte ich immer einen Stift dabei und habe mir, wenn ich unterwegs war, die Sachen notiert, die ich dann Zuhause nachgelesen habe. Heute zücke ich mein Smartphone und schaue direkt nach, wenn irgendwann eine Frage aufkommt, die ich nicht beantworten kann.

„Du musst das jetzt nicht sofort nachschauen!“ „Doooooch!“

Doch, muss ich. Es macht mich verrückt, wenn ich über etwas nachdenke und die Antwort nicht weiß. Ausnahmen mache ich bei enorm komplizierten naturwissenschaftlichen Formeln, sonst wäre ich heute vielleicht Raketenphysikerin. Und ich wäre gerne Raketenphysikern, weil ich Naturwissenschaften enorm (!) spannend finde – aber mein Gehirn macht da leider nicht so ganz mit. Aber bei so Fragen, die gerne in Gesprächsrunden irgendwann einfachso aufkommen, da möchte ich gerne eine Antwort wissen. Sofort. Weil ich mich sonst nur schlecht wieder auf den Rest des Tagesgeschehen konzentrieren kann. Das schöne (oder schlimme) ist: das meiste, dieser eigentlich nicht wirklich nützlichen Informationen behalte ich. Der Teil in meinem Gehirn, der das „Partywissen“ speichert, ist vermutlich mit Abstand der größte. Dafür kann ich dann Leuten (auf Parties) erzählen, was ein Schrapidiophon ist. Oder – ganz frisch und manche Leser werden es wiedererkennen – was Kataklysmus bedeutet. Oder wie die Wildecker Herzbuben wirklich heißen (an dem Abend war übrigens ein wenig Alkohol im Spiel). Oder was „Bavette“ sind. Und was für Geräusche Pinguine und Giraffen machen (EXISTENZIELLES WISSEN!). Und welche Währung es im Iran gibt. In meinem Suchprotokoll findet sich übrigens auch „Adenoide Konstitution“ und ich weiß auch noch, was das ist. Aber warum ich das mal gesucht habe, ist mir schleierhaft.

Außerdem google ich nahezu sämtliche Orte, Städte und Sehenswürdigkeiten, die ich besuche oder besuchte. Und gerne auch Straßennamen. Also, wer die Leute waren, nach denen die Straßen benannt worden sind. In Hörde liegt man zwar mit der Antwort „Hatte was mit dem Stahlwerk zu tun“ grundsätzlich immer richtig, aber ich weiß es dann gerne genauer und weiß jetzt zum Beispiel über Alfred Trappen und Willem van Vloten Bescheid.

Gerne gebe ich übrigens „Quokka“ bei der Bildersuche ein. Das hilft enorm in dunklen Stunden.

Auf Emails mit sinnlosen Fragen, die jeder Mensch sich schon längst hätte selbst beantworten können, verkneife ich mir übrigens regelmäßig die Antwort mit nur einem Link: let me google that for you. Und die Wahrheit ist ja, dass ich so gerne google, dass ich es wirklich manchmal für andere übernehme. Ich habe allerdings auch das Gefühl, dass mich die Antwort schon mehr interessiert, als den Fragesteller selbst. Egal. Ich sammele weiterhin mein Partywissen. Davon kann man nie genug haben.

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Kategorien: I hope, I think, I know | 14 Kommentare

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14 Gedanken zu „lmgtfy

  1. Oh, das kenn ich! Nur, weil ich kein Smartphone hab, versuch ich mir die Sachen immer noch bis nach Hause zu merken. So saß ich gestern auf einer Autofahrt auf der Rückbank mit einem kleinen Freund von mir. Wir haben zusammen so ein Kinderbuch angeschaut. Mit einem TING-Stift. Und ich hab nicht verstanden, wie der Stift funktioniert. Mit dem tippt man auf eine Seite und er liest einem etwas von genau dieser Seite vor oder stellt einem eine Frage oder beantwortet sie. Das hab ich natürlich grad erstma googeln müssen.
    Und natürlich hab ich direkt deine Bildersuche nach Quokka gemacht. VOLL SÜSS 🙂
    Ich wünsch dir einen schönen 3. Advent!
    Liebe Grüße,
    Frauke

  2. Miss James

    Ich hätte jetzt gern so einen Stift!

  3. Aber manchmal sind die Leute so unentspannt, wenn man denen mit diesem Link kommt 😉

  4. liebsten gruss von google-mädchen zu google-mädchen … ich ernte regelmäßig kopfschütteln und die leute verdrehen die augen, aber ich kann es einfach nicht lassen … 😉

  5. Ich kann dich soooo gut verstehen! Bavette habe ich neulich auch ergooglet. 😉

  6. Ach so. Ich habe einen TING Stift. 😉 Kann ich dir demnächst mal präsentieren.:D

  7. Miss James

    Und ich bin ja gut erzogen. Meistens.

  8. Mir geht es genauso. Nur das ich mir alles ergoogelte nicht merken kann.
    Wenn in der Pause dann zum Beispiel die Frage aufkommt, wieso in manchen Supermärkten nach der Nummer des Einkaufswagens gefragt wird, habe ich das ruckzuck mit dem Smartphone erfragt. Alle anderen verdrehen dann die Augen… sind dann aber doch froh die Antwort zu kennen.

  9. In der Familie vom weltbesten Mann ist es üblich zu einem Wörterbuch zu greifen, wenn jemand einen Begriff nicht kennt oder man sich über Details uneinig ist. Ich finde das klasse, kannte ich aus meiner Familie nicht. Und ab und an nimmt man auch einfach das Smartphone und googlet, weil das schneller geht oder aktueller ist. Ich hab deswegen sogar eine Wikipedia-App auf meinem, um die Sachen noch schneller parat zu haben. Quokka habe ich glatt auch erst mal gesucht. Voll süß ❤

    Liebe Grüße, Carmen

  10. Ich kann das so gut nachvollziehen :)! Nur behalte ich den Kram leider nicht…

  11. Miss James

    Ich behalte eigentlich auch nur die wirklich unwichtigen Dinge!

  12. Miss James

    Das finde ich auch schön. Andererseits finde ich es auch schön, dass mein Bücherregal nicht noch von einer 40-bändigen Lexikon-Reihe blockiert wird. Ein Hoch auf die Technik! 🙂

  13. Miss James

    Das muss ich sofort nachschauen! Ich habe da zwar eine Vermutung, aber ich weiß es nicht genau. Noch nicht!

  14. Pingback: Lesenswerte Links – Kalenderwoche 51 in 2013 > Vermischtes > Lesenswerte Links 2013

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