Fußballmädchen

Ich liebe Fußball. Bundesliga, Champions League, Europa- und Weltmeisterschaften. Toll. Samstags möchte ich gern Sportschau gucken, noch lieber geh ich in Stadion. Ich schau mir ja sogar Kreisligaspiele an. Und ich kann mich einfach nicht von meinen Schienbeinschonern trennen. Von damals, als ich mal ne Zeitlang selbst ein bisschen gekickt habe.

Manche finden Fußball doof, gerade im Stadion. Schreiende Menschen, betrunkene Vollproleten. Und dass nur, weil ein paar Menschen mit einem Ball über einen Platz laufen. Schwer verständlich. Und ich stehe da, höre die Hymne und bekomme Gänsehaut. Ja, die Stimmung im Stadion ist oft wenig Kuschelkurs, der Ton ist etwas rauer. Da wird geflucht, gepöbelt und geschrien. Ich fluche selten und pöbele so gut wie gar nicht. Und trotzdem stören mich die anderen Fans eher nicht. Allein rassistische / sexistische / sonst wie geartete Beleidigungen gehen gar nicht. Niemals. Absolut null Toleranz. Ich singe auch nicht alle Fangesänge mit. Manche sind mir einfach zu doof. Dann lass ich es halt. Eher unsensibel finde ich es ja auch, wenn Deutsche Fans in einem osteuropäischen Stadion „Sieg“ skandieren. Fühlt sich nicht so gut an.

Was mich dagegen gar nicht stört: Flaggen und Fähnchen. Ich selbst besitze überhaupt keine Deutschlandflagge (auch kein Trikot und ich gucke Fußball auch am liebsten in kleiner Runde Zuhause) und würde auch nie sowas an mein Auto anbringen. Aber mich stört es nicht, wenn andere das machen. Solange das alles im Fußballfan-Rahmen bleibt: sehr gerne. Warum nicht? In
meinem Lieblingsnachbarland hängt vor jeder Haustür die Landesflagge. Und dass die Probleme mit Rassisten haben ist ja auch nicht unbekannt. Trotzdem käme da niemand auf die Idee, ein Stück Stoff als bedrohlich oder verwerflich zu finden. Die meisten Fans sind ja auch gar keine großen Fans vom Land Deutschland, von der Nation. Sondern von der Fußballmannschaft. Und ich fänds
kompliziert, wenn man jetzt für jede Nationalmannschaft noch eigene Fahnen und Farben kreieren würde. Und irgendwie darf man ja seine Unterstützung noch irgendwie nach außen zeigen, oder? Wenn ich ein Oasis-Shirt trage, dann bin ich ja nicht auch gleich ein Britpop-„Nazi“ (Ok, bin ich schon irgendwie).

Natürlich ist es schwierig, mit so einer geschichtlichen Vergangenheit. Und natürlich sind da bestimmt auch ein paar Oberidioten dabei, die Fußball und solche Anlässe für die Verbreitung von Nazigedankengut nutzen. Aber…es ist doch nur Fußball! Manchmal glaube ich, die, die sich darüber aufregen, machen einen größeren Zirkus darum, als die, die einfach nur feiern wollen und die Europameisterschaft genießen.

Jetzt noch etwas mehr als zwei Wochen und dann verschwinden die Fähnchen wieder. In zwei Jahren geht das Gemeckere wieder los. In diesen zwei Jahren möchte ich gern (mindestens) einen Aufstieg von Arminia Bielefeld feiern. Ich möchte, dass sich alle schwulen Bundesligaspieler outen und es keinen interessiert (weil es egal sein sollte, wer hier wen liebt). Ich möchte, dass Hooligans von sich selbst genervt sind (wahlweise: an ihrem eigenen Erbrochenen ersticken, aber das ist schon wieder
ein so böser Wunsch!) und dass ich selbst ein paar schöne Fußballspiele (welche Liga auch immer) in diversen Stadien (Stadien als Mehrzahl von Stadion, nicht von Stadium) erleben darf.

Bitte. Danke.

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Kategorien: Football's coming home | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „Fußballmädchen

  1. Die einzigen Fahnen die mich stören sind die Kondome am Autopiegel und diese Dinger am Autofenster. Welcher Nation ist mir da egal. In dem Fall sind alle hässlich. *g*

  2. „Ich möchte, dass sich alle schwulen Bundesligaspieler outen und es keinen interessiert“ – Ich auch :)!

  3. Pingback: Too much information - Papierkorb - Guten Morgen

  4. Genau und bitte Danke! Ich unterschreibe das blind … ich geh zwar selten bis gar nicht zu kreisliga spielen, aber der Rest stimmt genau so.

    Bitte Danke

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  6. Pingback: Too much information - Moin - Guten Morgen

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