2 Jahre Pott – Party & Konfetti!

Weil ich ja gerne alles feiere, was ich irgendwie für feierungswürdig finde, feiere ich jetzt auch meinen zweijährigen Aufenthalt im Ruhrgebiet. Pott-Geburtstag, sozusagen. Ich bekomme übrigens immer noch regelmäßig von „Eingeborenen“ gesagt, dass ich es jetzt ja viel besser habe oder sie fragen mich, wie froh ich bin, jetzt hier zu wohnen. Ich habe mir abgewöhnt, daraufhin mehrere Tage mit lautem Gelächter zu verbringen, aber ich finde das wirklich amüsant. Die ganze Welt denkt, dass das Ruhrgebiet ein schlimmer Ort ist, der in keinster Weise lebenswürdig ist. Aber hier glaubt man das nicht. Hier denken Leute, sie hätten mich aus der Hölle befreit.

Da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich die Sichtweisen so sind. Die Wahrheit ist: Ostwestfalen ist meine Heimat, das Ruhrgebiet mein Zuhause. Manchmal fehlt mir meine Heimat (gerade jetzt, wo die Laterne-Singen-Zeit vor der Tür steht), aber ich mag mein Zuhause auch sehr. Das funktioniert beides. Ich habe eingesehen, dass im Ruhrgebiet nicht nur Vollasis rumlaufen. Lustigerweise ist es aber wirklich so, dass die schäbigsten Menschen, die man sich so vorstellen kann, immer genau dann die Straße betreten, wenn ich dort mit Besuch von Außerhalb langlaufe. Die glauben mir kaum noch, dass es hier auch normale Menschen gibt. Gibt es aber. Wirklich. Witzige, attraktive, kluge, freundliche Menschen.

Das musste ich halt auch erst lernen. Menschen sind nett, sogar fremde. Ruhrschnellweg ist ein Euphemismus. Auf Halden ist es immer windig. Auf der Rüttenscheider Straße in Essen kann man leichter einen Parkplatz finden als im Kreuzviertel von Dortmund. Revierderby ist die perfekte Möglichkeit um mal samstags zu Ikea zu fahren. Fußball ist Gott. Nein, Fußball ist mehr als Gott. Mettbrötchen geht immer. Im Pott is schön.

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Und manche Dinge ändern sich halt nicht. Ich trag immer noch Pölter, esse Schlickersachen und schlüre von der Arbeit nach Hause. Ich habe einen Arminia Bielefeld-Aufkleber auf dem Auto. Es fällt mir manchmal schwer, mit Fremden warm zu werden. Ich vermisse die Laternen-Kinder, das hätte ich nie gedacht.

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Ich mag Dortmund. Ich mag es, am Rand von Asche-Fußballplätzen zu stehen. Ich mag den Phoenixsee, den Westfalenpark, das U, die Kuhbar, die Schaukeln an der Kampstraße. Ich mag meine Nachbarschaft, den Hafen und den Blick auf die Skyline. Mittlerweile finde ich mich fast überall in der Stadt einigermaßen zurecht (und das Navi hilft ja sonst auch) und liebe immer noch die U-Bahn – vorausgesetzt, sie bleibt nicht einfach stehen und fährt nicht weiter. Ich teste weiterhin gerne neue Cafes/Kneipen/Restaurants. Und der Anblick vom Florian in der Abenddämmerung macht mich auch immer noch glücklich.

Vielleicht ist die Stadt gar nicht so entscheidend. Wichtig ist, was man daraus macht. Oder was sie aus dir macht.

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Kategorien: Hometown Blues, me, myself & I | 13 Kommentare

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13 Gedanken zu „2 Jahre Pott – Party & Konfetti!

  1. Herzlichen Glückwunsch. Gut, dass wir dich gerettet haben :)!

  2. Miss James

    🙂

  3. Hast du sehr schön gesagt. Ich finde deine Sicht auf dein Zuhause sehr schön. Wenn man hier aufgewachsen ist kann man das ja nur schwer so differenzieren ;o)
    Alles liebe zu deinem „Pottgeburtstag“

    Liebe Grüße, Carmen

  4. Miss James

    Vielen Dank!

  5. Sehr schön geschrieben!
    Habe vor Wochen auf Jubiläum gefeiert.
    Happy pottbirthday! 😉

  6. Herzlichen Glückwunsch!

    In sechs Wochen haben wir hier auch Zweijähriges und ich kann das, was du schreibst, sehr gut nachvollziehen. Auf der einen Seite fühl ich mich sehr wohl und hab mich eigentlich auch von Anfang sehr wohl gefühlt und freue mich immer, wenn ich in den Essener Hauptbahnhof einfahre oder wie jetzt abends vom Wohnzimmerfenster die Essener Skyline leuchten sehe.

    Auf der anderen Seite gibt es für mich immer noch nichts Schöneres wie über die Hohenzollernbrücke übern Rhein zu fahren und den Kölner Dom vorbeiziehen zu sehen.

    Man kann halt mehrere Wohlfühlorte haben, ob man die jetzt Heimat, Zuhause oder wie auch immer nennt, ist da ja fast egal.

  7. Miss James

    Wohlfühlorte ist ein sehr schöner und passender Begriff!

  8. Wie schön, dass es dir hier so gut gefällt – Glückwunsch!

    Aber warum fehlen dir die Laternenkinder? Gibt es in Dortmund keine?
    In Mülheim wird auf jeden Fall gesungen und Sankt Martin reitet durch die Stadtteile und die Kinderkes hinterher und so.

  9. Miss James

    Ach, hinter nem Pferd herlaufen mag ja ganz nett sein. Aber Laternesingen rockt doch erst, wenn man von Tür zu Tür geht, singt und dann dafür einen Haufen Süßigkeiten einsackt 😉 Und das fehlt mir, dass es an der Tür klingelt, man in leuchtene Kinderaugen schaut und ihnen Schlickersachen schenkt. Hach.

  10. Äh, achso, das meinte ich auch, das machen die Kinder hier auch. Die Nummer mit dem Pferd ist halt noch zusätzlich.
    Letztes Jahr habe ich mal einen Blogeintrag zu Sankt Martin geschrieben (http://bestmade.wordpress.com/2011/11/11/ssinter-mates-oder-der-heilige-martin/), wir haben nämlich in Mülheim ein eigenes Lied. In Mülheim heißt Sankt Martin auf Mölmsch Platt „Ssinter Mätes“.

  11. Miss James

    Meh…hier in Dortmund macht das keiner und bisher habe ich nur große Wunderaugen gesehen, wenn ich davon erzählt habe 😉 Traurige Kinder wohnen hier *hust*

  12. Ich vermiss die Singkinder auch.

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