knipsfrei

Ich gehe ja gerne auf Konzerte. Und auch oft. Letzte Woche drei Mal. Das ist natürlich sogar für mich viel, aber so zwei Konzertbesuche im Monat sind es durchschnittlich schon. Man könnte fast sagen, dass auf Konzerte gehen ein Hobby ist. Eigentlich sogar mehr, es ist eine Leidenschaft. Ich mag diesen Moment, wenn vorm Konzert die Vorfreude steigt. Ich stöbere gerne durch die Merch-Artikel. Und ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich höre, dass das Publikum die Lieder mitsingt.

Das Publikum ist entscheidend. Es kann passieren, dass mir musikalisch das Konzert richtig gut gefällt, das Publikum aber alles kaputt macht. Zum Beispiel in Münster. Ich weiß nicht, was bei den Bewohnern dieser Stadt schief läuft, aber immer, wenn ich in Münster ein Konzert besucht habe, dann war ich genervt vom Publikum. Rumgerenne, Flaschengeklirre (weil man die leeren Flaschen ja unbedingt auf dem Boden abstellen muss, wo dann alle zwanzig Sekunden jemand, der ja unbedingt beim Konzert rumlaufen muss, darüber stolpert) und was ich am Schlimmsten finde: wenn sich Leute während eines Konzerts lautstark unterhalten. Es ist ja schön, wenn man zu so einer Gelegenheit vielleicht auch mal alte Bekannte wiedersieht, aber die Gespräche kann man doch vor und nach dem Konzert auch führen.

Ich erinnere mich, dass Olli Schulz mal bei einem Konzert (jaja, in Münster) wirklich wütend wurde, weil der Lärmpegel so hoch war. Ich konnte ihn verstehen, mir ging es an dem Abend ähnlich. Ich gehe doch auf ein Konzert, um die Musik zu hören und dem Künstler, der sich da mit Lampenfieber auf die Bühne stellt und seine Musik und seine Texte vorstellt, auch ein wenig Respekt zu zollen. Ich stehe da und bin verzückt während zwei Leute hinter mir sich gegenseitig von ihrem letzten Wochenende erzählen. Da sind Leute, die zwanzig Euro und mehr dafür bezahlen, dass sie sich dann vor Ort unterhalten und die Musik eher im Hintergrund läuft? Warum gehen die nicht einfach in eine Kneipe, das ist dann viel billiger? Und die nerven dann nicht die Leute im Publikum, die viel lieber die Musik hören möchten anstatt das Geschnatter anderer.

Was in den letzten Jahren enorm zugenommen hat ist das Fotografieren der Bands. Ist ja auch klar: während man früher noch den Fotoapparat am Eingang abgenommen bekommen hat, kann man jetzt einfach so mit der Kamera reinspazieren. Immerhin kann man ja mittlerweile auch mit den Mobil- und Smartphones so gute Fotos machen, dass es viel zu umständlich wäre, allen Zuschauern das abzunehmen. Noch vor ein paar Monaten übrigens fand ich es total überzogen, wenn Bands das Fotografieren nur bei beispielsweise den ersten drei Liedern zulassen. Oder gar ganz verbieten und ein paar finster aussehende Security-Typen darauf achten, dass das auch eingehalten wird.

Jetzt wünsche ich mir das manchmal. Ja, auch meine private Fotosammlung enthält unfassbar viele Band-Fotos. Doch mittlerweile zücke ich die Kamera kaum noch. Vielleicht habe ich die meisten einfach schon fotografiert. Vielleicht nervt es mich auch einfach so sehr, wenn ich während eines Konzerts auf hunderte bläulich schimmernde Displays schauen muss. Mittlerweile mache ich pro Konzert noch maximal drei Fotos und dann konzentriere ich mich wieder ganz auf die Band und die Musik. Deswegen bin ich doch schließlich da!

Positiv fiel da das Young Rebel Set-Konzert am Samstag in Köln auf. Ein einziges Mal sah ich mal eine Kamera aufblitzen. Herrlich, so eine freie Sicht zur Bühne. Nur die Musik und das Publikum. So soll das sein.

Advertisements
Kategorien: I hope, I think, I know, our night out | 6 Kommentare

Beitragsnavigation

6 Gedanken zu „knipsfrei

  1. Ich glaube die Leute aus Münster gehen auch gerne in den Ringlokschuppen auf Konzerte! *kanndichgutverstehen*

  2. ann

    Oh ja, an das Olli Schulz Konzert erinnere ich mich auch noch mit Grausen. Und an ganz viele andere leider auch. Verstehe das auch nicht, wieso Leute das machen. Manchmal bin ich kurz davor mir ein T-Shirt zu drucken: Auf Konzerten hält man die Klappe.
    hihihi… und ich erinnere mich auch noch daran, dass ich daaaaaaaaaaamals manchmal Einwegkameras gekauft habe, falls die Einlasskontrolle das Ding doch findet und einkassiert. 😉

  3. Ja mit dem Fotografieren ist echt nervig. Nicht nur, dass die Leute dann mal 1 oder 2 Fotos machen, nein, da wird das ganze Konzert durch dann geknipst. Und am Besten noch jedes zweite Lied abgefilmt. Unglaublich.

  4. tottinho

    Vielen Dank! Du sprichst mir aus der Seele. Manchmal habe ich das Gefühl, diese Quatscher suchen sich einen Platz in meiner Nähe aus. Fotografieren auf Konzerten kann ich genauso leiden. Ich habe selten wirklich gute Handyfotos gesehen. Warum versucht man dieses Konzerterlebnis mit einem schlechten Foto festzuhalten, anstatt das Konzert mal richtig zu erleben.

  5. Meinetwegen können ja auch alle ein paar Bilder machen. Mach ich ja auch ab und an. Aber dieses Dauer-Gefilme nervt wirklich. Und das Gequatsche auch. Menschen können schon merkwürdig sein.

  6. Pingback: Rock’n’Roll und die Hinternisse | Gorgmorg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: