Deeskalation im Ruhrgebiet

Neulich wartete ich beim Kleidungsschweden an der Kasse, um meine Unterhosen (mehr kann man da ja kaum noch kaufen) zu bezahlen, als an der Nachbarkasse eine Diskussion entbrannte, weil die EC-Karte des Kunden nicht funktionierte. Der Kassierer blieb professionell höflich, fragte nach einer anderen Karte und nach dem Ausweis (ich glaube, für die Bezahlung via Kreditkarte, aber ich habe den Anfang verpasst). Der Kunde allerdings war scheinbar etwas auf Krawall gebürstet. Sowas wäre ihm ja in Berlin noch nie passiert, das Einkaufen im Ruhrgebiet sei ja total anstrengend. Nicht mal im KaDeWe müsse man seinen Ausweis zeigen usw.

Ich erwartete eigentlich, dass sich ein Menschenmob bildet und diesen Berlin-Hipster mit Fackeln und Heugabeln aus der Stadtder Region jagt. Passierte aber nicht. Ich eskalierte nur innerlich, die anderen um mich herum vielleicht auch. „Geh doch nach Hause!“ lag mir auf den Lippen. Ich jedenfalls bin in Berlin bisher weniger freundlich von Kassierern oder Busfahrern behandelt worden als in Dortmund. Aber na gut.

Kaum aber war ich einen Schritt aus dem Laden heraus, war wieder alles gut. Dortmund kann Deeskalation. Und zwar auf diese Art.

Spiel mich. Klaviere in der Innenstadt, die hauptsächlich von Jugendlichen bespielt werden, denen man (ich) das nicht zutrauen würde. Und man kann förmlich spüren, wie im Umkreis der Klaviere alle Menschen für einen Moment ruhiger und friedlicher werden. Viele bleiben stehen, lauschen eine Weile und gehen dann mit einem ganz bestimmten Lächeln im Gesicht weiter.

Klaviere statt Mob. Viel schöner. Und wenn Dortmund tatsächlich bald flächendeckend WLAN bekommt, dann gibt es für Berlin doch wirklich keinen Grund mehr.

(die Currywurst schmeckt hier nämlich auch besser!)

Advertisements
Kategorien: Hometown Blues, Pottspots | 9 Kommentare

Beitragsnavigation

9 Gedanken zu „Deeskalation im Ruhrgebiet

  1. Here comes the sun 🙂

    Und das Klavier steht einfach so darum?

  2. Und ich hab schon gedacht, dass die die Klaviere mit sich rumschleppen….

  3. Oh! Die „Spiel mich“-Aktion läuft wieder? Ich wünschte ja, die würden das in mehr Städten machen, so toll finde ich das.

    Und in Dortmund bin ich doch so selten.

  4. Miss James

    Das steht da einfach so rum. Es gibt glaub ich sogar an mehreren Stellen von Dortmund eins.

  5. Miss James

    😀 Die Aktion ist ziemlich regelmäßig in Dortmund und ich finde sie großartig. Das ist tatsächlich etwas, was ich enorm vermissen würde, wenn ich hier wieder wegziehen würde. Für mich wirklich was ganz besonderes.

  6. Miss James

    Ich finde, das sollte in Dortmund bleiben 🙂 Wenn das kein Grund ist, hier mal wieder vorbeizuschauen!

  7. Oh man, das ist geil XD Jap, die Klaviere sind auf so Rollbrettern…die die Jugendlichen meistens bespielen oder stehen an „festen“ Stellen vor Geschäften und so 😀 Find ich total genial und da sind oftmals echt krasse Talente dabei!

  8. Dafür liebe ich es hier so! Selbst wenn man mal völlig gehetzt durch die überfüllte Stadt rennt, bekommt man sofort gute Laune, WENN man guckt und lauscht und sich vielleicht noch eben die Zeit nimmt, stehen zu bleiben! Schöner Post.

    Viele Grüße Sabrina

  9. Miss James

    Danke 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: