Der Bahn-Fluch

Böse Zungen behaupten, dass auf mir ein Bahn-Fahr-Fluch liegt. Genauer gesagt: der Rückfahr-Fluch. Ich befürchte, die bösen Zungen haben Recht.

In letzter Zeit bin ich einige Male hauptsächlich geschäftlich mit der Bahn unterwegs gewesen und eigentlich fahre ich wirklich ganz gerne mit dem Zug. Ich genieße dabei ein großes Luxus-Privileg, denn ich bekomme meinen Sitzplatz in der 1. Klasse reserviert. Das ist schon super. Da ist es nur selten voll, es ist (dadurch) ruhiger, man hat mehr Platz und bekommt Süßigkeiten gereicht.

Und auf dem Hinweg klappt das bei mir auch immer. Aber wenn ich dann doch mal nach Hause möchte, dann endet alles in einem Katastrophen-Chaos. Von den handelsüblichen Verspätungen mag ich ja gar nicht berichten, das ist ja schon fast normal. Damit kann man ja niemanden mehr beeindruckend unterhalten.

Nein, bei mir fallen (natürlich fest gebuchte) Züge aus und ich darf erst in die Pampa (sprich: Vaihingen an der Enz) gondeln, wo dann der ICE hält. Natürlich mit falscher Wagen-Reihenfolge, die nicht angezeigt oder durchgesagt wird. Und natürlich wird dieser ICE dann zwischendurch geteilt, also sollte man schon im richtigen Wagen sitzen.

Ich saß nicht im richtigen Wagen, aber immerhin im richtigen Zugteil. Glück gehabt.

Was mir auch passiert: Stellwerkausfälle. Gestern in Köln. Menschenmassen am Hauptbahnhof, doch es fuhr kein Zug ein und kein Zug raus. Da nützt mir aber auch mein reservierter Luxusklassenplatz nichts. Verdammt. Eine Anzeigentafel, die nur „unbestimmte Verspätung“ anzeigte, tausende Menschen, Schneeregen und Eiseskälte. Immerhin fuhren noch zwei S-Bahnen. Ich versuchte, recht enspannt zu bleiben, denn sobald ich es schaffen würde, irgendwie aus Köln in Richtung Norden herauszukommen, wäre ich im VRR-Bereich und somit schon fast in der Heimat. Davon abgesehen, liegt Dortmund ja wirklich recht günstig, so verkehrstechnisch gesehen.

Dann ging es mit der S-Bahn nach Deutz, dort sollten dann die ICEs Richtung Norden und Süden halten. Taten sie auch, nur wollten dann ja hunderte Menschen gleichzeitig zunächst in die S-Bahn nach Deutz und dann dort vom Bahnsteig runter in den Bahnhof. Gibt schöneres. Zehn Minuten hat es gedauert, bis alle die eine Treppe geschafft hatten. Immerhin: ICE erreicht und dann nur etwa 35 Minuten verspätet in Dortmund von hundert Metern Schnee überrascht worden. Dort fuhren wenigstens noch die U-Bahnen.

Meine Arbeitskollegen jedenfalls, die möchten wohl nicht mehr mit mir Zug fahren. Irgendwas geht auf dem Rückweg immer schief. Ich steige nur in den seltesten Fällen in dem Bahnhof in den ICE, in dem ich auch starten soll. Manchmal steige ich auch in Züge, bei denen „Achtung, nicht einsteigen!“ angeschlagen steht.

Aber zum Glück kann ja jeder solche Bahngeschichten erzählen. Ich bin nicht allein.

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Kategorien: Augenzwinkern | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Der Bahn-Fluch

  1. Ich glaube, bei mir hat sich mittlerweile das große Bahnfahr-Zen eingestellt. Aber ich fahr ja auch meistens die gleiche Strecke, die ganz gut ausgelastet ist (im positiven Sinne, also soll heißen: wenn ein Zug ausfällt, wird schon ein anderer in absehbarer Zeit kommen) und hab keine Zugbindung (außer gelegentlich bei Reservierungen, aber das sind dann 4 Euro, die da im Zweifelsfall umsonst wären).

    Letztens gab es zum Beispiel Personenschaden auf der ICE-Trasse bei Limburg. Da ist dann ganz großes Chaos, die meisten Züge fuhren nicht mehr und die anderen waren entsprechend proppevoll. Da hab ich mich halt anderthalb Stunden in ein Restaurant gesetzt, zu Abend gegessen und es dann noch mal probiert. War zwar immer noch voll, aber nicht mehr so dramatisch. Aber diese Gelassenheit muss man sich halt auch leisten können, da weiß ich schon, dass ich da in einer Luxussituation bin.

  2. Miss James

    Wenn ich dienstlich Bahn fahre, dann bekomm ich meistens feste Tickets gebucht, das ist dann einfach nervig, wenn der Zug ausfällt.

    Ansonsten erfülle ich da das Ostwestfalenklischee: mich bringt nichts so leicht aus der Ruhe.

  3. Daß mein fest gebuchter Platz nicht im Zug war, weil der ganze Wagen nicht da war habe ich auch schon erlebt, aber ich fahre nicht so häufig, daß ich von ähnlichem Chaos berichten könnte. Ansonsten hat die Bahn vier Feinde … Laub (Herbst), Schnee (Winter), Regen (Frühling) und Sonne (Sommer) … zu allen anderen Zeiten kann man ruhig verreisen 🙂

    LG Michael

  4. Miss James

    Da ist was dran! 🙂

  5. ide02

    🙂 Nach zwei Jahren Öffentliche-Verkehrsmittel-Nutzung-Um-Zur-Arbeit-Zukommen (Zug und Tram), habe ich beschlossen ein Buch zu schreiben. Es scheint, dass du gute Storys dazugeben könntest… 😉 Immer daran denken: Ohne solche Flüche, hätte man nichts zu erzählen. Also immer das Positive an Verspätungen, Ausfällen und whatever sehen….

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