Tür an Tür mit Familie Flodder

Es gibt so Momente im Leben, da fühlt man sich gut. Und dann gibt es Momente, da fühlt man sich besser. Besser habe ich mich diese Woche gefühlt, als ich beim Einkaufen Familie Flodder traf. Familie Flodder wohnt zwei Etagen unter mir und ich warte täglich darauf, dass ein Kamerateam auftaucht, um eine Reality-Soap bei ihnen zu drehen.

Es ist eine Drei-Generationen-Familie, die dort wohnt. Die Mutter, so etwa 45, sonnenstudiogegerbt, blondiert, ausgezehrt, Kettenraucherin und mit einem Faible für sehr kurze Shirts. Die Figur dazu war sicherlich durchaus mal vorhanden, die Schwerkraft zieht allerdings gerade so viel nach unten, dass bauchfreie T-Shirts nicht mehr soooo vorteilhaft sind.
Die Tochter, so ungefähr 25, doppelt so breit wie ihre Mutter. Und selber Mutter, von einem etwa 8jährigen Ritalinjungen. Der ist tatsächlich schwer aufmerksamkeitsgestört, was vor allem die Nachbarn in der direkten Nähe erfreut. Ich bin ja froh, dass zwischen Familie Flodder und dieser Wohnung hier noch ein Geschoss „Puffer“ ist. Aber wenn ich manchmal auf dem Balkon stehe und runterschaue, dann sehe ich, wie auf ihrer Küchenfensterbank (außen) Toastscheiben liegen. Zudem haben sie eine gruselige Küchentapete und das Auto ist ein fahrbarer Aschenbecher. Und die Nachbarn unter uns beschweren sich ständig über den Lärm aus der Wohnung.

Dienstag Abend im Supermarkt. Familie Flodder und ich treffen aufeinander. In meinem Einkaufswagen befinden sich Nudeln, Obst und Gemüse. Äpfel, Pflaumen, Zucchini, Tomaten, Paprika, eine Aubergine. Dazu Vollkornbrot und Joghurts. In ihrem Wagen Tiefkühlpizza, Cola, Chips und Fleischwurst.

Ich kann nicht anders. Ich muss mich in solchen Momenten einfach gut fühlen und mir dieses Gefühl bewahren. Dieses „Pöh, ich übrigens, ich weiß, wie man sich ausgewogen ernährt. Und von mir ist nicht die gesamte Nachbarschaft genervt. Und ich würde übrigens auch niemals im Auto rauchen wenn dort noch ein Kind sitzt (also, ich als Nichtraucherin ja eh nicht!)“

Hoffentlich treffe ich die nie, wenn ich mal einen Schokolade-Chips-Bier-Einkauf tätige.

Advertisements
Kategorien: Augenzwinkern | 3 Kommentare

Beitragsnavigation

3 Gedanken zu „Tür an Tür mit Familie Flodder

  1. Vor solchen Nachbarn gruselt es mich. Aber für solche Großfamilien sind die Wohnungen hier zu klein.
    Seit aber die alten Leute in meinem Haus weggestorben oder ins Altersheim gezogen sind, habe ich mit anderen Nachbarn zu kämpfen. Überwiegend jüngere Menschen aus Osteuropa, wo keiner grüßen, und leise sein kann. Wenn da Nachts nach 22 Uhr noch die Bohrmaschine geht, scheint das normal zu sein.

  2. Miss James

    wie die da wohnen / leben können ist mir ein Rätsel. So klein sind die Wohnungen zwar nicht, aber auch nicht riesig. Es wird da nicht jeder sein eigenes Zimmer haben können.

  3. Elfriede Püschel

    Wenn man immer nur auf andere Leute, von denen man meint, man sei etwas Besseres sei als sie, dann blickt das Schicksal auch irgendwann auf einen herab und lächelt abschätzig 🙂 Dir, liebe/r Blogschreiber/in wünsche ich mehr Objektivität und Toleranz,gerade für solche „Flodder-Familien“.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: