Nacht.Leben

Als Indie-Mensch in Dortmund weggehen ist gar nicht soooo einfach. Vor allem, seit die wunderbare, großartige, alles bisherige in den Schatten stellende Party-Reihe „Empire Weekend“ die Segel gestrichen hat (die Schatten waren wohl doch nicht so groß). Du magst kein Electro? Dann bleib besser gleich Zuhause. Denn das fehlt dieser Stadt: das alte Cosmotopia ein Indie-Club, in dem mit Konzept aufgelegt wird.

Weil man aber trotzdem mal ausgehen möchte, nimmt man Kompromisse in Kauf. Und das bedeutet meist, dass man in einem völlig überfüllten Club zwischen jungen Hüpfern steht (von denen sich viele leider auch noch wie Sau benehmen) und dem DJ bei Auflege-Tourette zuhört. Da wird dann wild gewürfelt alles durcheinander gespielt. Oder man geht zu Parties, wo man halt nur einen Teil der angekündigten Musik mag, das geht ja auch. Irgendwie bekommt man die andere Zeit schon überbrückt. Irgendwie.

Gestern war eine „Get Addictet“-Party in Dortmund, wunderbar, da kann man ja mal hingehen. Ich mag schon die Vorbereitungen. Umziehen, aufhübschen, nebenbei fernsehen oder Musik hören, schon mal das erste Bier öffnen (und gestern sogar mit dem Highlight: feststellen, dass noch Gin, Tonic und Eiswürfel im Haus sind), dann mit der Bahn voll angetrunkener Menschen in die Stadt fahren, dort noch ein „Zwischengetränk“ einnehmen und dann zum Club.

Türsteher in Dortmund find ich eher kritisch. Ich Naiv-Mädchen denk ja so „ein kleiner Indie-Club…da passiert doch nichts…das sind doch alles friedliche Menschlein“ (ich glaub, in so Ballermann-Diskotheken geht das ganz anders ab) und da passiert auch nichts. Ob das jetzt so ist weil (oder obwohl) da so Rocker-Kleiderschränke die Türen bewachen, weiß ich nicht. Auf jeden Fall haben die in der Regel nicht gerade vorher eine Knigge-Schule besucht. Also, ich hab schon netteres Türpersonal kennen gelernt.

Gestern Nacht (streng genommen heute Morgen) warf sich so ein Schrank dann in unseren Weg. „Ihr wisst schon, was hier heute aufgelegt wird?“ Blick des Todes. Ich sach dann erst mal gar nichts, ich eingeschüchtertes Häschen. Zum Glück findet die Begleitung die passende Antwort. „Ähmmm…ja! Wieso?“ „Hier wird heute nur Rock aufgelegt. Nicht, dass sich jemand später beschwert!“

Ich würde mich niemals trauen, mich bei einem der Türsteher über irgendwas zu beschweren, aber das verrate ich nicht. Mit der Antwort „Na, deswegen sind wir ja hier“ öffnet sich dann auch die Tür für uns, und da uns Gossip entgegenschallt, freuen wir uns, dass wir wohl tatsächlich auch (für uns) gute Musik erwarten können.
Aber was ist denn da los? Ist „Rock“ jetzt das neue Aussätzig-sein? Sind wir jetzt wilde Freaks, vor denen die Welt gewarnt werden muss? Gibt es dazu Warnhinweise, wie auf Zigarettenschachteln? Und überhaupt: nach einer halben Stunde 90er Jahre Krach sind wir wieder auf der Tanzfläche, weil dann Indie-Pop, äh, Rock natürlich, läuft. Also, spätestens bei Gotye bin ich dann kurz davor, mich bei den Türstehern zu beschweren, weil kein Rock gespielt wird. Aber ich beschwere mich ja nicht. Um Gottes Willen. Nicht bei diesen Schränken.

So richtig glücklich wird man mit solchen Kompromissen nicht. Trotzdem ist Zuhause bleiben ja auch keine passende Alternative. Es wird weiter gesucht und weite versucht. Nacht erleben. Ich wünschte, ich würd mich für Electro interessieren.

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Kategorien: Augenzwinkern, Hometown Blues | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „Nacht.Leben

  1. Dann ist das eine Kategorie, in der München mal vor Dortmund in der Tabelle steht: Indieparties! 🙂

  2. Stimmt, da kann München was. So ein Laden wie das Cord fehlt in Dortmund wirklich!

  3. Miss James

    Jaja, sonst ist München ja nicht so lebenswert 😉

  4. Jaja und Little James ist der beste Oasis-Song ever! 😉

  5. Ich weiß genau was Du meinst. Mein Tanzbeinschwung ist auch Opfer des Electro-Hypes geworden. Und allein schon der WUNSCH nach Indie und Co. fühlt sich beinah alt, schal und sehr, sehr „out“ an. Ein Trauerspiel!

  6. Miss James

    immerhin gibt es Mitleidende…kleiner Trost.

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