time for heroes

Einst im StudiMeinVZ (das ist das, wo früher alle waren, vor Facebook), war ich mal in der Gruppe „Für eine Reunion der Libertines würde ich mir den linken Arm abschlagen“. Oder so ähnlich zumindest. Verdammte Tat, ich hatte es nie geschafft, die Libertines live zu sehen. Dabei liebe ich diese Musik. Kein Weltverbesserungs-Indiepop, sondern ein bisschen laut, ein bisschen dreckig, ein bisschen verzweifelt, ein bisschen euphorisch. Ein bisschen mehr „Scheiß doch drauf“. Die Libertines. Pete Doherty wurde dann berühmt als der Boyfriend und Drogendealer von Kate Moss. Man sagt nicht „der Musiker Pete Doherty“, sondern „der Exfreund von Kate Moss“, dieser Drogentyp. Und dann ist da ja noch Carl Barat. Der bessere Musiker.

Das Forum in Bielefeld ist ein Laden, den ich mit einigen besonderen Konzerten in meinem Leben verbinde. Ich sah dort zum ersten Mal Friska Viljor, damals noch als Support-Act, vor einer handvoll Leuten. Ich sah dort Bosse bei einer Jägermeister-Rockliga-Tour, wo er vor ungefähr zwanzig Gästen stand und sich mangels volljähriger Gäste (das waren ungefähr sieben) selbst fast zwei Flaschen Jägermeister in den Kopf schraubte. Ich traf dort die Shout Out Louds Backstage, was so in etwa der unvergesslichste Moment in meinem Leben ist.

Carl Barat. Das Forum. Das muss ich einfach miterleben. Dafür fahre ich dann auch unter der Woche nach Bielefeld, über hundert Kilometer, in diese Stadt, die es ja angeblich gar nicht geben soll. Stimmt aber gar nicht. Nur den Forum-Parkplatz gibt es nicht mehr so richtig. Egal.

Nach der schon sehr guten Vorband entzückte schon der Bühnenumbau. Stellen die da tatsächlich einen Kontrabass auf die Bühne! Und noch viel besser: als die Band die Bühne betritt, hat die Frau ein Cello in der Hand! Cello und Kontrabass! Und alle stilvoll in schwarzen Anzügen und weißen Hemden bekleidet. Außer Herrn Barat, der trug ein Shirt aus dem Jahre 96 – ungefähr 4532 Mal gewaschen – und eine Lederjacke. Und sieht im Ganzen auch so aus als würde er in einem Monty Python-Film mitspielen. Und trinkt mehr Alkohol als ich in einem Monat. Und kaut an den Fingernägeln. Und spielt schon im April das Konzert des Jahres.

Es macht mehr als nur Spaß. Es ist G-Ö-T-T-L-I-C-H! Neue Lieder, alte Libertines-Hits und dazwischen noch Stücke seiner letzten Band Dirty Pretty Things. Drei Bands, ein Konzert, sozusagen.
Am Ende spielt er dann noch auf Zuruf. Plaudert charmant mit dem Publikum (leider versteht ihn so ziemlich niemand, weil er so unglaublich undeutlich spricht, aber er hat bestimmt was Nettes gesagt) und geht auf die Musikwünsche aus dem Publikum ein. Nur Summer of 69 hat er verweigert. Was ein Glück.

Soll so ein Konzert jemals aufhören? Das Herz sagt nein, der Verstand dann doch zähneknirschend ja. Und gute anderthalb Stunden später sieht Carl Barat das wohl auch so. Noch eine Tasse kaufen und dann nach Hause. Glücklich. Nach Worten suchend, die das wirklich beschreiben können.

Den linken Arm für eine Reunion der Libertines abschlagen? Och nö. Nicht mehr. Ich habe etwas viel besseres gesehen.

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Kategorien: our night out | Schlagwörter: | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „time for heroes

  1. Dann lag das mit dem undeutlich sprechen wohl doch an seinem Akzent.. Gut, dass er sich dann beim singen zusammen reißt 😉

    Summer Of 69 war glaub ich mein erstes Lieblingslied…

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