Ich habe euch was mitgebracht: Hass! Hass! Hass!

Konzertbesuche gehören zu meinem Leben. Ich liebe es. Wären da nicht die anderen Konzertbesucher. Folgende zum Beispiel:

1. der Quatscher – trifft auf Konzerten immer Freunde, die er offenbar Jahrzehnte nicht gesehen hat. Er nutzt die Zeit zum ausführlichen Austausch in voller Lautstärke.

2. der Tänzer – ein winzig kleiner Club, ausverkauftes Haus. Der Tänzer bewegt sich trotzdem, als wäre er ganz allein auf dieser Welt. Vorsicht beim Trinken! Die Kombination von deiner Bierflasche und seinem Ellenbogen kann Zähne kosten.

3. das „Seht her! Hier bin ich!“-Mädchen – scheint nicht viele Freunde zu haben. Oder einfach ADS. Dieses Mädchen (denn es sind immer Mädchen) macht vor der Bühne gern verrückte Dinge. Hauptsache, sie fällt auf. Bemerkenswert dabei sind ihre Blicke, die immer wieder abchecken, ob sie auch wirklich jeder bemerkt hat.

4. der Hobbyfotograf – fotografiert mit Blitz und wundert sich, dass auf den Bildern nur stark überbelichtete Hinterköpfe zu sehen sind.

5. der Freihändige – erträgt es nicht, seine leere Flasche in der Hand festzuhalten und stellt sie auf dem Boden ab. Mit der Folge, dass jeder davor läuft. Gerne bei Konzerten von leisen Singer-Songwritern.

6. die Stadtgröße – ist mindestens 1,95 m groß, taucht aus dem Nichts aus und stellt sich dann vor mich.

7. die Haartollen – haben wunderbare, lange Haare. Wirklich. Wunderschön. Um das zu zeigen, schütteln sie das Haar gerne und fahren sich durch die Löwenmähne. Besonders, wenn sie direkt vor einem stehen. Dagegen helfen nur zwei Dinge: Feuerzeug oder Kaugummi.

8. das Knutschpärchen – besonders doof, wenn man auf Lücke hinter ihnen steht und sie einem dann durch Knutschorgien die Sicht rauben. Aber auch sonst eher irritierend. Mein Highlight-Knutschpärchen stand mal im Osnabrücker Rosenhof neben mir. Zitat: „Es ist ja noch so früh, da können wir ja Zuhause noch auf dem Sofa kuscheln und Kekse knabbern.“ Ehrlich wahr!

9. der Gröhler – ruft alles, was ihm durch den Kopf geht, einfach so rein. Das ist leider nur selten gehaltvoll.

10. Der Münsteraner – vereint alle schlechten Eigenschaften in einer Person. Schade, dass ausgerechnet in dieser Stadt so viele schöne Konzerte sind.

Wie lange überwiegt noch die Liebe zur Musik, die Liebe zu den Tönen. Es gab tatsächlich schon Konzerte, wo mir das Publikum den Abend versaut hat. Aber noch ist dieses Gefühl stärker. Das Gefühl, wenn da deine Band vor dir steht und deine Lieder spielt. Wenn das Licht ausgeht. Wenn die ersten Takte erklingen. Wenn man es schafft, die anderen Menschen auszublenden.

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Kategorien: I hope, I think, I know | 16 Kommentare

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16 Gedanken zu „Ich habe euch was mitgebracht: Hass! Hass! Hass!

  1. Sehr guter Eintrag! In letzter Zeit sind mir besonders die Quatscher aufgefallen. Geben viel Geld aus, um den Künstler zu sehen und murmeln dann die ganze Zeit durch. Kein Respekt gegenüber dem Künstler und den anderen Gästen.

    Naja und die Stadtgröße… das Glück hat wahrscheinlich jeder 😉

  2. Den Quatscher hatten wir zwei Mal schon. Einmal in Dortmund beim Konzert von Leonard Cohen direkt hinter uns. Ich mein, da bezahlt man doch nicht 70 Euro pro Karte, damit man dann von hinten zugelabert wird und die Musik nicht mehr hört. Gleiches auch beim Paul-Simon-Konzert in Mainz, wieder direkt hinter mir, die haben sich einfach die ganze Zeit unterhalten. Da hab ich mich aber tatsächlich mal umgedreht und gesagt, dass sie das vielleicht mal lassen könnten. Beim nächsten Lied sind sie aufgestanden und gegangen. Immerhin.

    Ich hätte auch noch anzubieten: Die Platzfreihalter. Gerne bei größeren Gruppen, stehen vor einem, so dass man nichts sehen kann und achten peinlichst genau darauf, dass selbst, wenn jemand aus der Gruppe mal auf Klo muss, keiner eine Chance hat, sich ein bisschen dazwischenzudrängeln, um vielleicht auch mal auf die Bühne zu gucken.

  3. Ich lach mich schlapp, ich kenne sie alle! Sehr cool war da die Reaktion von Wallis Bird bei einem kleinen Konzert in Duisburg dieses Jahr. Irgendwelche Leute quatschten und quatschten und wollten nicht aufhören. Wallis ging einen Schritt neben das Mikro und sang leise weiter in der Hoffnung, die Typen würden es checken. Natürlich nicht. Also sprang sie von der Bühne, ging samt Gitarre singend durchs Publikum, direkt auf die quatschende Gruppe zu und sang sich die Seele aus dem Leib. SO toll!

  4. Oh! Und die Handygucker! Die regelmäßig ihr Handy rausholen und wichtig draufgucken. Worauf warten die? Kommt da gleich ein wichtiger Anruf? Müssen die noch ins Meeting?

  5. Es gibt auch Musiker wie Bernd Begemann, die werfen die Quatscher einfach raus. Ein bisschen hart, aber ich kann es verstehen.

  6. Ich liebe Punkt 10.

  7. HerrG

    Stimme in allen Punkten zu. Allerdings fehlt mir der Säufer. Die Typen, die sich die Birne zuknallen und eigentlich kaum was vom Konzert mitbekommen.

    Ich glaube übrigens, der Quatscher steht immer irgendwie in meiner Nähe. 🙂

  8. Der Münsteraner ist übrigens vollkommen fußballunabhängig in dieser Liste gelandet. Es könnte nur sein, dass mich nach dem nächsten Konzert in dieser Stadt die Kripo sucht. Und so ist es: ich werde in MS nicht mehr auf Konzerte gehen. Soweit ist es schon.

  9. Haha!
    Sehr gut zusammengefasst.
    Ich gehe nicht so oft auf Konzerte – aber den einen oder anderen Besucher habe ich dennoch noch zu gut vor Augen

  10. Ich begegne auf jedem Konzert der obligatorischen „Behinderten“-Gruppe. 3-10 reizende Leutchen, die sich unheimlich über das Konzert freuen und mitklatschen. Nur immer genau neben dem Takt. Und immer im 4/4-Takt. Auch bei Downtempo-Liedern. Dazu geben sie gutterale Laute von sich. Ich bin Sozialpädagogin und soll das dann nicht schlimm finden. Ist aber schlimm!

    Guter Post! Hab ich gerne gelesen 🙂 Ich LIEBE Listen!

  11. ann

    Fantastisch! Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, nicht nur, aber doch auch im Besonderen mit Punkt 10. Da hab ich auch nur schlechte Erinnerungen dran. Und ich hab Quatschern ja auch schon mal gesagt, dass sie nach Hause gehen sollen. Nur doof, dass es sich dabei um Menschen aus dem Freundeskreis gehandelt hat. 😉

  12. Super!

  13. Der Münsteraner…
    Da hab ich aber geprustet vor Lachen! Eigentlich erfordert diese Aussage eine eigene Studie… Ich hab noch nie dort ein Konzert erlebt… Ich rege mich über die Typen nur so lange auf, bis die Band anfängt zu spielen. Danach haben sie meine vollste Aufmerksamkeit und ich vergesse meist alles andere um mich herum…:)

  14. Großartig!!

  15. Der Hobbyfotograf wirkt übrigens besonders albern, wenn er mit einem iPad Fotos macht.

  16. Simone

    Ich hätt da auch noch einen, den ich-schüttel-nicht-nur-mein-Haar-sondern-auch-meinen-Bierbecher. Na ja – Bierdusche soll ja gut für die Haare sein…

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