Wie ich mal fast in der Drogerie Hausverbot bekam

Ich bin ein braves Mädchen. Also wirklich: ich feiere nie krank, halte mich an Geschwindigkeitsvorschriften – selbst wenn sie mir sinnlos vorkommen, fahre nie schwarz und zahle immer pünktlich meine Rechnungen. Ich bin ein Spießer. Wirklich. Aber meine weiße Weste hat einen kleinen, schwarzen grauen Flecken bekommen.

Ich war in der Drogerie, weil ich Nagellack kaufen wollte. Grauen Nagellack. Es gibt natürlich ungefähr vierzig Grautöne, also schaute ich eine Weile, probierte einen aus – der mir nicht recht gefiel und schaute weiter, als ich von der Seite von einem jungen Typen angesprochen wurde. „Entschuldigung, das war eben kein Tester, jetzt müssen Sie den Nagellack kaufen.“ Man konnte förmlich sehen, wie mir das Gesicht vom Kopf fiel. Und ich sagte das einzig vernünftige, was mir in dem Moment einfiel, nämlich: „Nein.“ „Wie nein?“ „Nein.“ So ging das eine Weile hin und her, der Ladendetektiv (auch wenn er eher wie ein Schülerpraktikant aussah, und ich habe tatsächlich auch bis zum Ende gedacht, dass der mich einfach nur verarscht) wies mich noch mal darauf hin, dass das kein Tester war und ich fragte ihn, warum es denn keine Tester gäbe und dass ich nicht der Meinung wäre, dass die Farbtafeln, die dort angebracht sind, genau dem Farbton entsprächen, die der Lack auf den Nägeln annimmt (dieser Meinung bin ich übrigens tatsächlich, das war nicht nur eine Ausrede). Das ganze Gespräch drehte sich ein bisschen im Kreis, mit dem Schluss, dass ich diesen Nagellack NICHT kaufen möchte.

„Dann bekommen Sie hier Hausverbot.“ Wahnsinns Drohung, in dieser Welt des Überkonsums. Und mittlerweile war ich auch ein bisschen genervt von diesem Typen. „Gut, dann ist das halt so.“ „Dann kommen Sie bitte mit.“ Und dann gingen wir zusammen „backstage“ und ich verweigerte ihm auch noch meinen Ausweis. Wenn ich hier meinen Ausweis zeige, dann jemandem, der auch in irgendeiner Form seriös auftritt. Dann wurde ich zwei Mitarbeiterinnen vorgeführt, ich zeigte ihnen meinen winzigen Klecks auf dem Fingernagel

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und schwor, dass ich keine weitere Lacke ausprobiert hatte (immerhin musste ich nicht meine Fußnägel zeigen, um das auch noch zu beweisen). Die Mitarbeiterin sagte, es sei zwar eigentlich wirklich nicht richtig, dass ich einen Nagellack, der nicht als Tester ausgewiesen war, benutzt habe – es sei ja auch irgendwo ein Hygieneartikel – aber aufgrund der kleinen Menge würde sie ein Auge zudrücken. Der Ladendetektiv wirkte kurz, als würde er explodieren. Ich sagte der Mitarbeiterin, dass ich das eine sehr nette und faire Behandlung fände und ging.

Die Sache ist die: hätte man mich gefragt, ob man Nagellack im Laden ausprobieren darf, hätte ich da etwas länger drüber nachgedacht und wäre dann zu dem Schluss gekommen, dass man es nicht sollte. Aber so war ich einfach gedankenlos daran gegangen. Und da ich da nicht die einzige bin, kaufe ich auch nie den Nagellack, der ganz vorne steht. Ein kleiner Hinweis übrigens an die Kunden, dass man diesen Lack – warum sind die Flaschen eigentlich nicht versiegelt? – nicht testen soll, fänd ich auch charmanter, als gleich solche Geschütze aufzufahren. Ich kann den Laden ja verstehen, aber die Umsetzung finde ich ein bisschen traurig. Ich habe jetzt kein Hausverbot in der Filiale, aber auch keine Lust mehr, da noch einmal hinzugehen.

Aber sie haben ihr Ziel erreicht: ich glaube, ich werde nie mehr einfach so Nagellack ausprobieren. Dieses Rebellen-Leben ist mir auf Dauer einfach zu anstrengend.

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Kategorien: Augenzwinkern, me, myself & I | 9 Kommentare

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9 Gedanken zu „Wie ich mal fast in der Drogerie Hausverbot bekam

  1. Man hätte auch schön ganz schnell den benutzten Nagellack mit einem unbenutzten vertauschen können in der Auslage, so Hütchenspielmäßig, und den Detektiv dann auffordern müssen, einem jetzt mal den – und genau den – zu zeigen, den man kaufen muss.

    Aber sowas würde ich mich dann natürlich wieder nicht trauen. Oder es fällt einem zu spät ein.

  2. Das ging mir bei meinem letzten Deutschlandbesuch ganz ähnlich. Ich war mit meiner Mutter unterwegs und wir suchten einen zartrosa Lack für sie. Und völlig gedankenlos habe ich einen auf einem Nagel getestet. Die Mitarbeiterin kam wie eine Furie auf mich losgeschossen und maunzte mich an. ich war richtig erschrocken und ähnlich wie du, dachte ich hinterher auch „Ja klar, es gibt ja gar keine Tester für Nagellacke“. Aber ganz ehrlich, das war mir vorher so auch nicht bewusst. Zumindest habe ich nie daran gedacht. Es war auch das erste mal, dass ich in einem Laden einen Lack getestet habe.
    man sollte vielleicht wirklich Schilder anbringen, die klar und deutlich sagen, dass dies keine Tester sind.
    Aber warm gibt es eigentlich keine tester dafür frage ich mich…

  3. Hm interessant. Hab ich noch nie drüber nachgedacht. Ich habe zwar auch noch nie einen Nagellack ausprobiert (bei meinem Talent habe ich nämlich hinterher den frischen Tupfen an der Jacke kleben) aber es stimmt natürlich: alles was kein Tester ist darf man nicht ausprobieren. Soweit so gut. Ich fände es allerdings noch besser, wenn sie sich mal die Damen schnappen würden, die meinen man könne den Tester (Lippenstift) am Mund ausprobieren. Bääh… DAS ist unhygienisch, fnd ich! So, das musste mal gesagt werden 🙂

    Lg

  4. Miss James

    Ich fand es schon respektabel, dass er bei den 14000 Farbnuancen genau den gegriffen hat, den ich probiert hatte. Vielleicht fahre ich noch mal hin und sage ihm das.

  5. Miss James

    Ich hab das schon häufiger gemacht (hust), aber noch nie darüber nachgedacht. Aber warum es keine Tester gibt, frag ich mich auch. Kann doch nicht so schwer sein. Oder?

  6. Wir sind eben zu gut für diese Welt. Schlägt man einmal über die Stränge fühlt sich der Rüffel viel härter an, als wenn man Rüffel gewohnt ist. Bin ich froh, daß ich keinen Nagellack benutze ;-). Nächstes Mal ziehst du dein Oberteil aus und testest ein neues Deo *hi hi*.

    LG
    Michael

  7. Auch wenn der Ladendetektiv natürlich völlig unmöglich gehandelt hat…. Ich wäre nie auf die Idee gekommen einen verschlossenen Nagellack auszuprobieren.

    Hingegen könnte man wirklich mal Tester für Nagellack einführen. Kann nur vermuten, dass man das nicht tut, weil es Kunden gibt, die dann Schundluder damit treiben und die dann jeden Tag den Nagellack überall im Laden entfernen dürfen.

  8. Bitte was? Also ich oute mich jetzt hier und gebe zu, dass ich Nagellack immer vorher teste! In diesem Drogeriemarkt würde ich freiwillig nie mehr einen Fuß setzen…sie hätten Dich doch einfach darauf hinweisen können, dass dies nicht gestattet ist! ich verstehe die ganze Aufregung nicht…

  9. @ Frau Hasselmeyer Also wenn man nicht explizit darauf hinweist, dass das verboten ist, ist es erlaubt? Interessant! Werde ich morgen gleich mal in einem Supermarkt meines Vertrauens ausprobieren ausprobieren.

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