Sounds Like Silence. Fluxus. Das U. Und ich.

Man kann den Sonntag Nachmittag (grau, ab und an nieselregnerisch, kühl, Januar) auf dem Sofa verbringen. Fernsehen, Kekse essen, lesen, nachdenken, Schallplatten hören. Man kann aber auch rausgehen und sich ein paar Punkte auf dem Kunst&Kultur-Konto sammeln. Es stehen ja in Dortmund noch ein paar Museum auf meiner „Möchte ich mal besuchen“-Liste, zum Beispiel das Hoesch Museum oder das MKK, aber letzten Sonntag zog es mich – mal wieder – ins U. Das ist ja bestens als Steuergeldergrab bekannt, aber ich gehe trotzdem ganz gerne hin. Weil ich das U an sich nämlich schon schön finde. Das fängt schon draußen mit den fliegenden Bildern an und zieht sich im Foyer fort. Dort kann man sich zum Beispiel auch einfach ein paar Stunden lang bewegte Bilder von Dortmund angucken und raten, wo genau das denn sein könnte.

Das U ist schön, hell und manchmal findet man sogar Rolltreppen, die funktionieren. Und es gibt mehrere Ausstellungsflächen, es ist ja auch das Zentrum für Kunst und Kreativität. Und zwei Ausstellungen wollte ich gern noch sehen, solange die Möglichkeit besteht: Fluxus und Sounds Like Silence. Und Eintrittsgutscheine, die Ende Januar ungültig werden, habe ich auch noch, also los.

Sounds Like Silence ist eine Ausstellung anlässlich des 100. Geburtstag von John Cage, den er nicht mehr feiern kann, dafür wird seinem Werk 4’33“ ausgiebig gehuldigt. Wer möchte kann es sich hier anschauen. Tut auch nicht weh, versprochen. Weil dieses Stück so viel über seine Genialität aussagt und so berühmt ist (nein, ich Kunstbanause hatte zuvor noch nie davon gehört), haben es mehrere Künstler und vielleicht auch nicht-so-Künstler neu interpretiert, nachgemacht, gecovert sozusagen. Das Original zu sehen und die ersten Cover sind auch noch ganz amüsant, irgendwann erschöpft sich die Idee aber ein bisschen. Jedenfalls ging es mir so.

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Es ging ja aber auch noch um mehr, nämlich um Stille im Allgemeinen, um Geräusche, um Lärm und darum, dass es fast nirgendwo mehr richtig still ist. So richtigrichtig. Das fand ich dann wieder ganz interessant, empfinde ich Geräusche nämlich tatsächlich ab und zu als enormer Stressfaktor, gleichzeitig finde ich gänzliche Stille dauerhaft als unglaublich beklemmend – vielleicht, weil ich sie kaum noch kenne und sie daher so fremd ist. Das Thema kam für mich persönlich dann allerdings ein bisschen zu kurz, da hatte ich mir mehr erhofft. Außerdem war es in der kompletten Ausstellung so dunkel, dass man teilweise die Info-Tafeln gar nicht richtig lesen konnte.

Fluxus dagegen war hell und weitläufig. Moderne Kunst, Bilder und Installationen.

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Ich gehe ja mittlerweile in solche Ausstellungen mit der Haltung: Ich verstehe das nicht, aber ich lasse es einfach mal auf mich wirken. Und mal ehrlich: die Leute, die da stundenlang vor einem leeren Notenblatt stehen, mit leicht geneigtem Kopf…das sind doch alles Poser! Wer mit mir eine Ausstellung besucht, der kann jedenfalls im Regelfall noch einen weiteren Termin an dem Tag wahrnehmen. Reingehen, anschauen, schön oder blöd oder belanglos oder witzig finden, im besten Fall noch was ausprobieren und selber machen dürfen und dann bin ich fertig.

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Bei Fluxus schwanke ich zwischen „schön und amüsant“ und „aha – und jetzt?“

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Aber das ist eigentlich auch nicht wichtig, denn Kunst finde ich immer gut. Also, dass es sie gibt, dass sie gezeigt wird und dass es Leute gibt, die was davon verstehen (womöglich) und welche, die sich das nur anschauen. Sie ist vielleicht nicht sinnvoll, kann einen nicht ernähren oder wärmen. Aber sie ist trotzdem allgegenwärtig und besonders. Diese Ausstellungen waren für mich beide so naja, aber sie sind jetzt eh gelaufen. Aber ein Besuch im U, oder in einem anderen Museum oder einer Ausstellung, den möchte ich immer empfehlen, denn man kann dort oft schöne und lustige Dinge erfahren und sehen.

Nächsten Sonntag allerdings…da gibt es für mich wohl das Sofa, ein Buch und Schallplatten. Darf auch mal sein.

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Kategorien: Entdeckt & Gesehen, Hometown Blues | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Sounds Like Silence. Fluxus. Das U. Und ich.

  1. Hast du denn auch einen Schuh spazierengeführt :)?

  2. Miss James

    NEIN! Ich habe da extra nach Ausschau gehalten. Vielleicht ist er schon weggelaufen 😉 Oder geklaut worden. Ich habe ihn jedenfalls nicht entdeckt, das war schade.

  3. „Das U ist schön, hell und manchmal findet man sogar Rolltreppen, die funktionieren.“

    Hihi. Sehr treffende Beschreibung.

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