12. Dortmunder Museumsnacht – die Nacht, in der ich schwarz sah

Nachdem mir die Museumsnacht im letzten Jahr so gut gefallen hat (Und ich erinnere mich, dass wir da noch bis spät abends im T-Shirt rumlaufen konnten), war schnell klar, dass es auch 2012 eine Wiederholung – besser eine Fortsetzung – geben soll.

2011 sind wir erst spät losgekommen, waren lange im U, beim Feuerwerk und noch in der Petrikirche, wo nachts Tango getanzt wurde. Das war schön, aber 2012 wollte ich gern noch mehr schaffen. Aber es war schon vorher klar, dass ein Abend niemals ausreicht, um alles zu sehen, was man möchte. Eine Zeitmaschine wäre toll. Oder eine straffe Organisation mit einem minutengenauen Zeitplan, den man vorher erstellt. Beides ist utopisch.

Gestartet wurde dieses Mal bei der Kokerei Hansa, da war ich vorher noch nie. Zielsicher haben wir es natürlich geschafft, zwischen zwei Vorstellungen (von was auch immer) anzukommen. Eine Führung wäre möglich gewesen, die hätte uns aber zu lange gedauert. Also schauten wir uns einfach so ein bisschen um und genossen die Kombination blauer Abendhimmel, Sonnenuntergang und angerosteten Industrieanlagen.

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Und schauten noch in der Turbinenhalle rein, wo später noch eine Lesung stattfinden sollte. Hmmm..Maschinenhallenduft. Aber bis zur Lesung wollten wir dann nicht mehr warten. Wurde langsam auch kalt und wir hungrig.

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Also zurück in die Stadt, stärken und dann fast pünktlich in der Reinoldi-Kirche zur Lesung meines Kindheit-Idols: Christoph von der Sendung mit der Maus.

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Der zeigte in der überfüllten Kirche (wir saßen im Seitengang auf dem Boden, das macht man ja auch nicht jeden Tag) einige Alltags-Wunder und ließ dabei die Kinder staunen – und uns auch. Leider war die Akustik in der Kirche nicht ganz passend, zumindest hatte ich ab und an Schwierigkeiten, Christoph zu verstehen. Schade. Genug Fans waren jedenfalls da: bei der anschließenden Signierstunde hatte ich Sorge, dass er von der Meute überrannt wird. Toller Mann.

Was wir dann auch verpasst haben: die Physikanten im DEW21-Kundencenter. Wir sind trotzdem hin, und schauten uns eine afrikanische Trommel/Artisten-Gruppe an. Da war dann die Kälte schnell vergessen und das lag nicht nur daran, dass man im Kundencenter kaum noch ein Bein an die Erde bekam. Die artistischen Kundstücke zu den Klängen der Trommeln ließ kaum jemanden still stehen. Und Respekt, das waren mal Artisten. Da konnte man gar nicht so schnell hinschauen.
Segway fahren konnte man da übrigens auch, aber die Schlange war unendlich lang. Schade.

Dann lieber zum traditionellen Feuerwerk. Ich steh auf Feuerwerk und war begeistert. Eine gute halbe Stunde in den Himmel schauen.

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Eine Fußbodenheizung wäre auf dem Friedensplatz nicht schlecht gewesen. Langsam wurde es wirklich frisch, das Feuerwerk war meiner Meinung nach auch schlechter besucht als 2011. Aber es war klarer Himmel, der Vollmond leuchtete herunter und ich finde, so eine halbe Stunde kann man mal durchhalten.

Nach dem Feuerwerk ist das meiste der Museumsnacht schon vorbei, ein paar Sachen laufen dann aber noch. Unsere letzte Station war ein Dunkelcafe. Eine Aktion des Blindenvereins, wo man eine dicke, blickdichte Schlafbrille bekommt und dann quasi blind ist. Fotos gibt es also nicht, denn für etwa 45 Minuten sah ich schwarz. Dunkelheit. In einer Art Polonaise gehen wir von der Straße rein ins Theater Fletch Bizzel. Im Gänsemarsch über den Innenhof und dann drinnen noch eine Treppe hoch. Mir taten nach der Treppe die Zehenspitzen weh, weil ich immer vor die nächste Stufe ge“tippt“ bin um zu schauen, wie weit ich noch gehen kann. Dann wurde man einzeln an einen Tisch geführt. Ich habe erst mal gar nicht begriffen, dass ich an einem Tisch sitze. Und dann sind da fremde Menschen, man erstastet Hände, hört Stimmen. Hört überall Stimmen und verliert schnell die akustische Orientierung. Wie schwer es ist, zuzuhören, wenn man keinen Augenkontakt hat.

Es ist nach Mitternacht – es gibt Sekt. Blind eine Flasche öffnen, blind Gläser (die zum Glück aus Plastik waren) füllen, blind nach dem Glas greifen. Man hat es häufiger mal klappern hören, wenn die Gläser umgestoßen worden sind. Und ich glaube, wir hatten mehr Sekt auf der Tischplatte als in den Gläsern. Sekt ist natürlich auch fies, der schäumt ja direkt schön hoch. Egal.

Die angedrohtekündigte erotische Lesung fand ich etwas flach. Ich konzentrierte mich lieber auf mich und die Geräusche. Jemand isst Chips am Tisch. Das ist doch sonst nicht so laut. Irgendwo klingelt das obligatorische Handy. Wir trinken noch einen Sekt. Hoffentlich ist der nicht rosa.

Später dann Licht. Der Raum sieht ganz anders aus als ich ihn mir vorgestellt hatte. Viel kleiner. Und der ewig lange Weg über den Innenhof sind nur maximal 10 Meter. Unglaublich, wie sehr sich die komplette Wahrnehmung verändert, wenn man nichts sehen kann.

Auf dem Nachhauseweg bin ich froh, dass ich sehen kann. Was wäre die Museumsnacht, wenn man alles dunkel wäre?! Vermutlich nicht mal halb so schön. Ich freu mich über mein Augenlicht. Und auf die Museumsnacht 2013.

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Kategorien: Entdeckt & Gesehen, Hometown Blues | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „12. Dortmunder Museumsnacht – die Nacht, in der ich schwarz sah

  1. Witzig, wir saßen bei Christoph auf der anderen Seite des „Altars“. 🙂

  2. Miss James

    Das habe ich bei dir auch festgestellt 🙂 Aber die Kirche war einfach zu voll, so dass ich mir gar nicht groß die Mühe gemacht habe, überhaupt nach irgendwem Ausschau zu halten. Schade 🙂

  3. Das mit der Dunkelnummer wäre auch was für mich gewesen. Ich würde auch unheimlich gerne mal in ein Dunkelrestaurant gehen…auch wenn die nicht den besten Ruf haben was die Speisekarten anbelangt. Aber in erster Linie will ich da auch hören, fühlen, denken, tasten…und ob ich dann ein suuuuper tolles Lekkilekki kriege oder nicht, finde ich dabei glatt zweitrangig.

  4. Dunkelrestaurants sind klasse, war diesen Sommer noch in einem. Ist wirklich spannend, wenn man versucht zu schmecken, was man da grade isst. Nicht so schön, wenn ein lebendiger Aschenbecher mit Auswurfhusten am Nachbartisch sitzt und dabei die totale Antihaltung hat. Aber trotzdem echt empfehlenswert! Und das Essen war in unserem Fall auch gut. Nach viel Rumschieberei mit der Gabel, von der alles wieder runtergeplumst ist, bevor es meinen Mund erreichte, habe ich dann einfach mit den Fingern gegessen. Sieht ja keiner! 😀

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